Schlagwort-Archive: TV-Kritik

Zeit am Schirm – TV-Schau II

Sie gehören zu den Menschen, die glauben, dass Religion keinen Einfluss mehr auf unser Leben hat? Dass wir so was längst überwunden haben? Dann vergleichen Sie doch die „Zeit im Bild“ mit der „Tagesschau“. Erstere, letzten Donnerstag: Es zischt, es kracht, die Vidi-Wall flimmert, auf 38,5 Grad Hitze folgen golfballgroße Hagelkörner in Vorarlberg, Minister Pröll kehrt vorschnell von der „grandiosen und imposanten“ Bregenzer Aida-Aufführung zurück, um sich in Wien mit Steuerlappalien zu quälen. Dann, 15 Minuten später, meldet sich das Erste Deutsche Fernsehen mit der „Tagesschau“: Ein älterer Herr rückt seine Brille zurecht, blättert ruhig in den Notizen, schreitet gemächlich zu langen und langsam gesprochenen Beiträgen. Zufall? Verschiedene Arten, Werbeumfelder zu stimulieren? Oder hält man Österreicher mit 38,5 Grad Hitze bei der Stange, während man Deutschen komplizierte Eigentümerstrukturen bei VW näherbringt? Wir vermuten, es ist der Protestantismus. Die Deutschen sind halt einfach textlastiger. Leben wir damit.

Erschienen im Falter 31/09

kostenloser Counter

Weblog counter

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Medien

Zeit am Schirm – TV-Schau

Donnerstagnacht rappelt sich der ORF oft zu dem auf, was er in besten Momenten sein könnte, wenn er es nur sein wollte. Da wird er plötzlich intelligent, frech und witzig, wie es ihm kaum jemand im deutschen Sprachraum gleichtun kann. Außer im Sommer. Denn dann machen Humoristen offenbar Urlaub, und eine Collage an lieblos zusammengestelltem Archivmatsch ersetzt das frisch produzierte Fernsehkabarett. In solchen lauwarmen Sommernächten greifen routinierte Fernsehkonsumenten (dem heimischen Staatsfernsehen selbstverständlich treu bleibend) auf Fremdproduziertes zurück. Zum Beispiel auf „Little Britain“, gleich im Anschluss. Das ist genialer Humor. Das straft alle Lügen, die den Verfall von Fernsehkultur beklagen. Denn vor 30 Jahren war wahrscheinlich auch nur weniges im Programm richtig gut. Und jetzt nimmt sich „Little Britain“ gesellschaftliche Typen so subtil und brachial zugleich vor, dass es eine Wohltat ist. Humor als Befreiung. Und das in Originalsprache. Und das im Staatsfernsehen. Hierfür: Danke, ORF.

Erschienen im Falter 30/09

kostenloser Counter

Weblog counter

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Medien