Schlagwort-Archive: Prater

Abtraben

Aus profil 28/2018 vom 09.07.2018

„Nächster dubioser Immo-Deal“, „Grundstücke verramscht“, „SPÖ-System versorgt sich selbst“: Vergangene Woche wirbelte der profil-Bericht über den Verkauf der Trabrennbahn Krieau durch die Stadt Wien Staub auf. Wiens Opposition aus ÖVP, FPÖ und NEOS kritisierte scharf. Wie profil berichtete, geht die Traditionsstätte an die Immobilienfirma Viertel Zwei GmbH des Unternehmers Michael Griesmayr, die bereits ringsum große Flächen erworben hat. Die rot-grüne Stadtregierung kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Denn die Trabrennbahn bleibe erhalten, wenn auch in privater Hand. Dies beteuert SPÖ-Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál, deren Ressort für den Verkauf politisch verantwortlich war. „Der Weiterbestand der Trabrennbahn ist materiellrechtlich durch das Wiener Sportstättenschutzgesetz abgesichert“, heißt es von der MA 69 für Immobilienmanagement, die Gaál untersteht. Nach diesem Gesetz muss die Auflassung einer Sportstätte behördlich eigens bewilligt werden. Offen bleibt bei dieser Argumentation: Wenn die Stadt den Erhalt der Rennbahn garantiert -welchen Zweck hat es dann überhaupt, sie zu privatisieren? Warum soll sich ein Privater die Mühe antun, eine teure Rennbahn zu erhalten?

Ein interessantes Detail an der Causa Krieau ergibt sich übrigens aus einer Stellungnahme, die der Wiener Trabrennverein (WTV) anlässlich des profil-Berichts auf seiner Website veröffentlicht hat. Der altehrwürdige Klub betreibt die Rennbahn seit 1945 durchgehend -bisher stets als Pächter der Gemeinde Wien, mit unbefristetem Pachtvertrag. Nun hat der WTV die Viertel Zwei als neuen Verpächter. Allerdings: Offenbar hielt es niemand für notwendig, den WTV über diesen Eigentümerwechsel zu informieren. „Hinsichtlich des (…) kolportieren Verkaufs möchte der WTV festhalten, dass ein derartiges Rechtsgeschäft seitens der Stadt Wien bis dato nicht bestätigt wurde“, heißt es.

Hier geht’s zur vorangegangenen Geschichte zum Verkauf der Krieau

Trabrennbahn Krieau (Wikipedia)

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Privatbahn

Aus profil 27/2018 vom 02.07.2018

Die Trabrennbahn Krieau im Wiener Prater ist eine Sehenswürdigkeit von architekturhistorischem Wert. Jetzt hat sie die Gemeinde Wien verkauft. Ganz unauffällig.

Joseph Gepp

Das rote Wien rühmt sich gern, bei Privatisierungen stets zurückhaltend gewesen zu sein. Während zum Beispiel Städte in Deutschland in den 1990er-Jahren ihren Bestand an Gemeindewohnungen auf den Markt warfen, blieben sie in Wien in kommunalem Besitz. Eine kluge Entscheidung, urteilen Experten heute. Sie habe der Stadt manch Probleme auf dem Wohnungsmarkt erspart.

Allerdings geht die SPÖ-dominierte Stadtregierung nicht bei all ihren Immobilien mit derartigem Bedacht vor.

Zum Beispiel bei der Trabrennbahn Krieau im Prater, einer Pferderennbahn in Top-Lage, eröffnet 1878,1000 Meter lang, architekturhistorisch wertvoll. Ziemlich unauffällig ging nun das Juwel an ein privates Immobilienunternehmen, die Viertel Zwei. Dahinter steckt der Unternehmer Michael Griesmayr. Im Grundbuch ist zwar noch die Stadt Wien als Eigentümerin angeführt. Doch auf profil-Anfrage bestätigt Judith Erlfelder, Sprecherin der Viertel Zwei: „Eigentümer der Trabrennbahn ist die Projektgesellschaft Viertel Zwei Entwicklung GmbH & Co Krieau KG. Die Verbücherung ist im Gange.“

Die Viertel Zwei ist keine Unbekannte in der Gegend. Bereits seit 2004 kauft das Unternehmen große Flächen nahe der Rennbahn und errichtet darauf Wohn-und Bürobauten. Zum Beispiel das „Viertel Zwei“, in dem sich heute etwa die Konzernzentrale der OMV befindet. Im Jahr 2011 erwarb Griesmayrs Unternehmen darüber hinaus die Stallungen neben der Rennbahn, die derzeit ebenfalls teilverbaut werden („Viertel Zwei Plus“). Nun ist eben die Rennbahn selbst an der Reihe.

Trabrennbahn Krieau (Wikipedia)

Politisch verantwortlich für die Veräußerungen aufseiten der Gemeinde waren die seinerzeitigen SPÖ-Wohnbaustadträte Werner Faymann und Michael Ludwig. Im Jahr 2014 tauchten Ungereimtheiten bei den früheren Verkäufen auf. Damals stellte sich heraus, dass Mitarbeiter der stadteigenen Wien Holding 2007 ihre Chefs gewarnt hatten, die Kaufpreise seien extrem niedrig, die Deals bedürften einer „Korrektur bzw. Auflösung“.

Befragt nach dem nunmehrigen Kaufpreis für die Rennbahn sagt Sprecherin Erlfelder: „Der endgültige Kaufpreis kann erst festgelegt werden, wenn gewisse Parameter feststehen, darunter die Art der Nutzung sowie die erzielbare Bruttogeschoßfläche auf Basis der Widmung.“

Betrieben wird die Rennbahn jedenfalls seit Jahrzehnten vom Wiener Trabrennverein. Dieser SPÖ-nahe Klub -Ehrenpräsident ist Ex-Nationalratsabgeordneter Anton Gaál -hat das Areal von der Gemeinde gepachtet. Nun übernimmt die Viertel Zwei die Rolle des Verpächters. Am unbefristeten Pachtverhältnis ändere dies nichts, beteuert Erlfelder. Die Rennbahn bleibe bestehen. Allerdings behaupten Insider gegenüber profil, dass sich der Trabrennverein in beklagenswertem Zustand befinde. Die betagten Mitglieder wenden sich ab; Junge kommen nicht nach. „Wenn das so weitergeht, existiert der Verein bald nicht mehr“, so ein Involvierter. „Sollte er sich eines Tages auflösen, ist fraglich, was mit dem Areal geschieht.“

Das Rathaus hat stets betont, die Rennbahn bleibe erhalten. Dies gelte unabhängig vom Eigentümerwechsel, heißt es auch heute aus dem Büro der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, zuständig für Stadtplanung. Grund: Das Areal sei als Sportstätte gewidmet, man dürfe dort gar nicht bauen.

profil hat auch im Büro der neuen SPÖ-Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (Tochter von Anton Gaál), deren Ressort für die Rennbahn politisch verantwortlich ist, um eine Stellungnahme zur Privatisierung gebeten. Doch die Anfrage blieb unbeantwortet.

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Krieau: Wo heute noch Pferde traben, sollen Wohnblocks wachsen

Aus dem FALTER 10/2014

Bericht: Joseph Gepp
Foto: Heribert Corn

Noch übt zwar rund um die Stallungen der Trabrennbahn Krieau da und dort ein Traber. Doch Rennbahn und dazugehörige Stallungen haben ihre Blütezeit längst hinter sich. Angesichts von Wettcafés und Online-Games läuft der Betrieb schlecht.

Nun haben die Gemeinde Wien und eine Privatfirma des ehemaligen Raiffeisen-Managers Michael Griesmayr die Konsequenzen gezogen: Rund 1000 Wohnungen und Büros sollen entstehen, wo heute Stallungen und der Rand der Rennbahn liegen.

Das Projekt sorgt bereits jetzt für Kritik: Anrainer fürchten nicht nur um den Denkmalschutz des Areals, auch sollen Neubauten bis auf wenige Meter an den Grünen Prater heranrücken. Zudem ist die Zukunft der verbleibenden Trabrennbahn ungewiss.

Zwar verspricht die Stadt ihren Erhalt, aber bisher hat sich die Krieau weitgehend über Konzerte finanziert, die hier stattfanden. Das wird wohl, wenn rundherum Wohnungen wachsen, kaum noch möglich sein.

Mehr zur Krieau?
Krieau Verbau vom Juni 2013
Ein “Viertel Zwei Plus“ ersetzt Teile der alten Trabrennbahn vom Juli 2013

Nach der Wiener Weltausstellung 1873 wurden die historischen Pferdestallungen neben der Trabrennbahn Krieau geabut. Jetzt wollen die Gemeinde Wien und eine Privatfirma hier rund 1000 Wohnungen errichten (Foto: Heribert Corn)

Nach der Wiener Weltausstellung 1873 wurden die historischen Pferdestallungen neben der Trabrennbahn Krieau geabut. Jetzt wollen die Gemeinde Wien und eine Privatfirma hier rund 1000 Wohnungen errichten (Foto: Heribert Corn)

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Entenfüttern, oder: von den kleinen Problemen einer aufgeklärten Stadt

Aus dem FALTER 8/2014

Glosse: Joseph Gepp

Dass Wien eine aufgeklärte Stadt sein will, die der Vernunft ihrer Bewohner vertraut, das merkt man an kleinen Dingen. Zum Beispiel an dem Hinweisschild neben dem Teich im Prater. Darauf steht nicht etwa ein harsches Kommando wie „Vögelfüttern verboten“. Nein, vielmehr liest man eine kleine Abhandlung über das fragile Ökosystem Teich. Zu viel Vogelfüttern führt zu zu vielen Vögeln, steht da. Daraus resultieren Sauerstoffmangel, Fäulnisbildung und Rattenbefall. Deshalb, bitte, liebe Städter, lasst es.

Neben dem Schild steht eine alte Frau. Semmel um Semmel schmeißt sie, grob zerteilt, ins Wasser. Die Semmeln gehen auf und schauen bald aus wie weiße Blasen. Der Teich hat richtiggehend Geysir-Anmutung, als endlich die Enten angepaddelt kommen.

Was ist schon Sauerstoffmangel gegen fünf glückliche Enten?

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Ein Wiener Zinshaus um 95.000 Euro

Aus dem FALTER 26/2013

Umstrittene Deals werfen die Frage auf, wie die Gemeinde Wien Häuser und Grundstücke verkauft

Bericht:
Joseph Gepp

Zum Beispiel Hockegasse, 18. Bezirk. „Für diesen Grund hätte die Gemeinde Wien locker das Doppelte bekommen können“, sagt Alexander Neuhuber, Gemeinderat der oppositionellen ÖVP Wien und im Zivilberuf selbst Immobilienhändler. Vergangenes Jahr hat das Rathaus hier vier große Grundstücke an die Immobilienfirma At Home verkauft, die darauf freifinanzierte Eigentumswohnungen errichten will. Preis: 4,67 Millionen Euro, 717 Euro pro Quadratmeter. Viel zu billig, sagt Neuhuber.

Zum Beispiel Myrthengasse 3, siebter Bezirk. Ein hübsches, aber sanierungsbedürftiges Biedermeierhaus: Hier verkaufte die Gemeinde 2009 an das kleine Immobilienunternehmen Vest – um 95.000 Euro. Um diese Summe bekommt man in der Gegend sonst nicht einmal eine Eigentumswohnung. Jetzt toben die Mieter im Haus. „Nicht nur scheint uns der Preis viel zu niedrig“, sagt der Bewohner Hannes Fürst, „wir wurden auch weder vom Verkauf informiert, noch hat man uns das Haus angeboten. Die Gemeinde hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Zum Beispiel große Flächen nördlich des Praters, zweiter Bezirk. Um 32,1 Millionen Euro verkaufte sie die Gemeinde über eine Public-private-Partnership-Konstruktion im Jahr 2003 an private Immobilienentwickler. Später entstanden hier Geschäfte und Bürotürme, aktuell wird auf Basis des damaligen Geschäfts über einen Teilverbau der Trabrennbahn Krieau verhandelt – der Falter berichtete. Das Kontrollamt, die Prüfbehörde der Stadt, urteilte im Jahr 2006 über den Verkauf vernichtend. Von mangelnder Sorgfalt ist die Rede und davon, dass wohl ein „weit höherer Kaufpreis“ erzielt hätte werden können.

Drei Orte, ein Vorwurf:
Gemeindeimmobilien sollen unter intransparenten Umständen zu Schleuderpreisen verkauft worden sein – zulasten der Stadtkassa und damit des Steuerzahlers. Stimmt der Vorwurf? Und wie läuft das ab, so ein Grundstücksverkauf der Gemeinde Wien?

„Bieterverfahren“ heißt in der Fachsprache der Prozess, den Kommunen oft anwenden, wenn sie Immobilien verkaufen. Das heißt, der bevorstehende Verkauf wird öffentlich gemacht, das beste Angebot bekommt den Zuschlag. In Wien aber wendet die zuständige MA 69 für Liegenschaften das Bieterverfahren nicht immer an.

Das Rathaus beschreibt dies auf Falter-Nachfrage als ganz normalen Vorgang. „Wenn es für Liegenschaften nur einen Kaufinteressenten gibt, dann kann – etwa mit einer für die Stadt Wien vorteilhaften Realisierung – auch direkt verkauft werden“, sagt Hanno Csisinko, Sprecher des verantwortlichen Wohnbaustadtrats Michael Ludwig (SPÖ). Den Verkaufspreis ermittle in diesem Fall ein unabhängiger Sachverständiger. Laut Csisinko wurden im Jahr 2012 sechs Immobilien auf diese Weise verkauft.

Wie laufen solche Verkäufe abseits des Bieterverfahrens konkret ab? Das zeigt beispielsweise der Fall Hockegasse. Im März 2011 schickt die Käuferfirma At Home einen Brief an die MA 69: Sie sei an den Grundstücken interessiert und bitte um Verständigung über einen Verkaufsstart. In der Folge lässt die Stadt von einem Sachverständigen den Verkaufspreis eruieren. Um diese Summe werden die Grundstücke 2012 an At Home abgetreten, nachdem die rot-grüne Rathauskoalition im Gemeinderat zugestimmt hat. „Andere mögliche Kaufinteressenten wussten gar nichts von dem Deal“, kritisiert ÖVP-Mann Neuhuber. „Gerade angesichts des derzeitigen Immobilienbooms“ hätte man viel mehr für die Flächen bekommen. Neuhuber wittert hinter dem Geschäft auch einen politischen Handel: Die Firma At Home gehört zu 82 Prozent der Gewerkschaft Bau Holz; deren Vorsitzender ist der SPÖ-Parlamentsabgeordnete Josef Muchitsch.

Bei At Home weist man auf Falter-Nachfrage den Vorwurf zurück, zu wenig bezahlt zu haben. Aufseiten des Rathauses betont Ludwig-Sprecher Csisinko, dass ja ein externer Gutachter den Preis ermittelt habe. „Außerdem wird die Käuferfirma dort neben Wohnungen auch einen Kindergarten errichten und öffentliche Wege anlegen“, sagt Csisinko. Solche Bedingungen könne man in einem Bieterverfahren nicht diktieren.

Der nächste Fall: Myrthengasse, siebter Bezirk. Hier wirkt der Preis von 95.000 Euro, um den die Gemeinde das Haus an die Firma Vest verkaufte, zwar auf den ersten Blick skandalös niedrig. Allerdings müsse Vest nicht nur Sanierungskosten von etwa einer Million Euro stemmen, wie die Firma auf Falter-Nachfrage erklärt. Auch verfügten die derzeitigen Mieter über langfristige, äußerst günstige Mietverträge. Bis sich der Kauf der Immobilie also für die Firma rechnet, könne das lange dauern – was einen eher niedrigen Kaufpreis rechtfertige.

95.000 Euro: Um diese Summe hat die Gemeinde Wien dieses Haus in Neubau an eine private Immobilienfirma verkauft

95.000 Euro: Um diese Summe hat die Gemeinde Wien dieses Haus in Neubau an eine private Immobilienfirma verkauft

Trotzdem sind die Bewohner um Hannes Fürst zornig, nicht nur wegen des Kaufpreises. „Warum hat die Gemeinde das Haus nicht zuerst uns zum Kauf angeboten?“, sagt Fürst. „Das muss doch logisch sein, dass man da die Hausgemeinschaft fragt.“ Auch in der Myrthengasse gab es kein Bieterverfahren, auch hier hat ein Sachverständiger den Preis ermittelt. Laut Ludwig-Sprecher Csisinko sei die Nachfrage nach der Immobilie derart gering gewesen, dass man sogar aktiv nach Käufern suchen musste. Bewohner Fürst schließlich erfuhr im Dezember 2009 erst im Nachhinein, dass sein Wohnhaus an eine Privatfirma verkauft worden war. Jetzt herrscht zwischen den Hausbewohnern und dem Neo-Eigentümer Eiszeit, man wirft einander Quertreiberei vor. In der Myrthengasse führt der Verkauf der Immobilie ohne Bieterverfahren also vor allem dazu, dass sich Mieter veräppelt fühlen.

Im dritten Fall nördlich des Praters scheinen die finanziellen Folgen für das Rathaus deutlich gravierender zu sein als in der Myrthengasse. Zumindest hört sich der Bericht des Kontrollamts von 2006 stark danach an. Drei Jahre zuvor hatten hier private Immobilienentwickler über ein Public-private-Partnership-Modell rund 107.000 Quadratmeter Grund erworben, dazu kommen zahlreiche Vorkaufsrechte für Flächen in der Nachbarschaft.

Nicht nur beurteilen die Prüfer den geringen Kaufpreis von 32,1 Millionen Euro als „nicht nachvollziehbar“. Der Behörde ist zudem schleierhaft, „warum gerade diese Investoren für das Projekt ausgewählt wurden“. Und, so das Kontrollamt, „ein anderes Verfahren (…) zur Ermittlung des Kaufpreises“ wäre vorteilhafter gewesen. Der Verkaufspreis wurde in diesem Fall nicht einmal, wie in der Hockegasse und Myrthengasse, durch einen Sachverständigen ermittelt. Es gab lediglich ein internes Gutachten der zuständigen MA 69, das noch dazu „äußerst knapp ausgefallen“ war.

32,1 Millionen: So viel kosteten die Gemeindegründe nahe dem Prater, die u. A. den Teilverkauf der Krieau zur Folge haben

32,1 Millionen: So viel kosteten die Gemeindegründe nahe dem Prater, die u. A. den Teilverkauf der Krieau zur Folge haben

Wer heute etwas über die Umständen des damaligen Deals herausfinden will, stößt auf Schweigen. Trotz zahlreicher Nachfragen des Falter lässt sich nicht einmal eruieren, welcher Stadtrat der – damals noch absolut regierenden – SPÖ federführend das Geschäft verantwortete. Im Kontrollamtsbericht jedenfalls rechtfertigt die zuständige MA 69 den niedrigen Kaufpreis damit, dass es der Gemeinde bei dem Geschäft nicht um „maximale Gewinnerzielung“ gegangen sei, sondern um „städtebauliche Entwicklungen“.

Was 2003 vereinbart wurde, wirkt bis heute nach: Vor zwei Jahren erwarb der Immobilienentwickler und Ex-Raiffeisen-Manager Michael Griesmayr auf Basis damaliger Vorkaufsrechte Teile der Trabrennbahn Krieau zum Verbau. Der Verkäufer war die Firma LSE, eine Tochter der städtischen Wien Holding. Wie viel Griesmayr an die Stadt gezahlt hat, das wollen auf Falter-Nachfrage weder die LSE noch Griesmayr verraten.

Aber nachdem die damaligen Verträge für die Privaten äußerst günstig ausgefallen sind, wird es wohl nicht besonders viel gewesen sein.

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Krieau: Ein „Viertel Zwei Plus“ ersetzt Teile der alten Trabrennbahn

Aus dem FALTER 26/2013

Noch traben sie wie bereits seit dem Jahr 1878, die Pferde auf der Rennbahn Krieau im Prater. Doch heutzutage erregen andere Sportarten mehr Interesse als diese. Längst hat sich auch das Wettgeschäft in Cafés und ins Internet verlagert.

Vergangene Woche gab die Gemeinde bekannt, was sie mit ihrer defizitären Trabrennbahn zu tun gedenkt. Kurz zuvor hatte der Falter (25/13) über eine geplante Teilverbauung berichtet. Ein „Viertel Zwei Plus“ sei auf Teilen des Rennbahnareals geplant, heißt es nun in einer Aussendung. Der Name bezieht sich auf das daneben liegende Grätzl „Viertel Zwei“. Wie bei diesem steht auch hinter dessen möglicher Erweiterung die private IC Projektentwicklung des Ex-Raiffeisen-Managers Michael Griesmayr.

Geplant sind Wohnungen und Büros mit „universitätsnaher Nutzung“ – schließlich eröffnet unweit bald die neue Wirtschaftsuni. Und: „Die Trabrennbahn Krieau wird erhalten bleiben“, verspricht die Gemeinde.

Die traditionsreiche Trabrennbahn Krieau im Prater: Ziemlich nah sind die Neubauten schon an die Pferdesportler herangerückt. Links hinten das "Viertel Zwei“, das erweitert werden soll foto: Joseph Gepp

Die traditionsreiche Trabrennbahn Krieau im Prater: Ziemlich nah sind die Neubauten schon an die Pferdesportler herangerückt. Links hinten das „Viertel Zwei“, das erweitert werden soll foto: Joseph Gepp

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Krieau Verbau

Aus dem FALTER 25/2013

Die traditionsreiche Trabrennbahn im Prater soll zumindest teilweise verbaut werden -für den Anfang

BERICHT: JOSEPH GEPP

Es ist ein anachronistisches Vergnügen, das hier am Nordrand des Grünen Praters ungefähr zweimal pro Monat stattfindet. Elegante Gäste taxieren in Katalogen ihre Wettchancen, während die Jockeys an ihnen vorbeiflitzen. Einige Gäste tragen Kleidung wie im 19. Jahrhundert; Frauen haben Hüte mit breiten Krempen auf. Die Wettbewerbe auf der Trabrennbahn Krieau, eröffnet 1878, entführen in eine andere Welt, irgendwo zwischen Kaiser Franz Joseph und Queen Elizabeth. Nur leider interessieren sich immer weniger Leute dafür.

Von den drei denkmalgeschützten Tribünen ist nur eine saniert und zugänglich, die anderen beiden verfallen hinter Bauzäunen. Von den 50.000 Besuchern, die einst zu Rennen kamen, sind heute an guten Tagen gerade einmal 3000 übrig geblieben.

Der Betreiberverein – der altehrwürdige Wiener Trabrennverein unter der Leitung des ehemaligen SPÖ-Nationalratsabgeordneten Anton Gaál -gerät dadurch zusehends unter Druck. Denn die Fläche der Rennbahn, die der Verein von der Gemeinde auf Dauer gepachtet hat, wird laufend wertvoller.

Seit im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 die U2 durch den zweiten Bezirk gezogen wurde, findet nördlich des Grünen Praters ein Immobilienrausch statt. Gleich neben der Trabrennbahn ist das sogenannte „Viertel zwei“ aus dem Boden gewachsen, ein Geschäftsviertel rund um das neue Hauptquartier der OMV. Unweit davon eröffnete 2007 das Einkaufszentrum „Stadion-Center“. Einen halben Kilometer weiter harrt die neue Wirtschaftsuniversität ihrer Fertigstellung, samt Restaurants und Studentenherbergen. Und mittendrin: die unrentable Trabrennbahn Krieau, die nur dank Rathaussubventionen überlebt.

Schon im Jahr 2008 wurde die Bahn von 1110 auf 1000 Meter verkürzt – auf der freigewordenen Fläche könnte nun bald ein Studentenwohnheim entstehen. 2,5 Millionen Euro bekam der Trabrennverein damals laut Gemeinderatsbeschluss vom Rathaus als Entschädigung. Jetzt könnte der nächste große Schritt in der lukrativen Immobilienverwertung folgen.

Es geht vorerst, wie Vereinspräsident Gaál erklärt, um eine der zwei baufälligen Tribünen sowie -vor allem -um die Verwaltungsgebäude und Stallungen neben der Bahn. Bei letzterem Gelände handelt es sich um ein großes denkmalgeschütztes Areal aus der Gründerzeit. Die private IC Projektentwicklung („Integrated Communication“) des ehemaligen Raiffeisen-Managers und Immobilienentwicklers Michael Griesmayr hat die Fläche von der Gemeinde erworben.

Jetzt verhandelt Griesmayrs Firma mit dem Rathaus, dem Bundesamt für Denkmalschutz und dem Trabrennverein über ihre künftige Nutzung. „Es gibt Überlegungen, hier ein Viertel aus Büros und Wohnungen zu entwickeln“, sagt Gaál. Seit Jänner würde darüber verhandelt, noch heuer sollen wesentliche Entscheidungen fallen. Für 2015 sei der Baubeginn avisiert. Laut Sabine Ullrich, Geschäftsführerin der IC Projektentwicklung, könnten die Gespräche im Oktober abgeschlossen werden. „Dann wird auch die Öffentlichkeit über die Sache informiert.“

Trabrennbahn Krieau: Die Neubauten (im Hintergrund) sind schon nahe an sie herangerückt (Foto: Gepp)

Trabrennbahn Krieau: Die Neubauten (im Hintergrund) sind schon nahe an sie herangerückt (Foto: Gepp)

Wie kommt ein privater Immobilienentwickler wie die IC Projektentwicklung überhaupt zu derart lukrativen Stadtflächen? Wer das wissen will, muss zurück ins Jahr 2004. Damals machte sich die absolut regierende SPÖ Wien anlässlich der herannahenden Fußball-EM und der U2-Verlängerung Gedanken über die Zukunft des Grätzels. Jene Flächen, die zur Entwicklung vorgesehen waren -das spätere Viertel zwei, das Stadion-Center und andere -übertrug sie einem Public-Private-Partnership-Projekt. Es bestand neben der städtischen Wien Holding und anderen Privaten auch aus jener Firma, aus der später die IC Projektentwicklung hervorging.

32,1 Millionen Euro zahlte das öffentlich-private Konstrukt laut einem Kontrollamtsbericht von 2006 für die Grundstücke. Die Begleitumstände des Deals wurden von den Prüfern damals massiv kritisiert: Er „entbehrt in vielerlei Hinsicht kaufmännischer und juristischer Sorgfalt bzw. den üblichen Gepflogenheiten im Immobilienwesen“, heißt es in dem Prüfbericht. Auch hätte möglicherweise ein „weit höherer Kaufpreis“ erzielt werden können. Schlecht für die Stadt, gut für die privaten Partner, so lautete damals der Tenor von Kontrollamt und Rathausoppositionellen.

Inkludiert in den damaligen Verträgen waren auch weitreichende Vorkaufsrechte für die spätere IC Projektentwicklung und andere Private bei umliegenden Grundstücken -so auch für jene Teile der Trabrennbahn, deren Verbauung nun im Raum steht.

Der Trabrennverein jedenfalls hofft, mit Preisgabe der Stallungen und der Tribüne die wirtschaftliche Weiterexistenz der Rennbahn sichern zu können. Wobei Vereinspräsident Gaál zugleich betont: „Die anderen Tribünen und die Rennbahn selbst bleiben unangetastet. Hier besteht keinesfalls eine Chance auf Verzicht von unserer Seite.“

Andere sehen diese Frage weniger in Beton gegossen. So spricht ein mit Bauagenden befasster Wiener Stadtpolitiker, der seinen Namen im Zusammenhang mit der Trabrennbahn nicht in der Zeitung lesen möchte, von einem „Riesenproblem in der Krieau“ – und ortet „einen gewissen Druck auf den Trabrennverein“:“Mittelfristig wird es wohl so weit kommen, dass auch die Rennbahn selbst verbaut wird.“ Nachsatz: „Immerhin braucht man sich dort nicht um den Grünraum zu sorgen, wo der riesige Prater gleich daneben liegt.“

Wer die übrige Krieau in diesem Fall verbauen könnte, ist jedenfalls sicher: die IC Projektentwicklung. Laut der Leopoldstädter Bezirksvorstehung steht der Firma – sofern der Trabrennverein auf sein Pachtrecht verzichtet – auch ein Vorkaufsrecht auf den Rest der Trabrennbahn zu.

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Welt in Wien

Aus dem FALTER 17/2013

Vor genau 140 Jahren eröffnete Wiens pompöse Weltausstellung. Heute sind ihre Hinterlassenschaften aus dem Stadtbild verschwunden. Bis auf wenige Ausnahmen

Spurensuche: Joseph Gepp

Man muss schon wissen, was sich hier befand, um an diesem Ort irgendetwas Interessantes zu finden. Der Rotundenplatz im zweiten Bezirk ist grau, unauffällig und schmucklos. Das Gelände hinter dem Prater wirkt vorstädtisch und verloren, trotz seiner zentralen Lage. Zur Linken erhebt sich der fast fertige Neubau der Wirtschaftsuniversität. Rechts liegt etwas verwaist die Trabrennbahn Krieau. Dazwischen wirbeln Autos Baustellenstaub auf, wo einst die höchste Kuppel der Welt stand.

„Rotunde“ hieß das Gebäude, das diesen Platz einst prägte, 108 Meter ragte die Kuppel in den Himmel. Im Herbst 1937 brannte die Rotunde nieder. Zuvor hatte der 1873 eröffnete Bau als eines der Wahrzeichen von Wien gegolten. Nach dem Brand sollte es immerhin ganze zwei Jahrzehnte dauern, ehe ein Gebäude mit höherer Kuppel errichtet wurde, die Messehalle von Belgrad.

Die Rotunde, entworfen vom Briten John Scott Russell und dem Österreicher Carl Hasenauer, bildete das Kernstück einer Veranstaltung, wie sie Wien davor und danach nie wieder erlebt hat. Vor genau 140 Jahren, am 1. Mai 1873, eröffnete in Wien mit Pomp und Trara die fünfte internationale Weltausstellung.

Die Wiener Rotunde 1873 (Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Die Wiener Rotunde 1873 (Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Weltausstellungen würdigten die industriellen und kulturellen Errungenschaften der damaligen Zeit. Die erste fand 1851 in London statt. Mit jener von 1873 in Wien – der bislang größten und der ersten im deutschsprachigen Raum – befassen sich heuer anlässlich des Jubiläums zwei Ausstellungen, eine im Bezirksmuseum Leopoldstadt und eine im Wien Museum am Karlsplatz. Die Weltausstellung sollte Wien als internationale Metropole mit Paris und London gleichstellen. Sie symbolisierte die Wucht der industriellen Revolution ebenso wie die Macht der österreichisch-ungarischen Monarchie. Heute jedoch erinnern nur wenige unauffällige Reste an die Wiener Weltausstellung. Sie liegen verstreut im Prater, im restlichen Wien und sogar in Graz.

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Zwei davon sind gar nicht weit weg vom Rotundenplatz. Direkt an der Hauptallee gelegen, kennt sie fast jeder Wiener, obwohl sie kaum jemand mit der Weltausstellung assoziiert. Das heutige Restaurant Meierei war einst die „Amerikanische Trinkhalle von Benford“, Teil der US-amerikanischen Sektion der Weltausstellung. Die Bar im US-Stil sollte den Ausstellungsgästen das Flair der Neuen Welt näherbringen. Unweit davon liegt der Konstantinhügel, ein künstlich angelegter Spazierhügel, benannt nach einem Bauleiter der Weltausstellung. Der Berg, von dem heute im Winter die Kinder rodeln, stammt vom Aushub der Rotunde. Oben betrieb Eduard Sacher zur Zeit der Ausstellung ein Kaffeehaus. Das Gebäude brannte allerdings im Jahr 1977 ab, heute steht nur noch die Umfassungsmauer.

Die Amerikanische Trinkhalle und der Konstantinhügel lagen ganz am Rand eines riesigen Ausstellungsgeländes, das ungefähr vom Wurstelprater bis zum heutigen Ernst-Happel-Stadion reichte. Wer Fotos und Pläne von damals sieht, dem offenbart sich eine richtiggehende Parallelwelt, die vor 140 Jahren dem Prater entwuchs. Im Zentrum des Areals standen die Rotunde und der „Industriepalast“, eine große, vielflügelige Ausstellungshalle, in der einzelne Länder ihre neuesten technischen Erzeugnisse vorführten. Rundherum wurden rund 200 exotisierende und eklektizistische Bauten hochgezogen. Sie sollten die Welt nach Wien holen. Die Elsässer Farm, das ungarische Csárdás-Weinhaus, die ägyptische Moschee samt Wohnhaus, der nachgebaute Ahmed-Brunnen von Konstantinopel oder eben die Amerikanische Trinkhalle – all das und noch viel mehr hatte sich im Prater zusammengefunden.

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Heute erinnern nur einige Straßennamen an die einstige Größe der Weltausstellung. Die Rotundenallee und die Südportalstraße führen zum einstigen Haupteingang des Geländes. Eine Station der Lilliputbahn im Prater heißt bis heute „Rotunde“. Nicht zuletzt ist es auch der Weltausstellung zu verdanken, dass die heutige Straßenbahnlinie 1 bis an die Hauptallee führt, erklärt Gertraud Rothlauf, Kuratorin im Leopoldstädter Bezirksmuseum. „Die Straßenbahntrasse verband damals die Innenstadt mit dem Ausstellungsgelände.“ Abgesehen davon wurden jedoch die meisten Gebäude der Weltausstellung bald nach 1873 wieder abgerissen. Sie waren überflüssig geworden, ihre Erhaltung wäre teuer gekommen. Was überlebte, bestand oft nur deshalb fort, weil es später bei anderen Gebäuden Verwendung fand. So wie der Minervabrunnen.

Minervabrunnen (Foto: Gepp)

Minervabrunnen (Foto: Gepp)

Der Wandbrunnen findet sich nicht im Prater, sondern am Stubenring, zwischen Universität und dem Museum für angewandte Kunst. Auch ihn kennen viele vom Sehen. Einst hatte der marmorne Brunnen ein Gebäude der Weltausstellung geziert. Nach deren Ende erwarb ihn Rudolf Eitelberger, damals Direktor des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, für sein Haus. Schließlich passte das dazugehörige Mosaik aus venezianischem Glas auch gut zu Eitelbergers Museum: Es stellt Minerva dar, die römische Göttin für Handwerk und Gewerbe.

Pavillon im Schulgarten Kagran (Foto: Wiener Stadtgärten)

Pavillon im Schulgarten Kagran (Foto: Wiener Stadtgärten)

Mehrere Artefakte von der Weltausstellung wanderten wie der Minervabrunnen durch die Stadt. So stieß im Jahr 1998 ein Gärtner der Wiener Stadtverwaltung hinter einer Villa in der Döblinger Cobenzlgasse – er nahm hier an einer Baumentfernung teil – auf einen kleinen Pavillon. Ein Oberst aus dem Ersten Weltkrieg hatte ihn einst aus Beständen der Weltausstellung gekauft. Das gusseiserne, reich verzierte Salettl, das inzwischen längst baufällig und vergessen war, hatte nahe der Rotunde wohl als Unterstand für ein Orchester oder eine Kaffeebar gedient. Die Erben des Obersts vermachten den Pavillon der Gemeinde Wien. Heute steht er im Schulgarten Kagran im 22. Bezirk. Zwischen Gewächshäusern und angehenden Floristen, die Beete beackern, wird er gern für Hochzeiten genutzt.

Grazer Stadtparkbrunnen (Foto: Wikipedia)

Grazer Stadtparkbrunnen (Foto: Wikipedia)

Ein anderer Restbestand der Weltausstellung schaffte es sogar bis in die steirische Hauptstadt. Der Grazer Stadtparkbrunnen stand einst im Inneren der Rotunde, direkt unter der Kuppel. Dort markierte das filigrane Werk eines französischen Erzgießers den Mittelpunkt des Prachtbaus. Als die Weltausstellung zu Ende ging, hatten die Grazer gerade ihren Stadtpark angelegt, der mondäne Brunnen kam ihnen gerade recht. Gleich nach dem Ende der Weltausstellung 1873 erwarb ihn die Stadt Graz für 31.000 Gulden, nach heutiger Kaufkraft ca. 360.000 Euro.

Die Veranstalter der Weltausstellung konnten das Geld gut brauchen. Denn ihr Event hatte sich, kaum eröffnet, als beispielloses Desaster erwiesen. Am 9. Mai 1873, nur eine Woche nach der pompösen Eröffnung, stürzten an der Wiener Börse die Aktienkurse ab. Wiens „Schwarzen Freitag“ nennt man den Börsenkrach heute. Schuld daran war nicht zuletzt die ambitionierte und teure Weltausstellung selbst: Sie hatte zu einem Bauboom in Österreich-Ungarn geführt, der die Börsenkurse und Immobilienpreise explodieren ließ. Nun läutete der Schwarze Freitag von 1873 eine jahrelange Wirtschaftskrise in ganz Europa ein, die viele Parallelen zur heutigen aufweist.

Die Flaute traf die Weltausstellung empfindlich. Als sie im November 1873 zu Ende ging, waren statt der erwarteten 20 Millionen Besucher nur 7,2 Millionen gekommen. Das Defizit war so riesig, dass das Geld nicht einmal reichte, um die Rotunde wie geplant wieder abzureißen.

So endete das repräsentative Großereignis eher sang- und klanglos. Viele Wiener waren wohl froh darüber. Während der Weltausstellung hatten Zeitungen immer wieder über Wucherpreise in Restaurants und für Fiakerfahrten geklagt. Nun verschwanden die internationalen Gäste ebenso wie die künstliche Welt im Prater.

Neben der Rotunde und der heutigen Meierei blieben lediglich zwei Gebäude bis heute stehen. Sie liegen versteckt zwischen der Trabrennbahn Krieau und dem Stadion. Die beiden gegenüberliegenden „Pavillons des amateurs“, wie man sie damals nannte, lagen am Rand des Weltausstellungsgeländes. In ihnen gab es Kunst und Kunsthandwerk zu sehen.

Der nördliche Pavillon wurde im Zweiten Weltkrieg bombardiert und stark verändert wiedererrichtet. Der südliche hingegen steht immer noch da wie im Jahr 1873. Hinter einem Zaun, mitten im wuchernden Grün, liegt ein Prachtbau mit hohen Fenstern und Doppeladlern auf der Fassade.

Foto: J. Gepp

Foto: J. Gepp

„Der Kunst“ steht bis heute über den Säulen des Portals. Nach der Weltausstellung riss man die Pavillons im Gegensatz zu anderen nicht ab. Sie sollten Künstlern als Ateliers dienen. Das Unterrichtsministerium vermietet die etwas heruntergekommenen Gebäude an Bildhauer, unter anderem wirkten hier Alfred Hrdlicka und Anton Hanak.

Der Architekt Carl Hasenauer, der die beiden Gebäude entworfen hatte, setzte sein dafür entworfenes Gebäudearrangement sowie das Lichtkonzept Jahre später erneut bei einem Gebäudeensemble ein: dem Kunst- und dem Naturhistorischen Museum am Ring. Im Gegensatz zum Gesamtkunstwerk Ringstraße ist den Praterpavillons jedoch ihr Umfeld abhanden gekommen.

Ziemlich deplatziert stehen sie heute in der Brache zwischen Prater und Stadion. Wenn man es nicht weiß, dann fragt man sich, was diese Bauten hier wohl zu suchen haben. Wenn man es aber weiß, dann ahnt man, welch enorm große Veranstaltung die Wiener Weltausstellung einmal war.

Wo man Reste der Weltausstellung findet

Standort der Rotunde 2., Rotundenplatz
Amerikanische Trinkhalle Meierei im Prater, 2., Hauptallee 3
Konstantinhügel gegenüber 2., Hauptallee 24
Minervabrunnen 1., Stubenring 5
Pavillon Schulgarten Kagran, 22., Donizettiweg 29 (Öffnungszeiten: siehe wien.gv.at)
Praterateliers 2., Meiereistraße 3
Stadtparkbrunnen Stadtpark, Graz

Ausstellungen

„Die Rotunde“: Bis 30.6. im Bezirksmuseum Leopoldstadt, 2., Karmelitergasse 9, Mi 16-18.30, So 10-13 Uhr
„Experiment Metropole“: ab November im Wien Museum, 4., Karlsplatz 8, Di-So 10-18 Uhr

Die Praterateliers: Streit um den Ruhepol in der dynamischen Leopoldstadt

:: Im Viertel nördlich des Praters hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Fußball-EM im Jahr 2008 brachte die Erschließung durch die U2. Gleich daneben entstanden die Neubauten des sogenannten Viertel Zwei samt OMV-Hauptquartier. Unweit davon soll im Wintersemester die neue Wirtschaftsuniversität eröffnen.

Inmitten dieser Dynamik schweben die beiden letzten Pavillons der Weltausstellung wie in einer Zeitkapsel. Bereits seit dem Jahr 1876, also kurz nach der Ausstellung, stehen sie Künstlern als Ateliers zur Verfügung. Die Bundesimmobiliengeschäft (BIG), die die Bauten im Jahr 2001 von der Republik übernahm, hatte jedoch damit ihre liebe Not. Denn allein mit den – preisreduzierten – Mieten der Bildhauer ließen sich die Ateliers weder erhalten noch sanieren, was immer notwendiger wurde.

„Wir sind verpflichtet, wirtschaftlich zu denken und zu agieren“, ließ die BIG in ihrem Kundenmagazin Big Business im Jahr 2008 wissen. Künstler wie die Bildhauerin Ulrike Truger wehrten sich gegen angebliche Pläne der BIG, Ateliers für Wirtschaftsseminare zu nutzen.

Im Jahr 2010 schließlich wurde der Konflikt gelöst, indem das Unterrichtsministerium auf 33 Jahre die wildromantischen, aber unrentablen Gebäude von der BIG übernahm. „Es war mein bildungspolitischer Wunsch, dass die Ateliers weiterhin der Kunst zur Verfügung stehen“, sagt SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied zum Falter. Seither gibt es Sanierungsarbeiten, neue Künstler sind eingezogen. In den kommenden Jahren sollen laut Bildungsministerium die Ateliers im Zug von Neuvermietungen nach und nach saniert werden.

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