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Draht nach Wien

Aus dem profil 31/2019 vom 28.07.2019

Wie es den Chef der österreichischen Bundespensionskasse in eine Firma mit dem skandalumwitterten US-Milliardär Jeffrey Epstein verschlug.

Von Joseph Gepp

Sein Freundeskreis ist schillernd – er reicht vom US-Präsidenten Donald Trump über den britischen Prinzen Andrew bis zu Israels Ex-Premier Ehud Barak. Seine Verhaftung Anfang Juli wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger machte weltweit Schlagzeilen. Vergangene Woche wurde der US-Unternehmer Jeffrey Epstein, 66, verletzt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Der Wall-Street-Milliardär ist tief gefallen. Nun ergibt sich in der Causa Epstein eine Verbindung nach Österreich. Wie das internationale Journalistenkollektiv ICIJ und die US-Zeitung „Miami Herald“ berichten, stand Epstein in den 2000er-Jahren diskreten Unternehmen in Steueroasen vor. Unter anderem fungierte er zwischen 2000 und 2007 als Vorstand einer Liquid Funding Ltd. auf den Bermudas. Dieses Unternehmen gehörte teilweise der US-Investmentbank Bear Stearns. Das Finanzinstitut musste später infolge der Finanzkrise 2008 an J.P. Morgan notverkauft werden. Zuvor hatte Epstein dort höchst erfolgreich als Börsen-Trader gearbeitet.

„Im Offshore-Konstrukt Liquid Funding Ltd. waren einige jener Finanzinstrumente geparkt, die später zu Synonymen für jene finanziellen Exzesse wurden, welche die Krise auslösten“, schreiben die Journalisten des ICIJ auf ihrer Website, „seien es Mortgage Backed Securities oder Collateralized Loan Obligations“.

Die Informationen zur Liquid Funding stammen aus den „Paradise Papers“, einem Datenleck aus dem Jahr 2017. Damals ermöglichten Akten der britischen Anwaltskanzlei Appleby einen tiefen Einblick in Offshore-Firmenkonstrukte. Laut Paradise Papers hatte Epsteins Liquid Funding zwölf Direktoren, also Aufsichtsräte. Einer davon: der Österreicher Marcus Klug, heute einer von zwei Vorständen der österreichischen Bundespensionskasse AG. Dabei handelt es sich um eine betriebliche Pensionskasse im Besitz der Republik, vertreten durch das Finanzministerium. Laut „Paradise Papers“ fungierte Klug zwischen 2001 und 2005 als Direktor der Liquid Funding auf den Bermudas.

Wie kam es dazu? Klug arbeitete zu dieser Zeit als Portfolio-Manager beim heimischen Versicherungskonzern Uniqa Group. „Bear Stearns hat dem Uniqa-Konzern damals ein Investment in Liquid Funding angeboten“, erklärt Klug in einer schriftlichen Stellungnahme an profil. Liquid Funding sei „ein Investmentvehikel ähnlich einem geschlossenen Fonds“ gewesen, spezialisiert auf „Asset Backed Securities“. Bear Stearns hatte die Liquid Fundings gegründet und anschließend Anteile an der Offshore-Firma an internationale Investoren verkauft -unter anderem an die Uniqa. „Alle Investoren haben Vertreter in das Direktorium entsandt, um Bear Stearns, die das Investmentvehikel verwaltet haben, zu überwachen“, so Klug.

Für die Uniqa kam Klug somit als Direktor in die Liquid Funding. Das Engagement endete 2005, als Klug bei der Uniqa ausschied – und damit auch seinen Direktorenposten bei der Liquid Funding zurücklegte. Drei Jahre danach wechselte er in die Bundespensionskasse.

„Sitzungen der Direktoren der Liquid Funding Ltd. gab es nicht“, schreibt Klug. Und: „Mit Herrn Epstein gab es keinen Kontakt.“

Nachträgliche Ergänzung: Epstein wurde am 10.8.2019 tot in seiner Zelle aufgefunden.

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