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„Reduzieren Sie Ihre Steuerlast“

Aus profil 50/2017

Von Joseph Gepp

Kritisch blickt die Öffentlichkeit derzeit auf die Online-Buchungsplattform Airbnb. Der Verdacht: Das US-Unternehmen ermögliche es seinen Vermietern, Steuern zu hinterziehen – dies berichteten französische Medien. Wie? Den Vermietern würde ein spezielles Konto samt dazugehöriger Kreditkarte angeboten, über die sie ihre Mieteinkünfte beziehen können. Die Karte ist in Gibraltar registriert, das als Steueroase gilt. Inzwischen hat Airbnb eingeräumt, dass derlei Karten auch Vermietern in Österreich zur Verfügung gestellt werden.

Die Vorgangsweise: Wer sich auf Airbnb als Vermieter registriert, kann wählen, wie er seine Mieteinnahmen bekommen möchte. Gängige Varianten: Er lässt sich das Geld regulär aufs Bankkonto überweisen oder nutzt den Online-Bezahldienst Paypal. Oder aber er beantragt ebenjene Kreditkarte, die „Payoneer Prepaid- Debitkarte“. Mit dieser Karte – und einem Konto, das automatisch mitgegründet wird – kann der Vermieter seine Einnahmen dann von österreichischen Bankomaten beheben. Ohne Wissen des Finanzamts.

Die amerikanische Payoneer Inc. mit Europatochter in Gibraltar hat sich auf Bezahlvorgänge bei Internet- Geschäften spezialisiert. „Die Payoneer-Karten werden vor allem von jenen Vermietern in Anspruch genommen, die in Ländern leben, in denen Überweisungen oder Paypal nicht oder nur erschwert verfügbar sind“, sagt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein – etwa im Nahen Osten. „In Österreich hingegen machen Auszahlungen über Payoneer gerade mal 1,3 Prozent aus.“ Zudem weise Airbnb Vermieter darauf hin, „dass sie sich an steuerliche Regelungen halten müssen“.

Nichts dran also? Interessant sind jedenfalls auch die Bankkonten, die eröffnet werden, wenn Vermieter Payoneer-Karten anfordern. Diese werden nicht von Payoneer selbst geführt – sondern von der Choice Bank Limited im mittelamerikanischen Belize, mit der das Unternehmen laut Website permanent zusammenarbeitet. Auch Belize gilt als Steueroase. Die Choice Bank zählt auf ihrer Website auch recht freimütig ihre Vorzüge auf. „Halten Sie Ihre Finanzangelegenheiten geheim“ steht da, und: „Reduzieren Sie Ihre Steuerlast.“ Airbnb leitet seine Vermieter also zu einer Bank weiter, die ganz offensiv mit Steuervermeidung wirbt.

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