Schlagwort-Archive: Praterstern

Am Praterstern

Aus dem FALTER 41/2014

Es soll ja Städte geben, in denen alle Bevölkerungsgruppen hübsch voneinander separiert sind, reich neben arm, schwarz neben weiß, und so weiter. In Wien ist das glücklicherweise nicht so. Am allerwenigsten ist es so am Praterstern. Wobei, ob hier auch ein „glücklicherweise“ angebracht ist – schauen Sie am besten selbst hin, liebe Leser.

Am Praterstern mischen sich Bahnhofspendler mit Radfahrern, Radfahrer mit Prater-Joggern, Prater-Jogger mit Partygehern, Partygeher mit Kleinkriminellen und Kleinkriminelle mit Alkoholikern. Dazwischen hält die Polizei notdürftig die allgemeine Ordnung aufrecht.

Besonders skurril wird es in diesen Tagen. Denn nun kommt noch eine neue Gruppe hinzu: die Lederhosen-und Dirndlträger vom nahegelegenen neuen Wiener Oktoberfest. Sturzbetrunken torkeln diese, solcherart verkleidet, über den Platz. Mühevoll versuchen sie, ihre motorischen Fähigkeiten so weit wiederzuerlangen, dass sie Bankomaten bedienen und Pizzastücke vom Bäcker entgegennehmen können.

Ach, Praterstern!

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STADTRAND – Das Praterstern-Klo und die Ewigkeit

Aus dem FALTER 33/11

In der U-Bahn-Station Praterstern entsteht ein Klo. Wobei „entstehen“ das falsche Wort ist, denn das implizierte ja einen Anfang und ein Ende. Das Praterstern-Klo hingegen vollendet sich seit Jahren in seiner Unvollendetheit. Es steht da, einfach so, kein Arbeiter ward hier jemals gesehen. Ein paar Spanplatten, ein bisschen Leim, ein Schild: „Hier errichten die Wiener Linien eine öffentliche Toilettenanlage. Eröffnung: Dezember 2010.“ Nun würde die Angabe dieses Fertigstellungstermins unter normalen Umständen die Aura zeitloser Harmonie stören, die die Klo-Baustelle am Praterstern ausstrahlt. Gewiefte Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe haben daher prompt die letzte Ziffer der Jahreszahl handschriftlich übermalt: „Eröffnung: Dezember 2011“, steht jetzt leicht improvisiert da. Doch der Schaden, den die Nennung eines Termins angerichtet hat, lässt sich leider nicht mehr ganz ausradieren: „2017“ hat ein frecher Passant mit Kugelschreiber dazugekritzelt. Ein anderer schrieb sogar: „Wird nie fertig.“ Natürlich wird das Klo nie fertig. Das ist ja auch der Sinn der Sache.

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Praterstern neu: wie die Gemeinde Geld auf der Straße liegen ließ

Joseph Gepp

Es war 2008, als der zweite Bezirk im Zuge der Fußball-EM fleißig ausgebaut wurde. Eines der Projekte: der Praterstern, dessen neues Flugdach und stählerne Pergola öffentliches Missfallen erregten. Architekt Boris Podrecca klagte damals im Falter über die zuständige MA 29 für Brückenbau. „Man hat als Architekt das Gefühl, ausgeschaltet zu werden. Sie machen mit dem Projekt, was sie wollen. Hier ist man nicht erwünscht“, so der Architekt 2008.

Nun scheint ein aktueller Bericht des Kontrollamts seine Kritik nachträglich zu bekräftigen. Die Prüfer nahmen sich die Finanzgebarung der MA 29 vor und stellten Unregelmäßigkeiten fest: So hätten beauftragte Firmen die Fertigstellung des Projekts um drei Monate verzögert; eine Pönale habe die Gemeinde jedoch nicht eingefordert, da die „Terminkontrolle“ zu wenig „transparent“ war. Möglicher Entgang: bis zu 270.000 Euro. Weiters sieht das Kontrollamt bei Nebenleistungen am Bau im Wert von 160.000 Euro Einsparpotenziale, die nicht genutzt wurden.

Laut MA-29-Sprecher Kurt Wurscher nehme das Magistrat die Kritik der Prüfer ernst. Die Fertigstellung jedoch habe sich eben wegen der Meinungsverschiedenheiten mit dem Architekten verzögert.

Erschienen im Falter 8/2011

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