Archiv der Kategorie: Unternehmen

Der Leiner ist seiner

Aus dem profil 25/18 vom 18.06.2018

Benko erwirbt Kika/Leiner. Kann das gut gehen? In Deutschland erweist sich eine Übernahme ähnlicher Art jedenfalls bisher als Erfolg.

Von
Joseph Gepp
Christina Hiptmayr

Vergangenen Donnerstagabend. Nach zähen Verhandlungen wird -am Tag vor profil-Redaktionsschluss -bekannt: Die Signa Holding des Tiroler Geschäftsmanns René Benko übernimmt vom angeschlagenen deutsch-südafrikanischen Möbelkonzern Steinhoff die heimische Möbelkette Kika/Leiner. Sie ist hinter XXXLutz die zweitgrößte des Landes. Zuvor hat Kika/Leiner die Pleite gedroht. Jetzt atmet die Öffentlichkeit auf. „5000 Jobs gesichert“, titelt die „Kronen Zeitung“. Aber ist der Jubel nicht verfrüht? Immerhin kennt man den erst 41-jährigen Benko nicht gerade als Einzelhandelsmanager, sondern als Immobilientycoon. Schlaglichter einer kurzen und durchaus auffälligen Karriere: der Kauf des Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, des KaDeWe in Berlin, des Goldenen Quartiers in Wien. Allesamt Luxusprojekte mit Fokus auf Immobilien in Top-Lagen, die mit der Übernahme einer Möbelkette wenig gemein haben.

Trotzdem ist Benko in seiner Karriere auch schon einmal ein Wagnis à la Kika/Leiner eingegangen. 2014 übernahm er die – ebenfalls angeschlagene -deutsche Warenhauskette Karstadt (derzeit 81 Häuser und 19.000 Mitarbeiter). Der Tiroler versprach zwar eine Sanierung. Doch die Öffentlichkeit blieb angesichts des „Möchtegern-Retters“ („FAZ“) skeptisch. Es gehe ihm vor allem darum, die Karstadt-Immobilien auszuschlachten, so der Vorwurf. Der Streit mit Gewerkschaftern und Betriebsräten über harte Einschnitte füllte Zeitungsseiten. Und heute? Einige Karstadt-Häuser mussten schließen, rund 2000 Mitarbeiter wurden abgebaut. Doch als Ganzes verbucht die Kette seit 2015 wieder operative Gewinne. Dazu trägt beispielsweise bei, dass der Vorstandsvorsitzende Stephan Fanderl den Wildwuchs an Marken im Sortiment stark einschränkte. Gestrafft wurde auch die Karstadt-Führungsebene. Die Zentrale in Essen verlor laut „Manager-Magazin“ ganze 40 Prozent ihrer Mitarbeiter. Heute zeigt sich sogar die Gewerkschaft mit dem Schicksal von Karstadt einigermaßen zufrieden. „Benko hat die Zusagen, die er beim Karstadt-Kauf gegeben hat, im Großen und Ganzen eingehalten“, sagt Günter Isemeyer, Sprecher des Vorstandes der Gewerkschaft verdi. „Karstadt hat sich erholt.“ Derzeit stehe an, das kollektivvertragliche System für die Mitarbeiter, das in der Krise ausgesetzt worden ist, wieder einzuführen. Auch wenn es dabei „einige Irritationen“ gebe – im Großen und Ganzen attestiert Isemeyer dem Neo-Eigentümer Benko doch „Verbindlichkeit und ein relativ klares Konzept“.

Wird sich das erfolgreiche Karstadt-Experiment in Österreich wiederholen lassen? Kaum eine Branche gilt hierzulande als derart umkämpft und übersättigt wie der Möbelmarkt -es wird also schwierig werden für Kika/Leiner, gegen die mächtigen Konkurrenten XXXLutz und Ikea wieder Meter zu machen. Außerdem könnte der Deal noch platzen; bis Juli hat die Signa ein Rücktrittsrecht. Trotzdem: Vorsichtiger Optimismus ist angebracht.

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Frühstart

Aus dem profil 13/2018

Ab diesem Wochenende fliegen die Jets von Niki Lauda für die Lufthansa-Tochter Eurowings. Dabei ist die Wettbewerbsbehörde noch mittendrin, sich den Deal anzusehen.

Von
Joseph Gepp

Es wurde als „österreichische Lösung“ angepriesen. Im Jänner kaufte Ex-Rennfahrer Niki Lauda die Fluglinie Niki, ein Tochterunternehmen der insolventen Air Berlin, das er einst selbst gegründet hatte. Zur Übernahme durch Lauda war es gekommen, weil die EU-Wettbewerbshüter zuvor verboten hatten, dass die deutsche Lufthansa die Niki erwirbt. Grund: Die Deutschen hätten bereits viel zu viele Marktanteile.

Nun aber stellt sich heraus, dass die Trennung zwischen Lauda und der Lufthansa nicht so scharf ist wie gedacht. Dieser Tage beginnt eine enge Kooperation. Im Rahmen eines sogenannten Wetlease-Geschäfts vermietet Laudas Laudamotion acht Flugzeuge an die Eurowings, die Billigflug-Tochter der Lufthansa. Die Zusammenarbeit laufe zunächst bis Mai, sagt Laudamotion-Sprecherin Milene Platzer.

Allerdings: Lauda macht die Rechnung vorerst ohne die Wettbewerbsbehörden in Wien, Bonn und Brüssel. Ein Wetlease-Geschäft gilt als kartellrechtlich heikel. Immerhin könnte es nach sich ziehen, dass die Lufthansa mehr Marktmacht hinzugewinnt -also das, was die Behörden verhindern wollen. Noch Mitte März hat laut APA gar Lauda selbst bei einer Pressekonferenz gesagt, er halte ein Wetlease-Geschäft aus Wettbewerbsgründen für eher unwahrscheinlich.

In Österreich erhebt gerade die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) in Wien, „ob das Geschäft negative Auswirkungen auf den Markt hat und es zu Wettbewerbsverzerrungen kommt“, erläutert BWB- Sprecherin Sarah Fürlinger gegenüber profil. „Nach Ostern werden wir sagen, ob das Geschäft möglich ist oder ob wir Bedenken haben.“ Auch beim deutschen Bundeskartellamt in Bonn laufen „Gespräche“, so Behördensprecher Kay Weidner. Und schließlich erklärt eine Sprecherin der EU-Wettbewerbsbehörde in Brüssel gegenüber profil: „Die Kommission verfolgt die Entwicklung aufmerksam.“

Vorläufig jedenfalls haben Lauda und Lufthansa Fakten geschaffen. Bereits dieses Wochenende hebt die deutsch-österreichische Partnerschaft erstmals ab. Von Wien, Düsseldorf und Palma de Mallorca.

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