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Negativausblick

Aus dem profil 35/2019 vom 25. August 2019

Deutsche Sparer wünschen sich Gesetze gegen Strafzinsen auf ihr Geld. Müssen auch Österreichs Kontoinhaber bald draufzahlen?

Dauerhaft niedrige Zinsen sorgen derzeit für Ängste unter Deutschlands Sparern. Was wäre, wenn Banken die Negativzinsen an sie weiterreichen würden -wenn die Sparer die Finanzinstitute also dafür bezahlen müssten, dass sie Vermögen bei ihnen deponieren dürfen? Was absurd klingt, geschieht derzeit laut deutschen Medien bereits in Einzelfällen -wenn auch nicht bei gewöhnlichen Sparern, sondern bei großen Fonds und Unternehmen. Nun fürchten Politiker, dass das Phänomen auf die Sparer überschwappen könnte -und fordern Maßnahmen. Bayern CSU-Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will ein gesetzliches Verbot von Negativzinsen. Es soll für alle Sparer gelten, die weniger als 100.000 Euro auf der Bank haben. Das deutsche Finanzministerium unter Olaf Scholz (SPD) prüft gerade, inwiefern sich der Vorschlag realisieren ließe.

Und in Österreich? Klar ist, dass auch hierzulande die Banken unter den historisch beispiellosen Niedrigzinsen stöhnen. Sie selbst müssen Negativzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB) berappen, wenn sie dort Gelder deponiert haben. Laut einer Studie der Banking-Plattform Deposit Solutions zahlten Österreichs Banken seit dem Jahr 2016 auf diesem Wege insgesamt 356 Millionen Euro an Strafzinsen. Könnten auch in Österreich Negativzinsen für Sparer drohen -und ein etwaiges Verbot ins Gespräch kommen? Nein, sagt Jim Lefèbre, Sprecher des (parteifreien) Finanzministers Eduard Müller. In Österreich würden nämlich – im Gegensatz zu Deutschland -bereits bestehende Gesetze verhindern, dass Negativzinsen verrechnet werden. „Die Verzinsung von Spareinlagen ist in Paragraf 32 des Bankwesengesetzes geregelt“, so Lefèbre. „Aus zahlreichen dort geregelten Vorgangsweisen ist abzuleiten, dass der Gesetzgeber von Positivzinsen ausgegangen ist und Negativzinsen ausgeschlossen hat. Die Banken folgen dieser Rechtsansicht und verrechnen keine Negativzinsen.“ Nachsatz: „Die Zinsen sind aber mit ein bis zwei Basispunkten sehr bescheiden.“ Daran wird sich auch so bald nichts ändern. Denn die gute Wirtschaftslage trübt sich gerade in vielen Staaten deutlich ein (siehe auch Zahl der Woche rechts). Heißt: Die Zinsen – ohnehin bereits, wenn überhaupt, nur minimal – bleiben noch sehr lange niedrig. Joseph Gepp

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Glosse: Das war meine Woche

Aus dem profil 43/2017

Ich verfolge gern kleine Sozialexperimente im Kurznachrichtendienst Twitter. Eines davon: Ein Twitterant hat irgendwo in seinem Büro ein paar Cent gefunden. Spaßeshalber platziert er sie auf einen Tisch, und jeden Tag legt er nun einige Kupfermünzen dazu. Der Mann möchte erfahren: Wie hoch muss die Summe sein, damit jemand das – scheinbar herrenlose – Geld an sich nimmt?

Das bringt mich zur Überlegung, wie ich selbst vorgehen würde. Zunächst würde ich wohl unterscheiden, ob das Geld auf einem Tisch oder auf dem Boden liegt. Bei Letzterem liegt die Vermutung näher, dass es tatsächlich jemand verloren hat – und nicht nur zwischenzeitlich kurz abgelegt. Also würde ich eher zugreifen.

Und ab welcher Summe? Vielleicht ab zehn Cent, schätze ich. Aber entspricht dies dem Verhalten der Mehrheit? In einem Internet-Blog findet sich dazu eine (zugegebenermaßen eher unrepräsentative) Online-Umfrage unter 104 Befragten. Verblüffendes Ergebnis: 53 Prozent geben an, sich selbst nach Ein-Cent-Münzen auf dem Boden zu bücken. Weitere 22 Prozent liegen mit ihrer Zehn-Cent-Grenze ungefähr gleichauf mit mir. Nochmals 22 Prozent ignorieren Zehn-Cent-Münzen und streben ausschließlich nach höheren Werten. Vier Prozent langen überhaupt erst bei Banknoten zu. Und das letzte Prozent? Gibt an, sich nie und nimmer nach Geld zu bücken.

Das ist eine mutige Ansage. Aber soll man sie glauben? Es muss doch irgendeinen Betrag geben, an dem das letzte Prozent seinen hehren Grundsatz über Bord wirft und das Geld aufhebt – und sei es zum Zweck, es zum nächsten Fundamt zu bringen.

Auf die Antwort auf diese Frage müssen wir noch lange warten. Das Twitter-Experiment steht gerade erst bei 28 Cent.

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Glosse: Das war meine Woche

Aus profil 38/2017

Ich habe gelesen, dass es jetzt auch Briefmarken aus Holz gibt. Die Österreichische Post brachte sie vergangene Woche auf den Markt. Die Marken wurden aus dem Holz einer einzigen Eiche im Wienerwald gestanzt und zeigen – Überraschung! – eine Eiche. Briefmarken sind üblicherweise aus Papier, weshalb eine hölzerne landesweit für Aufsehen und Sammlerinteresse sorgt. Ein Prinzip, das sich auch aufs Geld umlegen lässt. Klingelt es nicht spätestens jetzt bei Ihnen, liebe Produktentwickler in den Zentralbanken und Münzprägestätten dieses Kontinents? Münzen bestehen gemeinhin aus Metall – wie langweilig! Wie wäre es mit Euro aus Wienerwald-Eichenholz, Edelsteinmehl, Hochlandrind-Knochen oder dauerhaltbarem Lebkuchen? Sammler und Anleger würden außer sich geraten vor Freude. Die darbenden Staatskassen würden klingeln. Bisher hat lediglich die international nicht anerkannte Republik Transnistrien im Jahr 2014 Rubel-Münzen aus Kunststoff herausgegeben (siehe Bild oben – sie erinnern ein wenig an Casino-Jetons). Außerdem fand man in Sachsen nach dem Ersten Weltkrieg eine kreative Antwort auf die allgemeine Metallknappheit: Münzen aus rotem Porzellan. Alles nur zaghafte Versuche. Da geht mehr! Übrigens: Sollte die Idee verwirklicht werden, freut sich der Autor dieser Zeilen über eine geringe Erfolgsbeteiligung. Am liebsten in hartem Metallgeld.

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Glosse: Das war meine Woche

Aus profil 37/2017

Ich dachte immer, der Handel mit Münzen sei ein nüchternes Geschäft. Da geht es um Gewichtsangaben, Edelmetallgehalte und – bei alten Stücken – um die Herkunft und Art der Prägung. Aber die Münze Österreich belehrt mich eines Besseren. Das Münzgeschäft kann auch locker-flockig sein, fast ein Event.

Mitte vergangener Woche. Bereits frühmorgens warteten die ersten Kaufwilligen vor der Tür von Österreichs Münzprägegesellschaft im 3. Wiener Bezirk, teilweise ausgerüstet mit Campingsesseln und Thermosflaschen. Sie standen um eine neue Drei-Euro-Münze im Sortiment an. Motiv: ein kleiner bunter Eisvogel. Man mag es kaum glauben, das Federvieh auf der Münze leuchtet sogar in der Nacht.

Es ist nicht das erste Tier. Die Serie „Die bunte Welt der Tiere“, die seit einigen Jahren läuft, beinhaltete bisher auch Fledermäuse, Tiger und Krokodile. Wem das zu profan ist, der könnte die Münze-Österreich-Serie „Engel – Himmlische Boten“ in Betracht ziehen. Die Kupfer- oder Silberteile zeigen die Erzengel Michael und Gabriel. Allerdings leuchten sie nicht in der Nacht, wiewohl sich das angesichts ihrer religiösen Aura anbieten würde.

Kitsch!, hört man da schon den Kultur-Snob rufen. Gebt uns altehrwürdige Semmeringbahn-Viadukte und verstorbene Bundespräsidenten zurück! Oder am besten: dicklippige Habsburger-Gesichter! Aber verschont uns mit Engerln und Viecherln im Neon-Look.

Doch wer so argumentiert, kennt den Markt nicht. Der Eisvogel war bereits am Tag nach der Erstausgabe ausverkauft. Während der Ausgabepreis zehn Euro betrug, wurde die Münze tags darauf im Internet um 40 bis 90 Euro gehandelt. Der leuchtende Tiger bringt es gar auf 150 Euro.

Im November kommt übrigens der Wolf dran. Holen Sie schon mal die Campingsessel raus!

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Glosse: Das war meine Woche

Aus profil 33/2017

Ich staune darüber, dass es auch bei Banknoten so etwas wie technischen Fortschritt gibt. In Großbritannien beispielsweise werden gerade die Pfundnoten erneuert. Die neue Fünf-Pfund-Note, eingeführt vor einem Jahr, sei nicht nur haltbarer und reißfester als bisher, schwärmt die Bank Of England. Sie hält auch mehrere Waschgänge aus.

Es gibt aber einen Wermutstropfen. Beziehungsweise einen Fetttropfen. Der Schein besteht zu einem geringen Anteil aus Talg, tierischem Fett, vor allem von Rindern. Spuren davon sei in den Polymerkügelchen enthalten, die das Grundmaterial des Scheins bilden, so die Zentralbank auf Nachfrage kritischer Vegetarier.

Jetzt hat Großbritannien neben Brexit, Wohnungsnot und anderen Lappalien auch ein Rinderfett-Problem. 130.000 Menschen haben eine Petition gegen die Scheine unterschrieben. „Das ist inakzeptabel für Millionen Veganer, Vegetarier, Hindus, Sikhs und Jains“, heißt es. Einzelne Hindu-Tempel akzeptieren die Scheine sogar nicht, so britische Medien.

Die Bank of England jedoch verweigert die Umstellung auf eine rein pflanzliche Produktionsweise. Dann nämlich würden die Scheine das ökologisch umstrittene Palmöl enthalten. Es scheint so, als bliebe aufrechten Tierfett-Verweigerern nur die Möglichkeit, große Mengen Münzen bei sich zu tragen, am besten im garantiert pflanzlichen Jutesack. Oder sie zahlen mit Kreditkarte.

Wie sieht es auf dem europäischen Festland mit Tierfett in Geldscheinen aus? Auf profil-Anfrage antwortert die EZB in Frankfurt, sie seien zu 100 Prozent vegan: „Die Euro-Scheine bestehen zur Gänze aus Baumwollfasern und enthalten keine tierischen Spuren.“ Festland-Vegetarier können aufatmen. Darauf einen Soja-Latte.

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Glosse: Das war meine Woche

Aus profil 29/2017

Ich gestehe: Ich habe einmal ein Handtuch aus einem Hotel gestohlen. Mein Motiv war – zu meiner Verteidigung – nicht nur Habgier, sondern auch die Freude an kuriosen Dingen. Das Hotel hatte nämlich, zurückhaltend formuliert, seine besten Tage hinter sich. Statt wie üblich das Hotellogo auf die Handtücher zu sticken, war man hier auf die Idee verfallen, den Namen des Hotels einfach mit wasserdichtem Filzstift auf sie zu schreiben. Das hat was.

Außerdem bin ich in guter Gesellschaft. Das bayerische Tourismus-Unternehmen Wellness Heaven hat eine Erhebung unter 1026 Hoteliers aus mehreren Ländern publiziert. Handtücher führen demnach die Liste der Hotel- Diebsgüter an. 78,2 Prozent der befragten Manager gaben an, dass sie regelmäßig entwendet werden. Dahinter folgen Bademäntel und Kleiderhaken.

Interessant wird es bei der Frage, ob sich hinsichtlich der Nationalität der Gäste Unterschiede feststellen lassen. Siehe da: Ein tiefer Riss im Diebsverhalten klafft vor allem zwischen Deutschen und Österreichern. Erstere stehlen gern konventionelle Dinge wie Hotel-Kosmetik-Körbchen, Letztere haben es auf Besonderheiten abgesehen: Essbestecke etwa oder gar die Kaffeemaschinen, die sich in vielen Hotelzimmern finden.

Auffällig ist schließlich die Diskrepanz zwischen Vier-Sterne-und Fünf-Sterne- Gästen: Dass die Besserbetuchten teurere Dinge stehlen -etwa Bettdecken und Bilder an der Wand -, mag nicht überraschen. Aber: Immerhin elf Prozent der Fünf-Sterne-Gäste schnappen sich auch gern einmal die Batterien aus den Zimmergeräten (bei Vier-Sterne-Gästen: 30 Prozent). Reich wird anscheinend, wer bei den kleinen Dingen spart.

Auf die Idee, im Hotelzimmer meinen Bestand an Batterien aufzubessern, wäre selbst ein geständiger Handtuchdieb wie ich nicht gekommen. Und auch was die nationalen Eigenheiten von Österreichern betrifft, falle ich offenbar aus dem Muster. Essbesteck? Wenn, dann im Restaurant.

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Das war meine Woche

Aus profil 11/2017

Kolumne: Joseph Gepp

Ich frage mich, was ich anstellen würde, besäße ich 65 Millionen Dollar. Mir fiele sicher etwas ein. Aber auf das, was die Brüder Tyler und Cameron Winklevoss tun, wäre ich garantiert nicht gekommen. Die US-Amerikaner sind jenes Gespann, dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einst angeblich die Idee für sein soziales Netzwerk abgeluchst hat. Im Jahr 2008 erhielten sie als Entschädigung besagte 65 Millionen. Diese nutzen sie seither, um einen Plan voranzutreiben. Am kommenden Montag soll dafür die Bewilligung durch die US-Börsenaufsicht erfolgen: Die Winklevoss-Brüder wollen den weltweit ersten Bitcoin-Fonds gründen.

Bitcoin ist jene Krypo-Währung, die nur in Form digitaler Impulse existiert. Die Erzeugung neuer Bitcoins ist derart programmiert, dass immer weniger von ihnen entstehen, je mehr es bereits gibt. Die Bitcoins werden also knapper. So etwas freut Spekulanten. Der Bitcoin-Kurs schwankt zwar extrem, hat sich aber insgesamt in den vergangenen Jahren mehr als verfünffacht. Derzeit erreicht der Bitcoin nie gekannte Höhen; einer ist rund 1100 Euro wert.

Warum der Höhenflug? Eben wegen des geplanten Bitcoin-Fonds. Sobald (und sofern) er zustande kommt, muss man nicht mehr auf komplexen und intransparenten Handelsplattformen Bitcoins erwerben, um von deren Wertzuwachs zu profitieren. Ich kann meine Euro stattdessen dem – vergleichsweise transparenten – Winklevoss-Fonds überantworten, der Bitcoins ankauft. Wenn der Bitcoin steigt, wird auch mein Geld mehr.

Wie wird sich der neue Fonds also auf den Wert des Bitcoin auswirken? Erraten! Er wird, zumindest kurzfristig, weiter steigen. Bis die Bitcoin-Blase möglicherweise platzt. Momentan aber reißen sich noch viele Anleger um Bitcoins.

All das erklärt wohl auch, warum sich die Gebrüder Winklevoss für ein derart schräges Projekt wie den Bitcoin-Fonds ins Zeug hauen. Sie besitzen nämlich laut eigenen Angaben ungefähr ein Prozent aller Bitcoins, die im Umlauf sind.

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