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Prater: Vom Rummeln ins Grüne

Aus der FALTER:Woche 31/2011

Für die weitläufigen Wiesen und Auwälder des Grünen Praters gilt grundsätzlich: Man suche sich jene Teile von ihnen, die möglichst wild und menschenleer sind. Für den Wurstelprater – also den mit Ringelspielen, Bierhäusern und sonstigen Attraktionen – gilt umgekehrt: Man besuche ihn möglichst dann, wenn alle hingehen. Nur dann entfaltet er zur Gänze seinen Charme.

Letzteres trifft traditionellerweise vor allem am 1. Mai und am 6. August zu. Am 1. Mai findet das bekannte Maifest statt, am 6. August der etwas weniger bekannte Praterrummel.

Der kommende Samstag eignet sich also perfekt für einen Besuch im Prater. Auf das Rummeln im Vergnügungspark könnte ein Gang in den Grünen Prater folgen, in dem selbst eingefleischte Wiener aufgrund seiner schieren Größe immer wieder Neues entdecken.

Doch zunächst zum Praterrummel: Zwischen 12 und 13 Uhr sind die allermeisten Fahrten gratis. Dazu gibt es Kinderanimationsprogramme, diverse Gewinnspiele und sogar einen Aufmarsch historischer Gruppen (um ca. 16 Uhr). Unterlegt wird all dies von Musik von „Austro Pop über Swing, Boogie, bis hin zu Country“, wie es auf der Website des Wiener Praterservice heißt. Wem das jetzt etwas abgeschmackt vorkommt, dem sei gesagt: Genau das ist es wohl, was Touristiker meinen, wenn sie vom „Zauber des Praters“ sprechen.

Sechs Quadratkilometer umfasst der Grüne Prater, doppelt so viel wie der New Yorker Central Park. Wer ihn nach dem Rummeln besser kennenlernen will, dem sei zum Beispiel ein Besuch des Heustadlwassers empfohlen. Es ist ein alter Arm der Donau, der – vom Happel-Stadion ausgehend – malerisch durch den Park mäandert. Ideal zum Joggen, Radfahren und Spazierengehen.

Wenige hundert Meter weiter steht ein anderes Gebäudeensemble, das im Vergleich zum übervollen Praterrummel als Geheimtipp gelten darf: die letzten verbliebenen Pavillons der Weltausstellung 1873. Etwas verlassen und von Gestrüpp überwuchert stehen die prachtvollen Gründerzeithäuser zwischen der Trabrennbahn Krieau und dem Stadion. Besichtigen kann man sie leider nur von außen, sie dienen als Ateliers für Bildhauer.

Wer danach noch Zeit und Lust hat, der kann sich noch weiter an die Peripherie des Praters vorwagen. Beim Lusthaus und weiter stadtauswärts nimmt die Menschendichte radikal ab. Unweit von hier – in Richtung Donau – steht eine kleine Kirche namens Maria Grün. Ganz unvermittelt taucht sie im Wald auf: Wer sie sieht, versteht, warum sie bei manchen Esoterikern als Kraftort gilt. Vorsicht ist allerdings vor Gelsen geboten, die hier in Schwärmen angreifen.

Hinter Maria Grün führen Trampelpfade ins Waldinnere, in eine Aulandschaft mit gewundenen Flussärmen, verfallenen Heiligenstatuen und Bombentrichtern aus dem Zweiten Weltkrieg, die heute sumpfige Tümpel beinhalten. Wer den Wald nach einigen hundert Metern verlässt und auf Höhe des Fischrestaurants Lindmayer das Donauufer erklimmt, stößt auf das nächste Gebäude, das als Kraftort durchgehen könnte: die buddhistische Pagode von 1983 samt goldener, drei Meter hoher Buddhastatue.

Etwas südlich von hier liegt die Galopprennbahn Freudenau samt gründerzeitlichen Tribünen. Um tatsächlich ein Pferderennen zu sehen, ist zwar ein sonntäglicher Besuch auf der Trabrennbahn Krieau weiter stadteinwärts besser geeignet. Die Freudenau ist aber architektonisch interessanter, außerdem gastieren hier sporadisch Festivitäten: Am 10. September etwa geht hier das Day&Night-Festival mit Künstlern wie Tiefschwarz oder Aphrodite über die Bühne.

Einige Tage zuvor, am 3. und 4. September, findet auf der Jesuitenwiese ebenfalls eine empfehlenswerte Veranstaltung statt: das Volksstimmefest, dessen überbordender Retro-Charme die Stimmung des Praters auf den Punkt bringt.

Vorerst jedoch sollte der Besucher des Praterrummels am 6. August bedenken, rechtzeitig gegen 22 Uhr wieder zurück im Volksprater zu sein: Dann nämlich klingt der Tag mit einem großen Feuerwerk aus.

Praterrummel, 6. August Information: http://www.praterservice.at/de/veranstaltungen/117
Joseph Gepp

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Unterwegs abseits der ausgetretenen Pfade: Was der Prater außer Riesenrad und Schweizerhaus zu bieten hat

Aus dem FALTER 24/11
Ressort: Extra

Joseph Gepp

Wer sehen will, wie sehr die Wiener dem Herdentrieb folgen, der braucht nur an einem sonnigen Wochenende die Prater-Hauptallee zu besuchen. An ihrem Beginn, unweit von Praterstern und Wurstelprater, stauen sich die Menschen, massenweise Spaziergänger, Jogger und Sonnenhungrige. Weiter hinten jedoch, bei Stadion, Lusthaus und darüber hinaus, wird die Menschendichte deutlich geringer. Schade für viele Wiener, dass sie versäumen, was auf dem 6-Quadratkilometer-Areal alles abseits der ausgetretenen Pfade liegt. Gut für jene, die sich die Mühe machen, den Stadtwald etwas genauer zu erkunden.

Ein Geheimtipp sind beispielsweise die letzten verbliebenen Pavillons der Wiener Weltausstellung von 1873 – prachtvolle Gründerzeitgebäude, die verlassen im Gestrüpp zwischen Trabrennbahn Krieau und Stadion stehen. Eine weitere Gründerzeitanlage findet man noch weiter stadtauswärts: die Galopprennbahn Freudenau. Am 10. September findet zwischen ihren Ställen und Tribünen das Day&Night Festival statt, unter anderen beehren dann Tiefschwarz oder Aphrodite die Rennbahn.

Ein gutes Stück stadteinwärts liegt ebenfalls ein architektonisches und musikalisches Schmankerl. Dass die Pratersauna vom 60er-Treff der Wiener Schickeria zum Club mutiert ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Ende Juni hält sie ihr eigenes Festival ab, mit dem eingängigen Namen: „Prater Unser – Das neue Festament“. Wer vor dem Tanz noch einen Happen essen will, dem sei die nahegelegene Estancia Santa Cruz an der Hauptallee empfohlen: Kommt auch die Stimmung etwas penetrant pseudo-lateinamerikanisch rüber, so sind die Spareribs doch hervorragend.

Weitere Tipps gefällig? Ein gutes Stück stadtauswärts vom Lusthaus – gleich neben dem Fischrestaurant Lindmayer – steht am Donauufer Wiens buddhistische Pagode von 1983 samt der goldenen, drei Meter großen Buddhastatue. Wer hier in den Wald geht, findet eine Aulandschaft mit alten Donauarmen, verfallenen Heiligendenkmälern auf Lichtungen und Bombenkratern aus dem Zweiten Weltkrieg, die heute Tümpel beherbergen.

Festivitätenmäßigen Retrocharme bietet außerdem das Volksstimmefest der KPÖ – am 3. und 4. September auf der Jesuitenwiese.

Wiener Prater

Jesuitenwiese
2., Rustenschacherallee
und Rotundenallee,
1020 Wien

Pratersauna
2., Waldsteingartenstraße 135
Estancia Santa Cruz
2., Prater-Hauptallee 8

Galopprennbahn Freudenau
2., Freudenau 65

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