Archiv der Kategorie: Stadtgeschichte

Welt in Wien

Aus dem FALTER 17/2013

Vor genau 140 Jahren eröffnete Wiens pompöse Weltausstellung. Heute sind ihre Hinterlassenschaften aus dem Stadtbild verschwunden. Bis auf wenige Ausnahmen

Spurensuche: Joseph Gepp

Man muss schon wissen, was sich hier befand, um an diesem Ort irgendetwas Interessantes zu finden. Der Rotundenplatz im zweiten Bezirk ist grau, unauffällig und schmucklos. Das Gelände hinter dem Prater wirkt vorstädtisch und verloren, trotz seiner zentralen Lage. Zur Linken erhebt sich der fast fertige Neubau der Wirtschaftsuniversität. Rechts liegt etwas verwaist die Trabrennbahn Krieau. Dazwischen wirbeln Autos Baustellenstaub auf, wo einst die höchste Kuppel der Welt stand.

„Rotunde“ hieß das Gebäude, das diesen Platz einst prägte, 108 Meter ragte die Kuppel in den Himmel. Im Herbst 1937 brannte die Rotunde nieder. Zuvor hatte der 1873 eröffnete Bau als eines der Wahrzeichen von Wien gegolten. Nach dem Brand sollte es immerhin ganze zwei Jahrzehnte dauern, ehe ein Gebäude mit höherer Kuppel errichtet wurde, die Messehalle von Belgrad.

Die Rotunde, entworfen vom Briten John Scott Russell und dem Österreicher Carl Hasenauer, bildete das Kernstück einer Veranstaltung, wie sie Wien davor und danach nie wieder erlebt hat. Vor genau 140 Jahren, am 1. Mai 1873, eröffnete in Wien mit Pomp und Trara die fünfte internationale Weltausstellung.

Die Wiener Rotunde 1873 (Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Die Wiener Rotunde 1873 (Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Weltausstellungen würdigten die industriellen und kulturellen Errungenschaften der damaligen Zeit. Die erste fand 1851 in London statt. Mit jener von 1873 in Wien – der bislang größten und der ersten im deutschsprachigen Raum – befassen sich heuer anlässlich des Jubiläums zwei Ausstellungen, eine im Bezirksmuseum Leopoldstadt und eine im Wien Museum am Karlsplatz. Die Weltausstellung sollte Wien als internationale Metropole mit Paris und London gleichstellen. Sie symbolisierte die Wucht der industriellen Revolution ebenso wie die Macht der österreichisch-ungarischen Monarchie. Heute jedoch erinnern nur wenige unauffällige Reste an die Wiener Weltausstellung. Sie liegen verstreut im Prater, im restlichen Wien und sogar in Graz.

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Zwei davon sind gar nicht weit weg vom Rotundenplatz. Direkt an der Hauptallee gelegen, kennt sie fast jeder Wiener, obwohl sie kaum jemand mit der Weltausstellung assoziiert. Das heutige Restaurant Meierei war einst die „Amerikanische Trinkhalle von Benford“, Teil der US-amerikanischen Sektion der Weltausstellung. Die Bar im US-Stil sollte den Ausstellungsgästen das Flair der Neuen Welt näherbringen. Unweit davon liegt der Konstantinhügel, ein künstlich angelegter Spazierhügel, benannt nach einem Bauleiter der Weltausstellung. Der Berg, von dem heute im Winter die Kinder rodeln, stammt vom Aushub der Rotunde. Oben betrieb Eduard Sacher zur Zeit der Ausstellung ein Kaffeehaus. Das Gebäude brannte allerdings im Jahr 1977 ab, heute steht nur noch die Umfassungsmauer.

Die Amerikanische Trinkhalle und der Konstantinhügel lagen ganz am Rand eines riesigen Ausstellungsgeländes, das ungefähr vom Wurstelprater bis zum heutigen Ernst-Happel-Stadion reichte. Wer Fotos und Pläne von damals sieht, dem offenbart sich eine richtiggehende Parallelwelt, die vor 140 Jahren dem Prater entwuchs. Im Zentrum des Areals standen die Rotunde und der „Industriepalast“, eine große, vielflügelige Ausstellungshalle, in der einzelne Länder ihre neuesten technischen Erzeugnisse vorführten. Rundherum wurden rund 200 exotisierende und eklektizistische Bauten hochgezogen. Sie sollten die Welt nach Wien holen. Die Elsässer Farm, das ungarische Csárdás-Weinhaus, die ägyptische Moschee samt Wohnhaus, der nachgebaute Ahmed-Brunnen von Konstantinopel oder eben die Amerikanische Trinkhalle – all das und noch viel mehr hatte sich im Prater zusammengefunden.

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

(Foto: Bezirksmuseum Leopoldstadt)

Heute erinnern nur einige Straßennamen an die einstige Größe der Weltausstellung. Die Rotundenallee und die Südportalstraße führen zum einstigen Haupteingang des Geländes. Eine Station der Lilliputbahn im Prater heißt bis heute „Rotunde“. Nicht zuletzt ist es auch der Weltausstellung zu verdanken, dass die heutige Straßenbahnlinie 1 bis an die Hauptallee führt, erklärt Gertraud Rothlauf, Kuratorin im Leopoldstädter Bezirksmuseum. „Die Straßenbahntrasse verband damals die Innenstadt mit dem Ausstellungsgelände.“ Abgesehen davon wurden jedoch die meisten Gebäude der Weltausstellung bald nach 1873 wieder abgerissen. Sie waren überflüssig geworden, ihre Erhaltung wäre teuer gekommen. Was überlebte, bestand oft nur deshalb fort, weil es später bei anderen Gebäuden Verwendung fand. So wie der Minervabrunnen.

Minervabrunnen (Foto: Gepp)

Minervabrunnen (Foto: Gepp)

Der Wandbrunnen findet sich nicht im Prater, sondern am Stubenring, zwischen Universität und dem Museum für angewandte Kunst. Auch ihn kennen viele vom Sehen. Einst hatte der marmorne Brunnen ein Gebäude der Weltausstellung geziert. Nach deren Ende erwarb ihn Rudolf Eitelberger, damals Direktor des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, für sein Haus. Schließlich passte das dazugehörige Mosaik aus venezianischem Glas auch gut zu Eitelbergers Museum: Es stellt Minerva dar, die römische Göttin für Handwerk und Gewerbe.

Pavillon im Schulgarten Kagran (Foto: Wiener Stadtgärten)

Pavillon im Schulgarten Kagran (Foto: Wiener Stadtgärten)

Mehrere Artefakte von der Weltausstellung wanderten wie der Minervabrunnen durch die Stadt. So stieß im Jahr 1998 ein Gärtner der Wiener Stadtverwaltung hinter einer Villa in der Döblinger Cobenzlgasse – er nahm hier an einer Baumentfernung teil – auf einen kleinen Pavillon. Ein Oberst aus dem Ersten Weltkrieg hatte ihn einst aus Beständen der Weltausstellung gekauft. Das gusseiserne, reich verzierte Salettl, das inzwischen längst baufällig und vergessen war, hatte nahe der Rotunde wohl als Unterstand für ein Orchester oder eine Kaffeebar gedient. Die Erben des Obersts vermachten den Pavillon der Gemeinde Wien. Heute steht er im Schulgarten Kagran im 22. Bezirk. Zwischen Gewächshäusern und angehenden Floristen, die Beete beackern, wird er gern für Hochzeiten genutzt.

Grazer Stadtparkbrunnen (Foto: Wikipedia)

Grazer Stadtparkbrunnen (Foto: Wikipedia)

Ein anderer Restbestand der Weltausstellung schaffte es sogar bis in die steirische Hauptstadt. Der Grazer Stadtparkbrunnen stand einst im Inneren der Rotunde, direkt unter der Kuppel. Dort markierte das filigrane Werk eines französischen Erzgießers den Mittelpunkt des Prachtbaus. Als die Weltausstellung zu Ende ging, hatten die Grazer gerade ihren Stadtpark angelegt, der mondäne Brunnen kam ihnen gerade recht. Gleich nach dem Ende der Weltausstellung 1873 erwarb ihn die Stadt Graz für 31.000 Gulden, nach heutiger Kaufkraft ca. 360.000 Euro.

Die Veranstalter der Weltausstellung konnten das Geld gut brauchen. Denn ihr Event hatte sich, kaum eröffnet, als beispielloses Desaster erwiesen. Am 9. Mai 1873, nur eine Woche nach der pompösen Eröffnung, stürzten an der Wiener Börse die Aktienkurse ab. Wiens „Schwarzen Freitag“ nennt man den Börsenkrach heute. Schuld daran war nicht zuletzt die ambitionierte und teure Weltausstellung selbst: Sie hatte zu einem Bauboom in Österreich-Ungarn geführt, der die Börsenkurse und Immobilienpreise explodieren ließ. Nun läutete der Schwarze Freitag von 1873 eine jahrelange Wirtschaftskrise in ganz Europa ein, die viele Parallelen zur heutigen aufweist.

Die Flaute traf die Weltausstellung empfindlich. Als sie im November 1873 zu Ende ging, waren statt der erwarteten 20 Millionen Besucher nur 7,2 Millionen gekommen. Das Defizit war so riesig, dass das Geld nicht einmal reichte, um die Rotunde wie geplant wieder abzureißen.

So endete das repräsentative Großereignis eher sang- und klanglos. Viele Wiener waren wohl froh darüber. Während der Weltausstellung hatten Zeitungen immer wieder über Wucherpreise in Restaurants und für Fiakerfahrten geklagt. Nun verschwanden die internationalen Gäste ebenso wie die künstliche Welt im Prater.

Neben der Rotunde und der heutigen Meierei blieben lediglich zwei Gebäude bis heute stehen. Sie liegen versteckt zwischen der Trabrennbahn Krieau und dem Stadion. Die beiden gegenüberliegenden „Pavillons des amateurs“, wie man sie damals nannte, lagen am Rand des Weltausstellungsgeländes. In ihnen gab es Kunst und Kunsthandwerk zu sehen.

Der nördliche Pavillon wurde im Zweiten Weltkrieg bombardiert und stark verändert wiedererrichtet. Der südliche hingegen steht immer noch da wie im Jahr 1873. Hinter einem Zaun, mitten im wuchernden Grün, liegt ein Prachtbau mit hohen Fenstern und Doppeladlern auf der Fassade.

Foto: J. Gepp

Foto: J. Gepp

„Der Kunst“ steht bis heute über den Säulen des Portals. Nach der Weltausstellung riss man die Pavillons im Gegensatz zu anderen nicht ab. Sie sollten Künstlern als Ateliers dienen. Das Unterrichtsministerium vermietet die etwas heruntergekommenen Gebäude an Bildhauer, unter anderem wirkten hier Alfred Hrdlicka und Anton Hanak.

Der Architekt Carl Hasenauer, der die beiden Gebäude entworfen hatte, setzte sein dafür entworfenes Gebäudearrangement sowie das Lichtkonzept Jahre später erneut bei einem Gebäudeensemble ein: dem Kunst- und dem Naturhistorischen Museum am Ring. Im Gegensatz zum Gesamtkunstwerk Ringstraße ist den Praterpavillons jedoch ihr Umfeld abhanden gekommen.

Ziemlich deplatziert stehen sie heute in der Brache zwischen Prater und Stadion. Wenn man es nicht weiß, dann fragt man sich, was diese Bauten hier wohl zu suchen haben. Wenn man es aber weiß, dann ahnt man, welch enorm große Veranstaltung die Wiener Weltausstellung einmal war.

Wo man Reste der Weltausstellung findet

Standort der Rotunde 2., Rotundenplatz
Amerikanische Trinkhalle Meierei im Prater, 2., Hauptallee 3
Konstantinhügel gegenüber 2., Hauptallee 24
Minervabrunnen 1., Stubenring 5
Pavillon Schulgarten Kagran, 22., Donizettiweg 29 (Öffnungszeiten: siehe wien.gv.at)
Praterateliers 2., Meiereistraße 3
Stadtparkbrunnen Stadtpark, Graz

Ausstellungen

„Die Rotunde“: Bis 30.6. im Bezirksmuseum Leopoldstadt, 2., Karmelitergasse 9, Mi 16-18.30, So 10-13 Uhr
„Experiment Metropole“: ab November im Wien Museum, 4., Karlsplatz 8, Di-So 10-18 Uhr

Die Praterateliers: Streit um den Ruhepol in der dynamischen Leopoldstadt

:: Im Viertel nördlich des Praters hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Fußball-EM im Jahr 2008 brachte die Erschließung durch die U2. Gleich daneben entstanden die Neubauten des sogenannten Viertel Zwei samt OMV-Hauptquartier. Unweit davon soll im Wintersemester die neue Wirtschaftsuniversität eröffnen.

Inmitten dieser Dynamik schweben die beiden letzten Pavillons der Weltausstellung wie in einer Zeitkapsel. Bereits seit dem Jahr 1876, also kurz nach der Ausstellung, stehen sie Künstlern als Ateliers zur Verfügung. Die Bundesimmobiliengeschäft (BIG), die die Bauten im Jahr 2001 von der Republik übernahm, hatte jedoch damit ihre liebe Not. Denn allein mit den – preisreduzierten – Mieten der Bildhauer ließen sich die Ateliers weder erhalten noch sanieren, was immer notwendiger wurde.

„Wir sind verpflichtet, wirtschaftlich zu denken und zu agieren“, ließ die BIG in ihrem Kundenmagazin Big Business im Jahr 2008 wissen. Künstler wie die Bildhauerin Ulrike Truger wehrten sich gegen angebliche Pläne der BIG, Ateliers für Wirtschaftsseminare zu nutzen.

Im Jahr 2010 schließlich wurde der Konflikt gelöst, indem das Unterrichtsministerium auf 33 Jahre die wildromantischen, aber unrentablen Gebäude von der BIG übernahm. „Es war mein bildungspolitischer Wunsch, dass die Ateliers weiterhin der Kunst zur Verfügung stehen“, sagt SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied zum Falter. Seither gibt es Sanierungsarbeiten, neue Künstler sind eingezogen. In den kommenden Jahren sollen laut Bildungsministerium die Ateliers im Zug von Neuvermietungen nach und nach saniert werden.

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Jüdische Zeitzeugen: der Fünfzehnte im Strom der Erinnerung

Aus dem FALTER 9/2013

Joseph Gepp

Wer an die jüdische Geschichte Wiens denkt, dem kommen gemeinhin Ringstraßen-Palais oder die Leopoldstädter Mazzesinsel in den Sinn. Doch auch im 15. Bezirk gab es bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine rege jüdische Gemeinde. Sie war kleinbürgerlich geprägt. Neben zwei Synagogen war ihr Zentrum das Haus Herklotzgasse 21, das gleichermaßen als Grätzeltreff, Sozialzentrum und Sportstätte diente.

In jahrelanger Beschäftigung hat eine Initiative von Wienern, das Projekt Herklotzgasse 21, die fast vergessene jüdische Geschichte der Herklotzgasse aufgearbeitet. Dafür wurden auch Zeitzeugen interviewt, die einst von den Nazis vertrieben wurden und seither über alle Welt verstreut sind.

Was die Vertriebenen aus der einstigen Vorstadt erzählen, sendet ab Anfang März der Stadtsender W24 anlässlich des 75. Jahrestags des „Anschlusses“. 150 Tage lang wird an jedem Abend, jeweils um 20 Uhr, 15 Minuten lang ein Zeitzeuge zu Wort kommen. Sie sprechen über die untergegangene jüdische Alltagskultur und jüdisches Vereinsleben, über den Anschluss an Hitlerdeutschland und die Monate davor und danach.

4.3. bis 31.7., Mo-Fr, 20 Uhr, W24

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Wiens Buddenbrooks

Aus dem FALTER 7/2013

Seit 120 Jahren erzeugt die Familie Niemetz Süßwaren. Jetzt hat sie den Betrieb in den Konkurs geführt

Familienchronik: Joseph Gepp

Verdammt, die Schwedenbomben sind aus. „Nächste Ladung erst wieder in einer halben Stunde“, schmettert die Verkäuferin durch das Geschäft. Kunden, die teils schon 25 Minuten hier warten, gehen murrend auseinander. Nur ein Mann versucht sein Glück. Eben wäre er an der Reihe gewesen, klagt er der Verkäuferin. Könnte er seinen Platz in der Schlange nicht wenigstens für später reservieren? „Nein“, antwortet sie, „sonst werd ich noch gelyncht hier.“

Vergangene Woche im werkseigenen Geschäft der Firma Niemetz am Rennweg. Hier erlebt man, welch emotionale Macht eine Traditionsmarke entfalten kann. Seit der Insolvenz des Unternehmens Ende Jänner reißen sich die Leute wie nie um die Schwedenbomben, dem einzig wichtigen Produkt von Niemetz. Die Schlange am Rennweg reicht bis auf den Gehsteig hinaus. Auf Facebook sind 41.000 Menschen der Gruppe „Rettet die Schwedenbomben“ beigetreten. Jubel brach aus, als bekannt wurde, dass ein Bankkredit die Produktion der berühmten Dickmacher vorerst sicherstellt.

Eine Frage ging in all dem unter: Wie kam es überhaupt dazu, dass ein Traditionsbetrieb von so hohem Markenwert in Geldnot gerät? Wer darauf eine Antwort sucht, stößt auf eine Firma, die die Zeichen der Zeit nicht erkannte und nicht einmal den Retrocharme ihrer Produkte zu vermarkten wusste. Seit 120 Jahren führt die Eigentümerfamilie Niemetz den Betrieb. Ihre drei Generationen machten ihn groß und führten ihn schließlich in den Konkurs. Es ist ein wenig wie in „Buddenbrooks“, dem Klassiker von Thomas Mann.

Beliebt wie nie: die Schwedenbombe der Firma Niemetz (Foto: Niemetz)

Beliebt wie nie: die Schwedenbombe der Firma Niemetz

Die Geschichte von Niemetz beginnt im Jahr 1890 in Linz, wo Edmund Niemetz eine Konditorei gründet. Niemetz arbeitet hart, sein Geschäft floriert. Sohn Walter verlässt bald Oberösterreich. In Paris heuert er in der besten Konditorei der Stadt an, im Café Rumpelmayer. Dieses Belle-Epoque-Lokal in der Rue de Rivoli, das bis heute unter dem Namen Angelina fortbesteht, wurde einst vom Österreicher Anton Rumpelmayer gegründet. Im Rumpelmayer, wo Coco Chanel und Marcel Proust verkehren, erlernt Niemetz die hohe Kunst der Patisserie.

Erfand 1930 die Schwedenbombe: Walter Niemetz (Foto: Niemetz)

Erfand 1930 die Schwedenbombe: Walter Niemetz

Sieben Jahre später kehrt er nach Österreich zurück. Mit seiner Frau Johanna gründet er im dritten Wiener Bezirk jene Süßwarenfabrik, in der 1930 die Schwedenbombe entsteht. Damals bekommt Niemetz Besuch von einem Freund aus Pariser Tagen, einem Schweden. Gemeinsam tüfteln die Konditoren an einer Süßigkeit aus Eiweißschaum und Schokolade, deren Rezeptur sich seither nicht verändert hat.

Bald wird die Schwedenbombe zu einem Teil der kulinarischen Identität Wiens. Zu Hunderttausenden läuft sie vom Fließband. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht sie für den neuen Wohlstand, wie Sportgummi, Frucade und Wiener Schaumgebäck.

Je älter jedoch Niemetz wird, desto mehr bleiben in seinem Betrieb die Neuerungen aus. Die Firma ruht sich auf ihrem Dauerbrenner von 1930 aus. Das Modernste im Sortiment sind bis heute Swedy und Manja, schwere Nussschaumschokoriegel. „Die Maschinen, die heute bei Niemetz laufen, waren schon in den 70ern veraltet“, sagt ein Branchenkenner.

Am Stillstand ändert sich auch nichts, als nach dem Tod von Walter Niemetz 1992 Tochter Ursula übernimmt. Die heute 63-Jährige führt seither zusammen mit ihrem US-amerikanischen Lebensgefährten Steve Batchelor den Betrieb. Externe Manager werden nicht dazugeholt, wie das in anderen Familienfirmen oft der Fall ist. Batchelors Versuche, in die USA zu expandieren, scheitern. Im Jahr 2010 erkennt die Familie immerhin, dass der Zeitgeist nach kleineren, schlankeren Produkten verlangt. Also entstehen die kleinen „Bombini“. Doch da ist der Betrieb schon heillos überaltert.

Die Website sieht bis heute aus wie aus der Frühzeit des Internets. Werbung für Schwedenbomben gibt es kaum. „Dabei braucht sogar ein etabliertes Traditionsprodukt wie dieses ein bisschen Marketing“, sagt der mit Niemetz befasste Gewerkschafter Manfred Anderle.

Dazu kommen hohe Schulden des Betriebs. Laut Firmenbuch ist das Eigenkapital seit Jahren negativ, die Verbindlichkeiten übersteigen das Vermögen um rund drei Millionen Euro. Andere Firmen wären bei solchen Bilanzzahlen längst pleite. Der renommierte Traditionsbetrieb jedoch kann sich lang mit Krediten über Wasser halten.

Führen heute den Betrieb: Ursula Niemetz und Steve Batchelor (Foto: Niemetz)

Führen heute den Betrieb: Ursula Niemetz und Steve Batchelor (Foto: Niemetz)

Erst im Vorjahr – da werden die Löhne für die rund 70 Mitarbeiter nur noch stockend ausbezahlt – versiegt der Geldfluss. Nun hilft nicht einmal mehr der Verkauf des altehrwürdigen Landstraßer Fabriksgebäudes an einen Immobilienentwickler. Weil das Geld für Rohwaren und Steuern fehlt, beantragt das Finanzamt im Dezember 2012 den Konkurs.

Der Niedergang von Niemetz vollzieht sich ausgerechnet zu einer Zeit, in der andere heimische Süßwarenhersteller durchaus Aufwind spüren. Seit Jahren besinnen sich viele Kunden wieder auf hochwertige, handgemachte und traditionelle Produkte. „Nach dem EU-Beitritt Österreichs spürten wir den Druck internationaler Konzerne“, erzählt etwa Andreas Heindl, Chef der gleichnamigen Confiserie. „Aber seither sehen wir deutlich, dass es für Süßwaren aus heimischer Erzeugung einen Markt gibt.“ Erfolg hat nicht nur Heindl. Auch der Steirer Josef Zotter reüssiert etwa mit teurer Bio-Schokolade. Und Manner glänzt sogar am Wiener Stephansplatz mit dem rosa leuchtenden Flagshipstore.

Bei Niemetz jedoch sind die Investitionen ausgeblieben, in die Produkte, die Vermarktung, den eigenen Nimbus. Zudem behauptet ein Ex-Mitarbeiter, dass die Eigentümer Ursula Niemetz und Steve Batchelor auf Kosten der Firma einen verschwenderischen Lebensstil geführt hätten. Viel Geld soll das kinderlose und tierliebende Paar für privaten Luxus ausgegeben haben. Hohe Summen flossen laut dem Ex-Mitarbeiter außerdem in einen Salzburger Bauernhof zur Unterbringung altersschwacher Pferde, die „Happy’s Farm“. Laut Vereinsregister wird sie von Niemetz und Batchelor betrieben. Ob die Gerüchte stimmen, kann vom Falter nicht geprüft werden. Die Eigentümerfamilie war trotz mehrmaliger Anfragen bis Redaktionsschluss nicht zu sprechen.

Nun wird sich in den kommenden Monaten entscheiden, ob die Firma unabhängig bleibt oder ob ein Mitbewerber sie übernimmt. Angeblich will die Familie Niemetz dies unbedingt verhindern. Kenner aber meinen, dass ein neuer Investor unumgänglich sein wird. So endet die Geschichte von den Wiener Buddenbrooks.

Was ist eigentlich drin in so einer Schwedenbombe?
Das erklärt die Journalistin Katharina Seiser auf ihrem Food-Blog esskultur.at

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Die Stadt, die niemand kennt

Aus dem FALTER 44/2011

Bunker, Keller und Skelette: Eine Gruppe junger Wiener erforscht, was seit Jahrzehnten verborgen im städtischen Untergrund liegt

Reportage: Joseph Gepp

Fotos: Heribert Corn

Abgesehen von Thomas Keplinger und seinen Freunden hat diesen Ort wohl seit dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr betreten. Die massive Stahltür liegt, weit geöffnet, halb unter Schutt und Herbstlaub vergraben. Keplinger klettert hindurch, in einen wohnzimmergroßen Raum mit Betongewölbe. Holzlatten entlang der Wand deuten darauf hin, dass hier einmal Sitzreihen waren. Am Boden liegen rostige Trümmer und der Schädel eines Hundes. Ein halb verschütteter Seitenraum war einmal das Klo. Keplinger wirft den Strahl seiner Taschenlampe an die Wand. „Susi und Sepperl“ ist da in altertümlicher Handschrift geschrieben. „Du bist so lieb.“ Alte Inschriften, sagt Thomas Keplinger, würden ihn besonders faszinieren. Etwas weiter stehen große Druckbuchstaben neben einem Pfeil: „Vergiftete Kleidung abwerfen.“

Thomas Keplinger und sein Kollege Georg Demmer bei der Arbeit im Untergrund (Corn)

Warum die Kleidung vergiftet war und was dieser Weltkriegsbunker in einem Waldstück am dünn besiedelten Stadtrand von Liesing überhaupt sollte, weiß heute niemand mehr. Einzig eine rechteckige Senke neben ihm lässt darauf schließen, dass hier ein Gebäude stand. „Vielleicht“, mutmaßt Keplinger, „gehörte der Bunker ja zu einem Labor, in dem mit Giftstoffen hantiert wurde.“

Keplinger, 37, im Brotberuf PR-Angestellter, ein schlaksiger Mann mit umgehängter Kameratasche und Wanderstiefeln, gehört zu einer Gruppe namens „Verborgene Räume“. Das sind im Kern acht bis zehn Leute, mit und ohne wissenschaftlichen Hintergrund, die seit zwei Jahren den Wiener Untergrund erforschen und Faszination an ihm wecken wollen. Zum eigenen Schutz und zu jenem der Objekte ihrer Wissbegierde haben sie sich dabei eine Art Kodex auferlegt. Zwei voneinander unabhängige Lichtquellen muss ein Mitglied der Verborgenen Räume stets bei sich tragen. Vor Ort darf nichts verändert oder gar mitgenommen werden, lediglich fotografiert. Auch der Falter nennt keine genauen Ortsangaben, um die Stätten vor Vandalen und Sprayern zu schützen.

Warum die Kleidung vergiftet war, weiß man heute nicht mehr (Corn)

Hinweise auf interessante Orte beziehen Keplinger und Kompagnons aus Internetforen. Dort tobt mitunter eine erbitterte Debatte darüber, ob denn mehr dahinter sein könnte, wenn ein Stück Feldweg an Wiens Peripherie unvermittelt asphaltiert ist. „Das Tolle an unserer Beschäftigung ist“, sagt Keplinger, „dass man aus einer scheinbar vertrauten Umgebung sofort in eine komplett andere Welt abtaucht.“ Er meint eine Welt aus vergessenen, zufällig liegengebliebenen Fetzen, die Geschichten erzählen. Eine Nische ohne offenkundigen Zweck, ein rostiger Haken an der Wand. Ein altes Holzfass, ein Flugblatt aus der Zwischenkriegszeit. „Bei uns vermischen sich Forschungsinteresse und Erlebnisfaktor“, sagt Georg Demmer, 28, ebenfalls Mitglied der Verborgenen Räume. „Es sind kleine Dinge, die in die Vergangenheit führen.“

"Susi und Sepperl", steht da. "Du bist so lieb."
(Corn)

Vereine, die den Untergrund erforschen, sind in den vergangenen Jahren in vielen Städten Europas aufgetaucht. In Hamburg, Berlin, Paris und Rom können Interessierte mittlerweile sogar unterirdische Theateraufführungen und Thementage buchen. In Osteuropa streifen Passionierte durch die bröckelnden Hinterlassenschaften von forcierter Industrialisierung und Kaltem Krieg. In Wien hingegen ist die Bewegung noch am Anfang.

Ende 2010 erregten Thomas Keplinger und seine Freunde erstmals Aufsehen. Im dritten Bezirk entdeckten sie ein ganzes Schwimmbad wieder, von dem man zwischenzeitlich schon gedacht hatte, es existiere nicht mehr.

1888 errichtet, ist das Beatrixbad in der Linken Bahngasse das älteste der Stadt. Einst hat der jüdische Sportverein Hakoah hier trainiert, nach dem 2. Weltkrieg geriet der Ort aber in Vergessenheit. Bis Keplinger 2010 durch das Fenster der Schnellbahn über einem Haus einen Turm erblickte, der nur auf eine dampfbetriebene Einrichtung hindeuten konnte. In Kooperation mit dem Hauseigentümer und dem Bezirksmuseum grub er sich danach zwei Monate lang durch den Keller. Er entdeckte einen Grundwasserbrunnen, eine alte Pumpe, gar zwei Schrotflinten und Revolver aus dem 19. Jahrhundert, die wohl 1945 hier versteckt worden waren. Jetzt soll das Schwimmbad mit dem Ziegelgewölbe und dem Marmorbrunnen behutsam renoviert werden und als Teil eines Fitnessstudios seinen alten Zweck wiedererlangen.

Wendeltreppe in einem Keller in der Innenstadt (Corn)

Praktisch jede freie Minute streift Thomas Keplinger durch die Stadt. Er erzählt von Kellerabteilen, die zur Zeit der großen Wohnungsnot im frühen 20. Jahrhundert als Einzimmerwohnungen dienten und bis heute über Türschild, Luster und Tapeten verfügen. Am Cobenzl in Döbling – einem seiner Lieblingsorte in der Stadt, wie er sagt – erforscht er die Reste einer 1931 errichteten Skisprungschanze und eines Schlosses, von dem heute nur noch die breite Treppe existiert. Manchmal muss man auch gar nicht erst in verborgene Orte vordringen, um Unerwartetes und Zweckentfremdetes zu entdecken: Keplingers Kollege Georg Demmer erzählt etwa vom Designermöbelgeschäft Roche Bobois in der innerstädtischen Wipplingerstraße. Früher beherbergte das Gebäude eine Bank – sodass man schicke Accessoires bis heute hinter den Panzertüren des Tresorraums besichtigen kann. Außerdem liegt unter einer Glasscheibe im Untergeschoß ein römisches Skelett, Überbleibsel jenes antiken Friedhofs, der sich gleich hinter den Mauern des Heerlagers Vindobona, nahe des heutigen Tiefen Grabens erstreckte.

Ein Anzugträger, der gerade mitten in der Innenstadt aus einem Barockhaus tritt, schöpft nicht weiter Verdacht, als ihm in der Hauseinfahrt Keplinger, Demmer und andere Unbekannte entgegenkommen. „Die Leute in Wien sind diesbezüglich ziemlich okay“, sagt Demmer. „Sie werden nicht gleich misstrauisch.“ Er betritt ein Haus mit altertümlichen Pawlatschen, das über zwei Kellergeschoße untereinander verfügt. Wer über steile Stufen ins untere der beiden hinabsteigt, findet ein Labyrinth an hohen Räumen und Gängen. Manche enden im Nirgendwo, an einer Wand aus Erdreich. Andere verengen sich zu Kriechgängen von kaum einem halben Meter Höhe. Auch ein etwa 15 Meter tiefer Grundwasserbrunnen findet sich im Keller. „Man darf diese alten Keller nicht mit modernen Augen sehen“, erklärt Keplinger. „Einerseits gab es damals keine Auflagen beim Bau, also wurde einfach gegraben. Andererseits hatten Keller mehr Funktionen als heute. Zum Beispiel auch jene eines Verstecks im Kriegsfall.“

In der oberen der beiden Kelleretagen
führt ein Mauerdurchbruch in den Keller des Nachbarhauses. „Zum Luftschutzraum“ steht neben der Luke an die Wand gepinselt. Die Nationalsozialisten hätten Keller miteinander verbunden, um bei Bombardements Fluchtmöglichkeiten zu schaffen, sagt Keplinger. Daraus resultiere auch die Urban Legend, dass man durch Wiens Keller unterirdisch die halbe Stadt durchkreuzen könne. „Tatsächlich wurden die meisten Durchbrüche später wieder zugemauert.“ Nur in wenigen Fällen, etwa unter der Wollzeile, blieben Verbindungen bestehen.

"Zum Luftschutzraum" (Corn)

Nicht nur in Form von Kellern überzog das Naziregime die Stadt mit einer umfassenden Schutzinfrastruktur für Luftangriffe, die, kaum fertiggestellt, schon wieder funktionslos und vergessen wurde. Die sechs Wiener Flaktürme sind nur augenfälligster Ausdruck zahlreicher Bunker und Unterstände in der ganzen Stadt. Viele bergen Aufschlussreiches: So erkundete eine Gruppe um den Historiker Marcello La Speranza, ebenfalls Mitglied der Verborgenen Räume, einen Bunker im Anne-Carlsson-Park am Alsergrund. Als man eine Toilettenmuschel freilegte und umdrehte, fielen Hakenkreuznadeln und NSDAP-Parteiabzeichen heraus. Schutzsuchende im Bunker wollten sie in den letzten Kriegstagen offenkundig das Klo hinunterspülen, als draußen bereits russische Soldaten durch die Straßen zogen.

Ein weiterer Luftschutzraum, zu dem Thomas Keplinger führt, wurde als Stollen in eine Felswand in Liesing getrieben. Für hunderte Menschen muss der Platz in dem langen Schachtsystem damals gereicht haben. Warum im dörflichen Rodaun Bedarf dafür bestand und ob die Anlage – wie damals gängig – von Zwangsarbeitern errichtet wurde, weiß man heute nicht mehr. Nach dem Krieg jedenfalls wurde der Einstieg zugemauert, bis ihn irgendwann jemand wieder aufbrach.

Schmaler Einstieg in ein Stollensystem in Liesing (Corn)

Wer heute durch die schmale Luke klettert, findet sich in einem feuchten, dunklen Schacht wieder. Einrichtungsgegenstände wie im Anne-Carlsson-Park sucht man hier vergeblich, dafür ragen hunderte verrostete Stangen aus dem Fels, Halterungen für Sitzbänke. Altertümliche Keramikisolatoren künden von einer einstigen Elektrizitätsversorgung. Ganz am Ende eines Gangs schlafen zwei Menschen in Schlafsäcken. Es müssen Obdachlose und Betrunkene sein, die hier im stockdunklen Schacht übernachten und weder auf Zurufe noch auf den Schein der Taschenlampen reagieren. „Zum ersten Mal, seit ich in der Unterwelt herumklettere, treffe ich Menschen“, sagt Keplinger erstaunt, als er wieder aus dem Stollen steigt. „Es soll auch einen zweiten Schacht hier in der Nähe geben. Das habe ich in einem Forum gelesen, allerdings haben wir ihn bis jetzt nicht gefunden.“

Die Verborgenen Räume wollen nun
Schritte in Richtung Professionalisierung setzen. Eine quartalsmäßig erscheinende Vereinszeitung soll über aktuelle Entdeckungen berichten, eine Homepage die Vernetzung mit Unterweltfans anderer Städte vertiefen. „Erfassen, dokumentieren, erhalten“ sei das Ziel, sagt Keplinger. Auch könne man sich vorstellen, wie anderswo Führungen durch den Untergrund zu veranstalten, „aber das liegt noch in weiter Ferne“.

Die Stangen waren einmal Halterungen für Sitzbänke (Corn)

Mittlerweile hat er einen weiteren Bunker erreicht, in einem Waldstück in Floridsdorf. Die Einstiege in den gewundenen Stahlbetonschlauch sind derart von Unterholz überwuchert, dass man sie kaum sieht. Drinnen lassen Inschriften wie „Telefonist“ oder „Feuerwehr“ die einstige Arbeitsteilung erahnen.

Früher befand sich rund um diesen Bunkerschlauch eine große Fabrik für Flugzeugteile, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg existierte. Von den Werkshallen, Arbeiterunterkünften und Löschteichen wurden allerdings im Jahr 2002 die letzten Reste beseitigt. Einzig den Bunker scheint man übersehen zu haben. Rundherum wachsen heute Bäume und Sträucher, als hätte es nie ein Fabriksgelände gegeben. Nur einige asphaltierte Flecken auf dem Waldboden zeigen die Fundamente jener Gebäude an, die einst hier standen. Thomas Keplinger legt eine rechteckige Asphaltfläche frei, indem er Laub und Erde mit dem Schuh beiseite schiebt. „Solche Sachen muss man sich immer ganz genau anschauen“, sagt er. „Sie könnten verraten, dass es hier irgendwo noch mehr gibt.“

BUCHTIPPS

Vergessene Kellertheater, U-Bahn-Schächte unter der Stadtmauer, osmanische Minentunnel und unterirdische Kerker der Gestapo: Ein neues Buch dokumentiert Wiens Unterwelt
Robert Bouchal, Gabriele Lukacs: Geheimnisvolle Unterwelt von Wien. Keller, Labyrinthe, fremde Welten. Pichler, 208 S., € 24,99

Bereits 2000 erschienen ist „Unterirdisches Wien“, ein Stadtführer in die Tiefen der Stadt
Bernd Anwander: Unterirdisches Wien. Falter Verlag, 352 S., € 25,50

INTERNET-LINKS

Wien: Verborgene Räume, Unterirdisch-Forum

Unterwelten Berlin

Unterwelten Hamburg

Unterwelten Rom:

Unterwelten Neapel:

Unterwelten französischer Städte

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Gedenktafel: Meidlings Stalin-Stätte wird zusatzkommentiert

Aus dem FALTER 32/11

Joseph Gepp

„Ich sitze gerade in Wien und schreibe allerhand Blödsinn“, schrieb 1913 Iossif Dschugaschwili seinen Freunden nach Georgien. Dschugaschwili, der einige Wochen in Wien verbrachte, sollte einige Jahre später als Josef Stalin zum allmächtigen Sowjetdiktator werden. Bei dem „Blödsinn“ handelte es sich um sein Traktat „Marxismus und nationale Frage“. Inspiriert vom Völkerchaos der Donaumonarchie, skizzierte Stalin in Wien die Gründzüge einer Nationalitätenpolitik, die Jahre später Millionen Menschen die Heimat und das Leben kosten sollte.

Die Stalin-Gedenktafel in Meidling (Wikipedia)

Zur Untermiete wohnte Stalin bei der russischen Adelsfamilie Trojanowski in der Schönbrunner Schlossstraße 30 in Meidling. Dort schmückt bis heute eine wuchtige Gedenktafel die Hauswand. Sie wurde 1949 zum 70. Geburtstag des Diktators auf Geheiß der sowjetischen Besatzungsmacht enthüllt und hat als wohl letzte Stalin-Gedenkstätte Europas die Zeit überdauert.

Der jahrelangen Forderung der Wiener FPÖ und ÖVP, wonach die Tafel zu entfernen oder mit einem Zusatztext zu versehen sei, hat SPÖ-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny nun nachgegeben. Eine Zusatztafel, die die Entstehungsgeschichte erläutert und die Millionen Ermordeten und Deportierten anspricht, sei schon zur Anbringung bereit. Man warte nur noch auf das Einverständnis der Hauseigentümer, sagt die Sprecherin von Mailath-Pokorny.

Die Zusatztafel dürfte auch im Sinne der einstigen Besatzungsmacht sein. Schon 1991 bat der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse den damaligen Wiener Bürgermeister Leopold Gratz um die Entfernung der Tafel. Neben Wien, schrieb Schewardnadse, würde man höchstens noch im albanischen Tirana und in Stalins georgischem Geburtstort Gori vergleichbare Gedenkstätten finden. Gratz lehnte das Ansinnen ab: Österreich habe sich im Staatsvertrag 1955 zur Erhaltung alliierter Denkmäler verpflichtet, und darunter falle auch die Tafel.

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Ein totes Eck

Vor hundert Jahren ließ man sie unfertig stehen. Jetzt baut man weiter. Was die Favoritner Rieplstraße über die Dynamik städtischer Veränderung erzählt

Reportage: Joseph Gepp

Das ist keine Geschichte über die Favoritner Rieplstraße. Dafür ist die Gasse zu gewöhnlich. Zwei Fahrspuren, zwei Parkspuren. Eine Sackgasse mit einer Betonmauer am Ende. Fünf Jahrhundertwendehäuser auf der linken Seite, drei und ein ziegelsteinernes Fabriksgebäude auf der rechten. Die vergilbte Aufschrift „Fußpflege“ an einer Fassade, die heruntergelassenen Rollläden einer Trafik in einem Erdgeschoß.

Das ist vielmehr die Geschichte über das, was rund um die Rieplstraße ist. Nämlich nichts. Ein Nichts aus flacher, schlammbrauner, von Baggerreifenspuren zerfurchter Erde, so groß wie die Josefstadt.

Vor wenigen Jahren noch lag rund um die Straße das Südbahnhofgelände. ÖBB-Arbeiter werkten hier in Lagerhallen und an Verschubanlagen. Dann wurde das Areal abgetragen. Nun entsteht bis 2019 der große Hauptbahnhof samt dazugehörigem Stadtviertel. Das Wahrzeichen einer modernen Stadt soll die derzeit größte Baustelle Wiens werden, der Brückenschlag zwischen so unterschiedlichen Stadtgebieten wie dem Arbeiterquartier Favoriten und der gegenüberliegenden Gürtelseite mit Belvedere und Theresianum. 5000 Wohnungen, 20.000 Arbeitsplätze, 33.000 Menschen. Und mittendrin die Rieplstraße.

Wie ein Alien steht sie heute auf der zu verbauenden Großfläche. Eine isolierte Halbinsel menschlicher Zivilisation, die von der benachbarten Sonnwendgasse ungefähr 100 Meter in die Leere ragt, ehe sie vor dieser kapituliert. Sie steht völlig frei, sodass sie von allen Seiten einsehbar ist. An ihrer Hinterseite wuchern Satellitenschüsseln aus Fensterrahmen, Stiegenhäuser schrauben sich in die Höhe. Die Rieplstraße wirkt wie ein Potemkin’sches Dorf, eine Kulisse. Ein baulicher Fremdkörper, die vorübergehende Laune einer sich verändernden Stadt. „Sie schaut aus wie eine Rippe“, sagt Rance Miletic´, ein Bewohner der Straße, und lacht. „Sie heißt ja auch so ähnlich.“

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Zivilisationshalbinsel: Oben die Rieplstraße von der Seite, mit den sich nähernden Baukränen des Hauptbahnhofs im Hintergrund. Unten die Rieplstraße „von innen“. Als wäre sie eine ganz normale Wiener Gasse
Fotos: Heribert Corn

Tatsächlich heißt die Straße nach Franz Xaver Riepl, der Österreichs erste Dampfeisenbahn von Wien nach Deutsch-Wagram baute. Aber warum schaut sie so exponiert ins ehemalige Bahnhofsgelände und in die nunmehrige Leere? Miletic, 45, Bauarbeiter, schüttelt den Kopf. „Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass die Häuser nichts mit den ÖBB zu tun haben, sondern Privatbesitz sind und immer schon waren.“ Seine Eltern, Gastarbeiter aus dem Belgrader Umland, seien in den 80ern hergezogen. „Damals hat es genauso ausgesehen wie heute“, sagt Miletic´ und zeigt auf die Außenmauer seiner Erdgeschoßwohnung, wo nackte Ziegel durch Risse im Verputz lugen. „Das ist ein totes Eck hier. Ich freu mich, dass der Bahnhof und die vielen neuen Häuser kommen. Es kann nur besser werden.“

Wer einen Stadtplan zur Hand nimmt, der sieht noch deutlicher, dass die Rieplstraße wie ein Speer ins Bahnhofgelände dringt. Ansonsten grenzt sich das Areal entlang von Gürtel, Arsenalstraße, Gudrunstraße und Sonnwendgasse klar von seiner Umgebung ab. Warum die Ausnahme? Bei den ÖBB weiß man dazu auch nicht mehr als Rance Miletic´. Ihres Wissens, so Hauptbahnhof-Sprecherin Alexandra Kastner, habe die Rieplstraße nie zum Südbahnhof gehört. Die Gasse sei auch jetzt nicht Teil des Projektgebiets, das Neubauviertel würde lediglich an sie heranreichen. Die Rieplstraße ist also einfach da, mitten im Bahnhofsniemandsland. Und warum, das scheint sich trotz ihrer grotesken Anmutung nie jemand gefragt zu haben.

Wer ihre Geschichte zu rekonstruieren versucht, der stößt auf städtebauliche Kontinuitäten, die heutigen Verantwortlichen wohl gar nicht bewusst sind. Er stößt auf Geschichten, die mehr erzählen als nur die Historie einer Straße. Sie lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung der ganzen Stadt zu – und darauf, wie sich ihre Besiedlung nach Stillständen und Unterbrechungen gleichsam natürlich einen Weg bahnt.

Ursprünglich befanden sich anstelle der Rieplstraße Industrieanlagen wie überall auf dem Bahnhofsgelände. Gasspeicher waren es an diesem Ort, sagt der Kunsthistoriker Andreas Nierhaus vom Wien Museum anhand des Wiener Katasterplans aus dem Jahr 1875. Später, als man die Anlage nicht mehr brauchte, entstand an ihrer statt die nach Riepl benannte Straße. Das war 1904, zehn Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.

Es war eine Epoche der Wohnungsnot. In kaum 20 Jahren war Wien mit 2,1 Millionen Einwohnern zur fünftgrößten Stadt der Welt angewachsen. Täglich kamen Zuwanderer auf Arbeitssuche in die Stadt. In Favoriten, das ein Vierteljahrhundert davor noch aus Dörfern bestanden hatte, ließen sich vor allem Tschechen nieder. Für sie stampfte man rasterförmig Zinshaus um Zinshaus aus dem Boden. Ein bis drei Jahre dauerte der Bau eines solchen Quartiers. Die prachtvolle Fassadendekoration stand im krassen Gegensatz zum stickigen Elend im Inneren. Ein Wohn- und Schlafraum mit Dielenboden, eine Vorraum- und Küchennische mit gemauertem Herd und Gangfenster zur Entlüftung – hunderttausende solcher Kleinwohnungen wurden errichtet. Ein Dutzend Menschen teilte sich nicht selten 35 Quadratmeter. Alle Flächen, die verbaut werden konnten, wurden verbaut.

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(Corn)

So auch die Rieplstraße, wo 1904 anstelle der Gasspeicher zwei erste Häuser errichtet wurden. Sie stehen bis heute, auch wenn, vermutlich kriegsbedingt, der Stuck von den Fassaden geschlagen ist. Dahinter folgen wie Jahresringe eines Baums weitere Gebäude der ins Bahnhofsland wuchernden Gasse: 1905 entstand das Haus, in dem heute Rance Miletic´ wohnt; 1906 das danebenliegende, 1908 das übernächste. Sie alle entsprechen der Norm dieser Ära: In den Stiegenhäusern ranken sich gusseiserne Pflanzenstauden die Geländer hinauf; Schilder weisen in Frakturschrift auf das Mezzanin hin und die Portiersloge, die im Fin de Siècle selbst in bettelarmen Häusern Usus war. Zwei weitere Gebäude, die es heute nicht mehr gibt, entstanden 1911.

Dann hört die Bautätigkeit abrupt auf. Nach Kriegsausbruch 1914 gab es für den Ausbau der Reichshaupt- und Residenzstadt kein Geld mehr. Die Rieplstraße ist eine der Bruchkanten des gründerzeitlichen Wien. Hier fand die Expansion ein Ende, hier blieb ein Projekt unfertig stehen. Diese Unfertigkeit erklärt auch die exponierte Lage und die ungewöhnliche Sackgassenform, schildert Andreas Nierhaus vom Wien Museum.

Denn ursprünglich schloss an die Rieplstraße eine zweite Gasse an. Nierhaus deutet auf den Stadtplan von 1912. Die mittlerweile verschwundene Gasse zweigte von der Rieplstraße ab und führte zurück zur Sonnwendgasse. Mit Rieplstraße und Sonnwendgasse formte sie ein Dreieck. Die aufgelassene Straße hieß Seyfriestraße, nach dem Biedermeierkomponisten Ignaz von Seyfried. Die Rieplstraße verdankt die isolierte und kulissenhafte Anmutung also nur dem nicht mehr existenten Gegenüber. Sonst wäre sie Teil eines gewöhnlichen Wiener Straßenzugs.

Noch zur Nazi-Zeit scheint die Seyfriedstraße im Wiener Straßenverzeichnis auf. Ab 1950 ist sie gestrichen. Wahrscheinlich wurde sie aufgelassen, weil hier ohnehin nie viele Häuser standen – war die Straße doch erst knapp vor 1914 angelegt worden. Nach Ende der Donaumonarchie hatte sich in der erheblich schrumpfenden Stadt die Wohnraumsituation entspannt. Nun nehmen den zur Verfügung stehenden Platz wieder Industriebauten in Beschlag.

So verkam die Rieplstraße zum toten Eck, von dem Rance Miletic´ heute spricht. Zum willkürlich ins Bahnhofsgelände ragenden Wurmfortsatz. Kurz nach ihrer Entstehung sank sie in einen über 100-jährigen Schlaf. Erst heute wacht sie wieder auf.

„Schauen Sie.“ Stefan Pesel rollt in seinem Büro einen Plan aus. Er zeigt die Skizze eines Gebäudes mit acht Stockwerken. In zwei davon sind Büroräume und ein großer Veranstaltungssaal mit angedeuteten Sesseln und einer Bühne eingezeichnet. Das soll Stefan Pesels Kirche sein, wenn die Rieplstraße einmal ganz neu ist.

Pesel, 52, rumänischer Slowake, hat vor zehn Jahren das ziegelsteinerne Fabriksgebäude am Ende der Rieplstraße gekauft. Ursprünglich war das ebenerdige Areal eine Zementmühle, erzählt er. Pesel ist Pastor der Pfingstkirche, einer freievangelischen Bewegung, wie man sie aus den USA kennt, den Baptisten und Methodisten ähnlich. Seine Gemeinde umfasst einige hundert Personen, vorwiegend Rumänen und Ungarn. Promiskuität lehnen sie ebenso ab wie übermäßigen Alkoholkonsum. Als der Prediger, der selbst im 22. Bezirk wohnt, einen Versammlungsort für seine Kirche suchte, stieß er im Internet auf die Rieplstraße.

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Pesels Kirche, ehemals eine Zementmühle (Corn)

Die Pfingstkirchler renovierten die alte Halle, bauten Dachfenster ein, ließen eine Bühne zimmern, auf der heute Gitarrenverstärker und ein Drumset stehen. Im Büro daneben lugen weißgewandete Engelspuppen aus Schachteln und stapeln sich Spenden für rumänische Straßenkinder. „Ich hätte nie gedacht“, sagt der Pastor, „dass mit dieser ruhigen Gasse einmal so etwas passieren wird.“

Neun Firmen seien bisher mit Kaufangeboten an ihn herangetreten. Namen will er keine nennen, aber eine Hotelkette sei dabei und Bauträger für Wohnungen und Büros. „Ich will meine Kirche aber nicht verkaufen. Der Hauptbahnhof wird unsere Quelle an Gläubigen. Wir werden das einzige Gotteshaus im neuen Viertel sein.“ Manche der Interessenten reagierten, indem sie Sakralräume in ihre Pläne miteinbezogen. Pesel rollt den Plan wieder zusammen. „Ich weiß noch nicht“, sagt er. „Ich muss noch überlegen. Ich kenne mich mit diesen Dingen nicht so aus.“

Heute reißen sich Baufirmen und Investoren um das, was hundert Jahre lang toter Winkel war. 3D-Pläne von Gemeinde und ÖBB zeigen, wie die Gegend in einigen Jahren ausschauen wird. Auf ihnen ist die Rieplstraße von Glas- und Stahlbauten umgeben, die einen lebendigen Stadtteil formen sollen. In der Nähe hat die Gemeinde bereits mit dem Bau einer Genossenschaftswohnanlage begonnen. Ein anderer Neubau wird direkt an die Häuser der Rieplstraße anschließen. Seine Funktion ist noch nicht klar, sagt Hauptbahnhof-Sprecherin Kastner. Fix ist aber, dass er kommt.

2019, wenn das Viertel fertig ist, wird die Rieplstraße keine Sackgasse mehr sein. Sondern ein Tor in den Stadtteil. Statt der Betonmauer an ihrem Ende wird eine neugebaute Verlängerung ins Grätzel führen und dort in eine Hauptstraße münden. Dieser neue Teil der Rieplstraße wird Gombrichgasse heißen, nach dem Kunsthistoriker Ernst Gombrich. Wo Rieplstraße und Gombrichgasse aufeinandertreffen, wird eine weitere Straße abzweigen und zurück zur Sonnwendgasse führen – im Verlauf entspricht dies der alten Seyfriedstraße.

Das geplante Dreieck ist exakt jenes, das vor 100 Jahren schon einmal existierte. Vorläufig jedoch hat die Straße, die einst Seyfriedstraße hieß, noch keinen neuen Namen.

Erschienen im Falter 45/2010

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Buch: Hoch die internationale Solidarität

Die Wege der Geschichte sind verschlungen: 1952 brach in Algerien der Befreiungskrieg gegen die Franzosen aus. Begeisterte Unterstützer in aller Welt: junge Linke. So kam es, dass sich auch der österreichische Sozialismus mit der nationalistischen Front de Liberátion Nationale (FLN) verbündete. Karl Blecha etwa robbte mit den Aufständischen durch die Wüste; Kreisky und Kirchschläger unterstützten die FLN in der Heimat. Mit seiner Dissertation über Österreichs Algerien-Kampf zeichnet der Historiker Fritz Keller eine andere Sozialdemokratie, als man sie heute kennt. Bei Solidaritätsaktionen weltweit war sie vorne dabei. Die Identifikation ging laut Keller so weit, dass man von einer „58er-Generation“ sprechen kann – einer Erfahrungsgemeinschaft zwischen Kriegskindern und Hippies, die von Algerien geprägt wurde. Ein penibel recherchiertes, erhellendes, wertvolles Stück Zeitgeschichte.

Joseph Gepp

Fritz Keller: Gelebter Internationalismus. Österreichs Linke und der algerische Widerstand (1958–1963). Promedia, 320 S., € 19,90

Erschienen im Falter 45/2010

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