Archiv der Kategorie: Kurioses

Ist das Wunschkennzeichen S-S-880 zulässig, Herr Böhm?

Aus dem FALTER 37/2014

Interview: Joseph Gepp

Verdutzt reagierten einige Urlauber, als ihnen auf der Autobahn in Kroatien ein österreichischer Wagen mit dem Wunschkennzeichen S-S-880 entgegenkam. Zwar steht das erste „S“ für Salzburg. Dennoch kommt die Abfolge als Ganzes wie ein leidlich bekannter Neonazi-Code daher. Der Falter fragte bei Josef Böhm nach, dem Leiter des Verkehrsamts bei der Salzburger Polizei und in dieser Funktion für die Vergabe von Wunschkennzeichen zuständig.

Herr Böhm, darf man denn als Wunschkennzeichen S-S-880 wählen?

So einfach ist die Sache nicht. Zwischen den beiden „S“ steht ja das Landeswappen. Dazu passt die Null am Ende nicht zu einem etwaigen Code der rechtsradikalen und neonazistischen Szene. Theoretisch kann das auch einfach ein Verweis auf einen völlig unverdächtigen Namen oder eine Firma sein. Man kann das ganz harmlos lesen als: „Salzburg -Landeswappen -S 880“. Wenn also jemand einen Antrag auf dieses Wunschkennzeichen stellt, würden wir das bewilligen.

Würden Sie den Fahrzeugbesitzer auch auf den möglichen rechtsradikalen Beigeschmack hinweisen?

Durchaus, wir würden ihm per Schreiben mitteilen, dass seine Wunschnummer Assoziationen mit rechtsradikalen Inhalten weckt. Das müssen wir schon deshalb tun, um den Besitzer auf die Gefahr möglicher Beschädigungen seines Wagens aufmerksam zu machen. Das haben wir auch in diesem Fall sicher getan. Weiters aber haben wir keine rechtliche Handhabe.

Wäre es denn auch erlaubt gewesen, dass sich der Fahrzeugbesitzer hinter dem „Salzburg“ zum Beispiel die Abfolge SS-88 gewünscht? Wo liegen da die Grenzen?

Einen derart eindeutigen neonazistischen Bezug wie „SS-88“ hätten wir per Bescheid untersagt. Dasselbe gilt für etwaige andere Kombinationen wie „HJ“,“SS“ oder „SA“. Wenn solche Fälle eintreten, dann prüfen wir das sehr, sehr genau.

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Ist politische Überzeugung unwichtig, Herr Lugar?

Aus dem FALTER 36/2014

Interview: Joseph Gepp

Robert Lugar, Nationalratsabgeordneter des Team Stronach, sorgt mit einem Jobinserat im Internet für Aufsehen. Er sucht einen Mitarbeiter. „Politische Kenntnisse“ setzt er aber keine voraus: „Ihre politischen Überzeugungen sind nicht relevant!“

Herr Lugar, warum braucht Ihr Mitarbeiter keine politischen Kenntnisse?

Sie sind nicht zwingend erforderlich, sie werden nicht vorausgesetzt. Man kann sich also auch bewerben, wenn man sie nicht hat. Wünschenswert sind politische Kenntnisse für diese Arbeit aber durchaus.

Und warum sind die politischen Überzeugungen für die Arbeit beim Team Stronach nicht relevant?

Warum sollten sie? Es geht um eine unabhängige Recherchearbeit, bei der Fakten aufgearbeitet und weitergegeben werden.

Leistet jemand nicht bessere Arbeit, wenn er sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert, weil er dessen politische Überzeugungen teilt?

Ich glaube nicht, dass jemand bessere Arbeit leistet, wenn er von vornherein politisch gefärbt ist. Eine starke politische Gesinnung bringt außerdem die Gefahr mit sich, dass jemand Fakten und Inhalt so weitergibt, wie es seinen politischen Überzeugungen entspricht. Mein Mitarbeiter soll nicht ideologisch gefärbt agieren.

Darf Ihr künftiger Mitarbeiter die politischen Überzeugungen des Team Stronach dann auch ablehnen?

Ja, warum muss man immer einer Meinung sein? Wenn man seine Arbeit gut macht und weiß, was man tut, darf das durchaus sein.

Wie viele Leute haben sich bisher bei Ihnen geworben?

Ich habe die Anzeige vor einer Woche online gestellt und habe jetzt schon 170 Bewerber. Jetzt lässt die Medienberichterstattung den Account explodieren. Heute haben Kurier und Standard darüber berichtet, allein dadurch habe ich heute 50 zusätzliche Bewerbungen bekommen.

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Ist eine Angelobung denn so teuer, Herr Honeder?

Aus dem FALTER 34/2014

Interview: Joseph Gepp

Das Bundesheer hat derart wenig Geld, dass öffentliche Angelobungen von Wehrpflichtigen vorerst abgesagt werden. Sie würden stattdessen in den Kasernen stattfinden, verkündete vor wenigen Tagen Niederösterreichs Militärkommandant Rudolf Striedinger. Der Falter fragte bei Franz Honeder, Pressesprecher des Militärkommandos Niederösterreich, nach.

Herr Honeder, wie viel kostet so eine öffentliche Angelobung?

Konkrete Zahlen darüber gibt es noch nicht. Derzeit jedenfalls prüft das ganze Bundesheer Möglichkeiten zu Einsparungen. Es darf dabei keine Denkverbote geben, solange die Einsatzfähigkeit der Truppe aufrechterhalten bleibt, sowohl bei der internationalen Friedenssicherung als auch im Katastrophenschutz.

Die meisten Tätigkeiten bei Angelobungen erledigen ohnehin die Wehrpflichtigen selbst – zum Beispiel Fahrten oder die Bedienung der Gulaschkanonen. Wie lässt sich hier viel sparen?

Es geht vor allem darum, die Rekruten zum Angelobungsort und zurück zu bringen. Diese Aufgabe haben wir bislang an Busunternehmen ausgelagert, was mit entsprechenden Kosten verbunden war.

Fürchten Sie um die Att raktivität des Bundesheers? Für einen begeisterten Soldaten ist eine öffentliche Angelobung immerhin emotional gesehen eine wichtige Sache.

Es handelt sich lediglich um eine temporäre Maßnahme. Unser Ziel ist es, so viele Angelobungen wie möglich in der Öffentlichkeit abzuhalten. Dass derzeit einige Angelobungen in den Garnisonsorten stattfinden, ist nur eine kurzfristig eingeleitete Maßnahme.

Was sind die nächsten Schritte?

Im Herbst soll ein Vorschlag des Generalstabs für längerfristige Sparmaßnahmen vorliegen. Über weitere Maßnahmen wird dann das Ministerium entscheiden.

Wie viel Geld wird man für öffentliche Angelobungen brauchen?

Hier liegen meines Wissens keine konkreten Zahlen vor.

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Pressekolumne: Wie gedruckt

Aus dem FALTER 32/2014

Kolumne: Joseph Gepp

Nicht nur Menschen wollen antiautoritär erzogen sein, auch Hunde. Das denken sich zumindest einige heimische Tierexperten, die in Heute und den Salzburger Nachrichten gegen Cesar Millan mobil macht, einen im US-Fernsehen berühmt gewordenen „Hundeflüsterer“.

Millan kommt im Herbst nach Österreich und sucht für eine Liveshow in der Wiener Stadthalle „nach rüden Rüden“, wie Heute wortgewaltig meldet – doch er stößt auf Widerstand. Denn Millans Methoden beruhen auf „Übergriffen und Unterwerfung“, kritisiert die Leiterin der Hundeschule Know Wau in den SN. „Kinder ahmen das vielleicht nach.“ Prompt kommt Schützenhilfe von Heute: Auch für den „bekannten Hundeflüsterer Laurent Amann“ seien die Methoden „ein Skandal“.

Fragt sich: Wie soll man denn Hunde erziehen? Hier rät Frau Know Wau aus Salzburg zur „positiven Verstärkung“. Was das heißt?“ Man bietet dem Hund einen Tauschhandel an – ein Leckerli.“

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Wird der Money Maker in Ruhe scheffeln, Herr Engelhart?

Aus dem FALTER 29/2014

Interview: Joseph Gepp

In der ORF-Fernsehshow „Money Maker“ scheffeln Rubbellos-Gewinner in einer Art Duschkabine Geld. Demnächst erwartet die Sendung einen besonderen Teilnehmer: Alexander Rüdiger, den Moderator von „Money Maker“. Rüdiger hat ein Rubbellos für seine eigene Show gekauft – und prompt gewonnen. Der Falter fragt Günter Engelhart von den Österreichischen Lotterien, wie man den speziellen Fall zu handhaben gedenkt.

Herr Engelhart, wie kann es sein, dass der Moderator von Money Maker selbst ein Money-Maker-Los zieht?

Nun, Rubbellose kann jeder kaufen, der über 16 Jahre ist. Dieses Alterslimit erfüllt zweifelsohne auch Moderator Alexander Rüdiger. Und offenbar hat Fortuna es gut mit ihm gemeint.

Wird er an seiner eigenen Show teilnehmen, während jemand anders moderiert?

Es ist ein einmaliges Ereignis, das wir in 18 Jahren Money Maker noch nie hatten. Aber ja, es wird ein Ersatzpräsentator organisiert, damit Alexander Rüdiger sich ganz aufs Duschen konzentrieren kann.

Kommen überhaupt alle Money-Maker-Teilnehmer ins Fernsehen?

Kommt bald selbst in die Geldkabine: Alexander Rüdiger, Moderator der ORF-Show "Money Maker" (Foto: Wikipedia)

Kommt bald selbst in die Geldkabine: Alexander Rüdiger, Moderator der ORF-Show „Money Maker“ (Foto: Wikipedia)

In die Gelddusche dürfen natürlich alle, die sich dafür mit ihren Losen qualifizieren. Das sind etwa 75 Kandidaten pro Jahr. In der TV-Show, deren Ausstrahlungsdauer im Vorhinein definiert wird, ist aber nur Platz für 56.

Nach welchen Kriterien entscheidet sich dann, wer ins Fernsehen kommt?

Nachdem Fernsehen Unterhaltung ist, berücksichtigen wir diesen Aspekt. Gibt jemand amüsante Antworten auf die ihm gestellten Fragen, hat er gute Chancen. Regt jemand zum Schmunzeln an, dann auch. Und, natürlich – wer viel Geld erscheffelt, dem ist die Ausstrahlung quasi sicher.

Wie viele der Money-Maker-Rubbellose verkaufen Sie pro Jahr – und wie viele davon führen in die Geldkabine?

Es wurden heuer 1,8 Millionen Lose aufgelegt, von denen theoretisch 100 in die Gelddusche führen. Theoretisch deshalb, da ja nie alle Lose einer Serie verkauft werden.

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Brasilien: wenn der ORF-Sport in die Klischeekiste greift

Aus dem FALTER 24/2014

Glosse: Joseph Gepp

Wir wissen schon: Wenn man will, dass einen viele Leute verstehen, muss man ein Stück weit in die Klischeekiste greifen. Zum Beispiel Samba-Tänzerinnen und Capoeira-Artisten auspacken, wenn es um Brasilien geht. Wovon gerade dieser Tage ja doch hin und wieder die Rede ist.

Besonders sticht der meisterhafte Umgang mit Klischees in der ORF-Berichterstattung zur Weltmeisterschaft hervor. Hier vereint sich das fleischgewordene Österreich-Klischee in Form der Fußballkommentatoren, das ja fast liebenswert daherkommt, mit einem raffiniert durchdachten Brasilien-Ambiente aus exakt drei Samba-Tänzerinnen und drei Palmen. Die Luftmatratze in Cocktailglas-Form fehlt noch, die regen wir hiermit an.

Das Resultat: herrliche Klischee-Exotik. Wie in der Nachkriegszeit, als die Welt noch groß und fremd war.

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Aufgedeckt: Spindis Brief an die Steuerzahler

Aus dem FALTER 24/2014

Glosse: Joseph Gepp

Liebe unselbstständig beschäftigte Steuerzahler!

Ich weiß, ihr fordert eine Steuerreform, und bisher schaut ’s eher schlecht damit aus. Und wisst ihr was: Ihr habt recht. Wir wollen die Reform jetzt auch. Aber anders als unser Koalitionspartner.

Ich habe nämlich einen Plan: Das Steuersystem wird freiwillig. Bei den Reichen fangen wir an. Ich habe ihnen schon einen netten Brief geschrieben. Und glaubt mir, sie klingen gar nicht so abgeneigt. Als Nächstes seid ihr dran, liebe Beschäftigte. Lohnsteuer, Mehrwertsteuer – jeder zahlt, was er will! Ist das nicht super? Die beste Idee seit der Flat Tax. Gut für die Wirtschaft, gut für den Konsum – gut für euch.

Ich bin sicher, liebe Beschäftigte, ihr wisst, was ihr mir und eurem Land zu verdanken habt. Also: Ich warte.

Euer Finanzminister Michael S.

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Die Zombieratte, oder: Wiens inkonsistenter Weg der Volksaufklärung

Aus dem FALTER 23/2014

Glosse: Joseph Gepp

Kürzlich haben wir uns an dieser Stelle mit einem Verbotsschild neben einem Teich im Prater befasst. Darauf steht statt des harschen Kommandos „Entenfüttern verboten“ eine diffizile Abhandlung über das Ökosystem Teich. Sie legt dar, warum es besser ist, das Füttern zu unterlassen. Wie antiautoritär und wie vernünftig, dachten wir uns. Aber Wien kann auch anders, und zwar wieder auf einem Schild.

Diesmal ist nicht das Entenfüttern verboten, sondern jenes von Tauben. Wer Tauben füttert, füttert nämlich auch Ratten. Um dies auszudrücken, haben die Stadtväter einen Rattenkopf auf einen Taubenkörper montiert. Ein bizarres, verstörendes, grusliges Bild.

Wie jetzt, Gemeinde Wien? Willst du deine Bürger sanft und antiautoritär auf den richtigen Weg leiten? Oder bevorzugst du doch lieber Schockfotos von Rattentauben?

Foto: uniqe

Foto: uniqe

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Wenn Tests auch nicht helfen: über Minister und Elche

Aus dem FALTER 16/2014

Glosse: Joseph Gepp

Soso, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter will also einen Elchtest für Minister. In Zeiten schwindenden Vertrauens in Führungskräfte soll Derartiges wohl eine gewisse Mindestqualität sicherstellen.

Elchtest, dieses Wort stammt eigentlich aus der Autobranche und meint ein Szenario, in dem ein Hindernis – der Elch – den Wagen rammt. Aber Rupprechter meint das metaphorisch. In seinem Fall ist der Elch ein ungeplantes Ereignis. Die Hypo etwa, der fette Elch. Der elchgetestete Minister stellt sich ihr wie ein Stierkämpfer, statt in Deckung zu gehen und nichts zu tun. Dann erweist sich der Elch vielleicht als nicht so gefährlich wie gedacht, während ihn umgekehrt das Nichtstun richtig groß macht. Aber woher weiß man eigentlich, wie aggressiv so ein Elch werden kann? Tja – da hilft wohl nur ein Stresstest.

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Wer hat Ihre Reise auf die Krim bezahlt, Herr Stadler?

Aus dem FALTER 12/2014

Anruf: Joseph Gepp

Ewald Stadler, EU-Abgeordneter und EU-Spitzenkandidat der Reformkonservativen („Rekos“), war auf der Krim, um das Referendum zu beobachten – wie auch die FPÖ-Politiker Johann Gudenus und Johannes Hübner. Wer bezahlt für solche Reisen?, wollte der Falter von Stadler wissen – und bekam nicht viele Antworten.

Herr Stadler, wer hat Ihre Reise finanziert?

Ich habe mich im Rahmen einer Wahlbeobachtungsmission auf Einladung der Nichtregierungsorganisation Eurasian Observatory for Democracy & Elections, kurz EODE, auf der Krim befunden. Ich konnte mich dabei frei bewegen. Auf der gesamten Reise habe ich keinen einzigen Vertreter von Polizei oder Militär angetroffen. Meiner Ansicht nach konnten die Bürger auf der Krim frei ihre Stimmen abgeben.

Wer finanziert die NGO EODE? Russland?

Zur Finanzierung von EODE habe ich leider keine Informationen. Fix ist, dass weder die EU noch der Steuerzahler diese Reise finanzieren musste.

Ewald Stadler

Ewald Stadler

Medien zufolge wird EODE von Luc Michel betrieben, einem belgischen Rechtsaußen-Politiker. Auf seiner Homepage deklariert sich Michel als Unterstützer des sogenannten „Nationalbolschewismus“ und der russischen Kommunistischen Partei. Sie selbst leiten eine christlich-konservative Partei. Wie passt das zusammen?

Auf der Krim geht es um völkerrechtliche Selbstbestimmung, wie sie in Artikel 1 der UN-Sozialcharta verankert ist. Ich war auf der Krim ein neutraler Wahlbeobachter – als einer von mehreren Abgeordneten, die eingeladen waren.

Das heißt, die Mission der Wahlbeobachtung steht für Sie über der ideologischen Ausrichtung des Organisators, die Ihrer eigenen widerspricht?

Ja, definitiv. Hier geht es um die Wahrung des Friedens. Der Kalte Krieg ist noch nicht lang vorbei – und wenn ich mir die russophobe Stimmung vieler EU-Parlamentsabgeordneter anschaue, fürchte ich, dass er sich bald wieder in einen heißen verwandeln könnte.

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