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Holz machen am Friedhof

Aus profil 1/2017

Hintergärten, Friedhöfe, Maisfelder. Diese Orte tief in der rumänischen Provinz bedeuten derzeit Ärger für den österreichischen Holzkonzern Schweighofer. Warum? Dahinter steckt eine längere Geschichte.

Das Unternehmen des gebürtigen Waldviertlers Gerald Schweighofer, Marktführer bei der Holzverarbeitung in Rumänien, ist seit zwei Jahren mit Vorwürfen konfrontiert. Umweltschützer und Journalisten werfen Schweighofer vor, illegal geschlägertes Holz für seine Sägewerke zu beziehen (profil berichtete zum Beispiel hier). Auch die Staatsanwaltschaft in Bukarest ermittelt. Ergebnisse gibt es bisher nicht; Schweighofer bestreitet die Anschuldigungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Neue Vorwürfe bringt nun die US-Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) auf. Die Aktivisten inspizierten unter anderem Frachtbriefe von Schweighofer-Lieferanten. Diese müssen Satelliten-Koordinaten jener Orte enthalten, an denen das Holz geschlägert wurde. Die EIA besuchte 22 der Orte in Rumänien – und: Bei zehn handelt es sich laut EIA gar nicht um Wälder, sondern etwa um Friedhöfe und Maisfelder (siehe Bilder). Laut EIA „ein Beleg dafür, dass die Koordinaten gefälscht sind und die Bäume andernorts illegal gefällt wurden“. Schweighofer, fordert die EIA, müsse die Herkunft seines Holzes nachvollziehbar machen.

FRIEDHOF, Ferăstrău-Oituz Breitengrad 46.203037, Längengrad 26.572838 (Foto: EIA)

FRIEDHOF, Ferăstrău-Oituz Breitengrad 46.203037, Längengrad 26.572838
(Foto: EIA)

Schweighofer hält dagegen. In einer Stellungnahme spricht das Management davon, dass die Geräte zur Ermittlung der Koordinaten – etwa Tablet-Computer – oft in Büros oder etwa an Straßenrändern bedient werden statt direkt vor Ort der Schlägerungen. Dies mache, genauso wie die teilweise schlechte Netzabdeckung, die Daten oft „inakkurat“. Zudem habe Schweighofer gar keine Einsicht, sondern nur die Forstbehörden.

MAISFELD, Podoleni Breitengrad 46.768662, Längengrad 26.63172 (Foto: EIA)

MAISFELD, Podoleni Breitengrad 46.768662, Längengrad 26.63172
(Foto: EIA)

Doch Ärger für Schweighofer kommt nicht nur von der EIA. Auch eine Untersuchungskommission der Organisation FSC (Forest Stewardship Council), die nachhaltig geschlägerte Holzbetriebe zertifiziert, übt Kritik. Sie resümiert in einem 100-Seiten-Bericht Mitte Dezember, es gebe „eine Vielzahl von überzeugenden Hinweisen, dass das Unternehmen Holz aus Quellen erworben hat, die nach rumänischem Recht nicht als legal bezeichnet werden können“.

Schweighofer droht nun der Entzug des prestigereichen FSC-Siegels. Bis Februar muss das Unternehmen alle mutmaßlichen Missstände abstellen. Der Fall zieht Kreise: Laut rumänischen Medien hat etwa die Baumarktkette Hornbach die Schweighofer-Produkte aus Rumäniens Filialen entfernt.

 HINTERGARTEN, Solca Breitengrad 47.697756, Längengrad 25.83639 (Foto: EIA)


HINTERGARTEN, Solca Breitengrad 47.697756, Längengrad 25.83639
(Foto: EIA)

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Wie wird ein Sowjetpanzer zum Hammer, Herr Zinner?

Aus dem FALTER 29/2013

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ steht in der Bibel. Eine deutsche Baumarktgruppe hat dieses Zitat nun wörtlich genommen, zumindest fast.

Vergangenes Jahr kaufte das Unternehmen Hornbach von einem Privatsammler einen demilitarisierten tschechoslowakischen Panzer sowjetischer Bauart. Es war ein fahrtüchtiger BMP-1, Baujahr 1984, 13,5 Tonnen. Die Hornbach-Werber ließen den Panzer einschmelzen und aus dem Stahl 7000 Hämmer fertigen. In streng limitierter und nummerierter Auflage (und in ansprechender Verpackung) gingen die Werkzeuge dieser Tage über die Ladentische deutscher und österreichischer Baumärkte. Was einst im Westen Schrecken verbreitete, liegt heute also als Marketing-Gag neben der Baumarkt-Kassa.

Josef Zinner, Sprecher von Hornbach Österreich

Josef Zinner, Sprecher von Hornbach Österreich

„Die Aktion war ein voller Erfolg“, freut sich Josef Zinner, Pressesprecher von Hornbach Österreich. Der Restposten der Roten Armee hat Zinners Firma zur wohl aufsehenerregendsten Werbeaktion ihrer Geschichte verholfen. Nach nur vier Tagen waren die Hämmer ausverkauft – trotz des Preises von 25 Euro. Hunderttausende klickten zudem auf jene Werbevideos im Internet, die die Verwandlung vom Panzer zum Hammer darstellen. Selbstverständlich sind sie unterlegt von grobschlächtigen Männergesichtern und martialischem Soundtrack.

Fragt sich nur: Was kann man auf so eine Aktion noch draufsetzen? Dieselbe Sache ein zweites Mal wäre abgeschmackt, sagt Zinner. „Vielleicht“, scherzt er, „kaufen wir ja bald einen Draken und machen Wasserwaagen daraus.“

Foto: Hornbach

Foto: Hornbach

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