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Behinderte: Droht die Schließung der „fantastischen“ Station C3?

Aus dem FALTER 8/2015

Bericht: Joseph Gepp

Es sei eine „fantastische Station“, loben unisono Ärzte und Behindertenbetreuer in Wien. Was da am Neurologischen Zentrum Rosenhügel aufgebaut worden sei, suche in Österreich seinesgleichen. In der dortigen Abteilung C3 werden Behinderte betreut, die psychische Probleme haben. Eine herausfordernde Aufgabe, da die Patienten schwer zugänglich seien und ihre Probleme kaum artikulieren könnten. Doch die jahrzehntelange Erfahrung des Personals und das Zusammenwirken unterschiedlicher Spezialisten schaffen Beeindruckendes – dies meinen zumindest einhellig die Szenekenner.

Umso alarmierender klingt die Nachricht: C3 solle ersatzlos geschlossen werden. Vor zwei Wochen sei verfügt worden, dass man keine neuen Patienten mehr aufnehmen dürfe, heißt es in E-Mails an den Falter. Darin wird von einer „lebensbedrohlichen Unterversorgung behinderter Menschen“ gewarnt. Sigrid Alvin etwa, eine führende Behinterpsychiaterin in Österreich, hat sich in einem Brief an Ex-SPÖ-Sozialminister und nunmehrigen Behindertenanwalt Erwin Buchinger gewandt: „Andere Erwachsenenpsychiatrien sind für diese Patienten nicht eingerichtet“, heißt es darin. Es fehle ihnen an Erfahrung und vielfältiger Behandlungskapazität.

Es drohe daher Gefahr, dass Patienten künftig schlicht sediert oder gar angegurtet werden, so Alvin.

Was ist dran an der Schließung der Station? Gar nichts, sagt der rathauseigene Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) auf Falter-Nachfrage. „Es gibt keinerlei Pläne, diese wichtige Abteilung zu schließen. Ebenso gab und gibt es keinen Aufnahmestopp.“

Dass die Betroffenen trotzdem von diesem berichten, scheint mit einem ziemlichen Versorgungsnotstand zu tun zu haben, der an der C3 herrscht. Der KAV räumt ein, dass derzeit „der europaweit herrschende Fachärztemangel in der Psychiatrie eine Herausforderung darstellt“, ebenso wie ein neu implementiertes Ausbildungssystem für Fachkräfte. Jetzt verspricht die Stadt, nach einer Lösung zu suchen.

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Wie konnten Sie so viel Geld sparen, Frau Reischl?

Aus dem FALTER 16/2013

Interview: Joseph Gepp

Österreichs Krankenkassen übererfüllen ihre Sparvorgaben. Statt 1,7 Milliarden Euro wurden zwischen 2010 und 2013 fast 2,7 gespart. Wie es dazu kommt, erklärt Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse und Vorsitzende der Trägerkonferenz der Sozialversicherung.

Frau Reischl, wie konnten heimische Kassen so viel Geld sparen?

Wir hatten den Auftrag der Politik, Ziele zu erreichen, ohne bei den Patienten zu sparen – also mussten wir ambitioniert mit Vertragspartnern verhandeln. Wir haben zum Beispiel bei Computertomografie und Magnetresonanztherapie maßgebliche Kostendeckel zustande gebracht. Gerade das sind Bereiche, die massiv gewachsen sind. Außerdem sind bei Medikamenten einige Patente ausgelaufen.

Offenbar gibt es im Gesundheitswesen Sparpotenzial. Was gehen Sie jetzt an?

Seit Jänner arbeiten wir daran, die Zahl der Liegendtransporte in eine sinnvolle Relation zu Sitzendtransporten zu bringen. 75 Prozent der Patienten werden liegend transportiert, das muss nicht sein. Weiters gibt es Doppelgleisigkeiten zwischen dem niedergelassenen Bereich und Spitälern. Hier werden Patienten hin- und hergeschickt.

Die Wiener Gebietskrankenkasse hat als Einzige immer noch Schulden. Warum?

Wir konnten den Schuldenstand massiv reduzieren. Aber die Wiener Kasse hat ein Einnahmenproblem, das auch an der Sozialstruktur der Stadt liegt. Wir haben viele gutbezahlte Jobs, aber auch viele Teilzeitjobs. Etliche Industriearbeitsplätze sind verlorengegangen; auf der anderen Seite sind 50 Prozent aller österreichischen Mindestsicherungsbezieher bei der Wiener Gebietskrankenkasse versichert.

Angesichts guter Zahlen fordern Ärzte einen Ausbau, etwa von Psychotherapien. Was sagen Sie dazu?

Gerade bei der Kinderpsychotherapie beispielsweise setzen wir in Wien derzeit einen Schwerpunkt. Ich sehe hier keine Chance auf einen Ausbau. In Wien sind die Versorgung und Ärztedichte ohnehin sehr hoch.

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