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Grünfärberei

Aus dem profil 26/2019 vom 23.6.2019

Ölheizungen sind die Klimakiller schlechthin. Nun wirbt die dahinterstehende Branche damit, dass sie angeblich klimaneutral werden. Ein verantwortungsloser Öko-Schmäh, sagen Kritiker.

Von
Joseph Gepp

Wenn es ums klimafreundliche Heizen geht, tut sich eine Branche besonders schwer: die Verkäufer von Ölheizungen und des dazugehörigen Heizöls. Immer noch heizt damit rund jeder sechste Haushalt in Österreich, vor allem im ländlichen Raum. Doch damit soll besser heute als morgen Schluss sein, meinen Umweltschützer und Politiker aller Couleurs. Das Heizöl schwankt nicht nur extrem im Preis, es ist vor allem das mit Abstand klimaschädlichste Heizsystem (mehr noch als die ebenfalls umstrittenen Gasheizungen, siehe Geschichte links). Mit dem Pariser Klimaziel 2015, demzufolge der globale Temperaturanstieg bis 2050 auf unter zwei Grad begrenzt werden soll, gelten Ölheizungen als keinesfalls vereinbar. In den Bundesländern Niederösterreich und Wien gilt seit heuer ein Verbot, sie in Neubauten zu installieren. (hier ein umfangreicherer Artikel dazu aus dem Jahr 2018).

Für die Branche geht es also ums Überleben. Und sie führt den Kampf um ihre Zukunft mit fragwürdigen Methoden, sagen Kritiker.

Konkret wird derzeit in Zeitungsinseraten geworben: „Eine grüne Ölheizung hat Zukunft.“ Die Gestaltung der Annoncen wirkt, als würde hier eine staatliche Einrichtung Umweltfördergelder verteilen: „Heute modernisieren, morgen profitieren.“ Doch dahinter steckt eine privatwirtschaftliche Initiative: Die Firma Heizen mit Öl GmbH in Wien ist eine Gründung der heimischen Wirtschaftskammer-Fachverbände für Mineralölindustrie und Energiehandel.

Was soll das sein, die grüne Ölheizung? Konkret wirbt die Branche dafür, künftig nicht mehr klassisches Öl aus fossiler Quelle zu verbrennen, sondern „Hydrotreated Vegetable Oil“ (HVO), also tierische und vor allem pflanzliche Öle. Weil es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt, wäre dies klimaneutral.

„Mogelpackung“,“Irrweg“, „Ablenkungsmanöver“ – Johannes Wahlmüller, Aktivist von der Umweltschutzorganisation Global 2000, kritisiert die Aktion scharf. Würde man nämlich die erforderlichen HVO-Brennstoffe innerhalb Österreichs erzeugen, „bräuchte man dafür ganze 50 bis 80 Prozent der heimischen Ackerfläche“, sagt Wahlmüller. „Weil das undenkbar ist, lassen sich grüne Ölheizungen in Wahrheit nur betreiben, indem man HVO im großen Stil importiert.“ Und woher? Jenes HVO, das derzeit nach Österreich kommt (vor allem zur Erzeugung von Bio-Diesel), besteht zu 85 Prozent aus Palmöl. Für dessen Erzeugung werde in Indonesien der Regenwald abgeholzt, so Wahlmüller. Keine Spur also von grün.

„Palmöl ist für uns keine Option“, hält Jürgen Roth dagegen, Obmann des Wirtschaftskammer-Fachverbandes Energiehandel. Woher aber soll sonst der Brennstoff für die grünen Ölheizungen kommen, ohne dass ein Gutteil heimischer Ackerflächen draufgeht? Roth sieht mittelfristig im sogenannten „Power-to-Liquid- Verfahren“ viel Potenzial: In diesem hochkomplexen Prozess kann aus Strom, etwa aus Sonnenenergie, synthetisches Öl erzeugt werden. Dieses ließe sich dann im Ölkessel verheizen. „Ich bin mir zu 95 Prozent sicher, dass wir schon innerhalb eines Jahrzehnts über solche erneuerbaren Kraftstoffe verfügen“, sagt Roth. Das Problem daran: Das Konzept steht sehr am Anfang; in Europa laufen erst wenige Pilotanlagen. Zur Erzeugung des künstlichen Öls bräuchte es enorme Mengen Elektrizität. Ist die Technologie dereinst ausgereift, wird diese -ziemlich teure -Flüssigkeit wohl letztlich nicht im Heizkessel landen, sondern eher für andere Zwecke eingesetzt werden, zum Beispiel als klimaneutrales Kerosin für Flugzeuge.

Ist es angesichts all dessen wirklich angebracht, per Werbekampagne angeblich grüne Ölheizungen als ausgereifte Technologie zu präsentieren – als reale Option für die Masse der Österreicher? Roth empfindet Kritik daran als unfair: „Den perfekten Energieträger wird es nie geben“, sagt er. „Immerhin erforschen wir, welche ökologischen Alternativen zur fossilen Energie in der Zukunft zur Verfügung stehen.“

Die Causa ist brisant, weil der Großteil der Ölheizungen in Österreich veraltet ist -in den kommenden Jahren stehen sie zum Austausch an. Hundertausende Österreicher müssen also bald wählen, ob sie beim Heizöl bleiben oder lieber auf ein ökologischeres System umsteigen, etwa auf Biomasse oder eine elektrisch betriebene Wärmepumpe.

Vor diesem Hintergrund tönt nicht nur aus den Reihen der Umweltschützer die Kritik, dass die Heizölbranche mit Grünfärberei auf Kundenfang gehe. Bereits im März meldete sich Elisabeth Köstinger zu Wort, damals noch ÖVP-Umweltministerin. Per Twitter drückte sie ihr Missfallen über die Kampagne aus. Heizen mit Öl sei keinesfalls Teil der österreichischen Strategie für mehr Klimaschutz, so Köstinger. „Auch wenn private Fördervereine das suggerieren wollen.“

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Förderstopp

Aus dem profil 26/18 vom 25.06.2018

Von
Joseph Gepp

Es erregt seit Jahren scharfe Kritik. Der Ölkonzern OMV – zu 31,5 Prozent im Staatsbesitz – fördert gezielt den Einbau von Ölheizungen. Konkret können Österreichs Haushalte bei der Initiative „Heizen mit Öl“ mit Sitz in Wien Zuschüsse von einigen Tausend Euro beantragen, wenn sie eine Heizung installieren wollen. Das Geld kommt von der OMV und anderen Heizölunternehmen. Die Aktion soll dafür sorgen, dass Ölheizungen nicht aussterben – obwohl sie ökologisch höchst umstritten sind. Die schwarz-blaue Regierung plant im Koalitionsprogramm gar den „Ausstieg aus Ölheizungen im Neubau“. Auch Umweltorganisationen wie Global 2000 kritisieren die OMV immer wieder, weil sie die Förderungen nicht einstellt. Nun aber scheint sich im Konzern ein Kurswechsel abzuzeichnen. In einer nicht öffentlichen Stellungnahme zur Klimastrategie, die profil vorliegt, schreibt die OMV an das Umweltministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP):“OMV bekennt sich zu nachhaltigen Heizsystemen. Deshalb wird OMV die Unterstützung der Aktion ,Heizen mit Öl‘ in seiner aktuellen Form auslaufen lassen.“ Ende der Aktion also? Gegenüber profil will man den Ausstieg dann doch nicht bestätigen. „OMV evaluiert zurzeit ihre Position“, heißt es in einem knappen Statement.

Mehr zur umstrittenen Förderung von Ölheizungen:
Kesselflicken vom Dezember 2017
Kesselschlacht vom März 2018

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Kesselflicken

Aus profil 52/2017

Weil es klimaschädlich und preislich unbeständig ist, heizen immer weniger Österreicher mit Öl. Heizöl-Unternehmen und Wirtschaftskammer kämpfen um die Zukunft der Branche – mit umstrittenen Methoden.

Von Joseph Gepp

Es stammt aus weit entfernten, politisch oft instabilen Gefilden. Es schwankt im Preis, mit saftigen Ausschlägen nach oben. Und vor allem: Es ist klimaschädlicher als alle anderen Arten des Heizens. Nimmt man den CO2 Ausstieg bis zum Jahr 2050 ernst, wie er bei der Klimakonferenz von Paris paktiert worden ist, dann müsste es eigentlich schon verboten sein.

Das Zeitalter des Heizöls ist vorbei – das sagen mittlerweile nicht nur Grüne und Umweltschützer, sondern Politiker aller Couleurs. Immer wieder werden Verbote angedacht. Im ÖVP-regierten Niederösterreich etwa werden Ölheizkessel in Neubauten ab dem Jahr 2019 nicht mehr erlaubt sein. Von Österreichs Steuerzahlern gefördert wird der Einbau von Ölheizungen sowieso längst nicht mehr. Bereits 2008 beschlossen sämtliche Bundesländer, alle Subventionen dafür einzustellen.

Eine Heizmethode ist nicht mehr am Stand der Zeit, und die Politik reagiert. Damit könnte diese Geschichte auch schon wieder vorbei sein. Ist sie aber nicht. Denn wer ins Internet blickt, bemerkt: Es gibt durchaus großzügige Fördermöglichkeiten für jene, die trotz allem am Heizöl festhalten möchten. Zuschüsse zwischen 2500 und 5000 Euro winken jenen Hausbesitzern, die sich entschließen, ihre alten Ölheizkessel durch neue zu ersetzen – dies verkündet eine Initiative namens „Heizen mit Öl“ auf ihrer Website. Die Antragstellung läuft unkompliziert via Web-Formular. Garniert ist das in Aussicht gestellte Geldgeschenk – dessen Höhe grob der Hälfte der Anschaffungskosten einer durchschnittlichen Ölheizanlage entspricht – mit Gewinnspielen und Werbevideos.

Wer fördert hier, was als unzeitgemäß und umweltschädlich gilt? Und warum? Jedenfalls erregt die Aktion den Widerstand der Landespolitiker. Ihnen ist daran gelegen, dass die umstrittenen Ölkessel ehestmöglich von erneuerbaren Heizformen wie Wärmepumpen und Holz-Pellets abgelöst werden. „Die Förderung des Heizöls führt in eine Kostenund Klimafalle“, sagt Stephan Pernkopf, ÖVP-Vizelandeshauptmann von Niederösterreich, „denn wenn die Menschen auf einen neuen Ölkessel umsteigen, binden sie sich damit erst wieder jahrzehntelang ans Heizöl.“ Anton Lang, steirischer SPÖ-Umweltlandesrat, sekundiert: „Wir müssen hier gegen eine starke Öl-Lobby antreten.“ Die neue schwarzblaue Regierung plant laut Regierungprogramm den „mittelfristigen Ausstieg aus Ölheizungen im Neubau“ für ganz Österreich. „Es ist ein Wahnsinn, dass heute immer noch Ölheizungen subventioniert werden“, sagt ein FPÖ-Verhandler, der seinen Namen nicht preisgeben möchte.

Laut der Österreichischen Energieagentur heizt derzeit rund jeder sechste Haushalt im Land mit Öl. 613.000 Ölheizungen sind in Betrieb – vor allem in ländlichen Regionen, in freistehenden Häusern und im Westen des Landes. Doch die Zahl sinkt rapide. Laut Statistik Austria beträgt der Rückgang der Ölheizungen seit dem Jahr 2003 fast ein Drittel. Der Grund ist nicht nur der hohe CO2-Ausstoß, sondern auch die unbeständigen Preise. Die Energieagentur warnt vor Schwankungen von bis zu 30 Prozent jährlich, was etwa mit Instabilitäten beim Rohölpreis zusammenhängt. Eine Ölheizung bietet also nicht gerade Planungssicherheit – weder preislich noch mit Blick auf etwaige Verbote, die künftig aus Klimaschutzgründen drohen könnten.

Im Jahr 2009 trat die Aktion „Heizen mit Öl“ auf den Plan. Seither wurden laut eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro jährlich an Förderungen ausgeschüttet und österreichweit knapp 50.000 Ölheizkessel ausgetauscht. Wer steckt nun hinter der Initiative, die als GmbH mit Sitz in Wien-Leopoldstadt organisiert ist? Laut Firmenbuch halten zwei Fachverbände der Wirtschaftskammer – jene für Mineralölindustrie und Energiehandel – zwei Drittel des Unternehmens. Ein weiteres Drittel ist dem Wiener „Institut für Wärme-und Öltechnik“ (IWO) zuzurechnen. Im Vorstand dieses Vereins sitzen etwa Vertreter der OMV, des burgenländischen Heizölhandelsunternehmens MMM Energie und des Salzburger Energiehändlers Leikermoser.

Fazit: Die Heizöl-Branche selbst (insgesamt rund 40 Unternehmen) ist angetreten, um den Niedergang der Ölheizung zu bremsen – mithilfe einer privaten Förderpolitik, die allen staatlichen Zielen entgegensteht. Woher kommt das Geld dafür? In der Energiebranche wird gemunkelt, dass jedes heimische Unternehmen, das Heizöl verkauft, auf je 1000 Liter Öl genau zehn Euro abliefert.

Martin Reichard, Geschäftsführer von „Heizen mit Öl“, will auf derlei Finanzierungsdetails nicht eingehen. „Der Fonds für die Förderzahlungen wird durch die Unternehmen der Mineralölwirtschaft finanziert, die unterschiedlich hohe Beiträge leisten“, sagt er nur. Offen bleibt auch die Frage, ob sich Österreichs Heizölkunden ihre Kessel-Förderung schlussendlich nicht selber bezahlen. Denn: Die Heizöl- Unternehmen könnten sich ja jenes Geld, mit dem sie neue Anlagen subventionieren, wieder hereinholen -über geringfügig höhere Heizölpreise, welche sie ihren Kunden verrechnen. Auch dazu könne er nichts sagen, meint Reichard. „Aus kartellrechtlichen Gründen unterliegt die Preisgestaltung aller Produkte der Entscheidung der einzelnen Unternehmen.“

Die Förderung von Heizölanlagen sei jedenfalls richtig und wichtig, beteuert der Geschäftsführer – trotz allen Widerstands von Politikern und Umweltschützern. Bei der Modernisierung einer Heizung bleibe ein Heizölsystem meist die beste Variante. Bei nicht sanierten Häusern am Land beispielsweise könne der Umstieg auf eine alternative Heizung -etwa eine Wärmepumpe -teuer kommen, sagt Reichard. Dieser sei oft mit einer aufwendigen Sanierung verbunden, unter anderem, weil Fenster und Dach ausgetauscht werden müssen. Außerdem: Eine Ölheizung modernen Zuschnitts, ein sogenanntes Brennwertgerät, läuft um bis zu 40 Prozent energiesparender als ein alter Kessel. Und sei zudem im Gegensatz zu anderen Heizformen praktisch feinstaubfrei, sagt Reichard. Fazit: Der Hauseigentümer bleibt zwar bei der dreckigsten aller Heizformen – aber wenigstens ist sie nicht mehr so dreckig wie zuvor.

Kritiker verweisen dagegen auf die Lebensdauer von Ölkesseln. „Wer sich heute eine Ölheizung anschafft, hat sie noch in einigen Jahrzehnten“, sagt Johannes Schmidl vom Wiener Energieeffizienz-Unternehmen Save Energy Austria, „dann, wenn laut Pariser Klimaabkommen längst kein CO2 mehr ausgestoßen werden darf.“ Wird hier also eine sterbende Heizöl-Industrie künstlich am Leben erhalten? Zahlen die Zeche dafür letztlich die Konsumenten, die auf unbrauchbar gewordenen Kesseln sitzen bleiben?

Nein, sagt Ölheizungs-Vertreter Reichard. Denn in naher Zukunft werde es möglich sein, Ölkessel mit erneuerbaren und klimaneutralen flüssigen Brennstoffen zu betreiben. „Statt mit konventionellem Heizöl heizen wir künftig mit alternativen flüssigen Kohlenwasserstoffen aus nachwachsenden Quellen. An der Umsetzung wird derzeit intensiv gearbeitet.“ Die Rede ist etwa von Ölen aus unterschiedlichen Pflanzen -derlei Energiequellen wären weitgehend klimaneutral.

Allerdings: Diese Entwicklung steht noch ganz am Anfang. Bis klimaneutrales Bio-Heizöl tatsächlich zum Einsatz kommt – falls überhaupt möglich –, können noch Jahrzehnte vergehen.

Bis dahin fördert die Initiative weiterhin den Einbau von Kesseln für ganz normales Heizöl. Kürzlich gab es übrigens einen Grund zu feiern. Wie „Heizen mit Öl“ auf seiner Website verkündet, hat sich soeben Antragsteller Nummer 50.000 seine Förderung abgeholt. Er darf sich nun nicht nur über ein paar Förder-Tausender freuen, sondern gleich über eine nagelneue Ölheizung. Als Geschenk.

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