Archiv der Kategorie: Kurioses

Nicht schwindelfrei

Aus profil 16/2017

Eurofighter, Steuerflucht, Hypo Alpe Adria. Normalerweise berichten wir auf diesen Seiten über die großen Skandale, welche die Republik beschäftigen. Aber was ist mit den vielen kleinen? Jene, die Menschen in ihrem Alltag und Konsumverhalten unmittelbar betreffen? Von unzureichend gefüllten Müsli-Schachteln über Schwindeleien bei Herkunftsangaben bis zu Abzocker-Schlüsseldiensten -eine Geschichte in acht Kapiteln. Wie uns Handel, Gewerbe und Industrie im Alltag verar*****.

Von Joseph Gepp und Christina Hiptmayr

Geschmack der Heimat

Manchmal spürt man sie richtig, die Heimat. Zum Beispiel im erdigen Räuchergeschmack von Forellenfilets, welche die heimische Supermarktkette Billa bis zum Jahr 2015 anbot. „Zertifizierter österreichischer Familienbetrieb“, hieß es auf der Verpackung. Und: „In Österreich über feinem Buchenholz geräuchert“.

Stimmt schon. Und irgendwie auch nicht. Denn wer die Verpackungsangaben genau las, stellte fest, dass die Forellen nicht etwa aus einem kristallklaren heimischen Alpenbach stammten, sondern aus einer Fischfarm in Italien. Lediglich das Räuchern und Verpacken fand in Österreich statt. Irreführung, urteilte deshalb der Oberste Gerichtshof. Der Gesamteindruck suggeriere, dass der Fisch selbst aus Österreich stamme.

Von „in Österreich hergestellten“ Frankfurter-Würsteln der Marke Clever, deren Fleisch eigentlich aus mehreren EU-Ländern stammt, bis zu original steirischem Kürbiskernöl -aus China. Bei Herkunftsangaben wird gern getrickst. Und nicht auf jedes Gütesiegel ist Verlass. „Lassen Sie sich von einer österreichischen Fahne und sonstigem Österreichbezug nicht täuschen“, rät Katrin Mittl vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). „Beides garantiert nicht, dass auch die Rohstoffe dieses Produktes tatsächlich aus Österreich kommen.“

Laut Gesetz muss nur bei frischem Obst und Gemüse (abgesehen von Ausnahmen wie etwa Erdäpfeln und Kukuruz) das genaue Ursprungsland auf dem Etikett angegeben werden. Aber auch hier gibt es Probleme. „In diesem Bereich stoßen wir zwar nicht auf den Etiketten selbst auf widersprüchliche Angaben, wohl aber beim gestalterischen Beiwerk im Gemüseregal“, sagt Mittl. Heißt: Auf Steckschildern und Tafeln im Supermarkt liest man zwar „Qualität aus Österreich“ oder „Herkunftsland Österreich“ – tatsächlich stammen die Paprika mitunter aus Spanien und die Birnen aus Belgien.

Derartige Praktiken finden sich gleichermaßen in allen großen Supermarktketten, ob Spar, Billa oder Hofer -aber auch in Restaurants. Zum Beispiel in jenen der Möbelhauskette Lutz. Diese bewarb in ihren Restaurants im vergangenen Herbst mit „100 Prozent Österreich“ Schweins-oder Putenschnitzel. Wer jedoch ganz genau hinblickte, erkannte winzig klein das Wort „Schweinefleisch“ – demnach stammt nur das Schwein aus Österreich, nicht aber die Pute.

„Auf derartige Praktiken weisen uns verärgerte Kunden immer wieder hin“, sagt Mittl. Man müsse eben ganz genau auf die Packungsaufschrift achten.

Prosciutto und Packpapier

Es ist eine Frage, die Österreichs Supermarktkunden seit langer Zeit beschäftigt: Wenn man an der Feinkost-Theke Schinken oder Käse ordert, zahlt man dann auch für das Papier, in das die Produkte eingeschlagen werden? Immerhin wiegt solch ein Bogen Papier bis zu sechs Gramm. Das Problem: Papier und Ware werden gleichzeitig gewogen. Heißt: Edler italienischer Prosciutto, hoher Preis für die Verpackung. Kauft man beispielsweise 20 Dekagramm Prosciutto um sechs Euro, entfallen davon rund 25 Cent auf das Papier.

Zumindest war das lange die Praxis. Bis VP-Wirtschafsminister Reinhold Mitterlehner aufgrund zahlreicher Beschwerden im Jahr 2012 aktiv wurde. Er brachte eine Novelle des Maß-und Eichgesetzes in den Ministerrat. Seit Anfang 2016 darf Papier nicht mehr ohne Weiteres auf das Produktgewicht aufgeschlagen werden.

An Österreichs Feinkosttheken wird seither -automatisch und zentral gesteuert – ein bestimmtes Gewicht für das Papier vom Preis abgezogen. Es handelt sich um ungefähr vier Gramm. Überwacht wird die Umsetzung in der Regel von den heimischen Eichämtern. „Derzeit werden zwar immer noch zwei bis drei Beschwerden pro Jahr an uns herangetragen“, sagt Herbert Renner, Sprecher des Bundesamts für Eich-und Vermessungswesen. „Aber insgesamt machen wir die Erfahrung, dass die Nettoverwiegung sehr gut funktioniert.“

Trotzdem: Es bleiben Schlupflöcher. Für manche Verpackungen bezahlt der Kunde immer noch mit. Zum Beispiel für die Trennfolie, die häufig zwischen einzelne Schinkenblätter gelegt wird -diese ist von der Gesetzesnovelle nicht erfasst. Das Gleiche gilt für Verpackungen von Bonbons, die nach Gewicht verkauft werden. Den größten Posten schließlich dürfte das Gewicht jener Plastiksackerl ausmachen, in welche die Kunden Obst und Gemüse legen, bevor sie die Gemüsewaage betätigen. Auch dieses kommt zum Gewicht der Produkte hinzu.

Demnach sei dem Sparsamen geraten: das Gemüse zuerst auf die Waage, nachher ins Sackerl. Und dem noch Sparsameren: Beim nächsten Kauf edlen italienischen Prosciuttos möge man darum bitten, die Trennfolie zwischen den Schinkenscheiben einfach wegzulassen.

Der etwas andere Urlaubs-Snack

Wenn sich die Regierungschefs der sogenannten Visegrád-Staaten treffen (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn), geht es normalerweise um große Themen wie Europas Flüchtlingspolitik und das Verhältnis zu Russland. Nicht aber im März dieses Jahres. Da setzten die Politiker ein anderes Thema auf ihre Agenda. Die Lebensmittel in Osteuropas Supermärkten seien von schlechterer Qualität als die gleichen Waren im Westen, beklagten die Visegrád-Regierungen. Ein Missstand, gegen den sie nun bei der Brüsseler EU-Kommission vorgehen wollen. Der Osten sei die „Mülltonne“ Europas, sagt der tschechische Agrarminister Marian Jurečka. Das Gerücht kursiert bereits seit den Jahren der Wende. Nun will es eine Studie der ungarischen Lebensmittelaufsichtsbehörde ŠVPS -einmal mehr -bewiesen haben. Darin wurden 24 Produkte aus ungarischen und österreichischen Geschäften verglichen. Ergebnis: Die Marzipanschokolade der Marke Ritter Sport sei in Österreich „zarter“, das Nutella von Ferrero „cremiger“, die Nudelsuppe von Knorr enthalte mehr Fleischstückchen. Sogar die Manner-Schnitten sollen „knuspriger“ sein. Derartige Studien werden regelmäßig durchgeführt – und die Ergebnisse sind immer ähnlich. Im Jahr 2011 etwa stellte der slowakische Verbraucherschutzdienst eine schlechtere Qualität bei Nescafé, Kotányi-Pfeffer und Coca-Cola im Vergleich zu West-Produkten fest (nur Milka-Schokolade erwies sich hüben wie drüben als gleich). Coca-Cola etwa werde im Westen mit teurerem Kristallzucker gesüßt, im Osten komme billigere Isoglucose aus Maisstärke zum Einsatz, so die Studie.

Die Unternehmen weisen die Anschuldigungen von sich. Manche -zum Beispiel der Wiener Süßwarenproduzent Manner -beharren darauf, dass in Ost und West die exakt gleichen Produkte angeboten worden. Andere -etwa das Management von Coca-Cola in Tschechien -räumen zwar ein, dass es Unterschiede gibt. Diese seien jedoch einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass Geschmäcker regional unterschiedlich seien. Nutella beispielsweise basiert auch in Frankreich, Spanien und Italien auf einer anderen Rezeptur als in Deutschland und Österreich. Dort ist es weicher und enthält weniger Kakao. Warum? Damit es sich besser auf das im romanischen Raum weitverbreitete Weißbrot schmieren lässt. In jedem Fall: Wer beim nächsten Adria-Urlaub einen Supermarkt betritt, sollte von den Produkten lieber nicht zu viel erwarten -selbst, wenn sie von zu Hause wohlvertraut erscheinen.

Flug ins Ungewisse

Wer einen Urlaub plant, ordert die dazugehörigen Flüge heutzutage oft auf einer Buchungsplattform im Internet. Zum Beispiel von Wien in die thailändische Hauptstadt Bangkok. Das deutsche Reiseportal fluege.de zeigt sogleich den Preis von 460 Euro an. Günstig, mag man da erfreut denken. Und nach Eintippen seiner Daten sogleich auf „Buchen“ klicken.

Allerdings: Während des Buchungsvorgangs verteuert sich der Preis. Er beträgt am Ende 510 Euro. Eine „Servicepauschale“ von stolzen 50 Euro ist hinzugekommen.

Hohe Aufschläge, die erst im Verlauf der Buchung angezeigt werden, sind gängige Praxis bei vielbenützten Buchungsplattformen, klagt die EU-Kommission. Dieser Tage veröffentlichte das Ressort von EU-Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourová eine Analyse, wonach 235 von insgesamt 352 Portalen irreführend über ihre Preise informieren würden. Jourová sandte Mahnschreiben an deren Betreiber. Die Praxis verunmöglicht Preisvergleiche. Bei der fluege.de-Buchung gibt es den billigeren Preis von 460 Euro zwar tatsächlich – aber nur unter einer besonderen Bedingung: Man benötigt eine spezielle Kreditkarte, die sogenannte „fluege.de Mastercard Gold“. Diese besitzt selbstredend kaum jemand.

Die Höhe der Aufschläge der Flugplattformen ändern sich mitunter von Tag zu Tag -je nach aktueller Frequenz auf der Website. Juristen wie der deutsche Reiserechtsexperte Peter Hense nennen die Praxis „hochgradig illegal“. Denn eigentlich schreibt eine EU-Verordnung seit dem Jahr 2008 vor, dass der Endpreis bei Online-Käufen von Anfang an auszuweisen sei. Allerdings: Daran halten sich viele Plattformen schlicht nicht.

Drama vor verschlossenen Türen

Schon einmal passiert? Die Tür zur eigenen Wohnung ist verschlossen. Der Schlüssel ist irgendwo. Nur nicht hier. Möglicherweise gestohlen. Oder drinnen in der Wohnung.

In diesem Fall hilft oft ein Aufsperrdienst. Er offeriert seine Dienste im Internet oder auf dem Schwarzen Brett im Stiegenhaus. Die Handwerker sind ständig verfügbar. Sie ebnen den Weg zurück in die Wohnung. Und alles ist wieder gut. Oder auch nicht. Viele Kunden klagen über extrem schlechte Erfahrungen mit den Diensten. Bei einem Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im Jahr 2015 erhielten elf von 14 Schlüsseldiensten die Bewertung „nicht zufriedenstellend“. Beklagt wird etwa, dass die Dienste viel höhere Preise verlangen als zuvor am Telefon vereinbart. Oder dass die Türschlösser beim Einsatz zerstört werden, obwohl dies nicht notwendig gewesen wäre.

Im Internet gibt es Klagen ohne Ende. In Wien beispielsweise beschweren sich derzeit Hunderte Kunden über den 24-Stunden-Notdienst eines gewissen Zakhir Mutaskhanov, der neben Aufsperrservices etwa auch Installateur-Arbeiten anbietet. „Ein Mitarbeiter dieser Firma kam gegen 23 Uhr und benötigte für seine Arbeit gut eine Stunde“, erzählt ein Kunde der Online-Zeitschrift „konsument.at“.“Dafür stellte er knapp 2900 Euro in Rechnung. () Er beharrte nachdrücklich auf sofortiger Barzahlung beziehungsweise einer Online-Überweisung.“ Der Kunde zahlte, weil er davon ausging, dass die Haushaltsversicherung ohnehin die Kosten übernehmen würde. Dann folgte das böse Erwachen. Denn die Versicherung zahlt nicht, wenn es sich um Wuchergeschäfte handelt. Mitunter reichen die Umtriebe gar ins Kriminelle. Bis vor Kurzem ermittelte die Staatsanwaltschaft Wien wegen Betrugs gegen ein EU-weites Netzwerk an Aufsperrservices, mutmaßlich mit Zentrale in Deutschland. Allerdings seien die Ermittlungen eingestellt worden, weil der Verdacht nicht erhärtet werden konnte, erklärt Diana Horvath, Leiterin des Rechtsreferats der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wiener Wirtschaftskammer.

Für Bewohner, die vor verschlossenen Türen stehen, hat die Wirtschaftskammer jedenfalls mehrere Tipps parat. Zunächst: Services, die nur per 0800er-Nummer erreichbar sind, soll man gar nicht erst anwählen. Ebenso ist Vorsicht geboten, wenn sich ein deutsches Callcenter meldet und die Rechnungsadresse des Unternehmens nicht in Österreich liegt. Ist der Schlüsseldienst-Handwerker einmal vor Ort, sollte man schließlich überhöhte Forderungen keinesfalls mittels Barzahlung oder Sofortüberweisung begleichen -sondern auf einen Erlagschein bestehen.

Bis vor Kurzem ermittelte gar die Wiener Staatsanwaltschaft gegen ein EU-weites Netzwerk an Aufsperr-Services.

Luft nach oben

Da staunten die Briten. Im November 2016 stellten sie fest, dass bei der bekannten Traditionsschokolade Toblerone plötzlich nur noch halb so viele Schoko-Gipfelchen in die Höhe ragen. Gleiche Verpackung, gleicher Preis -aber mehr Luft statt Schokolade. Der Besitzer von Toblerone, der US-Konzern Mondelez, rechtfertigte die Maßnahme indirekt mit dem Brexit: Die damit einhergehende Schwächung des britischen Pfundes habe dazu geführt, dass sich die Zutaten für Schokolade verteuert hätten, so Mondelez. Aber Toblerone ist kein Einzelfall. Konsumentenschützer und Kunden kennen gar einen eigenen Begriff dafür, wenn die Produktverpackung gleich bleibt, aber plötzlich weniger drinnen ist: Mogelpackung. Die kleingedruckte Gewichtsangabe auf derselben verändert sich zwar richtigerweise -aber dies fällt kaum jemanden auf, weil sonst alles gleich bleibt. Anders formuliert: Über eine unauffällige Mengenverminderung wird eine Preiserhöhung betrieben.

Beispiele gefällig? Das Vitalis-Früchtemüsli von Dr. Oetker beinhaltet neuerdings statt 600 Gramm nur noch 500, bei gleicher Schachtel und gleichem Preis (2,99 Euro). In einer Packung Pampers-Babywindeln des US-Konzerns Procter & Gamble finden sich statt bisher 66 nur noch 60 Stück. Ähnliches gilt für Persil-und Ariel-Waschmittel, Kit-Kat-und Mars-Riegel, Knorr-und Heinz-Ketchup. Die versteckten Preiserhöhungen bei diesen Waren betragen jeweils zwischen vier und 30 Prozent. Diese Angaben hat die deutsche Verbraucherzentrale Hamburg erhoben, weitgehend gelten sie wohl auch für Österreich.

Manche Hersteller lassen sich besonders raffinierte Tricks einfallen. Zum Beispiel der deutsche Henkel-Konzern, wie „Der Konsument“ 2011 berichtet. Dessen Handgeschirrspülmittel Pril beinhaltete plötzlich nur noch 680 statt 750 Milliliter – bei unveränderter Flaschengröße. Kaschiert wurde die Reduktion dadurch, dass die Flasche nun blau statt durchsichtig war.

Die Lebensmittelkonzerne reagieren immer gleich auf die Kritik. Bei Produkten in kleinen Säckchen, wie Chips, wird häufig das sogenannte Packgas ins Treffen geführt: Es brauche den Luftanteil, damit das Produkt frisch bleibt. Bei anderen Waren wird mit verbesserten Inhaltsstoffen argumentiert. Die geschrumpfte Füllmenge des Vitalis-Müslis etwa begründet das Dr.-Oetker-Management damit, dass dieses neuerdings Preiselbeeren oder Papayastücke enthalte – hochwertigere und teurere Früchte als bisher. Bleibt trotzdem die Frage: Wenn der Inhalt in der Müsli-Packung weniger wird, warum verändert sich dann ehrlicherweise nicht auch die Packung? Dem Konsumenten jedenfalls sei geraten, einen genauen Blick auf die Füllmenge zu werfen.

Geld gezapft

Die nicht ganz so gut organisierten Autofahrer kennen das: Kaum auf der Autobahn, bemerkt man, dass Tanken gelohnt hätte. Denn dort ist der Sprit bekanntlich empfindlich teurer. Preisaufschläge von zehn Prozent aufwärts sind eher die Regel denn die Ausnahme. Warum ist das so?

profil fragte beim Fachverband der Mineralölindustrie in der Wirtschaftskammer nach. Die höheren Preise hätten „gute Gründe“ erklärt man dort: Die Betriebskosten für Autobahntankstellen seien für die Unternehmen deutlich höher als an Standorten abseits der Autobahn. Schon beim Bau fielen überdurchschnittlich hohe Kosten an. Es müsse eine Mindestanzahl an Zapfsäulen vorhanden sein sowie ein gut ausgebauter Parkplatz. Außerdem müsse die Tankstelle rund um die Uhr in Betrieb sein, was einen entsprechenden Personaleinsatz erfordere. Dazu kommt: Die Anlagen würden nach der Errichtung an den Bund übergeben und dann von den Mineralölunternehmen zurückgepachtet. Dies bedeute zusätzliche Kosten, so ein Sprecher des Fachverbands. „Der undifferenzierte Vergleich mit den günstigsten Stationen abseits der Autobahn, möglicherweise sogar mit Automatentankstellen, ist daher unzulässig“, bescheidet man unmissverständlich.

Bei der Asfinag (Autobahnen-und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft), die im Auftrag des Bundes für die Verpachtung der Tankstellen zuständig ist, ist man anderer Meinung. Denn zumindest was die Pacht betrifft, würden die Autobahntankstellen kaum mehr kosten als alle anderen. „Die Höhe der Pacht entsteht aus einem Bieterverfahren und beträgt etwa 2,5 bis drei Prozent des Umsatzes“, sagt Karl-Christian Petz, Leiter der Abteilung Raststationen und Liegenschaften. Das sei auch bei Tankstellen im „untergeordneten Netz“ nicht unüblich. „Wegen der Pacht höhere Preise auf Autobahntankstellen zu argumentieren, ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Petz.

Fazit: bei der nächsten längeren Ausfahrt rechtzeitig einen Blick auf die Tankuhr werfen -und an der Landstraße tanken.

Kleidergrößen machen Leute

W 28 L32. Für manche ist das der Code für die perfekte Jeans. Dahinter verbergen sich 71 Zentimeter Bundweite und 81 Zentimeter Schrittlänge. Möchte man zumindest glauben. Doch jeder, der gelegentlich Kleidung kauft, weiß, dass es sich dabei meist nur um Annäherungswerte handelt. Wer sich im Shop zielstrebig und vertrauensselig für die gewohnte Größe entscheidet, hat oft ein ziemlich frustrierendes Erlebnis. In der Umkleidekabine muss man dann feststellen, dass das gute Stück an allen Ecken und Enden zwickt und kneift. Einen Laden weiter schlabbert einem ein anderes Modell in der gleichen Größe dafür um die Oberschenkel.

Konfektionsgrößen sind nicht gesetzlich festgelegt. Es gibt keine Norm, an die sich Hersteller halten müssten, sondern lediglich Größentabellen zur Orientierung. Solche Daten sind erstmals aus dem Jahr 1875 überliefert. Damals wurden Wehrpflichtige vermessen, um Durchschnittskörpermaße zu erforschen. Das deutsche Hohenstein Institute führt seit 1957 sogenannte Reihenmessungen durch. Die Ergebnisse werden an Modefirmen verkauft. Dennoch herrscht Chaos.

Beim schwedischen Modediskonter H& M etwa darf, wer Hosen in Größe 38 erwerben will, einen Taillenumfang von 72 Zentimetern haben, während der Textilkonzern Zara seine Beinkleider von vornherein zwei Zentimeter enger näht. Die Erklärung dafür ist durchaus plausibel: Die Hersteller richten sich nach den Durchschnittsmaßen der Kunden in ihren Herkunftsländern. In Spanien, dem Heimatland von Zara, sind Menschen meist zierlicher und kleiner als in H &M-Skandinavien.

Doch nicht nur jedes Land, auch jedes Label interpretiert Konfektionsgrößen unterschiedlich. Denn Modemacher wissen um die Eitelkeit ihrer Kunden. Und so etikettieren sie beispielsweise Kleidungsstücke, die eigentlich Größe 40 sind, als 38. „Vanity sizing“, auf Deutsch Schmeichelgrößen, nennen sie das in der Branche. Und Hand aufs Herz: Wer fühlt sich nicht gleich viel attraktiver, wenn die Hose plötzlich eine Nummer kleiner passt. Ganz ohne freudlose Diät. Kunden belohnen diese Schummelei gerne durch Markentreue. Oft kosten dieser Art manipulierte Stücke deutlich mehr als ehrliche Ware.

Viel fieser sind jedoch sogenannte Statusgrößen: Die findet man vorwiegend in internationalen Modeketten, die eine sehr junge Zielgruppe ansprechen – eine, die ohnehin häufig den Schlankheitswahn zu weit treibt. Bei jungen Frauen gelten kleine Größen als Statussymbol. Bei der italienischen Modemarke Brandy Melville, die in Österreich mit einem Store auf der Wiener Mariahilfer Straße vertreten ist, gibt es überhaupt nur eine Einheitsgröße. Wer in die knappen Tops nicht hineinpasst, hat Pech gehabt. Die Modemacher schneidern sich so ihre Zielgruppe zurecht. Da müssen sich Kunden an die Kleidung anpassen -und nicht umgekehrt.

Die International Organization für Standardization hat nun wieder einmal einen Versuch gestartet, Ordnung in die Kleidungsanarchie zu bringen. Mit einer überarbeiteten Version der ISO-Norm 8559 will sie Größenmarkierungen weltweit anpassen. Unter anderem deshalb, um die Retourenquote von Online-Händlern zu reduzieren. n

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Ein Jahrhundert Austro-Rum

Aus profil 12/2017

Joseph Gepp

Warum werden Spezialitäten typisch für ein Land? Manchmal stecken politische Umstände dahinter. Zum Beispiel, dass die Donaumonarchie nie über nennenswerte Kolonien verfügte. Um 1917 – im Ersten Weltkrieg – fragte sich die Armeeführung, wie man die Flottensoldaten mit Rum versorgen könne. Zuckerrohr aus Übersee war knapp. Findige Geschäftsleute produzierten daraufhin etwas, das zuvor nur lokalen Brennereien bekannt war: Schnaps aus Zuckerrüben, den „Inländer-Rum“. Heute dienen Rüben zwar nicht mehr als Basis, sondern – aufgrund einer EU-Regel – Zuckerrohrmelasse (damit der Inländer-Rum weiterhin den Namen „Rum“ tragen darf). Dennoch hat er sich längst zur „österreichischen Spezialität“ entwickelt, so das „Handbuch Alkohol“ des Gesundheitsministeriums, mit „typisch arteigener Geschmacksrichtung“. Dieser Tage begeht eines der Unternehmen, die den Rum erzeugen, sein 185. Firmenjubiläum. Seit 1832 produziert die Stroh Austria aus Klagenfurt den „Inländer-Rum“.

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Gebäcksverlust

Aus profil 40/2016

Das „Wiener Gebäck“, eine österreichische Traditionssüßigkeit, ist aus den Geschäftsregalen verschwunden. Wo ist sie nur hin?

Von
Joseph Gepp

Es ist schon beeindruckend, was die moderne Menschheit alles kann. Sie ist fähig, mittels Gentechnik ins Erbgut von Lebewesen einzugreifen. Sie kann Herzen transplantieren und Lichtteilchen in andere Galaxien schießen. Zum Mond fliegen kann sie sowieso.

Es ist aber manchmal auch erstaunlich, was die Menschheit alles nicht kann. Es gibt eine weithin bekannte Süßigkeit im Osten Österreichs. „Wiener Gebäck“ heißt sie. Eine Art trockener Schaumzucker, lachsfarben, geformt wie kleine Semmeln, Kipferl und Salzstangerl. In die Gemeinde der Freunde von Süßigkeiten treibt das Wiener Gebäck einen Keil: Ob seiner geradezu einzigartigen Konsistenz kann man es nur lieben oder hassen.

Das Gebäck hat Tradition, so wie Schwedenbomben, Manner-Schnitten oder Seidenzuckerl. Viele kennen es aus der Kindheit. Seit Jahrzehnten gibt es das Gebäck zu kaufen. Oder besser: gab es. Denn seit einiger Zeit ist Schluss. Das Produkt ist aus den Supermarktregalen verschwunden, spur-, kommentar-und ersatzlos.

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Produziert wird die Süßigkeit von der Firma Ed. Haas mit Sitz im oberösterreichischen Traun, einem Familienbetrieb mit 150-jähriger Erfahrung, der etwa auch Sportgummi, Pez-Bonbons und viele Sorten Senf herstellt. Doch beim Wiener Gebäck muss der Betrieb anscheinend gerade passen. Leider müsse man darüber informieren, heißt es auf der Website, dass die Produktion „vorübergehend eingestellt“ sei. „Die ursprüngliche Produktionsmaschine, welche für die Herstellung des originalen Haas Wiener Gebäcks unablässig ist, steht uns nicht mehr zur Verfügung. Wir sind auf der fieberhaften Suche nach einem Ersatz. Auch trotz intensiver Versuchsphase war die Rezeptur nicht derart zu adaptieren, um der Qualität des Wiener Gebäcks gerecht zu werden.“

Was ist da los? Welche Probleme macht die Maschine? Ist die einzigartige Konsistenz für immer dahin? profil hätte das gern gewusst. Doch Haas zeigt sich ungefähr so auskunftsfreudig wie ein Nachrichtendienst, den man nach den Standorten von Geheimgefängnissen in befreundeten Diktaturen befragt. Es sei ein „laufendes Projekt“, so die zuständige Produkt-Managerin. Kein Kommentar.

Erbgut manipulieren, Herzen transplantieren, zum Mond fliegen: Es ist beeindruckend, was die Menschheit alles kann. Hoffentlich kriegt sie auch das Wiener Gebäck wieder hin.

Ein Kommentar

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Warum fliegen Sie noch nach Erbil, Frau Bijelic?

Aus dem FALTER 12/2015

Am Sonntag musste eine Passagiermaschine der Austrian Airlines in die nordirakische Kurdenhauptstadt Erbil umkehren. Die Destination, die von der AUA normalerweise täglich angeflogen wird, liegt nur einige Dutzend Kilometer von jener Frontlinie entfernt, wo sich die kurdischen Kämpfer der Peschmerga und die Milizen des Islamischen Staates gegenüberstehen. Was war da los und warum fliegt die AUA überhaupt noch dorthin, fragte der Falter AUA-Sprecherin Sandra Bijelic.

Frau Bijelic, Medien schreiben von einer Terrorwarnung, die ein AUA-Flugzeug auf dem Weg in den Irak zum Umkehren zwang.

Das stimmt nicht, es gab zu keinem Zeitpunkt eine Terrorwarnung.

Warum sonst musste Ihr Flugzeug umdrehen?

Aufgrund der aktuellen Lage im Irak mussten wir diesen Schritt setzen. Das Flugzeug drehte noch vor dem Eintritt in den türkischen Luftraum um. Am Montagnachmittag haben wir außerdem beschlossen, die Flüge nach Erbil bis zum 23. März auszusetzen.

Was heißt das konkret, aufgrund der aktuellen politischen Lage?

Ich kann das nur begrenzt sagen, das sind, wie Sie sich vorstellen können, interne Prozesse. Wir stimmen uns jedenfalls sehr eng mit den irakischen Behörden und mit dem Flughafen von Erbil ab. Wir folgen den Einschätzungen unserer Partner.

Ist es nicht so oder so brandgefährlich, eine Stadt anzufliegen, die praktisch an einer Kriegsfront liegt?

Wie gesagt, die Lage wird ständig evaluiert. Die Sicherheit von Fluggästen und Besatzung hat natürlich höchste Priorität.

Wird die AUA nach dem 23. März wieder nach Erbil fliegen?

Das wird derzeit intensiv geprüft. Nur wenn alle Rahmenbedingungen stimmen, werden wir die Route nach Erbil wieder aufnehmen.

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Nachrichten aus dem Inneren – Die Redaktion erklärt sich selbst

Aus dem FALTER 5/2015

Es ist ja so: Zeitungsjournalisten sind eitel und wollen ständig von allen wissen, ob ihre Texte „eh gut sind“. Also belästigen sie gerne ihre Kollegen mit der Frage: „Na, wie findest du meinen Text?“.

Nun hat der Befragte hin und wieder ein kleines Problem. Denn im Rhythmus der Wochen und Geschichten mag es vorkommen, dass ein Text nicht so ganz so brillant ausfällt, wie der Fragende, man erkennt es am Tonfall, gerade annimmt. Was sagt man dann, wenn man ihn weder belügen noch kränken will?

Hier haben manche Journalisten eine kleine, fiese Methode entwickelt, quasi den goldenen Mittelweg.

„Geppig halt“, sagt kürzlich, um eine Textkritik gebeten, Kollege Wolfgang Zwander zu mir. Aha. Na dann. Zwander kann man es wenigstens mit gleicher Münze heimzahlen: etwa mit einem gekonnten, knappen „zwandisch“

Es gibt Zeiten, in denen fliegen solche Zuschreibungen geradezu durch die Redaktion: „thurnheresk“, schreit dann Florian Klenk in Richtung Armin Thurnher. Doch der lächelt nur und antwortet: „voll klenkoid“.

Fein raus sind bei diesem Spiel jene, deren Nachnamen sich nur schwer in ein Adjektiv verwandeln lassen. Zum Beispiel Wolfgang Kralicek oder Benedikt Narodoslawsky. Weil, seien wir ehrlich, „narodoslawskig“ wäre einfach ein zu steiler Zungenbrecher. Den Namen kann man ja schon so kaum aussprechen.

Wir wissen schon, Namenswitze sind das Letzte. Doch was soll man tun – so sind wir eben. Das muss man ganz nüchtern sagen.

JOSEPH GEPP

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Warum verwenden Sie Tropenholz, Herr Lux?

Aus dem FALTER 47/2014

Die Sitzbänke auf der Mariahilfer Straße, dem Prestigeprojekt der Stadtgrünen, sind aus Tropenholz. Das regt derzeit in sozialen Netzwerken auf. Der Falter hat Peter Lux gefragt, Tiefbau-Leiter der Stadtbaudirektion und Projektkoordinator Mahü.

Herr Lux, aus welchem Holz bestehen die Bänke auf der Mariahilfer Straße?

Die Holzauflagen bestehen aus Cumaru-Holz. Dieses wächst im südamerikanischen Amazonas-Gebiet.

Warum haben Sie sich für dieses Holz entschieden?

Das ist keine einsame Entscheidung; Cumaru-Holz wird bei zahlreichen Projekten in Wien verwendet. Dafür gibt es sachliche und fachliche Gründe. Dieses Holz ist witterungsresistent, hinterlässt keinerlei Abfärbungen auf der Kleidung und splittert kaum, sodass sich die Benutzer keine Schiefer einziehen.

Aber ist denn moralisch vertretbar, sich für ein solches Holz aus dem Regenwald zu entscheiden?

Absolut, denn das Holz wird im höchsten Maß nachhaltig produziert. Es ist mit dem sogenannten FSC-Gütesiegel zertifiziert. Dieses Siegel für sozial- und umweltverträgliche Waldwirtschaft ist weithin anerkannt, unter anderem auch von der Umweltschutzorganisation WWF. Dafür findet kein Raubbau in Regenwäldern statt.

Bestehen denn die anderen Wiener Bänke auch aus Cumaru-Holz?

Bei den neuen Umgestaltungsprojekten der Kärntner Straße, Ottakringer Straße und jetzt eben Mariahilfer Straße schon. Abgesehen davon besteht die Möblierung im öffentlichen Raum aber aus vielen verschiedenen Materialien. Aus Metall, Kunststoffen und verschiedenen Hölzern.

Ruft ein Beamter aus der Stadtplanung in Südamerika an, wenn Holz für neue Bänke gebraucht wird?

Nein, das erledigen unsere Auftragnehmer, die danach auch entsprechend für die Realisierung im Straßenraum sorgen. Wir legen lediglich in unseren Ausschreibungen genau fest, welche Möblierung und welches Material wir haben wollen.

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Am Praterstern

Aus dem FALTER 41/2014

Es soll ja Städte geben, in denen alle Bevölkerungsgruppen hübsch voneinander separiert sind, reich neben arm, schwarz neben weiß, und so weiter. In Wien ist das glücklicherweise nicht so. Am allerwenigsten ist es so am Praterstern. Wobei, ob hier auch ein „glücklicherweise“ angebracht ist – schauen Sie am besten selbst hin, liebe Leser.

Am Praterstern mischen sich Bahnhofspendler mit Radfahrern, Radfahrer mit Prater-Joggern, Prater-Jogger mit Partygehern, Partygeher mit Kleinkriminellen und Kleinkriminelle mit Alkoholikern. Dazwischen hält die Polizei notdürftig die allgemeine Ordnung aufrecht.

Besonders skurril wird es in diesen Tagen. Denn nun kommt noch eine neue Gruppe hinzu: die Lederhosen-und Dirndlträger vom nahegelegenen neuen Wiener Oktoberfest. Sturzbetrunken torkeln diese, solcherart verkleidet, über den Platz. Mühevoll versuchen sie, ihre motorischen Fähigkeiten so weit wiederzuerlangen, dass sie Bankomaten bedienen und Pizzastücke vom Bäcker entgegennehmen können.

Ach, Praterstern!

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