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Glücksspiel: Kampf um Millionen – und die Stadt Wien hält sich raus

Aus dem FALTER 25/2014

Joseph Gepp

Die Argusaugen mehrerer Konzerne und ihrer Lobbyisten richten sich zurzeit auf das Wiener Finanzministerium. Dort soll bis Ende Juni eine Entscheidung fallen, bei der es um Millionenprofite geht: Wer bekommt Lizenzen zur Eröffnung von Casinos in Wien und Niederösterreich?

Zur Auswahl stehen – in Wien – vier Bewerber: Der Ex-Monopolist Casinos Austria will im 19. Bezirk eine neue Spielbank eröffnen, die Novomatic ihr Casino im Böhmischen Prater ausbauen. Dazu gesellen sich zwei Luxusoptionen: Der Investor Michael Tojner und ein US-Konzern wollen ein Casino im Hotel Intercontinental aufmachen; die deutsche Gauselmann-Gruppe und die Schweizer Stadtcasinos Baden eines im derzeit leerstehenden Palais Schwarzenberg.

In Niederösterreich rittern die Casinos Austria und Novomatic um Lizenzen, mit Wunschstandorten in Krems und Bruck an der Leitha.

Im Finanzministerium hat sich laut Presse inzwischen ein dafür zuständiger Beirat in allen Fragen für die Casinos Austria entschieden – doch die Letztentscheidung steht noch aus.

Interessant ist dabei auch die Rolle der Länder. Die dürfen laut Glücksspielgesetz eine Stellungnahme mit ihrer Lieblingsvariante abgeben. Niederösterreich hat dies laut Presse schon getan: Das Gumpoldskirchner Unternehmen Novomatic und sein geplanter Standort in Bruck an der Leitha seien „klar zu präferieren“. Und Wien?

Laut dem Büro von SPÖ-Vizebürgermeisterin und Finanzstadträtin Renate Brauner macht die Gemeinde von ihrem Recht zur Stellungnahme keinen Gebrauch. Weder betreffend Standortfrage noch etwa in Sachen Spielerschutz oder Arbeitsplätze scheint das Rathaus eine bevorzugte Option zu haben. Die Sache sei „bundesweit geregelt“, es bestehe zur Stellungnahme „kein Anlass“, so Brauner-Sprecher Klaus Kienesberger.

Dabei müsste das Rathaus noch nicht einmal den Gemeinderat für die Stellungnahme bemühen. In dem festgelegten Prozedere würde ein Brief des Magistrats ausreichen.

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Palais Schwarzenberg: ein Park für das Volk, ein Casino für die Elite

Aus dem FALTER 14/2014

Bericht: Joseph Gepp
Foto: Heribert Corn

Vögel zwitschern, durch Baumkronen leuchtet die Sonne: Einen so friedlichen, idyllischen Park wie diesen findet man in Wien kein zweites Mal. Doch der Frieden hat einen guten Grund: Hier darf fast keiner rein.

Der Park hinter dem Palais Schwarzenberg, ein verwilderter Barockgarten, erstreckt sich vom Schwarzenbergplatz bis fast zum Gürtel. Ein riesiger nichtöffentlicher Grünraum, mitten in Wien. Betreten durften ihn bisher nur einige Anrainer. Das soll sich nun ändern: Die Besitzerfamilie Schwarzenberg bietet der Republik Österreich einen Deal an.

Wenn ins prunkvolle Palais Schwarzenberg ein mondänes Casino einziehen darf, betrieben vom Schweizer Stadtcasino Baden – dann sollen im Gegenzug große Teile des Parks öffentlich zugänglich gemacht werden.

Und wenn der Plan scheitert? Dann droht in Palast und Park der Schwarzenbergs ein exklusiver Country-Club für reiche Russen oder Araber. Und das Wienervolk bleibt draußen.

Putten blicken auf leere Wege: Der Park hinter dem Palais       Schwarzenberg ist für die Öffentlichkeit derzeit nicht       zugänglich. Das soll sich nun nach dem Wunsch der Familie       Schwarzenberg ändern - sofern ins Palais ein Casino kommen darf (Foto: Corn)

Putten blicken auf leere Wege: Der Park hinter dem Palais
Schwarzenberg ist für die Öffentlichkeit derzeit nicht
zugänglich. Das soll sich nun nach dem Wunsch der Familie
Schwarzenberg ändern – sofern ins Palais ein Casino kommen darf (Foto: Corn)

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