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Balkan: Über eine Flutkatastrophe, die unbeachtet weitergeht

Aus dem FALTER 36/2014

Bericht: Joseph Gepp

Mitte Mai dominierte die Flutkatastrophe auf dem Balkan die Schlagzeilen. Das Hochwasser, das Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien heimsuchte, war die schlimmste Naturkatastrophe, die man dort jemals erlebt hatte. Zehntausende Betroffene flohen in Notquartiere, die Flut spülte sogar Minen aus den Balkankriegen aus dem Erdreich. Allerdings: Das Rad der täglichen Nachrichten dreht sich rasch weiter, heute spricht man kaum noch über die Flut. Dabei hat die Aufbauarbeit erst begonnen. Angesichts dessen hat der österreichische Arbeiter-Samariterbund eine undankbare, aber hochnotwendige Aufgabe übernommen: Helfer legen Schulen und Kindergärten im stark getroffenen Zavidovići in Bosnien trocken. Damit beugt man etwa Krankheiten durch Schimmel vor. Sechs Mitarbeiter sind in Zavidovići vor Ort. Die Zeit drängt: Nicht nur der Schulbeginn naht, auch die kalte Jahreszeit. 1600 Tonnen Hilfsgüter hat der Samariterbund bereits in betroffene Gebiete gebracht. Die Arbeit gehe extrem langsam voran, sagt Pressesprecherin Corinna Dietrich. Auch wenn sie heute niemandem mehr auffällt.

Spenden: Samariterbund. IBAN: AT97 1200 0006 5412 2001 BIC: BKAUATWW Kennwort: Fluthilfe Balkan

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Was passiert mit Landminen im Wasser, Frau Tscheinig?

Aus dem FALTER 21/2014

Interview: Joseph Gepp

Schwere Überschwemmungen in Bosnien-Herzegowina spülen tausende Landminen aus dem Bosnienkrieg an die Oberfläche. Welche Gefahren drohen?, fragte der Falter Iwona Tscheinig von der NGO „Gemeinsam gegen Landminen“ (GGL).

Frau Tscheinig, bleibt eine Landmine aktiv, wenn sie fortgeschwemmt wird?

Leider ja – sogar wenn der Sprengstoff im Inneren feucht wird. Einige Minen sind durch die derzeitigen Überflutungen zwar explodiert, ausgelöst etwa durch Bewegung. Aber dabei handelt es sich nur um einen kleinen Teil.

Von wie vielen Minen sprechen wir überhaupt?

Schätzungen zufolge von 120.000 in ganz Bosnien-Herzegowina. Wie viele im Überschwemmungsgebiet liegen, das lässt sich noch nicht abschätzen. Jedenfalls sind nun neben Bosnien auch Kroatien und Serbien von der Gefahr betroffen, weil die Minen dort hingespült wurden.

Weiß man, wohin genau?

Eben das ist das Problem. Bisher hat man gewusst, wo in Bosnien Minen liegen. Jetzt ist die Arbeit von 15 Jahren zunichtegemacht. Viele Bereiche, die als Minengebiete galten, sind hinfällig geworden. Auch zahlreiche Minenwarntafeln wurden aus betroffenen Gebieten fortgespült.

Wie weit war die Entschärfung der Minen in Bosnien bis zur Überschwemmung schon vorangeschritten?

In Bosnien gibt es insgesamt 25 Minenräumfahrzeuge, die über dafür geeignete Gebiete fahren und Minen zur Explosion bringen. Dazu gibt es rund 100 Minensuchhunde. Zusammen mit Entminern suchen diese nach den Fahrzeugen das Gebiet nochmals ab; erst danach gilt es als sauber. Die Minenräumung in Bosnien hätte bereits vor fünf Jahren abgeschlossen sein sollen, doch fehlende Mittel haben die Räumung sehr verzögert.

Wie lange wird nun die Arbeit dauern?

Das lässt sich nicht abschätzen. Es ist aufwendig und hängt von verfügbaren finanziellen Mitteln ab. Eine Landmine zu verlegen kostet 30 Dollar – das Aufräumen 300 bis 3000 Dollar.

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