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Buchtipp: Die Krise verstehen

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Welche historischen Denker prägen unsere moderne Sicht auf die Ökonomie und ihre Krisen? Was erklärt in der österreichischen Öffentlichkeit komplizierte Wirtschaftsangelegenheiten? Was sind die Ursachen der seit 2008 andauernden Krise? Und was wären mögliche Auswege?

Journalisten der Wiener Wochenzeitung Falter und Ökonomie-Experten unter anderem von der Wiener Arbeiterkammer erklären in diesem Buch alles, was man wissen muss, um die Debatten über die Krise zu verstehen – abseits der üblichen Sprechblasen des Wirtschaftsjournalismus.

Neu im Falter Verlag.

Joseph Gepp (Hg.): Die Krise verstehen. Ökonomie: die Debatten, die Theorien, die Denker, die Lehren. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem, was unsere Wirtschaft bewegt. 216 Seiten, € 19.90.

Hier kann man es kaufen.

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„Es geht um die Frage, ob wir im richtigen Wirtschaftssystem leben“

Aus der FALTER-Beilage „Die Krise verstehen“ 34/2014


Interview: Joseph Gepp

Annette C. Anton ist Cheflektorin für Sachbuch bei den deutschen Verlagen DVA, Siedler, und Pantheon und arbeitete davor sechs Jahre als Verlagsmanagerin und Programmleiterin beim Campus Verlag.

Falter: Frau Anton, wie wird ein Wirtschaftssachbuch erfolgreich?

Annette Anton: Wüsste ich das, würde ich nur noch erfolgreiche Bücher machen. Aber es gibt immerhin zwei Zutaten für ein erfolgreiches Wirtschaftsbuch: ein bekannter Autor, zum Beispiel ein Topjournalist wie der US-Amerikaner Michael Lewis oder renommierte Experten wie George Soros oder Joseph Stiglitz. Und weiters eine gute Geschichte, wobei sich dies nicht nur auf den Plot bezieht, sondern auch auf das Aufzeigen von Zusammenhängen.

Ist das Interesse an Wirtschaftsbüchern mit der Krise gestiegen?

Anton: Ja, nach 2008 spürten wir das eindeutig. Über die Wirtschaftsverlage hinaus bemühen sich seither auch große Publikumsverlage intensiv um Wirtschaftsthemen, sodass es mit der Zeit wieder schwieriger wurde auf diesem Gebiet, weil schon derart viele Bücher erschienen waren. Heute will meiner Ansicht nach kaum noch jemand über die eigentliche Krise lesen. Von schieren Krisenerklärungen weg verlagert sich das Interesse hin zu allgemeineren Büchern über Kapitalismuskritik – zum Beispiel zu David Graebers „Schulden“, Thomas Piketty und Felix Martin. Heute geht es mehr um die Frage, ob wir im richtigen Wirtschaftssystem leben.

Wohin, glauben Sie, wird sich das Interesse der Leser künftig entwickeln?

Anton: Das zu erspüren, ist die große Herausforderung von Verlagen. Ich denke, das Spektrum der Wirtschaftsbücher wird breiter. Die Debatte über ein vernünftiges Leben und Nachhaltigkeit etwa ist ein Ausläufer der Krisenthematik. Viele Wirtschaftsbücher werden heute gar nicht mehr von den Lesern als solche wahrgenommen.

Und welche Bücher verkaufen sich innerhalb dieses breiten Spektrums?

Anton:
Ich halte die Arbeitswelt für einen lang anhaltenden Trend. Viele Arbeitnehmer wünschen sich ein erfüllteres Arbeitsleben und greifen zu Büchern von Martin Wehrle oder Förster/Kreuz. Das Spektrum reicht von Ratgeberbüchern bis zur gehobenen Management-Literatur, wie Reinhard Sprenger sie schreibt. Ein zweiter Trend ist es, Mechanismen hinter Wirtschaftsabläufen zu erklären. Ich will hier nochmals auf Lewis verweisen. Sein „Flash Boys“ erklärt wie kein anderes Buch, was „Börse“ heutzutage bedeutet – so etwas wollen die Kunden lesen.

Hier gibt es die komplette Ökonomie-Beilage zu bestellen

(inklusive umfassende Rezension von Lewis‘ „Flash Boys“ von John Lanchester)

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„Wir brauchen einen Wirtschaftsjournalismus für Dummies“

Aus der FALTER-Beilage „Die Krise verstehen“ 34/2014

Interview: Joseph Gepp

Reinhard Christl war Wirtschaftsjournalist, leitete bis 2014 Medien-Fachhochschulen in Wien und St. Pölten und ist heute als Medienberater tätig

Falter: Herr Christl, Sie fordern gern einen anderen Wirtschaftsjournalismus. Warum?

Reinhard Christl: Wirtschaftsjournalismus – und das sage ich als Ex-Wirtschaftsjournalist durchaus selbstkritisch – war immer eine Sache für Insider. Den Wirtschaftsteil einer Zeitung haben früher Banker, Finanzexperten, Manager und Volkswirte vom Wifo gelesen. Das hat sich jedoch spätestens seit der Finanzkrise massiv geändert.

Wieso?

Reinhard Christl fordert einen neuen Wirtschaftsjournalismus

Reinhard Christl fordert einen neuen Wirtschaftsjournalismus

Christl: Einerseits will man Antworten, wie man etwa sein Geld anlegen soll und ob die eigene Pension sicher ist. Andererseits ist heute die politische Berichterstattung stärker mit wirtschaftlichen Themen durchsetzt. Wer sich bei Globalisierung, Finanzkrise oder EU-Rettungsschirm nicht auskennt, kann nicht mitreden.

Was braucht ein neuer Wirtschaftsjournalismus?

Christl: Zunächst mehr Allgemeinverständlichkeit. Es müsste eine massive Übersetzungsarbeit aus dem Ökonomenjargon geleistet werden. Wir brauchen, wenn Sie so wollen, einen Wirtschaftsjournalismus für Dummies. Zweitens bräuchte es weniger strikte Ressortgrenzen im Journalismus – Wirtschaft, EU und Innenpolitik könnten beispielsweise ein Großressort werden.

In Medien wird derzeit überall massiv gespart. Liegen Probleme, wie Sie sie schildern, wirklich an der Verfasstheit des Wirtschaftsjournalismus?

Christl: Natürlich gibt es auch andere Faktoren. Neben dem Spardruck in den Medien denke ich hier etwa an die zunehmende Bedeutung der PR. Wenn auf einen Journalisten im Schnitt drei PR-Leute kommen, macht das bei ohnehin grassierendem Zeitdruck den Blick hinter die Kulissen immer schwieriger. Weiters möchte ich die wissenschaftliche Kultur nennen: Im angelsächsischen Raum etwa fühlen sich Akademiker viel stärker der Allgemeinverständlichkeit verpflichtet als im deutschsprachigen.

Welche Medien sollen Wirtschaftsinteressierte lesen?


Christl:
Auf Englisch etwa die Kolumne von Paul Krugman in der New York Times sowie den Economist. Im deutschsprachigen Journalismus rate ich zu Zeit und Spiegel. In Österreich kann ich etwa Eric Frey im Standard und Josef Urschitz in der Presse empfehlen, wenn es um die allgemeinverständliche Erklärung politisch-wirtschaftlicher Zusammenhänge geht.

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