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„Zukunft für alle“: Eine islamische Privatschule muss zusperren

Aus dem FALTER 5/2015

Bericht:
Joseph Gepp

Was ist los an der privaten islamischen Volksschule „Zukunft für alle“ in der Romanogasse im 20. Bezirk? Diese Frage wird Wiens Schulbehörden wohl noch länger beschäftigen. Denn vergangene Woche war es vorerst das letzte Mal, dass die Schüler den vierstöckigen Neubau von innen sahen.

Wegen „Gefahr in Verzug“ hat der Stadtschulrat die Einrichtung per Bescheid geschlossen, wie der Kurier berichtete. Die 33 Schüler wurden auf andere Schulen aufgeteilt.

Der Anlassfall, wie er sich im Bescheid des Stadtschulrats darstellt: Schüler seien von anderen Kindern geschlagen und verletzt worden, ohne dass danach Rettung oder Polizei gerufen worden seien. Denn die Schule habe ihr Personal angewiesen, etwaige Probleme „ausschließlich schul- und vereinsintern“ zu regeln. Weiters habe ein aus Tschetschenien stammender Schüler davon gesprochen, dass „nur Muslime gut seien und die Christen alle sterben müssten“.

Die Schule wehrt sich wortreich gegen die Anschuldigungen. Man könne nichts dafür, dass Kinder beispielsweise „im tschetschenischen Fernsehen radikalisierende Sprüche“ aufschnappen, heißt es in einer Sachverhaltsdarstellung, die dem Falter vorliegt. Dass man sich geweigert habe, Probleme nach außen dringen zu lassen, wird vehement abgestritten.

Bei all diesen Darstellungen der Schule gibt es jedoch ein Problem: Aufgedeckt wurden die mutmaßlichen Missstände vom eigenen Lehrkörper
– konkret war es eine Lehrerin, die zur Polizei ging. Diese Frau bezeichnet die Schule in der Sachverhaltsdarstellung nun als „psychisch leider angeschlagen“ und „definitiv Burnout-gefährdet“. Sie leide an „so etwas wie Verfolgungswahn“.

Hat der Stadtschulrat vorschnell eine Schule zugemacht? Oder rechtzeitig? Das werden die kommenden Wochen zeigen. Der Betreiberverein wird wohl Einspruch gegen den Bescheid erheben. Und dann muss die Schulbehörde die Causa noch einmal ganz genau untersuchen.

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Politische Propaganda an den Schulen? Ja, unbedingt!

Aus dem FALTER 4/2012

Kommentar Bildung

Politiker werben für sich und ihre Parteien, wenn sie an Schulen Vorträge halten, fürchtet der Wiener Stadtschulrat. Deshalb verlangt er, dass künftig die hohen Besuche von amtlichen Aufpassern begleitet werden. Das nimmt dem Lehrer die Autonomie und kommt angesichts der nächstjährigen Nationalratswahl einem Besuchsverbot gleich.

Selbstverständlich treten die Politiker nicht aus Altruismus vor die Schüler. Aber sie deshalb fernzuhalten, ist eine denkbar schlechte Reaktion. Schließlich kommen die Jugendlichen mit der Politik so oder so in Kontakt. Und diese besteht eben über weite Strecken aus Populismus und mehr oder weniger subtilen Beeinflussungsversuchen.

Man sollte die Schüler also immunisieren und ihre Kritikfähigkeit herausbilden, statt sie im geschlossenen schulischen Rahmen vor Propaganda zu bewahren. Sonst läuft man Gefahr, dass sie später im echten Leben umso härter zuschlägt.

Zielführender als Restriktionen bei Besuchen wäre also ausreichend politische Bildung. Zum Beispiel könnte man sich nach dem Besuch ja genug Zeit nehmen, um über Methoden, Taktiken und Wortwahl des Politikers zu diskutieren. Wer an seinen Schulalltag zurückdenkt, weiß, wie befruchtend eine gute, interdisziplinäre Diskussion sein kann, solange ein guter Lehrer dafür sorgt, dass sie nicht ins Chaos abgleitet.

Dieser Gedanke geht über Politik hinaus und betrifft etwa auch die Themen Konsum und Medien: All die Herausforderungen der modernen Gesellschaft, all ihre Verführungen und Beeinflussungen sollten breitestmöglich Thema sein an der Schule. Denn vor dem Leben beschützen kann sie ihre Schüler ja doch nicht.

Joseph Gepp

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