Schlagwort-Archive: Holocaust

Jetzt auch auf DVD: das vergessene jüdische Leben in Sechshaus

Aus dem FALTER 45/2013

Joseph Gepp

Der verschwundene jüdische Alltag Wiens, er fand nicht nur in den großbürgerlichen Palais der Ringstraße und auf der sogenannten „Mazzesinsel“ in der Leopoldstadt statt. Eine heute fast vergessene jüdische Gemeinde rund um einige Synagogen und Vereinshäuser gab es bis zum Jahr 1938 auch in der Herklotzgasse in Sechshaus im 15. Bezirk. Sie war eher kleinbürgerlich geprägt.

Die untergegangene Welt hat in den vergangenen Jahren die sogenannte Initiative Herklotzgasse 21 aufgearbeitet. Historiker und Aktivisten organisierten Ausstellungen und Grätzelspaziergänge. Ergänzt wurde dies von historischer Rekonstruktionsarbeit. In zahlreichen Zeitzeugengesprächen erzählten vertriebene Rudolfsheim-Fünfhauser, die heute meist in Israel leben, ihre Geschichte.

Diese Gespräche bieten Einblicke ins Gemeindeleben, in die Geschichte der Vertreibung wie auch in den Alltag im Wien der 1930er-Jahre. Sie wurden vom Stadtsender W24 ausgestrahlt. Rund um den 9. November werden sie anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht wiederholt. Ab 11. November gibt es die Interviews auch als Doppel-DVD mit umfangreichem Booklet zu kaufen. Der Preis beträgt 14 Euro.

Zu beziehen unter: strom@w24.at

Mehr zum Projekt Herzklotzgasse (Jänner 2008)

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Eingeordnet unter Stadtgeschichte

Jüdische Zeitzeugen: der Fünfzehnte im Strom der Erinnerung

Aus dem FALTER 9/2013

Joseph Gepp

Wer an die jüdische Geschichte Wiens denkt, dem kommen gemeinhin Ringstraßen-Palais oder die Leopoldstädter Mazzesinsel in den Sinn. Doch auch im 15. Bezirk gab es bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine rege jüdische Gemeinde. Sie war kleinbürgerlich geprägt. Neben zwei Synagogen war ihr Zentrum das Haus Herklotzgasse 21, das gleichermaßen als Grätzeltreff, Sozialzentrum und Sportstätte diente.

In jahrelanger Beschäftigung hat eine Initiative von Wienern, das Projekt Herklotzgasse 21, die fast vergessene jüdische Geschichte der Herklotzgasse aufgearbeitet. Dafür wurden auch Zeitzeugen interviewt, die einst von den Nazis vertrieben wurden und seither über alle Welt verstreut sind.

Was die Vertriebenen aus der einstigen Vorstadt erzählen, sendet ab Anfang März der Stadtsender W24 anlässlich des 75. Jahrestags des „Anschlusses“. 150 Tage lang wird an jedem Abend, jeweils um 20 Uhr, 15 Minuten lang ein Zeitzeuge zu Wort kommen. Sie sprechen über die untergegangene jüdische Alltagskultur und jüdisches Vereinsleben, über den Anschluss an Hitlerdeutschland und die Monate davor und danach.

4.3. bis 31.7., Mo-Fr, 20 Uhr, W24

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Eingeordnet unter Medien, Stadtgeschichte

Ein Diplomat als Lebensretter

Joseph Gepp

Bis heute zieren seine Denkmäler nicht nur die ungarische Hauptstadt Budapest. Raoul Wallenberg, schwedischer Diplomat im Ungarn des Zweiten Weltkriegs, rettete tausende dortige Juden vor dem Holocaust. Er stellte dazu sogenannte Schutzpässe aus und ergriff andere Hilfsmaßnahmen. Wallenberg starb 1947 in Moskau, wohin ihn die Sowjetarmee verschleppt hatte. Tanja Schult, Dozentin an der Universität Uppsala in Schweden, hat sich auf vielfältige Weise mit Wallenberg auseinandergesetzt. Sie dissertierte etwa über seine Darstellung in zeitgenössischen Denkmälern und kuratierte eine Wallenberg-Ausstellung in Stockholm. In Wien spricht Schult kommende Woche über „Raoul Wallenberg in Kunst und Populärkultur“. Der Eintritt ist frei.

Raoul Wallenberg (Wikipedia)

Raoul Wallenberg (Wikipedia)

Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Dachfoyer, Do 18.30

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Eingeordnet unter Ungarn

Das Prinzip Besa: die letzte Zuflucht vor dem Holocaust

Aus dem FALTER 46/2011

Joseph Gepp

Von Ungarn nach Weißrussland, von Litauen in die Ukraine – während des Zweiten Weltkriegs wurde der allergrößte Teil der einst riesigen jüdischen Bevölkerung in Osteuropa von den Nazis und ihren Verbündeten ermordet.

Nur in Albanien überlebten trotz deutscher Besatzung praktisch alle Juden. Der Grund ist die Hilfe, die die muslimische Mehrheit, oft selbst unter Lebensgefahr, den Bedrängten zukommen ließ.

Sie liegt in einem alten Gewohnheitsrecht, dem „Kanun“, begründet. „Besa“ lautet darin das Prinzip, das die Hilfe zu einer Frage der Ehre erklärt. Der Kanun ist in Teilen von Nordalbanien immer noch gültig. Ins westliche Blickfeld gerät er manchmal bei Blutrachefällen – oder durch die Romane von Ismael Kadare.

In Kooperation mit dem Jerusalemer Museum Yad Vashem sind bis 17. Jänner im Nestroyhof im zweiten Bezirk Bilder des US-Fotografen Norman Gershman ausgestellt. Sie befassen sich mit dem Prinzip Besa während des Holocausts – und erzählen, wie in einem kaum beachteten Winkel von Europa während des Weltkriegs Außergewöhnliches möglich wurde.

17.11. bis 17.1., Mo-Fr 11-18 Uhr, 2., Nestroyplatz 1

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Eingeordnet unter Balkan, Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Wien