Schlagwort-Archive: Erzdiözese Wien

Sie wollen ihre Kirche: Schönborns Ärger mit der polnischen Gemeinde

Aus dem FALTER 34/2013

Joseph Gepp

Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit tobt in Wien seit Monaten ein kleiner Glaubenskrieg. Es geht um die Pfarre Neulerchenfeld in Ottakring. In dieser Kirche feiern Wiens polnische Katholiken ihre Messen auf Polnisch. Doch die Erzdiözese will das Gebäude an die christlich-orthodoxen Serben verschenken. Diesen nämlich stehen – ganz im Gegensatz zu den Katholiken – viel zu wenige Kirchengebäude in Wien zur Verfügung.

Womit Kardinal Schönborn jedoch nicht gerechnet hat, ist der massive Widerstand der Polen unter Pfarrer Tadeusz Cichon. Ihnen wurde zwar die unweit gelegene Kirche Mariä Namen als Ersatzquartier angeboten. Doch die Gemeinde argumentiert, viel Geld und Liebe in ihre alte Kirche gesteckt zu haben. Cichon und seine Mitstreiter wollen sie sich deshalb nicht nehmen lassen.

Inzwischen gingen sie sogar bis in den Vatikan, um ihr Anliegen vorzubringen – vergeblich. Jetzt wenden sich die Polen als letzte Möglichkeit an die Kleruskongregation, gewissermaßen ein Höchstgericht im Vatikan.

Die Erzdiözese Wien will trotz aller Widerstände an der geplanten Schenkung am Neulerchenfeld festhalten. Im Herbst soll sie nach jahrelanger Vorbereitung endgültig über die Bühne gehen.


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250.000 € für Kirche in Aspern: Wieso wurde sie nicht gebaut?

Aus dem FALTER 29/2013

Joseph Gepp

Der ÖVP-dominierte Wiener Stadterweiterungsfonds vergebe „satzungswidrig“ Spenden, kritisiert derzeit der Rechnungshof. Im Gespräch ist neben weiteren Projekten auch eine 250.000-Euro-Spende für eine geplante Kirche am Flugfeld Aspern im Jahr 2008, für die weder Bauplan noch Flächenwidmung existieren. Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien, nimmt Stellung.

Falter: Herr Prüller, warum wurde die geplante Kirche nicht gebaut?


Michael Prüller:
Die Realisierung der Seestadt Aspern dauert länger als angenommen. Der nördlichere Teil des Flugfeldes, wo die Kirche geplant ist, ist derzeit noch Wüste. Nun läuft der Prozess der Flächenwidmung. Das müssen wir abwarten, um die Kirche planen zu können. Trotzdem ist die Kirche ein fixes Vorhaben, das in Übereinstimmung mit den Planern der Seestadt erfolgt.

Und wann ist Baubeginn?

Prüller: Sobald wir aufgrund der Flächenwidmung einen Bauplatz zugewiesen bekommen, fangen wir mit der Detailplanung an. Aus heutiger Sicht kann ich noch nicht sagen, wann der Baubeginn erfolgt. Ursprünglich haben wir gehofft, dass die Kirche im Jahr 2013 schon stehen könnte.

Werden die 250.000 Euro Spenden für den Bau reichen?

Prüller: Bei weitem nicht. Die Kirche wird mindestens das Zehnfache davon kosten. Es ist ja auch ein ökumenisches Gemeindezentrum bei diesem Projekt inkludiert. Immerhin sollen in Aspern bald 20.000 Leute wohnen – da können Sie nicht nur eine kleine Kapelle hinstellen.

Wann wurde eigentlich die letzte Kirche in Wien eröffnet?


Prüller:
Das war im Jahr 2000 die Donaucity-Kirche. Wie die nunmehr geplante Kirche in Aspern entstand auch sie in einem Stadterweiterungsgebiet. Der Bau kostete damals – noch in Schilling – 50 Millionen. Von ähnlichen Dimensionen gehen wir nunmehr auch in Aspern aus.

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Polen, Serben und die Erzdiözese: Ottakrings kleiner Glaubenskrieg

Aus dem FALTER 24/11

Joseph Gepp

So bringt man sich in eine verfahrene Situation: Weil Wiens katholische Kirchen oft leer stehen, will die Erzdiözese einige der – in der Erhaltung teuren – Kirchengebäude an andere Christen verschenken: vor allem an die zahlreichen Wiener Serbisch-Orthodoxen, die Orte für ihre Gottesdienste suchen. Nachdem der erste Versuch – die Übergabe der prachtvollen Maria vom Siege am Gürtel – am Denkmalschutz scheiterte, glaubt Kardinal Schönborn nun in Ottakring fündig geworden zu sein. Dass die schlichtere Neulerchenfelder Kirche den Serben gegeben werden soll, scheint vonseiten der Diözese fix.

Mit einer Sache hat der Bischof aber nicht gerechnet: Gerade hier hält die polnische Gemeinde um Pfarrer Tadeusz Cichon ihre Messen ab. Im Gegensatz zur taufscheinkatholischen Mehrheit sind Wiens 36.000 Polen neben 50.000 Kroaten äußerst brave Katholiken. Ausgerechnet mit den treuesten Schäfchen muss die Diözese nun also streiten. Cichon will nicht weichen und hat sogar den Vatikan angerufen. Dieser setzte die Schenkung vorerst aus und zwang die Streithähne zu Verhandlungen. Dieser Tage finden die Gespräche zwischen Erzdiözese und den widerspenstigen Polen statt – mit einer Lösung wird vorerst nicht gerechnet.

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