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Hardekkgasse: von U-Bahn-Durchsagen und vom Wesen der Wiener

Aus dem FALTER 32/2013

Glosse: Joseph Gepp

Intensive Beobachtungen des Verhaltens der Wiener haben uns zu der Erkenntnis verholfen, dass sie 1) alles Neue meist prinzipiell und inbrünstig ablehnen und 2) gern mit Vorwänden arbeiten, damit es nicht so wirkt, als wären sie immer gegen alles Neue.

Zum Beispiel in der U-Bahn. Dort war das Gejammer groß, als im Jahr 2012 die alte männliche U-Bahn-Stimme durch eine weibliche ersetzt wurde. Natürlich fand sich auch sogleich ein Grund für den Protest: Die U2-Station Hardeggasse klinge wie „Hardeegasse“, raunzten die Öffifahrer.

Nun stellen wir in der U-Bahn fest: Der Fehler wurde korrigiert. Man fährt jetzt in die „Hardekkgasse“ ein. Etwas viel K vielleicht, sonst aber richtig. Keine Sorge – es gibt 89 weitere Stationen. Dort lassen sich sicher Gründe finden, warum die neue Stimme immer noch fürchterlich ist.

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Eingeordnet unter Verkehr, Wien

Tatort U-Bahn: Wer passt im Untergrund auf uns auf?

Aus dem FALTER 3/2013

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Joseph Gepp

Das Kurioseste, was ihm jemals widerfahren sei? „Einmal hat eine Frau ihr Baby in der U-Bahn vergessen“, beginnt Harald Glassl, 48 Jahre. „Plötzlich stand sie vor dem Fenster der Stationsüberwachung, klopfte an die Scheibe und sagte: ‚Verdammt, der Kinderwagen steht noch drin‘.“

Glassl, Simmeringer, ist einer jener Wiener-Linien-Mitarbeiter, die in den Stationen nach dem Rechten sehen. Sein Revier ist die U3 Erdberg. 300 Leute arbeiten wie er in Wien. Seit in der U-Bahn Frauen vergewaltigt und auf die Schienen gestoßen wurden, ist ihr Job ins Gerede gekommen.

Acht Bildschirme mit Bahnsteigen und Rolltreppen erstrecken sich vor Glassls Pult. „Wenn was passiert, mach ich erst eine Durchsage durchs Mikro“, sagt er. „Und wenn das nicht hilft, muss ich eben eingreifen.“

Allerdings sei die Station Erdberg eine relativ ruhige, sagt Glass. Nur wenn in der nahen Arena die Konzerte enden – dann treiben hier „leicht illuminierte Gestalten“ Unfug.

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Wiens Umland-Öffis: von „Pendlerpaketen“ und U-Bahn-Träumen

Aus dem FALTER, 30/2011

Joseph Gepp

Als zu aufwendig und teuer betrachten Verkehrsexperten einen Plan, den die niederösterreichische Landesregierung neuerdings gern propagiert: jenen des Baus von U-Bahnen ins Wiener Umland, etwa nach Schwechat und Klosterneuburg.

Ähnliche Einwände kommen nun von Wiens grüner Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures: Die U-Bahn-Variante sei die teuerste, so Vassilakou zur Presse – und „frühestens ab 2050 umsetzbar“. Bures stößt sich vor allem daran, dass der Bund nach dem Wunsch Sankt Pöltens mehr als die üblichen 50 Prozent am U-Bahn-Bau mittragen soll.

Als Alternative stehen Straßenbahnen ins Umland und ein forcierter Ausbau von ÖBB-Verbindungen im Raum (siehe „Bim am Land“, Falter 25/11). Derweil jedoch will Niederösterreichs Verkehrslandesrat Karl Wilfing an der prestigeträchtigen „Vision einer U-Bahn“ festhalten.

Daneben präsentierte der im April angetretene ÖVP-Politiker ein Pendlerpaket für den Wiener Speckgürtel, das unter anderem Park-and-ride-Anlagen und mehr Viertelstundentakte bei der Schnellbahn vorsieht. Hintergrund ist – mit rund 184.000 Pendlern täglich – die massive Verkehrsbelastung an Wiens Peripherie.

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Eingeordnet unter Stadtplanung, Wien

Öffis ins Umland: Die ÖVP will U-Bahnen bis nach Purkersdorf

Aus dem Falter 26/11

Vergangene Woche hatte der Falter über den Plan berichtet, Wiener Straßenbahnen wie anno dazumal ins niederösterreichische Umland zu verlängern (siehe 25/11). Bisher sind solche Pläne gescheitert, weil St. Pölten nicht mitzahlen wollte.

Nun präsentiert die ÖVP einen Vorschlag: In überregionaler parteilicher Eintracht wollen Stadtrat Wolfgang Gerstl aus Wien und Landtagsabgeordneter Lukas Mandl aus Gerasdorf die U3 bis Schwechat, die U1 bis Gerasdorf und die U4 bis Purkersdorf und Klosterneuburg verlängern. Zusammen mit dichteren Schnellbahnintervallen und billigeren Parkanlagen soll dies den Verkehrskollaps an Wiens Stadtrand eindämmen.

Die Frage ist aber: Wer finanziert’s? Kostenmäßig gelten U-Bahnen als Königsklasse der Verkehrsmittel, gedacht für dichte Innenstadtgebiete. Bims kommen dagegen bis zu zehnmal billiger – rund 20 Millionen Euro errechneten die Grünen pro Linie.

Konkrete Kostenvorstellung für die U-Bahn gebe es noch keine, sagt Lukas Mandl. „Aber on the long run sollten wir uns einig werden, dass wir irgendwann Wien und Niederösterreich besser verbinden wollen.“

Was am Ende auch herauskommt: In eine gefrorene Debatte scheint etwas Bewegung gekommen zu sein.

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