Archiv der Kategorie: Kurioses

Gebäcksverlust

Aus profil 40/2016

Das „Wiener Gebäck“, eine österreichische Traditionssüßigkeit, ist aus den Geschäftsregalen verschwunden. Wo ist sie nur hin?

Von
Joseph Gepp

Es ist schon beeindruckend, was die moderne Menschheit alles kann. Sie ist fähig, mittels Gentechnik ins Erbgut von Lebewesen einzugreifen. Sie kann Herzen transplantieren und Lichtteilchen in andere Galaxien schießen. Zum Mond fliegen kann sie sowieso.

Es ist aber manchmal auch erstaunlich, was die Menschheit alles nicht kann. Es gibt eine weithin bekannte Süßigkeit im Osten Österreichs. „Wiener Gebäck“ heißt sie. Eine Art trockener Schaumzucker, lachsfarben, geformt wie kleine Semmeln, Kipferl und Salzstangerl. In die Gemeinde der Freunde von Süßigkeiten treibt das Wiener Gebäck einen Keil: Ob seiner geradezu einzigartigen Konsistenz kann man es nur lieben oder hassen.

Das Gebäck hat Tradition, so wie Schwedenbomben, Manner-Schnitten oder Seidenzuckerl. Viele kennen es aus der Kindheit. Seit Jahrzehnten gibt es das Gebäck zu kaufen. Oder besser: gab es. Denn seit einiger Zeit ist Schluss. Das Produkt ist aus den Supermarktregalen verschwunden, spur-, kommentar-und ersatzlos.

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Produziert wird die Süßigkeit von der Firma Ed. Haas mit Sitz im oberösterreichischen Traun, einem Familienbetrieb mit 150-jähriger Erfahrung, der etwa auch Sportgummi, Pez-Bonbons und viele Sorten Senf herstellt. Doch beim Wiener Gebäck muss der Betrieb anscheinend gerade passen. Leider müsse man darüber informieren, heißt es auf der Website, dass die Produktion „vorübergehend eingestellt“ sei. „Die ursprüngliche Produktionsmaschine, welche für die Herstellung des originalen Haas Wiener Gebäcks unablässig ist, steht uns nicht mehr zur Verfügung. Wir sind auf der fieberhaften Suche nach einem Ersatz. Auch trotz intensiver Versuchsphase war die Rezeptur nicht derart zu adaptieren, um der Qualität des Wiener Gebäcks gerecht zu werden.“

Was ist da los? Welche Probleme macht die Maschine? Ist die einzigartige Konsistenz für immer dahin? profil hätte das gern gewusst. Doch Haas zeigt sich ungefähr so auskunftsfreudig wie ein Nachrichtendienst, den man nach den Standorten von Geheimgefängnissen in befreundeten Diktaturen befragt. Es sei ein „laufendes Projekt“, so die zuständige Produkt-Managerin. Kein Kommentar.

Erbgut manipulieren, Herzen transplantieren, zum Mond fliegen: Es ist beeindruckend, was die Menschheit alles kann. Hoffentlich kriegt sie auch das Wiener Gebäck wieder hin.

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Warum fliegen Sie noch nach Erbil, Frau Bijelic?

Aus dem FALTER 12/2015

Am Sonntag musste eine Passagiermaschine der Austrian Airlines in die nordirakische Kurdenhauptstadt Erbil umkehren. Die Destination, die von der AUA normalerweise täglich angeflogen wird, liegt nur einige Dutzend Kilometer von jener Frontlinie entfernt, wo sich die kurdischen Kämpfer der Peschmerga und die Milizen des Islamischen Staates gegenüberstehen. Was war da los und warum fliegt die AUA überhaupt noch dorthin, fragte der Falter AUA-Sprecherin Sandra Bijelic.

Frau Bijelic, Medien schreiben von einer Terrorwarnung, die ein AUA-Flugzeug auf dem Weg in den Irak zum Umkehren zwang.

Das stimmt nicht, es gab zu keinem Zeitpunkt eine Terrorwarnung.

Warum sonst musste Ihr Flugzeug umdrehen?

Aufgrund der aktuellen Lage im Irak mussten wir diesen Schritt setzen. Das Flugzeug drehte noch vor dem Eintritt in den türkischen Luftraum um. Am Montagnachmittag haben wir außerdem beschlossen, die Flüge nach Erbil bis zum 23. März auszusetzen.

Was heißt das konkret, aufgrund der aktuellen politischen Lage?

Ich kann das nur begrenzt sagen, das sind, wie Sie sich vorstellen können, interne Prozesse. Wir stimmen uns jedenfalls sehr eng mit den irakischen Behörden und mit dem Flughafen von Erbil ab. Wir folgen den Einschätzungen unserer Partner.

Ist es nicht so oder so brandgefährlich, eine Stadt anzufliegen, die praktisch an einer Kriegsfront liegt?

Wie gesagt, die Lage wird ständig evaluiert. Die Sicherheit von Fluggästen und Besatzung hat natürlich höchste Priorität.

Wird die AUA nach dem 23. März wieder nach Erbil fliegen?

Das wird derzeit intensiv geprüft. Nur wenn alle Rahmenbedingungen stimmen, werden wir die Route nach Erbil wieder aufnehmen.

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Nachrichten aus dem Inneren – Die Redaktion erklärt sich selbst

Aus dem FALTER 5/2015

Es ist ja so: Zeitungsjournalisten sind eitel und wollen ständig von allen wissen, ob ihre Texte „eh gut sind“. Also belästigen sie gerne ihre Kollegen mit der Frage: „Na, wie findest du meinen Text?“.

Nun hat der Befragte hin und wieder ein kleines Problem. Denn im Rhythmus der Wochen und Geschichten mag es vorkommen, dass ein Text nicht so ganz so brillant ausfällt, wie der Fragende, man erkennt es am Tonfall, gerade annimmt. Was sagt man dann, wenn man ihn weder belügen noch kränken will?

Hier haben manche Journalisten eine kleine, fiese Methode entwickelt, quasi den goldenen Mittelweg.

„Geppig halt“, sagt kürzlich, um eine Textkritik gebeten, Kollege Wolfgang Zwander zu mir. Aha. Na dann. Zwander kann man es wenigstens mit gleicher Münze heimzahlen: etwa mit einem gekonnten, knappen „zwandisch“

Es gibt Zeiten, in denen fliegen solche Zuschreibungen geradezu durch die Redaktion: „thurnheresk“, schreit dann Florian Klenk in Richtung Armin Thurnher. Doch der lächelt nur und antwortet: „voll klenkoid“.

Fein raus sind bei diesem Spiel jene, deren Nachnamen sich nur schwer in ein Adjektiv verwandeln lassen. Zum Beispiel Wolfgang Kralicek oder Benedikt Narodoslawsky. Weil, seien wir ehrlich, „narodoslawskig“ wäre einfach ein zu steiler Zungenbrecher. Den Namen kann man ja schon so kaum aussprechen.

Wir wissen schon, Namenswitze sind das Letzte. Doch was soll man tun – so sind wir eben. Das muss man ganz nüchtern sagen.

JOSEPH GEPP

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Warum verwenden Sie Tropenholz, Herr Lux?

Aus dem FALTER 47/2014

Die Sitzbänke auf der Mariahilfer Straße, dem Prestigeprojekt der Stadtgrünen, sind aus Tropenholz. Das regt derzeit in sozialen Netzwerken auf. Der Falter hat Peter Lux gefragt, Tiefbau-Leiter der Stadtbaudirektion und Projektkoordinator Mahü.

Herr Lux, aus welchem Holz bestehen die Bänke auf der Mariahilfer Straße?

Die Holzauflagen bestehen aus Cumaru-Holz. Dieses wächst im südamerikanischen Amazonas-Gebiet.

Warum haben Sie sich für dieses Holz entschieden?

Das ist keine einsame Entscheidung; Cumaru-Holz wird bei zahlreichen Projekten in Wien verwendet. Dafür gibt es sachliche und fachliche Gründe. Dieses Holz ist witterungsresistent, hinterlässt keinerlei Abfärbungen auf der Kleidung und splittert kaum, sodass sich die Benutzer keine Schiefer einziehen.

Aber ist denn moralisch vertretbar, sich für ein solches Holz aus dem Regenwald zu entscheiden?

Absolut, denn das Holz wird im höchsten Maß nachhaltig produziert. Es ist mit dem sogenannten FSC-Gütesiegel zertifiziert. Dieses Siegel für sozial- und umweltverträgliche Waldwirtschaft ist weithin anerkannt, unter anderem auch von der Umweltschutzorganisation WWF. Dafür findet kein Raubbau in Regenwäldern statt.

Bestehen denn die anderen Wiener Bänke auch aus Cumaru-Holz?

Bei den neuen Umgestaltungsprojekten der Kärntner Straße, Ottakringer Straße und jetzt eben Mariahilfer Straße schon. Abgesehen davon besteht die Möblierung im öffentlichen Raum aber aus vielen verschiedenen Materialien. Aus Metall, Kunststoffen und verschiedenen Hölzern.

Ruft ein Beamter aus der Stadtplanung in Südamerika an, wenn Holz für neue Bänke gebraucht wird?

Nein, das erledigen unsere Auftragnehmer, die danach auch entsprechend für die Realisierung im Straßenraum sorgen. Wir legen lediglich in unseren Ausschreibungen genau fest, welche Möblierung und welches Material wir haben wollen.

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Am Praterstern

Aus dem FALTER 41/2014

Es soll ja Städte geben, in denen alle Bevölkerungsgruppen hübsch voneinander separiert sind, reich neben arm, schwarz neben weiß, und so weiter. In Wien ist das glücklicherweise nicht so. Am allerwenigsten ist es so am Praterstern. Wobei, ob hier auch ein „glücklicherweise“ angebracht ist – schauen Sie am besten selbst hin, liebe Leser.

Am Praterstern mischen sich Bahnhofspendler mit Radfahrern, Radfahrer mit Prater-Joggern, Prater-Jogger mit Partygehern, Partygeher mit Kleinkriminellen und Kleinkriminelle mit Alkoholikern. Dazwischen hält die Polizei notdürftig die allgemeine Ordnung aufrecht.

Besonders skurril wird es in diesen Tagen. Denn nun kommt noch eine neue Gruppe hinzu: die Lederhosen-und Dirndlträger vom nahegelegenen neuen Wiener Oktoberfest. Sturzbetrunken torkeln diese, solcherart verkleidet, über den Platz. Mühevoll versuchen sie, ihre motorischen Fähigkeiten so weit wiederzuerlangen, dass sie Bankomaten bedienen und Pizzastücke vom Bäcker entgegennehmen können.

Ach, Praterstern!

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Ist das Wunschkennzeichen S-S-880 zulässig, Herr Böhm?

Aus dem FALTER 37/2014

Interview: Joseph Gepp

Verdutzt reagierten einige Urlauber, als ihnen auf der Autobahn in Kroatien ein österreichischer Wagen mit dem Wunschkennzeichen S-S-880 entgegenkam. Zwar steht das erste „S“ für Salzburg. Dennoch kommt die Abfolge als Ganzes wie ein leidlich bekannter Neonazi-Code daher. Der Falter fragte bei Josef Böhm nach, dem Leiter des Verkehrsamts bei der Salzburger Polizei und in dieser Funktion für die Vergabe von Wunschkennzeichen zuständig.

Herr Böhm, darf man denn als Wunschkennzeichen S-S-880 wählen?

So einfach ist die Sache nicht. Zwischen den beiden „S“ steht ja das Landeswappen. Dazu passt die Null am Ende nicht zu einem etwaigen Code der rechtsradikalen und neonazistischen Szene. Theoretisch kann das auch einfach ein Verweis auf einen völlig unverdächtigen Namen oder eine Firma sein. Man kann das ganz harmlos lesen als: „Salzburg -Landeswappen -S 880“. Wenn also jemand einen Antrag auf dieses Wunschkennzeichen stellt, würden wir das bewilligen.

Würden Sie den Fahrzeugbesitzer auch auf den möglichen rechtsradikalen Beigeschmack hinweisen?

Durchaus, wir würden ihm per Schreiben mitteilen, dass seine Wunschnummer Assoziationen mit rechtsradikalen Inhalten weckt. Das müssen wir schon deshalb tun, um den Besitzer auf die Gefahr möglicher Beschädigungen seines Wagens aufmerksam zu machen. Das haben wir auch in diesem Fall sicher getan. Weiters aber haben wir keine rechtliche Handhabe.

Wäre es denn auch erlaubt gewesen, dass sich der Fahrzeugbesitzer hinter dem „Salzburg“ zum Beispiel die Abfolge SS-88 gewünscht? Wo liegen da die Grenzen?

Einen derart eindeutigen neonazistischen Bezug wie „SS-88“ hätten wir per Bescheid untersagt. Dasselbe gilt für etwaige andere Kombinationen wie „HJ“,“SS“ oder „SA“. Wenn solche Fälle eintreten, dann prüfen wir das sehr, sehr genau.

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Ist politische Überzeugung unwichtig, Herr Lugar?

Aus dem FALTER 36/2014

Interview: Joseph Gepp

Robert Lugar, Nationalratsabgeordneter des Team Stronach, sorgt mit einem Jobinserat im Internet für Aufsehen. Er sucht einen Mitarbeiter. „Politische Kenntnisse“ setzt er aber keine voraus: „Ihre politischen Überzeugungen sind nicht relevant!“

Herr Lugar, warum braucht Ihr Mitarbeiter keine politischen Kenntnisse?

Sie sind nicht zwingend erforderlich, sie werden nicht vorausgesetzt. Man kann sich also auch bewerben, wenn man sie nicht hat. Wünschenswert sind politische Kenntnisse für diese Arbeit aber durchaus.

Und warum sind die politischen Überzeugungen für die Arbeit beim Team Stronach nicht relevant?

Warum sollten sie? Es geht um eine unabhängige Recherchearbeit, bei der Fakten aufgearbeitet und weitergegeben werden.

Leistet jemand nicht bessere Arbeit, wenn er sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert, weil er dessen politische Überzeugungen teilt?

Ich glaube nicht, dass jemand bessere Arbeit leistet, wenn er von vornherein politisch gefärbt ist. Eine starke politische Gesinnung bringt außerdem die Gefahr mit sich, dass jemand Fakten und Inhalt so weitergibt, wie es seinen politischen Überzeugungen entspricht. Mein Mitarbeiter soll nicht ideologisch gefärbt agieren.

Darf Ihr künftiger Mitarbeiter die politischen Überzeugungen des Team Stronach dann auch ablehnen?

Ja, warum muss man immer einer Meinung sein? Wenn man seine Arbeit gut macht und weiß, was man tut, darf das durchaus sein.

Wie viele Leute haben sich bisher bei Ihnen geworben?

Ich habe die Anzeige vor einer Woche online gestellt und habe jetzt schon 170 Bewerber. Jetzt lässt die Medienberichterstattung den Account explodieren. Heute haben Kurier und Standard darüber berichtet, allein dadurch habe ich heute 50 zusätzliche Bewerbungen bekommen.

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