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Die Wut der Arbeiterkinder in der Vorstadt

Aus dem FALTER, 20/2011

Was hilft gegen den Radikalismus in Wiener Randbezirken? Eine Begegnung mit der Bezirkschefin von Simmering

Bericht:
Joseph Gepp

Foto:
Christian Wind

Hin und wieder ahnt man, dass die zivilisatorische Decke dünn und der soziale Friede ein bedrohtes Gut ist. „Manchmal ist es zum Verzweifeln“, sagt Renate Angerer. „Zum Beispiel, wenn alte Leute zu mir kommen und sagen: ‚Warum haut ihr die Türken nicht einfach auf Lastwägen und führt sie weg?‘“

Angerer, 63, eine resolute Dame mit dem Zungenschlag der Vorstadt, ist Bezirksvorsteherin der ehemaligen Arbeiterhochburg Simmering. Heute, wo sich der einst ausgebeutete Proletarierstand Urlaube und gepflegte Wohnungen leisten kann, hat Angerers SPÖ immer noch 49 Prozent im Bezirk inne. Dennoch beschleicht einen mitunter ein mulmiges Gefühl, wenn man in den Beisln des Bezirks alteingesessene Bewohner nach ihrem Befinden fragt.

Wie aus einem Bürgerkrieg klingen oft die Schilderungen. Türkische Banden sollen im Park die Messer wetzen, ganze Straßenzüge zu No-go-Areas verkommen. Sozialleistungen und Gemeindewohnungen, Auflagen für Gaststätten und Nutzungen von Sportplätzen – überall stehe, so die Bewohner, die entrechtete angestammte Mehrheit einer politisch protegierten und stetig wachsenden Masse türkischer Einwanderer gegenüber.

Vorige Woche porträtierte der Falter Anton Haller, einen Simmeringer mit Job, Wohnung und Auto, der sich von Türkischstämmigen dermaßen bedroht fühlt, dass er ihre Zuwanderung für einen gezielten Verdrängungsplan hält (siehe Falter 19/11, S. 14). Er ist bei weitem kein Einzelfall, wie Umfragen und Wahlergebnisse zeigen.

35,5 Prozent der Simmeringer wählten bei der Wienwahl 2010 FPÖ. Laut dem Institut Sora stimmten 68 Prozent für die Partei, weil diese „gegen Zuwanderung auftritt“. Der Schweizer Psychoanalytiker Arno Gruen klassifiziert knapp ein Drittel aller Bevölkerungsschichten westlicher Demokratien als anfällig für Extremismen, Verschwörungstheorien und Autoritarismus.

Renate Angerer ist Teil einer erodierenden Bewegung. In Simmering wie ganz Europa verlieren Sozialdemokraten an Einfluss, weil sich die Arbeiterkinder den Rechtspopulisten zuwenden. In Simmering wie ganz Europa sind Fremdenhass und Paranoia zum politischen Faktor geworden, weil mit ihnen Macht errungen und neu verteilt wird.

Wie sollen Demokratien mit jenem Drittel umgehen, das nach Gruen dem Radikalismus zugeneigt ist? Wie sollen sie Leute wie Anton Haller einbinden, die die Welt von den „Rothschilds“ beherrscht wähnen und keinem Argument zugänglich sind?

"Angespannte Lage“: Renate Angerer, 63, SPÖ-Bezirksvorsteherin von Simmering

Angerer ist eine Frontfrau. Sie kennt die Sorgen der Bezirksbevölkerung aus Gesprächen, die zu führen einen Gutteil ihres Berufsalltags ausmacht. Sie wuchs selbst in Simmering auf, betrieb hier lange ein Blumengeschäft. Seit 1961 ist sie SPÖ-Mitglied. Das Parteilokal sei damals der einzige Ort gewesen, wo man sich treffen konnte, erzählt sie. Als Kind habe sie im Sommer „bloßhappat“ gehen müssen, um ihr einziges Paar Schuhe zu schonen. Als Jugendliche habe ihre Mutter Schnitzel und Gurkensalat eingepackt, dann sei sie zum Winterhafen baden gegangen. „Ein Kaffeehaus zu betreten, war für mich undenkbar“, sagt sie. „Urlaub oder Auto sowieso.“

Wenn heute jemand auch nur ansatzweise ein solches Leben führt, dann viele der Migranten. Deren Lebensstil, sagt die Bezirkschefin, erinnere alteingesessene Simmeringer an eigene bescheidene Anfänge nach dem Krieg – und das schaffe Furcht vor dem Rückfall in die Armut. Um Wohlstand zu erlangen, wählten die Simmeringer einst Sozialisten. Um ihn zu bewahren, wählen sie Rechtspopulisten.

„Angespannt“ nennt Angerer die Lage in Simmering. In den Gemeindebauten etwa, die 2006 für Nicht-EU-Ausländer geöffnet wurden, leben kinderreiche Familien neben einer gealterten und ruhebedürftigen ersten Generation von Bewohnern. Letztere hätten den Umzug in den Bau noch als Quantensprung in Richtung Wohlstand erlebt, sagt Angerer. Nun komme es gerade in 60er-Jahre-Bauten zu Konflikten, weil sich dortige große Wohnungen gut für Familien eignen. „Die Alten denken: Das wissen die doch gar nicht zu schätzen.“

Wie könnte man all diesen Gefühlen begegnen? Wie dafür sorgen, dass die zunehmende Radikalisierung nicht eines Tages in Gewalt umschlägt? Wissenschaftler wie der Psychoanalytiker Arno Gruen sprechen neben dem potenziell radikalen Gesellschaftsdrittel von einem weiteren knappen Drittel, das „demokratisch reif“ denkt. Dazwischen liege eine Mitte von ungefähr vierzig Prozent, die sich je nach gesellschaftlicher Lage nach oben oder unten orientiere. „Diese muss vom reifen Drittel mitgenommen werden“, sagt der Innsbrucker Sozialpsychologe Josef Berghold.

Wie könnte das gelingen? Berghold rät dazu, „demokratische Streitkultur und demokratische Werte wie Fairness und Menschenrechte offensiv und mit Führungsstärke zu vertreten“. Renate Angerer zögert kurz, als sie die Frage hört. „Probleme direkt ansprechen, egal ob bei In- oder Ausländern“, sagt sie dann. „Die SPÖ ist ja immer nur am Verteidigen.“

Zum neuen Fremdenrecht, das ihre Partei kürzlich im Parlament mitbeschlossen hat, will die Bezirkschefin nichts sagen.

Zur Geschichte im Falter 19/2011:
Anton Haller (Name geändert) glaubt an eine Verschwörung –
ausgehend von seinem Ärger über eine türkische
Veranstaltungshalle
(siehe Falter 19/11). Sie kenne die Halle,
sagt Renate Angerer. Zwei- bis dreimal im Jahr würden sich
Simmeringer bei ihr über diese beschweren

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Eingeordnet unter Migranten, Soziales, Wien

Das Fremde um ihn

Aus dem FALTER 19/2011

Er lebt in Simmering und mag keine Türken. Wo genau liegt Anton Hallers Problem? Psychogramm eines Vorstadtwieners, um den die Politik buhlt

Porträt: Joseph Gepp
Fotos: Christian Wind

Es ist Montag, 25. April 2011, da platzt Anton Haller endgültig der Kragen, nach acht Jahren.

So lang, erzählt er, sei ihm schon aufgefallen, dass sich die Zustände in Simmering verschlechtern. Keinen Mucks habe er gemacht all die Jahre. Jetzt klappt Haller den Laptop auf und tippt ein E-Mail. „Was sich hier abspielt, reicht jetzt! Ich ersuche, für Ordnung zu sorgen!“, schreibt er. Er habe ja „nichts gegen Integration“. Doch „dann bitte anpassen an mein Gastland“. Haller schickt das Mail an die lokale SPÖ, ÖVP und FPÖ.

Anton Haller*), 46, wohnt in einer ruhigen und ordentlichen Zweizimmerwohnung in Simmering, nahe der Geiselbergstraße. Mehrere niedrige Wohnblocks aus den 60ern, einer wie der andere, formen hier eine Siedlung. Dazwischen wächst Gras und Flieder. An Fußballverbotsschildern vorbei führen asphaltierte Pfade zu Altglassammelstellen. Hallers Wohnblock könnte auch in einem Vorort von Bratislava stehen, aber dann wäre er größer, gleichförmiger und abweisender als am Wiener Stadtrand. Simmering ist aus Notwendigkeit schlicht, nicht aus Überzeugung.

Über dem Esstisch hängt das Ikea-Bild mit Muscheln im Sand. Im Wohnzimmer steht eine afrikanische Holzmaske. Im Regal bilden einige Bücher eine willkürliche Auswahl, Gesundheitstipps, Wanderführer, Erotic Visions. Haller serviert Kaffee und Guglhupf. Er habe ein Problem mit Türken in seinem Viertel, sagt er. Langsam, aber sicher halte er es nicht mehr aus.

Fühlt sich von Türken eingekreist: Anton Haller, 46, Simmeringer

Alle reden über Zuwanderung. Die politische Debatte darüber ist die vielleicht größte in Österreich. Immerzu kocht sie in neuen Aufregern hoch, kürzlich etwa um das verschärfte Fremdenrecht und den neuen jungen ÖVP-Integrationsstaatssekretär. Dass sich das Unbehagen gegenüber Migranten in Wählerstimmen für die FPÖ ausdrückt, hat die politische Szene des Landes in zwei Jahrzehnten maßgeblich umgestaltet. Im Kampf gegen Ausländer inszeniert sich die Rechte erfolgreich als Volksversteher. Aber um welche Konflikte geht es eigentlich? Wo sind die Sorgen der Menschen, die ernst genommen werden müssen? Was macht alteingesessenen Österreichern wie Anton Haller aus Simmering das Leben schwer?

Er ist ein stämmiger Mann von zwei Metern Größe. Er trägt ein Kinnbärtchen, ein T-Shirt mit der Aufschrift „Sailing Club“. Er spricht Dialekt, ein bisschen Düringer, ein bisschen „Kaisermühlen-Blues“. Haller arbeitet bei einem großen Betrieb der Stadt Wien, wo er ungefähr 1700 Euro brutto im Monat verdient. Zu Wahlen gehe er nicht, sagt er, Politik interessiere ihn kaum. Einzig auf Landesebene stimme er für die SPÖ, sagt er, „wegen der Kohle, die zahlen ja mein Gehalt“. Im Gespräch wirkt Haller gutgelaunt. Er gehört zu der Type Mensch, die Witzphrasen dreschen wie „Keine Panik auf der Titanic“ oder „Alles Roger in Kambodscha“.

Wo er lebt, dünnt sich Wien zwischen Schrebergärten und verlassenem Industriegelände aus. Hier ballen sich die Notwendigkeiten zusammen, damit der Rest der Stadt gut funktioniert. Ausfallstraßen, Rangiergleise, die Betonträger der Südosttangente. Dazwischen haben sich einstige Fabriksgebäude in Veranstaltungshallen für Feste verwandelt. „Pascha Palast“ heißen sie zum Beispiel. Hier, zwischen Schienensträngen und Autobahnästen, feiern Wiens Türken die schönsten Tage ihres Lebens.

Jeden Samstag kämen sie, sagt Haller. 500 bis 800 Leute. Dann verwandle sich das Areal in den „wüsten Balkan“. Dann verstellten die Hochzeitsgäste mit ihren Autos die Straße, sodass sonst keiner mehr durchkommt. Dann verpeste ihre Grillerei die Luft. Keine drei Meter könne man noch sehen, sagt Haller. Die Kinder spielten mitten auf der Straße, die Jugendlichen lieferten sich in tiefergelegten BMW Wettrennen.

Haller selbst besitzt einen Chevrolet Pick-up, einen ausladenden Wagen, passender für den amerikanischen Mittelwesten als für die Gassen Wiens. Drinnen fühlt er sich sicher, „da gibt’s keine Jugos und Türken“, sagt er, lacht und führt dorthin, wo angeblich das Türkenchaos regiert.

„Da sind sie schon.“ Er deutet aus seinem Jeep wie bei einer Safari. Haller will seine Gäste nicht nach draußen begleiten, aus Angst, die Fremden könnten ihm den Lack zerkratzen. Vier türkischstämmige Jugendliche lehnen an einer Mauer und teilen sich eine Flasche Cola light. Hochzeit findet gerade keine statt; die Burschen scheinen einer Art Vorhut anzugehören. Hosgeldiniz, „Willkommen!“ steht in roten Lettern über dem Tor des Pascha Palasts. Einige Frauen mit Kopftüchern schlurfen zum Eingang des heruntergekommenen Fabrikbaus. Ein weiblicher Teenager holt einen Tortenkarton von der Rückbank eines Autos. Unweit stehen ein leeres Partyzelt und ein gemauerter Grill, es riecht etwas nach kaltem Rauch. „Jetzt ist nicht viel los“, sagt Haller. „Wenn Sie am Wochenende kommen, sehen Sie, was ich meine.“

"Da sind sie schon": Im Pascha-Palast feiern Wiens Türken Hochzeit

Kein einziges Mal in all den Jahren hat er versucht, sich bei den Betreibern über die angeblichen Missstände zu beschweren. „Ich wollte mir die blöde Antwort ersparen.“ In seinen Augen haben Türken, diese „Integrationsanwärter“, sowieso die besseren Karten. „Wenn die Behörde die Halle kontrolliert, schreien sie: Rassismus! Und die Sache hat sich.“ Zuwanderung, das ist nach Anton Haller insgesamt ein böses Projekt, ein perfider politischer Plan. „Die SPÖ und auch die Grünen holen sich die Türken aus Anatolien, weil sie im Gegensatz zu uns bei Wahlen verlässlich das richtige Kreuzerl machen.“ Deshalb würden Auflagen, in Simmering wie sonstwo, nicht für Zuwanderer gelten. Vor allem nicht für Türken. Denn gegen Ex-Jugoslawen oder andere Nationalitäten hat Haller viel weniger. Die seien integrationswilliger, erklärt er. Was hält er vom berüchtigten serbischen Gastarbeiter, der nach Jahrzehnten in Österreich noch immer kaum Deutsch spricht? Den gebe es doch nicht, reagiert Haller fast empört. „Zeigen Sie mir einen Einzigen!“

Sein Jeep passiert inzwischen den Simmeringer Herderpark, eingeklemmt zwischen Gemeindebauten aus den 20er-Jahren. Er soll ein weiterer Brennpunkt sein, wo Gegensätze aufeinanderprallen. „Total verdreckt von den Türken“, befindet Haller. „Sie grillen sogar auf der Wiese, hat mir einer erzählt.“ Er selbst komme höchstens einmal im Jahr hierher, „und dann fahr ich auch nur mit dem Rad durch“. Hallers Worte klingen, als wäre der Park eine Müllhalde. Tatsächlich präsentiert er sich aus dem Autofenster so sauber und gewöhnlich wie andere in Wien.

"Frisör Cuccu, Handy Celan, Frisör Mezopotamya": türkischer Handy-Laden in der Geiselbergstraße

Auf der Simmeringer Hauptstraße sind es türkische Geschäfte, die Anton Haller aufregen. „Frisör Cuccu, Handy Celan, Kebab FS, Frisör Mezopotamya“, zählt er auf und deutet aus dem Fenster. „Türkisch, türkisch, türkisch.“ Die Türken würden alle Läden boykottieren außer die eigenen. Der Kebabhändler sei früher ein Radatz gewesen, der Friseur eine Café-Konditorei. Aber durch „Seilschaften“ und „Mentalitäten“, durch „einen Zusammenhalt, auf den wir eigentlich neidisch sein müssten“, hätten sich die Fremden die Straße erobert.

Wie sich Stadt und Bewohner verändern, wie sich Gesicht und Gepräge entwickeln, das unterliegt in Anton Hallers Augen nicht vielen gesellschaftlichen Kräften, die mitunter auch gegeneinander wirken. Sondern allein dem geheimen Bündnis zwischen Politik und Minderheit. Haller spricht von der „dritten Türkenbelagerung“, von „Zuchtmaschinen“. Er vermutet eine berechnende Vorgehensweise der Zuwanderer, die er zur ständigen Bedrohung überhöht. Weil sich Türken – „kaum hierhergeholt“ – in großer Zahl in kleinen Wohnungen zusammendrängen würden, seien ihre Fixkosten niedrig, erklärt Haller. Dadurch horteten sie Geld für noch mehr Kinder, noch mehr Lokale, noch mehr gesetzlose Veranstaltungshallen. Haller fühlt sein Terrain schwinden. Nur im großen Chevrolet bleibe noch Platz für ihn. Er wirkt verbittert, als das Auto gegen Ende der Fahrt ein verwaistes Grundstück passiert, auf dem früher die Wiener Kinderfreunde einen Standort betrieben. „Da habe ich selber noch gespielt“, sagt er wehmütig. „Jetzt will hier niemand mehr her, weil rundherum alles voller Türken ist.“ Dann schiebt Haller den Jeep in eine Parklücke nahe seines friedlichen 60er-Jahre-Wohnblocks.

Der Sebastian Kurz, beginnt er, wie solle der denn das Land führen in Integrationsfragen? Ohnehin sei einer wie Kurz nur eine Schachfigur. In Wahrheit, sagt Haller, würden zwei bis drei Familien das Weltgeschehen dominieren, „sicher auch die Rothschilds“. Plötzlich scheint der Mann im Chevrolet zu bemerken, dass er sich immer mehr wie ein Verschwörungstheoretiker anhört. Er rudert zurück, ringt um Worte. „Alles ist irgendwie gesteuert. Das klingt jetzt weit hergeholt. Aber irgendwer muss ja entscheiden. Selbst können wir Österreicher es offensichtlich nicht.“

Samstag, 16 Uhr, Pascha Palast. Haller hat gesagt, am Wochenende könne man sehen, wie Autos und Grillschwaden das Areal in den „wüsten Balkan“ verwandelten.

Tatsächlich findet gerade eine Hochzeit statt. Türken feiern traditionell nachmittags. Vor der Halle wartet der Festwagen des Brautpaars, ein älterer Audi. Rundherum stehen rund 30 Leute in Gruppen. Sie schwatzen. Kein Griller raucht, man hört keine Musik. An den Straßenrändern parken deutlich mehr Autos als werktags, aber selbst für Hallers großen Chevrolet wäre die Fahrbahn frei.

Dann und wann mag schon Grillgeruch zu bemerken gewesen sein in der Nachbarschaft. Dann und wann mag auch ein Auto die Straße verstellt haben. Aber das ist nicht Hallers echtes Problem. Es ist – das ahnt man, wenn man die beeinanderstehenden Festgäste sieht – die geballte Präsenz des Fremden. Ihr bloßes Dasein, der Raum, den sie dabei einnehmen. Hier, zwischen Schienensträngen und Autobahnästen, wo Wiens Türken den schönsten Tag ihres Lebens feiern.

*) Name von der Redaktion geändert


Extremisten in der Vorstadt: wenn Angst zum politischen Faktor wird

Woher kommt die Paranoia, die die FPÖ zum bedeutenden politischen Faktor in Österreich gemacht hat?

In der Monarchie zielte das Ressentiment der Unterschicht trotz massiver Zuwanderung noch auf den Klassenkampf – wenn auch antisemitisch verbrämt. Als Feind galt der „ausbeuterische Hausherr oder Fabrikant“, so Richard Lein von der Uni Wien.

Heute hingegen wechseln Feindbilder, sagt Dieter Schindlauer von Zara. Was vor 15 Jahren der schnaubärtige Gastarbeiter verkörperte und vor fünf der Schwarze, ist nun das 14-jährige Kopftuchmädchen.

Politologen sprechen angesichts einer flexibilisierten Arbeitswelt vom „Verteilungskampf am unteren Rand der Gesellschaft“. Das beantwortet wohl auch die Frage, was es braucht, damit der verschwörerische Extremismus vieler Vorstadtwiener nicht eines Tages in Gewalt umschlägt: weiterhin Massenwohlstand.

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