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Wahre Werte

Aus profil 48/2016

Apple, Google, Microsoft, Amazon und Facebook gelten als die größten Unternehmender Welt. Aber sind sie das wirklich? Eine einfache Frage liefert erstaunliche Antworten. Wie gängige Messgrößen den Blick auf die Realität verzerren.

Von Joseph Gepp und Michael Nikbakhsh

Diese Geschichte beginnt mit einer Feststellung, deren allgemeine Gültigkeit natürlich zu hinterfragen wäre: Auf die Größe kommt es an. In der Wirtschaftswelt aber hat diese Aussage allem Anschein nach unumstößlichen Charakter. Gut ist, was groß ist. Besser ist, was noch größer ist. Und weil das so ist, schaffen es nur die Größten der Großen auf jene Ehrfurcht gebietende Liste, die längst zum festen Inventar der Wirtschaftsberichterstattung zählt, laufend adaptiert und weltweit veröffentlicht wird: „die zehn größten Unternehmen der Welt, gereiht nach Marktkapitalisierung“. Vor wenigen Wochen erst hob der britische „Economist“ dieses Ranking ins Heft – als Beleg dafür, dass innerhalb nur einer Dekade eine „neue Welt“ entstanden sei. Vorbei die Zeiten, in denen Finanz-und Ölkonzerne die Weltwirtschaft dominierten. Siehe Finanzkrise, siehe Ölpreisverfall, siehe Strukturwandel. Die neuen „Superstars“ seien vielmehr US-amerikanische IT- und Internetunternehmen. Apple. Google. Facebook. Amazon. Microsoft. Und tatsächlich: Apple ist mittlerweile das „größte“ Unternehmen der Welt. Vergangene Woche erreichte die an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gehandelte Apple Inc. eine Marktkapitalisierung in der Höhe von annähernd 600.000.000.000 Dollar – 600 Milliarden Dollar oder umgerechnet fast 570 Milliarden Euro. Auf den Plätzen: die Google-Muttergesellschaft Alphabet mit knapp mehr als 530 Milliarden Dollar und Microsoft mit 470 Milliarden Dollar. Unweit dahinter: Amazon (370 Milliarden Dollar) und Facebook (350 Milliarden Dollar). Mit Ausnahme von Microsoft ist all diesen Unternehmen gemein, das sie 2006 noch weit weg von der Spitze waren, wenn sie überhaupt an den Aktienmärkten gehandelt wurden (Facebook etwa ging erst 2012 an die Börse).

Eine Zeitenwende also. Neue Branchen steigen auf, alte steigen ab. So geht Wirtschaftsleben. Nur: Wie aussagekräftig ist die Zusammenschau der Größten der Großen wirklich? Was genau misst die ominöse Marktkapitalisierung? Und ist zum Beispiel Facebook tatsächlich eines der „größten“ Unternehmen der Welt? Wer sich das fragt, lernt einiges über die Konzerne, welche die globalisierte Wirtschaft prägen; über die Messgrößen, die ihre Macht dimensionieren; über die Tücken und Täuschungen, die derartigen Rankings innewohnen. Willkommen in der wunderbaren Welt der Statistik.

Die Marktkapitalisierung, im flotten Business-Englisch „market cap“ genannt, ist zunächst einmal nichts anderes als das Ergebnis einer Multiplikation. Aktiengesellschaften, börsennotierte zumal, führen ein Grundkapital, welches sich aus einer definierten Anzahl von Aktien zusammensetzt. Diese Aktien haben einen Preis, den Börsenkurs. Und die Anzahl der Aktien mal diesem Preis ist gleich der Marktkapitalisierung, wahlweise auch Börsenwert genannt.

Der Online-Händler Amazon zum Beispiel hat 475,17 Millionen Stück Aktien ausgegeben, der Kurs stand zuletzt bei 780 Dollar – ergibt eine „market cap“ in der Höhe von 370 Milliarden Dollar. Das wäre also der Betrag, den jemand bezahlen müsste, wenn er alle Amazon-Aktien zum aktuellen Kurs aufkaufen wollte. Selbst wenn der Käufer einen Rabatt herausschlagen sollte, käme eine solche Übernahme äußerst teuer. Was man dafür bekäme? Ein Unternehmen mit weltweit annähernd 300 Millionen Kunden-Accounts und 231.000 Mitarbeitern (Stand Ende 2015), das zuletzt zwar 107 Milliarden Jahresumsatz erzielte, daraus aber alles andere als einschüchternde Profite generierte. 2015 schrieb Amazon einen

Nettogewinn in der Höhe von gerade einmal 596 Millionen Dollar. Ausgehend von diesem Niveau müsste Amazon also gut 600 -in Worten: sechshundert -Jahre überdauern, um die eigene Börsenbewertung zu verdienen. Das Amazon-Management strebt natürlich danach, die Gewinne in Zukunft zu erhöhen. Dennoch sollte ein potenzieller Käufer eine überdurchschnittliche Lebenserwartung mitbringen. Bei Facebook wären es übrigens nicht ganz 100 Jahre, bei Apple demgegenüber nur 13 Jahre. Die Wahrheit ist: Niemand würde 370 Milliarden Dollar (umgerechnet 350 Milliarden Euro) ausgeben, um Amazon zu kaufen. Weil auch überhaupt noch nie jemand einen Betrag dieser Größenordnung ausgegeben hat. Als größter Deal aller Zeiten gilt bis heute die Übernahme der deutschen Mannesmann-Gruppe durch die britische Vodafone 1998 für damals 172 Milliarden Dollar.

Die Marktkapitalisierung ist also nichts als eine schöne Fiktion. Gewiss, in jedem Aktienkurs wird auch das Wesen eines Unternehmens abgebildet: sein Vermögen, seine Schulden, das Geschick seiner Mitarbeiter, Investitionen, Innovationen, Patente, die Qualität des Kundenstocks, die Marktstellung, der Umsatz und natürlich der Gewinn (so vorhanden). Ein anderer, nicht unerheblicher Teil ist schlicht Spekulation -oder besser: Fantasie. Wertpapiermenschen blicken in diesem Zusammenhang gerne auf eine Vielzahl interessanter Indikatoren, was nicht heißt, dass sie daraus stets die richtigen Schlüsse ziehen. Das „Kurs/Buchwert-Verhältnis“ (KBV) ist ein solcher Indikator. Vereinfacht gesagt entspricht der Buchwert einer Aktie deren Anteil am Eigenkapital, also der Substanz des Unternehmens. Das KBV setzt diesen Buchwert in Relation zum Kurs. Eine Aktie mit einem KBV von 1 gilt als fair bewertet. Darunter ist sie vergleichsweise preiswert, darüber vergleichsweise teurer. Amazon kommt derzeit auf ein KBV von 27, Facebook auf 6. Bei Exxon Mobil, der Marktkapitalisierung zufolge lange Zeit eines der „größten Unternehmen der Welt“ (derzeit Rang sechs) liegt das KBV bei nur 2. Die Aktien des Ölkonzerns sind also fairer bewertet als jene von Amazon oder Facebook. Aber Öl ist nun einmal nicht mehr so sexy wie das Datengeschäft, weshalb der Kurs von Exxon Mobil in den vergangenen drei Jahren fiel, während die Preise für Amazon-und Facebook-Aktien stiegen -obwohl Exxon Mobil selbst im schwachen Wirtschaftsjahr 2015 netto 16 Milliarden Dollar verdiente, also fast viermal mehr als Amazon und Facebook zusammen (und im Gegensatz zu diesen auch eine Dividende ausschüttete). Die Rechnung ließe sich auch mit anderen Parametern anstellen: dem „Kurs/Gewinn-Verhältnis“ zum Beispiel oder auch dem „Gewinn je Aktie“. Der Ölkonzern schlägt die Internetanbieter stets um Längen und wird dennoch hartnäckig schlechter bewertet. An der Börse, so heißt es, wird eben die Zukunft gehandelt.

Es geht auch anders herum: Vergangene Woche berichtete profil über den Fall Constantia Packaging (CPAG). Der einst börsennotierte Turnauer-Konzern wurde 2009/2010 vom US-Fonds One Equity Partners geschluckt, die Kleinanleger wurden aus dem Unternehmen gedrängt – auch auf Basis der damals schwachen Börsenbewertung. Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass CPAG sehr viel mehr wert war, als der Kurs vermuten ließ und die Amerikaner am Ende bezahlten (Nr. 47/16).

Die Marktkapitalisierung sagt nichts über den tatsächlichen Wert, die Größe oder die Verfasstheit eines Unternehmens aus. Sie ist eine von Erwartungen getriebene Momentaufnahme: Erwartungen derer, die mit Aktien handeln -Banken, Versicherungen, Fonds, Vermögensverwalter, Privatanleger (deren Einfluss auf die Kursbildung allerdings stets überschaubar ist).

Ein anschauliches Beispiel bietet in diesem Zusammenhang die Holding des US-Investors Warren Buffett, Berkshire Hathaway. Diese wird derzeit an der New York Stock Exchange mit rund 390 Milliarden Dollar bewertet, auf der Liste der Größten nimmt sie damit hinter Microsoft Rang vier ein. Mit 237.000 Dollar das Stück ist die Berkshire-„A“-Aktie zugleich das teuerste Wertpapier der Welt (die stimmrechtlich schlechter gestellten „Klasse B“-Titel sind demgegenüber allerdings preiswerter). Ein Konzern im engeren Sinn des Wortes ist Berkshire Hathaway allerdings nur bedingt. Genau genommen handelt es sich dabei um einen, wenn auch sehr erfolgreichen, Gemischtwarenladen. Berkshire Hathaway ist eigentlich ein Konglomerat aus mehr als 70 Unternehmen (Versicherungen, Banken, Industrie, Handel) mit zusammen 361.000 Beschäftigten, die großteils überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Warren Buffett und sein Team kaufen und verkaufen Beteiligungen, wie es ihnen richtig erscheint. Dennoch gilt Berkshire Hathaway heute als eines der „größten Unternehmen“ der Welt.

Erschwerend kommt hinzu, dass längst nicht jede Gesellschaft öffentlich, also an einer Börse, notiert wird. Österreich ist dafür ein gutes Beispiel. Die nach Umsatz, Gewinn, Filialzahl und Mitarbeitern größten Handelskonzerne des Landes, nämlich Rewe (Billa, Merkur, Bipa), Spar und Hofer, würden in einer nationalen Reihung auf Basis der Marktkapitalisierung gar nicht aufscheinen, weil sie eben an keiner Börse notieren. Das gilt auch für Österreichs größten Getränkekonzern Red Bull, als Marke längst globalisiert. Das größte börsennotierte Unternehmen des Landes ist derzeit die Erste Group mit einer Marktkapitalisierung von 11,4 Milliarden Euro, gefolgt von OMV (zehn Milliarden) und voestalpine (6,4 Milliarden). Mit derlei Kennzahlen spielen die heimischen Unternehmen bei Weitem nicht in der internationalen Spitzenliga mit, was auch daran liegt, dass die Wiener Börse als Handelsplatz von überschaubarer Bedeutung ist. Ende vergangener Woche lag die Marktkapitalisierung aller in Wien gelisteten Unternehmen bei rund 110 Milliarden Euro. Das würde auf der Liste der Größten etwa für Platz 40 reichen – für alle Unternehmen zusammen, wohlgemerkt. Wirklich aussagefähig ist das nicht, weil auch und gerade in Wien einige Unternehmen gehandelt werden, die in ihren Sparten durchaus internationales Gewicht haben.

Die Größenvergleiche sind umso widersinniger, als hier nebeneinander betrachtet wird, was nicht zueinander gehört. Das Geschäftsmodell einer Bank etwa unterscheidet sich erheblich von jenem einer Fluglinie. Ein Handelsunternehmen hat andere Gewinnspannen als ein Baukonzern. Ein Maschinenbauer kann mehr Mitarbeiter beschäftigen als ein Internetanbieter -was nicht bedeutet, dass der eine „größer“ ist als der andere. Facebook beschäftigte zuletzt weltweit nicht mehr als 12.700 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz in der Höhe von umgerechnet 17 Milliarden Euro. Österreichs OMV kam 2015 demgegenüber auf 24.100 Beschäftigte und einen Umsatz von 22,5 Milliarden Euro. Wer ist nun größer? Keiner von beiden. Wenn der Vergleich überhaupt einen Sinn ergeben soll, dann nur innerhalb einer Branche. Oder: Amazon erlöste 2015 umgerechnet 101 Milliarden Euro und schrieb einen Nettogewinn von 560 Millionen Euro. Die voestalpine schaffte in diesem Jahr mit 11,1 Milliarden Euro gerade ein Zehntel des Amazon-Umsatzes, erzielte mit 595 Millionen Euro aber einen höheren Nettogewinn. Aussagekraft auch dieses Vergleichs: null. Genau so verhält es sich auch mit dem Ranking nach Marktkapitalisierung.

Überhaupt bietet der Blick auf die Umsätze Erstaunliches. Die Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung erzielen nicht notwendigerweise die höchsten Umsätze oder Gewinne (Apple ist tatsächlich eine der wenigen Ausnahmen). Das Unternehmen mit dem weltweit höchsten Umsatz ist seit Jahren die US-Handelskette Wal-Mart. Diese erlöste im Wirtschaftsjahr 2015/2016 (Bilanzstichtag ist der 31. Jänner) 478 Milliarden Dollar – das entsprach fast dem Eineinhalbfachen des österreichischen Bruttoinlandsproduktes des Jahres 2015. Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 217 Milliarden Dollar schafft es Wal-Mart aber lediglich auf Rang 16 der Unternehmen mit dem höchsten market cap. In einer vom US-Magazin „Fortune“ regelmäßig adaptierten Liste der Umsatzweltmeister finden sich hinter Wal-Mart zwei chinesische Unternehmen, die erst gar nicht an der Börse notieren: der staatliche Stromnetzbetreiber State Grid (mit zuletzt 330 Milliarden Dollar Umsatz) sowie der Ölkonzern China National Petroleum (300 Milliarden Dollar).

Wie sehr der starre Blick auf die Marktkapitalisierung die Wahrnehmung verzerrt, zeigt auch das Beispiel Tesla Motors. Der US-amerikanische Elektroautomobilhersteller, Gründungsjahr 2003, gilt als eine der heißeren Storys der Branche. 2010 ging das von Elon Musk gegründete Unternehmen an die Nasdaq, seither stieg der Aktienkurs von 17 auf 193 Dollar, der Börsenwert liegt aktuell bei immerhin 29 Milliarden Dollar. Tatsächlich aber hat Tesla noch nie schwarze Zahlen geschrieben und ist mit einem Umsatz von zuletzt vier Milliarden Dollar alles andere als ein ökonomisches Schwergewicht. 2015 verkaufte Tesla weltweit 51.000 Autos. Zum Vergleich: Der hochprofitable deutsche BMW-Konzern setzte 2015 in Summe 2,25 Millionen Autos ab, 44 Mal mehr als Tesla. Tesla fuhr 2015 zudem einen Nettoverlust in der Höhe von umgerechnet 850 Millionen Euro ein, BMW dagegen ein Plus von 6,4 Milliarden Euro. BMW schüttet seit Jahren durchaus ordentliche Dividenden an seine Aktionäre aus, Tesla hat das noch nie geschafft. Das Kurs/Buchwert-Verhältnis der BMW-Aktie liegt bei 1,3 (fair), jenes von Tesla bei fast 23 (nicht so fair).

An der Börse wird BMW derzeit trotz alledem lediglich mit 53 Milliarden Euro bewertet, also nicht einmal dem Doppelten von Tesla. Auch hier ist das manifeste Missverhältnis leicht erklärt: Tesla gilt als Ausdruck der schicken, zukunftsfrohen E-Mobilität, während BMW eher die dieselrußige Gegenwart verkörpert.

Es verwundert angesichts dieser Maßstäbe nicht, dass es auch zwischen der Beschäftigtenzahl und der Marktkapitalisierung keinen erkennbaren Zusammenhang gibt. Klassische Dienstleistungs-und Industriebetriebe benötigen wenig überraschend ungleich mehr Personal als die vielbejubelten neuen Digitalkonzerne. An der Weltspitze steht erneut Wal-Mart mit 2,3 Millionen Beschäftigten, dahinter folgen wieder zwei asiatische Unternehmen: China National Petroleum (1,6 Millionen) und der taiwanesische Fertigungsbetrieb Foxconn, der etwa die iPhones für Apple zusammenschraubt (1,1 Millionen). Facebook dagegen kommt mit besagten 12.700 Mitarbeitern aus, der Google-Konzern Alphabet mit 61.800. Auch daraus lassen sich bizarre Relationen ableiten: Rechnerisch entfällt auf jeden Facebook-Mitarbeiter eine Marktkapitalisierung von 22 Millionen Dollar, bei Alphabet sind es 3,7 Millionen Dollar, bei Amazon (231.000 Mitarbeiter) immerhin noch 1,6 Millionen. Wal-Mart? Gerade einmal 98.700 Dollar pro Kopf. Die österreichische Erste Group? Je 246.000 Euro. Sind die Mitarbeiter von Facebook und Alphabet und Amazon tatsächlich so viel wertvoller als jene von Wal-Markt oder Erste Group? Nein. „Größe“ ist also eine relative Sache und die Marktkapitalisierung schlicht der falsche Indikator, um sie zu bemessen – siehe Apple. Das „größte“ Unternehmen der Welt ist in seinem Stammgeschäft, dem Verkauf von Smartphones, noch nicht einmal die Nummer eins der Welt. Der südkoreanische Mitbewerber Samsung Electronics, der obendrein fast drei Mal mehr Beschäftigte hat, verkauft nach wie vor deutlich mehr Geräte als Apple (erzielt dabei aber allerdings weniger Umsatz und Gewinn). Samsungs Marktkapitalisierung beträgt jedenfalls nur einen Bruchteil jener von Apple -was auch daran liegt, dass Samsung in Seoul notiert, Apple in New York.

Es ist kein Zufall, dass die – vermeintlich – größten Unternehmen allesamt an der Wall Street gehandelt werden. Als größter Aktienhandelsplatz der Welt zieht diese schlicht das meiste Geld an. Und US-Aktien gelten als besonders attraktiv. Der Dow-Jones-Aktienindex schwingt sich derzeit von Rekord zu Rekord. Donald Trump? Kapital ist bekanntlich opportunistisch. Apropos Trump. Wie vermögend der designierte US-Präsident tatsächlich ist, weiß nur er selbst. Eigenen Angaben zufolge ist der Immobilienunternehmer und frühere Casinobetreiber vielfacher Milliardär. Belege für seine persönliche Marktkapitalisierung fehlen aber.

Auf jeden Fall führt Apple nunmehr die Market-Cap-Statisitik an. Daran dürfte sich so bald nichts ändern. Oder doch? Es soll ein Unternehmen geben, das nach Einschätzung zahlreicher Experten noch sehr viel kostbarer ist als der Technologiekonzern mit Sitz im kalifonischen Cupertino, aber bisher nie in einer Statistik aufschien: der saudische Staatskonzern Saudi-Aramco, weltgrößter Erdölförderer.

Saudi-Aramco könnte nach Schätzungen auf eine Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen Dollar kommen -eine Zahl mit zwölf Nullen. Das ist natürlich ein virtueller Wert. Das Unternehmen ist an

keiner Börse gelistet. Wäre Saudi-Aramco tatsächlich börsennotiert, würde es Apple aber um annähernd den vierfachen Wert übertreffen. Grund: die nach wie vor kostbaren Ölreserven und Ölquellen im Besitz des Unternehmens.

Saudi-Arabien plant nun, den virtuellen Wert in einen echten zu verwandeln. Im Jahr 2018 soll ein kleiner Teil von Saudi-Aramco an die Börse gebracht werden. Der Staat will damit seine finanzielle Situation verbessern, denn auch er ist durch den niedrigen Ölpreis unter Druck gekommen. Das saudische Königshaus spricht von lediglich fünf Prozent des Konzerns, der an die Börse gebracht werden soll. Es wäre trotzdem der größte Börsegang aller Zeiten.

Wer Größe, Potenzial, Erfolg und Macht eines Unternehmens realitätsnah einschätzen will, ist mit dem Blick auf die Marktkapitalisierung allein denkbar schlecht bedient. Es gibt, abseits dieser Kennzahlen, ganz andere Möglichkeiten, die Bedeutung von Unternehmen zu messen. Die ETH Zürich etwa analysierte im Jahr 2012 die Querverbindungen und Netzwerke unter den Eigentümern von Konzernen. Daraus entwickelten die Forscher eine Liste von 50 Firmen, die global gesehen über den meisten Einfluss verfügen. Es handelt sich um völlig andere Unternehmen als jene, welche die internationalen Umsatz-und Marktkapitalisierungs-Rankings anführen. So sind die fünf mächtigsten Unternehmen laut ETH Zürich die britische Barclays-Bank, die US-Investmentgesellschaften Capital Group Companies und Fidelity, der französische Versicherungskonzern AXA sowie das US-Finanzunternehmen State Street Corporation.

Es zeigt sich: Die Bestimmung der Größe eines Unternehmens ist letztlich eine Frage des Standpunkts. Und den bestimmt bekanntlich der Standort.

Die zehn Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung (und die drei „größten“ österreichischen) :

Apple 593,1 Mrd. $
Alphabet (Google) 536,9 Mrd. $
Microsoft 469,6 Mrd. $
Berkshire Hathaway 390,4 Mrd. $
Amazon. com 370,7 Mrd. $
Exxon Mobil. 360,4 Mrd. $
Facebook 348,3 Mrd. $
Johnson & Johnson 307,6 Mrd. $
JP Morgan Chase 282,1 Mrd. $
General Electric 277,2 Mrd. $
Erste Group 11,4 Mrd. Euro

OMV 10 Mrd. Euro
voestalpine 6,4 Mrd. Euro

Stand: 23. November.2016

Amazon hat 475,17 Millionen Stück Aktien ausgegeben, der Kurs stand zuletzt bei 780 Dollar – ergibt eine „market cap“ in der Höhe von 370 Milliarden Dollar. Und das bei einem Gewinn 2015 von gerade einmal 596 Millionen Dollar.

Wer den gesamten Amazon-Konzern heute zum aktuellen Aktienkurs kaufen würde, müsste gut 600 Jahre warten, ehe Amazon die eigene Börsenbewertung verdient hätte. Bei Facebook wären es immerhin noch annähernd 100 Jahre, bei Apple dagegen nur 13.

An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Internet ist Zukunft, Öl dagegen Vergangenheit. Weshalb zum Beispiel Exxon Mobil mittlerweile schlechter bewertet wird als Facebook. Trotz ungleich höherer Umsätze, Gewinne, Vermögen.

Berkshire Hathaway wird derzeit an der New York Stock Exchange mit rund 390 Milliarden Dollar bewertet.

Auf diesen Börsewert kommt je ein Mitarbeiter bei:

OMV 400.000 Euro
General Electric 900.000 Euro
Facebook 21 Millionen Euro


Facebook beschäftigte zuletzt weltweit nicht mehr als 13.000 Mitarbeiter. Umsatz: 17 Milliarden Euro.
OMV kam demgegenüber auf 24.100 Beschäftigte. Umsatz: 22,5 Milliarden Euro.


Wert aller Waren und Dienstleistungen, die 2015 in Österreich geschaffen beziehungsweise erbracht wurden (Bruttoinlandsprodukt):
340 Milliarden Euro
Umsatz des weltweit umsatzstärksten Unternehmens Wal-Mart im Jahr 2015:
456 Milliarden Euro

2010 ging der US-Automobilhersteller Tesla Motors an die Nasdaq, seither stieg der Aktienkurs von 17 auf 193 Dollar, die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 29 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen noch nie schwarze Zahlen schrieb.
Telsa aktuelle Marktkapitalisierung: 29 Milliarden Dollar verkaufte Fahrzeuge 2015: 51.000
BMW aktuelle Marktkapitalisierung: 53 Milliarden Euro verkaufte Fahrzeuge 2015: 2,25 Millionen


Beschäftigungszahlen einiger der „wertvollsten“ Unternehmen (Ende 2015):

Apple 111.000 Beschäftigte
Google 62.000 Beschäftigte
Facebook 13.000 Beschäftigte
General Electric 333.000 Beschäftigte


Bei diesen 5 Organisationen arbeiten die meisten Beschäftigten:

US-Verteidigungsministerium 3,2 Millionen
Chinesische Volksbefreiungsarmee 2,3 Millionen
US-Supermarktkette Wal-Mart 2,3 Millionen
Mc Donald’s 1,9 Millionen
Nationaler Gesundheitsdienst Großbritannien 1,7 Millionen

Quelle: Weltwirtschaftsforum, 2015

Diese fünf Unternehmen sind die einflussreichsten der Welt:


Barclays Bank Großbritannien
Capital Group Companies Investmentgesellschaft USA
Fidelity Investmentgesellschaft USA
AXA Versicherung Frankreich
State Street Corporation Finanzgesellschaft USA
Barclays Bank Großbritannien

Quelle: ETH Zürich, 2012

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