Archiv der Kategorie: Umwelt und Klima

Kein Weg

Aus profil, 36/2018 vom 03.09.2018

Österreichs Supermärkte bieten neuerdings Milch in Glasflaschen statt in Kartons an. Ökologisch jedoch bringt das rein gar nichts, weil es sich um Einwegbehältnisse zum Wegwerfen handelt. Mehrweg-Getränkeverpackungen hingegen haben seit Jahren einen schweren Stand.

Von
Joseph Gepp

Neues gibt es derzeit in Österreichs Supermarktregalen. Erstmals seit vielen Jahren bieten die Handelsketten Spar, Billa und Hofer wieder (Bio-)Milch und Joghurt in Glasflaschen an statt in Bechern und Tetra-Packs. Allerdings: Was manch Kunden aus nostalgischen Gründen erfreuen mag, bringt ökologisch rein gar nichts. Bei den neuen Glasverpackungen handelt es sich um Wegwerfgebinde für den einmaligen Gebrauch. Selbst wenn man sie brav im Altglascontainer entsorgt, ist der Ressourcen-und Energieaufwand mindestens ebenso hoch wie bei den bisherigen Kartons. „Mit Einweg-Glas hat man sich für den falschen Weg entschieden“, kritisiert die Wiener Umweltberatung in Richtung der Handelskonzerne.

Diese rechtfertigen sich mit Verweis auf einen Mangel an Alternativen. „In Österreich gibt es derzeit leider keinen Betrieb, bei dem die Abfüllung in Glasgebinde im Mehrwegsystem möglich wäre“, heißt es etwa vonseiten der Billa-Mutter Rewe. Wie sieht es generell aus bei Mehrweggetränkeverpackungen in Österreich?

Diese sind zwar laut einhelliger Expertenmeinung die eindeutig umweltfreundlichere Variante – eine Mehrwegflasche kann bis zu 40 Mal wiederverwendet werden. Dennoch haben sie seit Jahren einen schweren Stand. Der Anteil an Mehrwegverpackungen stürzte in den vergangenen Jahrzehnten geradezu ab. Im Jahr 1997 lag er noch bei knapp 70 Prozent aller Getränkeverpackungen; im Vorjahr betrug er laut Wirtschaftskammer nur noch 22 Prozent.

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Hinter dem rapiden Rückgang steckt eine „Deregulierungsgeschichte, made in Austria“, kritisiert Christian Pladerer vom österreichischen Ökologie- Institut. Früher gab es noch fixe gesetzliche Quoten, wie hoch der Mehrweganteil je Getränkesegment sein musste – und der Anteil hielt sich stabil. Im Lauf der 1990er-Jahre jedoch wurden die Vorgaben gelockert, ehe sie die erste schwarz-blaue Regierung 2001 ganz abschaffte. Anstelle der bisherigen Quoten trat eine freiwillige Selbstverpflichtung der Getränkewirtschaft. Eine Maßnahme, die ihren Zweck seither nicht erfüllt hat. Derzeit fallen in Österreich laut Schätzung der Umweltabteilung der Stadt Wien jährlich vier Milliarden Stück Einwegflaschen und -dosen als Abfall an.

In den vergangenen Jahren konnte sich der Mehrweganteil immerhin – auf niedrigem Niveau – stabilisieren. Dies ist vor allem den Brauereien zu verdanken, die ihr Bier immer noch oft in klassische Halbliterflaschen füllen, traditionell Mehrwegbehältnisse. Auch in Gastronomiebetrieben ist der Mehrweganteil hoch. Und auch Mineralwasser gibt es immer wieder in Mehrweg-Glasflaschen.

In vielen anderen Bereichen jedoch heißt es: Wegwerfen bitte! Fruchtsäfte bekommt man in Österreichs Supermärkten eher selten in Mehrwegverpackungen, ebensowenig wie Limonaden. Und die besagte Milch? Konsumenten haben kaum Möglichkeiten, sie in umweltfreundlichen Mehrwegglasflaschen zu erwerben. Die Einzigen, die dies derzeit anbieten, sind einige verstreute Bio-Läden – und Milchbauern.

Mehrweganteil bei Getränken in Österreich (ohne Milch, Soda, Fässer und Container)

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Eingeordnet unter Konsum, Umwelt und Klima

Standortwechsel

Aus dem profil 34/2018 vom 20.08.2018

Ein Proteststurm der etwas anderen Art spielt sich derzeit auf der Website des österreichischen Parlaments ab. Dort können Betroffene ihre Meinung zu Gesetzen abgeben, welche die schwarz-blaue Regierung plant. Aktuell zur Begutachtung aufliegend: das sogenannte „Standort-Entwicklungsgesetz“ (StEntG), das Anfang 2019 in Kraft treten soll. Dieses sieht eine einschneidende Reform von Umweltverträglichkeitsprüfungen und anderer Genehmigungsverfahren vor, die der Errichtung von Großprojekten wie Mülldeponien und Industrieanlagen vorausgehen. Konkret: Wenn die Regierung ein Projekt künftig für „standortrelevant“ erklärt, also für wichtig für Österreichs Wirtschaft, dann greifen „verfahrensbeschleunigende Maßnahmen“. Ein Projekt soll automatisch als genehmigt gelten, wenn die Verfahrensdauer länger als ein Jahr dauert. Das StEntG basiert auf langjährigen Wünschen der Unternehmensvertretungen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung.

Allerdings: Die Kritik daran ist immens. Sogar von ÖVP-Regierungen wie jener von Vorarlberg und der Stadt Graz kommt scharfer Widerspruch. Einzig Unternehmen wie die Flughafen Wien AG und Elektrizitätsbetriebe springen für das Vorhaben in die Bresche.

„Ein noch nie dagewesener Angriff auf das Umweltrecht ( ) Wir fordern auf, diesen absurden Gesetzesentwurf ersatzlos zurückzuziehen!“ Greenpeace

„Absurd und rechtswidrig“
WWF

„Höchst bedenklich“
Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz

„Rückschrittlich“ Grüne Niederösterreich

„Das Gesetz ist mehrfach europarechtsvölkerrechts-und verfassungswidrig und würde deshalb in der Praxis zu unvorstellbarer Rechtsunsicherheit und Verfahrensverzögerungen führen.“ Ökobüro, Dachverband der Umweltschutzorganisationen

„Zu begrüßen“ Flughafen Wien AG

„Aufgrund von verfassungs-und unionsrechtlichen Unvereinbarkeiten sehr kritisch zu sehen“
Land Vorarlberg

„Zur Gänze abzulehnen“
Stadt Graz

„Ein politisch-strategisches Planungsinstrument ( ), um den Wirtschaftsstandort Österreich langfristig abzusichern und für Investoren attraktiv zu erhalten.“ Österreichs E-Wirtschaft

„Europarecht, Völkerrecht und Verfassungsrecht sind in meist kaum behebbarer Weise betroffen.“ Arbeiterkammer

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Eingeordnet unter Behörden, Innenpolitik, Stadtplanung, Umwelt und Klima

Förderstopp

Aus dem profil 26/18 vom 25.06.2018

Von
Joseph Gepp

Es erregt seit Jahren scharfe Kritik. Der Ölkonzern OMV – zu 31,5 Prozent im Staatsbesitz – fördert gezielt den Einbau von Ölheizungen. Konkret können Österreichs Haushalte bei der Initiative „Heizen mit Öl“ mit Sitz in Wien Zuschüsse von einigen Tausend Euro beantragen, wenn sie eine Heizung installieren wollen. Das Geld kommt von der OMV und anderen Heizölunternehmen. Die Aktion soll dafür sorgen, dass Ölheizungen nicht aussterben – obwohl sie ökologisch höchst umstritten sind. Die schwarz-blaue Regierung plant im Koalitionsprogramm gar den „Ausstieg aus Ölheizungen im Neubau“. Auch Umweltorganisationen wie Global 2000 kritisieren die OMV immer wieder, weil sie die Förderungen nicht einstellt. Nun aber scheint sich im Konzern ein Kurswechsel abzuzeichnen. In einer nicht öffentlichen Stellungnahme zur Klimastrategie, die profil vorliegt, schreibt die OMV an das Umweltministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP):“OMV bekennt sich zu nachhaltigen Heizsystemen. Deshalb wird OMV die Unterstützung der Aktion ,Heizen mit Öl‘ in seiner aktuellen Form auslaufen lassen.“ Ende der Aktion also? Gegenüber profil will man den Ausstieg dann doch nicht bestätigen. „OMV evaluiert zurzeit ihre Position“, heißt es in einem knappen Statement.

Mehr zur umstrittenen Förderung von Ölheizungen:
Kesselflicken vom Dezember 2017
Kesselschlacht vom März 2018

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Eingeordnet unter Umwelt und Klima

Kesselschlacht

Aus profil 11/2018

Die teilstaatliche OMV gerät in die Kritik. Unterstützt sie klimaschädliche Ölheizungen mit Millionenbeträgen?

Von
Joseph Gepp

Ölheizungen sind klimaschädlich, darin sind sich Experten und Politiker einig. Die schwarzblaue Koalition plant laut Regierungsprogramm langfristig ein Verbot. Trotzdem wird der Einbau weiter gefördert. Konkret: Ein Privatunternehmen in Wien – die „Heizen mit Öl GmbH“ – schießt jedem Österreicher, der einen neuen Ölheizkessel installiert, einige Tausend Euro zu. Hinter der Gesellschaft stecken Österreichs Heizölunternehmen (siehe längerer Artikel im profil 52/17).

Nun hat sich die Umweltorganisation Global 2000 angesehen, woher „Heizen mit Öl“ das Geld für die Zuschüsse bekommt. „Die Spuren deuten stark auf den Mineralölkonzern OMV als einen der größten Financiers hin“, sagt Global-2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller. Der größte Aktionär der OMV wiederum ist mit 31,5 Prozent die Republik Österreich – und die hat sich 2015 im Vertrag von Paris verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren.

Da scheint es kontraproduktiv, dass die OMV jährlich stolze 8,8 Millionen Euro springen lassen dürfte, die umstrittenen Heizungen zu fördern. Doch wie kommt es überhaupt zu dieser Summe? Laut Jahresabschluss der „Heizen mit Öl“ finanziert sich das Unternehmen dadurch, dass jedes österreichische Unternehmen, das mit Heizöl handelt, Beiträge einzahlt – konkret elf Euro je 1000 Liter verkauftem Öl. Wie aus dem Mineralölbericht der OMV hervorgeht, dürfte die OMV rund 800 Millionen Liter Heizöl pro Jahr verkaufen. Das Ergebnis ist der besagte Betrag von knapp neun Millionen.

Die OMV will auf profil-Anfrage die Summe weder bestätigen nach dementieren.

Das Unternehmen „Heizen mit Öl“ gibt an, die Beitragszahlungen einzelner Mitglieder nicht zu kennen: „Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen erfolgen sie über die Treuhandschaft eines Wiener Notars“, sagt Geschäftsführer Martin Reichard.

Befürworter von Ölheizungen halten den Kritikern gern entgegen, dass neue Ölheizungen immerhin weniger Kohlendioxid ausstoßen würden als alte – demnach habe es klimapolitisch durchaus Sinn, solche zu installieren. Außerdem emittieren Ölheizungen weniger Feinstaub als andere Heizungsarten, so Heizöl-Vertreter.

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Eingeordnet unter Energie, Umwelt und Klima