Archiv der Kategorie: Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien

Holz machen am Friedhof

Aus profil 1/2017

Hintergärten, Friedhöfe, Maisfelder. Diese Orte tief in der rumänischen Provinz bedeuten derzeit Ärger für den österreichischen Holzkonzern Schweighofer. Warum? Dahinter steckt eine längere Geschichte.

Das Unternehmen des gebürtigen Waldviertlers Gerald Schweighofer, Marktführer bei der Holzverarbeitung in Rumänien, ist seit zwei Jahren mit Vorwürfen konfrontiert. Umweltschützer und Journalisten werfen Schweighofer vor, illegal geschlägertes Holz für seine Sägewerke zu beziehen (profil berichtete zum Beispiel hier). Auch die Staatsanwaltschaft in Bukarest ermittelt. Ergebnisse gibt es bisher nicht; Schweighofer bestreitet die Anschuldigungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Neue Vorwürfe bringt nun die US-Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) auf. Die Aktivisten inspizierten unter anderem Frachtbriefe von Schweighofer-Lieferanten. Diese müssen Satelliten-Koordinaten jener Orte enthalten, an denen das Holz geschlägert wurde. Die EIA besuchte 22 der Orte in Rumänien – und: Bei zehn handelt es sich laut EIA gar nicht um Wälder, sondern etwa um Friedhöfe und Maisfelder (siehe Bilder). Laut EIA „ein Beleg dafür, dass die Koordinaten gefälscht sind und die Bäume andernorts illegal gefällt wurden“. Schweighofer, fordert die EIA, müsse die Herkunft seines Holzes nachvollziehbar machen.

FRIEDHOF, Ferăstrău-Oituz Breitengrad 46.203037, Längengrad 26.572838 (Foto: EIA)

FRIEDHOF, Ferăstrău-Oituz Breitengrad 46.203037, Längengrad 26.572838
(Foto: EIA)

Schweighofer hält dagegen. In einer Stellungnahme spricht das Management davon, dass die Geräte zur Ermittlung der Koordinaten – etwa Tablet-Computer – oft in Büros oder etwa an Straßenrändern bedient werden statt direkt vor Ort der Schlägerungen. Dies mache, genauso wie die teilweise schlechte Netzabdeckung, die Daten oft „inakkurat“. Zudem habe Schweighofer gar keine Einsicht, sondern nur die Forstbehörden.

MAISFELD, Podoleni Breitengrad 46.768662, Längengrad 26.63172 (Foto: EIA)

MAISFELD, Podoleni Breitengrad 46.768662, Längengrad 26.63172
(Foto: EIA)

Doch Ärger für Schweighofer kommt nicht nur von der EIA. Auch eine Untersuchungskommission der Organisation FSC (Forest Stewardship Council), die nachhaltig geschlägerte Holzbetriebe zertifiziert, übt Kritik. Sie resümiert in einem 100-Seiten-Bericht Mitte Dezember, es gebe „eine Vielzahl von überzeugenden Hinweisen, dass das Unternehmen Holz aus Quellen erworben hat, die nach rumänischem Recht nicht als legal bezeichnet werden können“.

Schweighofer droht nun der Entzug des prestigereichen FSC-Siegels. Bis Februar muss das Unternehmen alle mutmaßlichen Missstände abstellen. Der Fall zieht Kreise: Laut rumänischen Medien hat etwa die Baumarktkette Hornbach die Schweighofer-Produkte aus Rumäniens Filialen entfernt.

 HINTERGARTEN, Solca Breitengrad 47.697756, Längengrad 25.83639 (Foto: EIA)


HINTERGARTEN, Solca Breitengrad 47.697756, Längengrad 25.83639
(Foto: EIA)

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„Österreich ist eine Erfolgsgeschichte“

Aus profil 38/2016

Alle reden von der Dienstleistungsgesellschaft. Doch eigentlich bringe die Industrie den Wohlstand hervor, sagt Roman Stöllinger, Ökonom am Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche in Wien. Und: In Europa hat sich eine „industrielle Kernzone“ entwickelt, zu der auch Österreich zählt. Die Entstehung globaler Produktionsketten habe diese Zone noch gestärkt. Ein Gespräch über (De-)Industrialisierung, Autowerke in Bratislava und Österreichs Erfolgsgeheimnis.

Interview: Joseph Gepp

profil: Sie schreiben in einer aktuellen Studie, Österreich gehöre zur industriellen Kernzone in Europa. Müssen wir uns um unsere Industrie keine Sorgen machen?


Roman Stöllinger:
Das ist ein wenig gar optimistisch. Es gibt natürlich starken Wettbewerbsdruck. Gerade in Zeiten der Digitalisierung der Industrie entstehen oder verschwinden Standortvorteile schneller denn je. Denken Sie an den finnischen Telekom-Konzern Nokia, der, nachdem er die Wende zum Smartphone verschlafen hatte, innerhalb weniger Jahre in der Bedeutungslosigkeit versank. Aber trotzdem: Ja, Österreich ist Teil einer industriellen Kernzone, und das ist ein immenser Vorteil.

profil: Wer noch?

Stöllinger:
Nach der Definition unserer Studie Deutschland sowie die sogenannten Visegrád-Staaten, Tschechische Republik, Ungarn, Slowakei und Polen. In all diesen Ländern ist der Anteil der Industrie und des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt (BIP) relativ hoch. Es gibt aber Abstufungen: Man könnte auch Norditalien zur Kernzone zählen, wenn man das Mezzogiorno abtrennt. Außerdem kann sich die Zone erweitern. Rumänien etwa ist ein Kandidat, der derzeit durch Auslandsinvestitionen europäischer Unternehmen aufholt.

profil: Wie entstand die Kernzone?

Stöllinger:
Dazu gibt es zahllose Spekulationen und Theorien. Es erinnert ein wenig an die Frage, warum die Industrielle Revolution ausgerechnet in England stattgefunden hat. Die Gründe sind vielschichtig, aber ein großer Faktor ist Deutschland als Anker. Dieses Land ist Haupttechnologiegeber, seine Wirtschaft ist stark exportorientiert.

profil: Der Exporterfolg Deutschlands reißt ganz Mitteleuropa mit.

Stöllinger: So lautet eine Theorie. Wir beobachten große Produktionsvernetzungen zwischen Deutschland, Österreich und den Visegrád-Staaten. Deutschland und Österreich haben am stärksten von der Osterweiterung profitiert.

profil: Sie sprechen von den internationalen Produktionsketten, die in den vergangenen 20, 25 Jahren entstanden sind?

Stöllinger: Ja, zum Beispiel in der Autoindustrie. Wenn BMW oder Volkswagen etwa ein Werk in der slowakischen Hauptstadt Bratislava eröffnen, dann befinden sich das Hauptquartier und Teile der Technik in Deutschland. Die Motoren kommen beispielsweise aus Österreich. Zusammengebaut und lackiert wird das Auto dann in der Slowakei. Wie sich derartige Ketten auswirken, konnte man bislang mithilfe konventioneller Handelsstatistiken nur schlecht analysieren. Wir verwenden neue, genauere Informationen, sogenannte Input-Output-Daten. Damit können wir bessere Aussagen treffen, wie Verflechtungen aussehen. Unser Fazit: Die Produktionsketten stärken die Industrie in der europäischen Kernzone. Auf dem restlichen Kontinent jedoch tragen sie zu einer Tendenz der Deindustrialisierung bei.

profil: Also wirken sich die Produktionsketten in der Kernzone anders aus als im restlichen Europa?

Roman Stöllinger (WIIW)

Roman Stöllinger (WIIW)

Stöllinger: Genau. Im Rest Europas ist der Anteil der Industrie am BIP tendenziell stärker rückläufig. In der Kernzone hingegen ist es besser gelungen, das volle Potential der Verflechtungen zu nutzen. Das bedeutet: Trotz der Verlagerungen von Produktionsschritten in den Osten schrumpfte die Industrie in den Stammländern Deutschland und Österreich nicht, oder nur unwesentlich. Anderswo beobachten wir das Gegenteil. Das gilt für Peripherie-Länder wie Spanien und Griechenland genauso wie für alte Industriestaaten wie Frankreich und Großbritannien.

profil: Woran liegt der Erfolg der Kernzone?

Stöllinger: Da spielt sicher die Geografie eine Rolle. Deutschland ist ein Hochtechnologieland, in dem es seit jeher viel Industrie gab – und mit der Wende konnte das Land die großen ökonomischen Unterschiede in seiner unmittelbaren Nachbarschaft für sich nutzen. In den Visegrád-Staaten gibt es nicht nur Arbeitskräfte, die für europäische Verhältnisse relativ billig sind. Auch ist das Ausbildungsniveau dieser Länder sehr gut, das noch aus kommunistischer Zeit stammt. Billige Arbeitskräfte allein würden der Wirtschaft nicht helfen, wenn das Know-how fehlt. Deutschland fand also günstige Bedingungen vor. Und die Unternehmen haben viel daraus gemacht. Beispielsweise haben manche das System der Lehrlingsausbildung, wie sie es aus dem Heimatland kannten, in den Osten exportiert. Also dort weiterhin für gute Qualifikationen gesorgt.

profil: Und Österreichs Rolle?

Stöllinger: Österreich hat eine ähnliche Produktionsstruktur wie Deutschland. Trotz eines hohen Anteils an Tourismuswirtschaft war es stets ein Industrieland. Zudem spielt das System der dualen Ausbildung eine große Rolle. Es sorgt für ausreichend Facharbeiter. Komplizierte Produktionsprozesse blieben deshalb trotz der Verlagerungen anderer Schritte im Inland. Die Kombination von theoretischem Wissen aus der Berufsschule und der Anwendung spezifischer Kenntnisse, die man während der Ausbildung im Betrieb mitbekommt, ist in Branchen wie dem Maschinenbau von enormer Bedeutung. Österreich ist diesbezüglich eine Erfolgsgeschichte.

profil: Die Zugehörigkeit zur Kernzone ist also eine Eigenschaft, die dem Land nutzt und den Wohlstand vergrößert?

Stöllinger: Meiner Ansicht nach schon, wobei die Meinungen der Ökonomen darüber durchaus auseinandergehen. Viele sagen auch: Unterschiedliche Staaten haben eben unterschiedliche Spezialisierungsmuster, und das ist gut so. Wenn sich ein Land auf Dienstleistungen spezialisiere, sei das auch kein Problem. Beispielsweise hat Großbritannien verschwindend wenig Industrie, aber eine große Finanzwirtschaft. Dann sollen die Briten eben Banken betreiben statt Autos bauen, sagen diese Ökonomen. Ich halte das allerdings nur für teilweise richtig. Eine industrielle Basis ist in jedem Fall wichtig für ein Land.

profil: Warum?

Stöllinger: Grundsätzlich ist das Produktivitätswachstum in Europa in der Industrie höher als im Dienstleistungssektor. Wenn die Produktivität wächst, bedeutet das, dass ich mit dem gleichen Einsatz an Arbeitskräften und Ressourcen mehr produzieren kann. Der Wohlstand nimmt also insgesamt zu. Bei den Dienstleistungen beobachten wir zwar auch Produktivitätsfortschritte, aber nicht im selben Ausmaß. Außerdem konzentrieren sich die Aufwände für Forschung und Entwicklung weitgehend auf die Industrie: 80 Prozent der privaten Forschungsausgaben finden im Industrie-, nur 20 Prozent im Dienstleistungssektor statt. Die Industrie ist also, im Großen und Ganzen, der Ursprung des technischen Fortschritts. Das zeigt sich auch an den Leistungsbilanzen: Industriegüter lassen sich leichter exportieren als Dienstleistungen. Länder mit einem hohen Anteil an Dienstleistungen haben deshalb tendenziell schlechtere Leistungsbilanzen als Industrieländer. Das heißt: Sie importieren mehr als sie exportieren. Ihre Schulden beim Ausland werden größer. Deutschland zum Beispiel weist derzeit einen hohen Leistungsüberschuss auf. Diese Ungleichgewichte führen zu Spannungen in Europa.

profil: Was sollen die Länder außerhalb der Kernzone tun?

Stöllinger: Sie haben zwei Möglichkeiten. Sie können sich auf Dienstleistungen spezialisieren und sich damit abfinden, keinen großen Industriesektor zu haben – ein Beispiel ist Kroatien, das überwiegend auf den Tourismus setzt. Oder sie versuchen, die Industrie wieder mehr zu fördern. Jedes Land hat gewisse Stärken, auf die man aufbauen kann. Frankreich zum Beispiel fertigt Schnellzüge an. Derartige Spezialisierungen kann ein Staat nutzen – und auf Wirtschaftsbereiche setzen, die hinsichtlich der Materialien und der Qualifikation der Beschäftigten ähnlich sind.

profil: Gibt es Tendenzen in diese Richtung?

Stöllinger: Ja, in verschiedenen Ländern. In Großbritannien ist eine Institution aufgebaut worden, die wieder für mehr Industrieansiedlungen sorgen soll. Auf EU-Ebene gibt es Initiativen. Die Kommuniqués der EU-Kommission tragen Titel wie „Die Wiedergeburt der Industrie“. Diesbezüglich hat auch die internationale Finanzkrise des Jahres 2008 zu einem Umdenken geführt. Denn sie hat gezeigt, dass manche Dienstleistungen blasenanfälliger sind als Industriegüter – denken Sie an die Rolle der britischen Finanzbranche in der Krise. Heute wird wieder anerkannt, dass der Industriesektor eine gewisse Bedeutung hat.

Roman Stöllinger, 40,
arbeitet seit acht Jahren am Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Der Ökonom studierte in Innsbruck und Wien. Das WIIW wurde im Februar vom „Global Go To Think Tank Index“ zur fünftbesten Wirtschafts-Denkfabrik der Welt gewählt. Stöllingers Studie: tinyurl.com/wiiw-studie

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„Das ist nicht akzeptabel“

Aus profil 12/2016

Rumäniens Umweltministerin Cristiana Pașca Palmer über bedrohte Urwälder, strengere Waldgesetze und die Ermittlungen gegen den österreichischen Holzkonzern Schweighofer.


Interview: Joseph Gepp

Seit November 2015 ist Cristiana Pașca Palmer neue Umweltministerin in Rumänien. Die parteifreie Expertin, die unter anderem in Harvard studierte, fungierte zuvor als Leiterin der Umweltschutz-Abteilung bei der Brüsseler EU-Kommission. Im profil-Interview nimmt Pașca Palmer erstmals zum Fall und den Ermittlungen gegen Schweighofer Stellung. Der österreichische Holzkonzern, Marktführer in Rumänien, ist mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Das Unternehmen mit rund einer halben Milliarde Euro Jahresumsatz soll für illegale Schlägerungen in Rumänien verantwortlich sein. Schweighofer weist alle Vorwürfe zurück (siehe profil 10/2016).

profil: Wo stehen die Ermittlungen gegen Schweighofer?


Cristiana Pașca Palmer:
Alles begann vergangenes Jahr. Damals gab es Berichte über mögliche Unregelmäßigkeiten bei mehreren Holzverarbeitungsfirmen – unter anderem bei der, die Sie ansprechen. In Rumänien läuft schon länger eine Debatte, wie man das Naturerbe des Landes bewahren könnte. Das Land ist zwar berühmt für seine großen Wälder und unberührten Urwälder, aber in den vergangenen Jahren ist das alles in Gefahr geraten. Medien und Nichtregierungsorganisationen aus dem In- und Ausland haben kritische Punkte aufgeworfen, was das Management unserer Wälder betrifft. Beim rumänischen Zweig des österreichischen Unternehmens Holzindustrie Schweighofer hat das Ministerium 2015 zahlreiche Überprüfungen an Unternehmensstandorten in Sebeș und Rădăuți durchgeführt, genauso wie an jenen wichtiger Lieferantenfirmen.

profil: Und was ist seither geschehen?

Cristiana Pașca Palmer: "Es wird ermittelt, ob legale Dokumente für Holzmaterial vorlagen - wenn nicht, stammt es aus illegalen Schlägerungen."

Cristiana Pașca Palmer: „Es wird ermittelt, ob legale Dokumente für Holzmaterial vorlagen – wenn nicht, stammt es aus illegalen Schlägerungen.“

Pașca Palmer: Nach den Überprüfungen hat das Umweltministerium diese Firmen mit Sanktionen belegt und Holzmaterial konfisziert. Gleichzeitig wurden Prüfberichte an die Staatsanwaltschaft überstellt. Dieser obliegt nun das weitere Vorgehen. Außerdem ermittelt in dieser Causa das „Direktorat für die Ermittlungen gegen Organisierte Kriminalität und Terrorismus“ (DIICOT, eine Art Sonderpolizei, Anm.). Auf Antrag des DIICOT hat das Ministerium weitere sechs Überprüfungen durchgeführt. Sie fanden in einigen der insgesamt 13 Forstdistrikte statt, aus denen das fragliche Holz stammt.

profil: Welches Holz? Was genau sind die Vorwürfe?

Pașca Palmer: Die Umweltministerium überprüfte, ob bei Ursprung, Transport, Lagerung, Verarbeitung, Verkauf und Import des Holzes rechtskonform vorgegangen worden ist. Mehrere Verdachtsmomente haben sich ergeben. Es wird ermittelt, ob legale Dokumente für Holzmaterial vorlagen – wenn nicht, stammt es aus illegalen Schlägerungen. Zudem gibt es den Verdacht, dass Holz akzeptiert worden ist, das nicht im Sumal-System aufscheint (jenes System, in dem das gesamte legale Holz Rumäniens registriert sein muss, Anm.).

profil: Ihre Vorgängerin, Umweltministerin Grațiela Gavrilescu, sprach auch von möglichen Scheinfirmen unter den Schweighofer-Lieferanten, die möglicherweise von Schweighofer selbst kontrolliert worden sind.

Pașca Palmer: Ich kommentiere keine Aussagen, die meine Vorgänger getätigt haben.

profil: Wie groß ist das Problem der illegalen Schlägerungen in Rumänien?

Pașca Palmer: Laut unseren Daten haben sie zwischen 2008 und 2014 stark zugenommen. Die Menge des illegal geschlägerten Holzes beträgt jährlich ungefähr 8,8 Millionen Kubikmeter. Dem rumänischen Staat entgehen dadurch jährlich 250 Millionen Euro. Lassen Sie mich klar sagen: Der Kampf dagegen hat klare Priorität für mich. Die rumänischen Wälder wurden in den vergangenen Jahren dezimiert, das ist nicht akzeptabel.

profil: Um das illegale Schlägern einzudämmen, gibt es seit dem Vorjahr ein neues, strenges Forstgesetz in Rumänien. Es sieht auch vor, dass der Anteil des größten Marktteilnehmers der Holzbranche auf 30 Prozent beschränkt wird. Schweighofer hat protestiert und droht gar mit Klage von einem internationalen Schiedsgericht. Ist die Bestimmung noch aufrecht?

Pașca Palmer: Sie ist in Kraft, als Teil des Waldgesetzes, den das rumänische Parlament 2015 beschlossen hat. Insgesamt stellt dieses Gesetz meiner Ansicht nach einen erheblichen Fortschritt dar. Was wir jetzt noch brauchen, ist ein Sekundärrecht, das den Erwartungen der rumänischen Gesellschaft entspricht (also brauchbare Durchführungsbestimmungen, Anm.). Daran arbeiten wir im Moment.

profil: Wie würde Sie das Verhältnis zwischen Schweighofer und der rumänischen Regierung beschreiben?

Pașca Palmer: Es geht in meinen Augen nicht um ein Verhältnis, eher um einen institutionellen Dialog. Die Regierung muss ein Klima schaffen, das Investitionen fördert und Industrien unterstützt – und zwar auf eine Weise, die zugleich den Menschen in Rumänien nützlich ist. Zudem muss die Regierung sicherstellen, dass geltendes Recht eingehalten wird. Jedes Unternehmen, das die Umweltstandards respektiert und zur nachhaltigen Entwicklung Rumäniens beiträgt, ist hier mehr als willkommen.

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Baumbefall

Aus profil 10/2016

In Rumänien droht den letzten großen unberührten Wäldern Europas Gefahr durch illegale Schlägerungen. Schuld daran soll laut Umweltschützern und Behörden der österreichische Holzkonzern Schweighofer sein. Alles nicht wahr, sagt Schweighofer. Eine Spurensuche.

Text und Fotos von Joseph Gepp, Bukarest

„Serious allegation again timber company Schweighofer in Romania“: English version of the article

Es ist eine lange Fahrt, bis das Nichts beginnt. Zuerst verwandeln sich die großen und stattlichen Plattenbauten der Hauptstadt in die kleinen und heruntergekommenen der Provinz. Dann ziehen nur noch Bauernhäuser am Autofenster vorbei. Schließlich Holzhütten. Und am Ende gar nichts mehr.

Am Rand des Nichts stellt Gabriel Paun den Motor ab. Er holt die Gummistiefel aus dem Kofferraum, denn der Schnee liegt hoch. Es ist nicht weit von hier, sagt er. Der 38-jährige Umweltschützer der Organisation „Agent Green“ kennt den Weg. Er war schon oft hier. Er hat Sorge, dass das Nichts verschwindet.

Câmpuşel, nahe der Kleinstadt Petroșani, Rumänien. Auf diesen Karpatenhängen breitet sich einer der letzten Urwälder Europas aus. In ihre Entwicklung hat seit Jahrhunderten kein Mensch eingegriffen. Wölfe hinterlassen ihre Spuren im Schnee. Wenn er unter den Sohlen nachgibt, ist sein Knirschen alles, was man hört. „Buchen, Fichten, alte Bäume, junge“, sagt Paun, „wild durcheinander“. Die Fläche in Rumänien, auf der bis heute Urwälder wachsen, soll fast jener von Vorarlberg entsprechen. Noch, sagt er.

Gabriel Paun im Wald von Câmpuşel (Gepp)

Gabriel Paun im Wald von Câmpuşel (Gepp)

Diese Geschichte handelt vom Eigentümer des Waldes von Câmpuşel, einem Holzkonzern mit administrativem Sitz in der Wiener Favoritenstraße 7. Dort residiert die Schweighofer-Gruppe. Sie gehört Gerald Schweighofer, einem gebürtigen Waldviertler. Seit 400 Jahren ist Schweighofers Familie im Holzgeschäft tätig. In den vergangenen Jahrzehnten baute er den Betrieb zu einem multinationalen Konzern aus, mit einem Umsatz von jährlich rund einer halben Milliarde Euro. Der Schwerpunkt liegt in Rumänien, wo das Unternehmen seit 2002 tätig ist. Heute rangiert Gerald Schweighofer laut „Trend“ mit einem geschätzten Vermögen von 1,2 Milliarden Euro auf Platz 25 der reichsten Österreicher.

In Rumänien kennt fast jeder die „Holzindustrie Schweighofer S. R. L.“. Nicht nur, weil das Unternehmen mit drei großen Sägewerken und knapp 3000 Mitarbeitern der überlegene Marktführer bei der Nadelholzverarbeitung im Land ist. Sondern auch, weil es unentwegt auftaucht. In den Artikeln von Aufdeckerjournalisten, den Facebook-Einträgen von Umweltschützern, den Transparenten von Demonstranten auf der Straße, den Dossiers von Staatsanwälten.

Die Vorwürfe tönen seit Monaten, und sie wiegen schwer. Schweighofer soll seine Holzlieferanten in großem Stil zu illegalen Schlägerungen animieren. Er soll wegschauen, wenn illegales Holz die Werkstore passiert. Er soll für das Abholzen in Naturschutzgebieten verantwortlich sein. „Sein ganzes Geschäftsmodell dreht sich ums illegale Holz“, sagt Alexander Bismarck, Umweltschützer der US-Organisation Environmental Investigation Agency. Für die Konzernverantwortlichen gilt die Unschuldsvermutung.

Mit einer Aktion Bismarcks hat alles angefangen, das war vor neun Monaten. Als Holzhändler getarnt, sprach der Amerikaner mit versteckter Kamera in einem Schweighofer-Sägewerk im zentralrumänischen Sebeș vor. Er bot illegales Holz an – und stieß, so das Video, auf Interesse (siehe Text weiter unten). Im vergangenen Juli sagte dann Rumäniens damalige Umweltministerin Grațiela Gavrilescu, dass Inspektionen bei Schweighofer „eine Anzahl von Unregelmäßigkeiten und Ungenauigkeiten“ ergeben hätten. Es bestehe der Verdacht, dass das Unternehmen Holz aus illegalen Schlägerungen beziehe. Dazu berichten Investigativ-Medien über dubiose Geschäftspartner und Scheinfirmen, mit deren Hilfe Schweighofer weite Teile des Holzmarkts kontrollieren soll.

Doch Schweighofer schlägt zurück. Man werde zum Sündenbock erklärt für Korruption und Missstände, die anderswo in der Branche grassieren. Das Undercover-Video? „Irreführend zusammengeschnitten“, sagt Georg Erlacher, Sprecher der Schweighofer-Geschäftsführung. Die Vorwürfe? „Zutiefst unmoralisch“, „rechtlich bedenklich“, eine „Verleumdungskampagne“.

Schießen sich Umweltschützer und Behörden hier auf ein populäres Feindbild ein, jenes des ausländischen Großkonzerns? Oder zeigt sich Österreichs vielgelobte wirtschaftliche Expansion in den Osten tatsächlich von ihrer dunklen Seite? Trägt der heimische Konzern Schuld an der Plünderung eines der letzten unberührten Naturschätze Europas?

Ja, sagt Gabriel Paun, der Umweltaktivist. Im Wald von Câmpuşel will er das anhand eines konkreten Beispiels belegen. Der Schnee türmt sich hoch, aber das reicht nicht, um die Baumstümpfe ganz zu bedecken, auf die Paun deutet. Da, die orange Markierung auf dem Baum, sagt Paun. Dort, noch eine. Und drüben liegen schon Baumstämme zum Abtransport bereit. „Das alles mitten im Urwald.“

Câmpuşel, ein sogenanntes Natura-2000-Schutzgebiet, befindet sich seit dem Jahr 2005 im Besitz von Schweighofer, ebenso wie 18 weitere Wälder in Rumänien. Eine Studie aus demselben Jahr, durchgeführt von einem rumänischen Waldforschungsinstitut und der niederländischen Gesellschaft für Naturschutz, definiert das Areal als Urwald. Diese sind laut Forstgesetz „strengstens zu schützen“. Dennoch lässt Schweighofer hier Bäume fällen.

Wer diese und andere Kontroversen besser verstehen will, muss mit dem System im Hintergrund vertraut sein. Jeder Wald in Rumänien benötigt laut Gesetz einen sogenannten Management-Plan. Er wird vom Staat genehmigt und gilt für zehn Jahre. Dieses Dokument legt fest, ob geschlägert werden darf, und, wenn ja, wie viel von welcher Sorte.

Waldarbeiter in Nordrumänien (Gepp)

Waldarbeiter in Nordrumänien (Gepp)

Wenn dann Forstarbeiter Bäume fällen und auf Lastwägen hieven, bekommt jede Ladung einen individuellen Code. Dieser zeigt an, dass die Holzfracht gemäß den Angaben im Management-Plan geschlägert werden durfte. Damit ist sie legal.

In der Praxis jedoch funktioniert das System schlecht. In Rumänien wird viel mehr umgeholzt, als die Management-Pläne vorsehen und der Wald verträgt. Holzfirmen tricksen die Gesetze aus, etwa indem sie mit ein und demselben Code mehrere Ladungen führen. Oder die Lastwägen fahren überhaupt ohne Code zu Sägewerken, die ihre Fracht kaufen. Die Folge: Geschätzte 20 bis 50 Prozent der Holzschlägerungen in Rumänien erfolgen illegal. Laut Umweltministerium kostet der Raubbau jedes Jahr 8,8 Millionen Kubikmeter Holz. Umgerechnet auf die Fläche entspricht das 44.000 Hektar Wald, die jährlich unrechtmäßig verschwinden. Zum Vergleich: Die Fläche der Stadt Wien beträgt 41.000 Hektar.

Schuld daran trage hauptsächlich Schweighofer, sagt der US-Umweltschützer Bismarck. „Das Unternehmen hat gezielt und bewusst große Mengen illegalen Holzes gekauft.“ Zwei Jahre lang hat Bismarcks Team die angeblichen Methoden des Konzerns recherchiert. Im vergangenen Herbst erschien das Ergebnis als umfangreicher Bericht, „Der gestohlene Urwald“. Ursprünglich habe man sich gar nicht mit Schweighofer befassen wollen, sagt Bismarck; stattdessen stand das illegale Holzgeschäft in Rumänien insgesamt im Fokus der Umweltschützer. „Aber während der Recherche stellten wir fest: Fast jeder Truck mit illegalem Holz ging zu Schweighofer.“

Nachdem Bismarcks Initiative in Rumänien Aufsehen erregt hatte, griffen die Behörden den Fall auf. Umweltinspektoren und Staatsanwälte leiteten Ermittlungen ein. Seither sollen sie auf große Mengen illegalen Holzes gestoßen sein. Darauf deutet zumindest ein interner Bericht hin, der profil vorliegt. Das 61-seitige Dossier überstellte das Umweltministerium vergangenen November an die Sonderstaatsanwaltschaft Diicot, die bei Verdachtsfällen von Organisierter Kriminalität ermittelt. Darin ist von Hunderttausenden Kubikmetern unregistrierten Holzes die Rede.

Zum Beispiel im Schweighofer-Werk von Sebeș – demselben, in dem Bismarck für sein Video vorsprach. Hier sollen zwischen Juli 2014 und April 2015 Frachtbriefe „für ein Volumen von 281.461 Kubikmeter“ nicht mit dem offiziellen System übereinstimmen, so der Bericht. Oder etwa: „Es gibt Gründe zur Annahme, dass 27 Lieferanten Rundholz mit einem Gesamtvolumen von 30.141 Kubikmeter nach Sebeș geliefert haben, ohne über Dokumente legalen Ursprungs zu verfügen.“ Wohlgemerkt: Die Behörde hat sich niemals offiziell zu dem Bericht geäußert. Der Ausgang der Ermittlungen ist offen.

Rădăuți, Nordrumänien. Auf einem Parkplatz drängen sich Dutzende Lastwägen mit Baumstämmen um einen Baustellencontainer. Sie warten auf Einlass ins Schweighofer-Sägewerk. Mehr als 20 von ihnen würden jeden Tag diesen Punkt passieren, erklärt Schweighofer-Manager Erlacher, ehemals ein Vorstandsmitglied der Österreichischen Bundesforste. Dazu eine ähnliche Zahl an Frachtzugswaggons. „Und das“, sagt er, „ist nur unser erster Checkpoint.“

Schweighofer-Sägewerk in Radauti

Schweighofer-Sägewerk in Radauti

Der zweite liegt weiter vorne, ein Schranken samt einem gläsernen Verschlag, in den Fernfahrer Transportdokumente zur Durchsicht reichen. „Bei uns kommt kein illegaler Lastwagen rein“, sagt Erlacher. Wegen derartiger Einlasskontrollen. Und wegen strenger Prüfverfahren, in denen die Schweighofer-Lieferanten vorab die legale Herkunft ihres Holzes belegen müssten.

Hinter dem Schranken breitet sich ein Sägewerk aus, das anders aussieht, als es ein Laie erwarten mag. Kein lautes Kreischen von Sägen, keine Schuhabdrücke in Holzspänen, kaum schwitzende Arbeiter. Stattdessen ein vollautomatisierter Apparat, groß wie ein kleines Dorf. Ruhig und rhythmisch werkt er vor sich hin. Vom Kommandoraum aus blicken die Mitarbeiter auf schwingende Roboterarme, die Baumstämme ergreifen. Splitter und Späne werden automatisch abgesaugt, um sie zu Biomasse und Pellets zu pressen. Die Baumstämme selbst gleiten auf Fließbändern leise ihrer Verarbeitung entgegen. Stamm um Stamm, fast 24 Stunden am Tag. Auf der anderen Seite der Fabrik kommen sie als Bretter und Balken wieder raus.

Inmitten all der Technik weisen freundliche österreichische Manager die Vorwürfe allesamt von sich. Sie erzählen von profilierungssüchtigen Umweltschützern, sensationsheischenden Medien, unternehmensfeindlichen Politikern, die es auf Schweighofer abgesehen hätten. Möglicherweise würden manche der Politiker selbst mit der Holz-Mafia unter der Decke stecken, sagen sie. „Als die Vorwürfe aufkamen“, erzählt einer der Mitarbeiter, „habe ich meinem Chef Gerald Schweighofer tief in die Augen geschaut und ihn gefragt, ob da etwas dran ist. Und er hat gesagt: ‚Nein, nichts.‘“

Bei Schweighofer räumt man lediglich ein paar kleine Verfehlungen ein, lässliche Versehen, keineswegs mit krimineller Absicht. Beispielsweise stießen behördliche Inspektoren im Jahr 2014 in Rădăuți auf rund 9000 Kubikmeter illegales Holz. Für Umweltschützer wie Bismarck gilt der Fund als Beleg dafür, dass die Dinge bei Schweighofer im Argen liegen. Im Konzern hingegen bestätigt man den Fall zwar, betont aber, dass es sich dabei lediglich um einen winzigen Teil des gesamten Holzes gehandelt habe – exakt 0,9 Prozent. Derartiges seien Formalfehler, entstanden in der Alltagshektik, etwa weil Mitarbeiter beim Ausfüllen von Formularen die Kommas falsch gesetzt hätten.

Ähnlich klingen die Argumente im Fall des Urwalds von Câmpuşel, wo der Umweltschützer Paun auf Schlägerungen gestoßen ist. Diese habe die dortige Forstbehörde selbst angeordnet, sagt Erlacher. In dem Wald wütete nämlich ein Sturm, dessen Schäden laut Gesetz beseitigt werden mussten. Das ist zum Schutz des umliegenden Wirtschaftswaldes vor Schädlingen notwendig. Die Grenze zum Nutzwald sei eben derart fließend, dass sie nicht einmal die Behörden immer genau zu ziehen wissen, sagt Erlacher. Deshalb sind Schlägerungen laut Management-Plan erlaubt. „Solche Anordnungen bringen uns in ein Dilemma. Wenn wir die Schäden nicht bereinigen, widersetzen wir uns der Behörde. Und wenn, dann kritisieren uns die Umweltschützer.“

Und der Bericht der Staatsanwaltschaft? Jener von den Hunderttausenden Kubikmetern illegalen Holzes? Dazu will sich Erlacher nicht äußern, der Konzern sei darüber niemals offiziell informiert worden. Der illegale Holzhandel sei zweifellos ein Problem in Rumänien, sagt er. „Aber eines mancher lokaler Netzwerke und Kleinunternehmer.“ Schweighofer als großes Unternehmen könne sich solche Dinge gar nicht leisten.

Zwei konträre Wirklichkeiten tun sich also auf, hier, in Rumänien, hier, in einer offensichtlich korruptionsverseuchten Branche. Draußen bezichtigen Umweltschützer und Behörden Schweighofer massiver Verfehlungen. Drinnen das saubere, hochtechnisierte Werk von Rădăuți und seine freundlichen österreichischen Manager. Können denn in einem derartigen Umfeld solche Verfehlungen geschehen? Ja? Oder eher nein?

Abends, unweit des Sägewerks von Rădăuți. Das Hotel „The Gerald’s“, fünf Stöcke, vier Sterne, das beste Haus weit und breit. Es gehört zum Schweighofer-Konzern und trägt sogar den Namen des Eigentümers. Das Unternehmen betreibt das Hotel, weil es sonst in der Nähe keines gäbe, in dem man Geschäftspartner und Angestellte gut einquartieren könnte.

Da sitzt nun Gerald Schweighofer. Er hat im Hinterzimmer des Restaurants Platz genommen, braungebrannt, randlose Brille, ein Lodenjackett mit Hirschgeweihknöpfen. Er redet davon, dass die Motive der rumänischen Politiker unergründlich sind. Einmal stimmen sie Gesprächen mit Schweighofer-Managern zu, dann blocken sie urplötzlich ab. Man weiß nie, woran man ist in diesem Land hier.

Gerald Schweighofer (Gepp)

Gerald Schweighofer (Gepp)

Die Vorwürfe der US-Umweltschützer? Die investigativen Journalisten? Die Staatsanwälte? Soll das alles eine Verschwörung gegen Schweighofer sein? „Wir haben nichts falsch gemacht“, sagt Gerald Schweighofer. In solchen Fällen ergebe eine Anschuldigung häufig die nächste. Schweighofer stellt sich hier im Hotel den Journalisten, um angebliche Missverständnisse aufzuklären und den Ruf seiner Firma zu retten, aber jetzt sagt er kaum etwas außer: alles nicht wahr.

Wenn tatsächlich eine Verschwörung gegen das Unternehmen in Gang ist, entfaltet sie sich derzeit eifrig weiter. Die Staatsanwaltschaft Diicot beantwortet die profil-Anfrage nach den Ermittlungen nicht. Aber hinter den Kulissen behaupten Insider, die Arbeit könnte bereits in wenigen Monaten abgeschlossen sein.

Der Handel von illegal geschlägertem Holz sei heutzutage kein Kavaliersdelikt mehr, sagt der Umweltschützer Bismarck. „Schweighofer muss dafür sorgen, dass die Herkunft des Holzes für die Konsumenten klar nachvollziehbar ist.“

Bei Schweighofer kündigt man Schritte in diese Richtung an. So plant Erlacher, mithilfe eines GPS-Systems den Weg des Holzes transparenter zu machen. Dahinter steckt wohl auch die Angst, Marktanteile zu verlieren. Mittlerweile sprechen angeblich bereits Großkunden aus Westeuropa und Japan beim Konzern vor, aus Sorge, mit illegalen Holzgeschäften in Verbindung gebracht zu werden.

Im Flugzeug zurück nach Wien. Bald nach seinem Start verschwinden unten die breiten Straßen und die großen Plattenbauten. Es dauert nicht lange, und die Straßen der rumänischen Provinz werden zu Pfaden, die Dörfer zu vereinzelten Häusern, die Häuser zu Hütten. Am Ende sieht man nur noch Berge und Wald. Nichts mehr.

Dann, abrupt, hört das Nichts auf. Stattdessen kommen Baumstümpfe.

Bei sämtlichen Exkursionen mit Umweltschützern und mit Schweighofer trug profil die Flug- und Hotelkosten selbst.

Im Internet

Das Undercover-Video der Umweltschützer (englisch)
http://tinyurl.com/holzundercover

Der Bericht „Der gestohlene Urwald“ in voller Länge (englisch)
http://tinyurl.com/dergestohleneurwald

Der Gegenbericht von Schweighofer
http://tinyurl.com/schweighofergegenbericht

„Fragen Sie mich nicht, wie“

Was das Undercover-Video aus dem Schweighofer-Werk wirklich zeigt.

Im Schweighofer-Werk von Sebeș sprechen US-Investoren vor. Sie wollen Holz aus Rumäniens Wäldern an den Konzern verkaufen. Allerdings: Wie viel geschlägert werden dürfe, diese Vorgaben sei ihnen zu „unflexibel“, sagen sie. Die Schweighofer-Manager: „Kein Problem.“

Dieses Video erregte vor neun Monaten Aufsehen. Die Holzhändler waren in Wahrheit von der US-NGO „Environmental Investigation Agency“ (EIA). Ihr Undercover-Film soll zeigen, dass Schweighofer illegales Holz akzeptiert.

Allerdings: Laut Schweighofer ist das Video „irreführend geschnitten“. Der Konzern fordert die EIA auf, das ungeschnittene Material herauszugeben. Doch „wir würden damit künftige Recherchen und unbeteiligte Dritte gefährden“, weigert sich EIA-Chef Bismarck.

profil konnte dennoch exklusiv das ungeschnittene Material zur Gänze einsehen. Es handelt sich um zwei rund einstündige Besuche in Sebeș. Unter anderem trifft man sich mit Karl S., Schweighofer-Einkaufsleiter für Rumänien. Vorweg: profil konnte inhaltlich keinen Unterschied zwischen der ungeschnittenen und geschnittenen Version erkennen.

Mehrmals betont Karl S. im Gespräch, wie dringend Schweighofer Holz für seine Werke benötige. „Es gibt nicht genug Rohmaterial für das, was wir brauchen.“ Die vorgeblichen Händler mögen daher so viele Lastwägen schicken, „wie Sie beladen können“.

Szene aus dem Undercover-Video: rechts sitzt Karl S. (Gepp)

Szene aus dem Undercover-Video: links sitzt Karl S. (Gepp)

Die Besucher betonen mehrmals, dass sie gern mehr schlägern würden als vorgesehen. Sie würden „jede Extra-Produktion begrüßen“, sagen sie etwa. Karl S. antwortet auf derlei Ansinnen: „Wir haben jeden Tag 120 (ankommende, Anm.) Trucks. Wir sind sehr flexibel.“ Kurioserweise kritisieren die Manager zugleich das Problem des illegalen Schlägerns in Rumänien.

Weiters dreht sich das Gespräch um ein Bonussystem für Lieferanten, die mehr Holz als vereinbart liefern. Diese erhalten von Schweighofer Extra-Geld „an den Monats- und Quartalsenden“. Heute argumentiert Schweighofer, diese Boni würden sich auf geringe Zusatzmengen an Holz beziehen, deren Schlägerung in Sonderfällen legal sei.

Am Ende des Treffens betont Karl S. erneut, wie enorm die Holzmengen bei Schweighofer seien: „Wir verarbeiten (in Sebeș, Anm.) eineinhalb Millionen Kubikmeter, und das ohne jeden Import“, sagt er, „und es funktioniert“. Nachsatz: „Fragen Sie mich nicht, wie, aber es funktioniert.“ S. hat das Unternehmen inzwischen verlassen, obwohl er nichts falsch gemacht haben soll.

Auch E-Mails, die profil vorliegen, zeichnen ein ähnliches Bild. So fragen die vorgeblichen Händler schriftlich nach, ob sie wirklich „zweimal das erlaubte Level“ liefern dürfen. Ein Schweighofer-Mitarbeiter darauf: „Es ist kein Problem, den Vertrag im Juni zu unterzeichnen.“

Später – es ist der 24. April 2015 – langt jedoch eine völlig andere E-Mail ein. Plötzlich weist derselbe Mitarbeiter klar hin, dass „die Legalität allen Holzes (…) von den Papieren bestätigt werden muss“.

Also doch alles gut? Nicht ganz. Am Tag vor dieser letzten E-Mail hat nämlich ein rumänischer TV-Journalist vom Sender Antena 3 bei Schweighofer angefragt. Ihm würden Geheimvideos von fragwürdigen Gesprächen vorliegen.

Ein Kommentar

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Serious allegations against timber company Schweighofer in Romania

From profil 10/2016

Illegal logging is endangering Europe’s last big virgin forests. Environmental activists and Romanian authorities blame Austrian timber company Schweighofer. Schweighofer denies the allegations. The author goes in search of evidence.

By Joseph Gepp (March 7, 2016)
Translated by EIA

Here’s the original German version

It’s a long drive until we leave all traces of mankind behind. The large and imposing prefabricated apartment blocks in the capital gradually get smaller and more run down as we leave the city behind and head into the countryside. Soon after, only the occasional farmhouse flashes past the car window. Then wooden huts. Then nothing at all.

At the edge of this nothingness, Gabriel Paun pulls to a halt. He gets his rubber boots out of the trunk as the snow is deep. It’s not far from here, he tells us. The 38-year-old environmental activist who works for the organization Agent Green knows the way. He’s been here many times before. He is worried that the nothingness is disappearing.

We are in Câmpuşel, near the small town of Petroșani in Romania, where Europe’s last remaining virgin forests sprawl over the slopes of the Carpathian mountains. The forests here have grown for centuries without any human interference. There are wolf tracks in the snow. The sound of the snow crunching underfoot is the only sound far and wide. “There’s a wild mix of beeches, pine trees, old trees and saplings here,” says Paun. The area of virgin forest in Romania today is thought to be almost as big as the Austrian state of Vorarlberg. Not for long, he warns.

This story is about the owner of Câmpuşel forest, the Schweighofer Group. Schweighofer is a timber company with administrative headquarters in Favoritenstrasse 7, Vienna. The group is owned by Gerald Schweighofer, who comes from the Austrian region of Waldviertel. Schweighofer’s family has been in the timber business for 400 years. Over the past decades, Schweighofer has expanded the family business into a multinational corporation with annual sales of around €500 million. The focus of Schweighofer’s operations is in Romania, where the company has been active since 2002. Business magazine Trend ranks Gerald Schweighofer as the 25th richest Austrian with estimated assets of €1.2 billion.

Gabriel Paun in the forest of Câmpuşel (Gepp)

Gabriel Paun in the forest of Câmpuşel (Gepp)

ALLEGATIONS HAVE BEEN CIRCULATING FOR MONTHS

Almost everybody in Romania has heard of Holzindustrie Schweighofer S. R. L. This is not just because Schweighofer is by far the country’s largest softwood processor with three large sawmills and just under 3,000 employees. It’s also because the name Schweighofer keeps popping up everywhere – in articles by investigative journalists, in the Facebook posts of environmental activists, on the banners of demonstrators on the streets, and in the dossiers of public prosecutors.

The allegations have been circulating for months and they are serious. Mr Schweighofer is said to widely and systematically encourage illegal logging among his timber suppliers. He is said to turn a blind eye when illegal timber is delivered to his mills and is suspected of logging in nature reserves. According to Alexander Bismarck, environmental activist from the US organization Environmental Investigation Agency, Schweighofer’s entire business model is based on illegal timber. For the company’s management it is a case of innocent until proven guilty.

It all started with an undercover operation by Bismarck nine months ago. Posing as a timber merchant, Bismarck visited a Schweighofer sawmill in the Romanian city of Sebeș with a hidden camera. He offered to sell the mill illegal timber and, as shown in the video (see below), his offer was met with interest. Last July, the Romanian Minister of the Environment at the time, Grațiela Gavrilescu, said that inspections at Schweighofer had revealed “a number of irregularities and inaccuracies”. The company was suspected of sourcing timber from illegal logging. Investigative media have also reported on dubious business partners and bogus companies that Schweighofer is allegedly using to control further sections of the timber market.

But Schweighofer is hitting back, claiming that it is being used as a scapegoat for corruption and shortcomings in other sections of the industry. What about the undercover video? “It was edited in a very misleading way,” says Georg Erlacher, spokesman for the Schweighofer management. What about the allegations? “Deeply immoral”, “questionable from a legal point of view”, a “smear campaign”.

Is this just a matter of environmental activists and public authorities zeroing in on the popular boogeyman of the foreign corporation? Or is this the dark side of Austria’s much praised economic expansion in the east? Is the Austrian company to blame for plundering Europe’s last remaining untouched natural treasures?

“RIGHT IN THE MIDDLE OF VIRGIN FOREST”

Yes it is, according to environmentalist Gabriel Paun. He wants to prove this by showing us a concrete example here in the forest of Câmpuşel. Although the snow is piled high, it’s not quite deep enough to completely cover the tree stumps that Paun points out. Look at the orange marking on the tree, says Paun. And there, another one. And over there, tree trunks ready to be taken away. “Right in the middle of virgin forest.”

Câmpuşel, a Natura 2000 protected area, has been owned by Schweighofer since 2005, along with 18 other forests in Romania. A study conducted in the same year by a Romanian forest research institute and the Dutch Society for Nature Conservation classifies the area as virgin forest. According to forestry law, these areas are to be “rigorously protected”. And yet Schweighofer is cutting timber here.

Getting to the bottom of these and other controversies requires an understanding of the system operating in the background. The law requires every forest in Romania to have a management plan. This plan has to be approved by the government and applies for a period of ten years. The management plan sets out whether logging is permitted, and, if so, how much of which kind.

When a forestry worker cuts down trees and loads them on to trucks, every load is given an individual code. This code indicates that the timber was logged in accordance with the management plan. It is then legal timber.

Forest workers in Romania (Gepp)

Forest workers in Romania (Gepp)

However, the system does not work well in practice. Many more trees are logged in Romania than are set out in the management plans. Much more than the forests can tolerate. Timber companies fool the laws by, for example, using one and the same code for several loads of timber. Or the trucks simply drive off to the sawmills without a code, and the sawmills buy their timber. As a result an estimated 20 to 50 percent of timber logging in Romania is illegal. The Ministry of the Environment estimates that 8.8 million cubic meters of timber are logged illegally every year. This corresponds to an area of around 44,000 hectares of forest that vanish illegally every year. For comparison – the area of the city of Vienna is 41,000 hectares.

ENVIRONMENTAL INSPECTORS AND PUBLIC PROSECUTORS TAKE UP THE CASE

According to US environmentalist Bismarck, Schweighofer is indeed the main culprit: “The company has purposefully and knowingly bought large volumes of illegal timber.” Bismarck’s team spent two years researching the methods allegedly practiced by Schweighofer, publishing its findings last fall in the extensive report “Stealing the Last Forest”. Initially, Bismarck says, his team did not intend to focus specifically on Schweighofer at all, but on illegal logging in Romania in general. “But in the course of our research, we found out that almost every truck carrying illegal timber went to Schweighofer.”

Once Bismarck’s initiative had attracted attention in Romania, the authorities took up the case. Environmental inspectors and public prosecutors initiated investigations. Since then, they have discovered large amounts of illegal timber – at least this is what an internal report made available to profil suggests. Last November, the Environmental Ministry passed this 61-page report on to Diicot, the Directorate for Investigating Organized Crime and Terrorism. The report speaks of hundreds of thousands of cubic meters of unregistered timber.

The Schweighofer mill in Sebeș, for example – the same one that Bismarck visited for his undercover video. According to the report, there is a discrepancy “of a volume of 281,461 cubic meters” between the figures in the official system and the consignment notes between July 2014 und April 2015. Another example: “There is reason to believe that 27 suppliers of logs delivered a total volume of 30,141 cubic meters to Sebeș without documents proving their legal origin.” However, the authorities have never officially commented on the report. The outcome of the investigations is still open.

At a parking area in Rădăuți, north Romania, dozens of trucks loaded with logs are clustered around a construction site container. They are waiting to be let in to the Schweighofer mill. Schweighofer manager Erlacher, formerly a board member of ÖBF (Austrian Federal Forests), says that more than 20 trucks pass this point every day. Plus a similar number of freight cars. “And this,” he says, “is just our first checkpoint.”

The second checkpoint is further along, a barrier with a glass-fronted shack, where the truck drivers hand in their transportation papers to be checked. “No illegal truck gets in here”, says Erlacher. Because of these kinds of entry checks. And because of the stringent inspection procedures requiring Schweighofer suppliers to prove the legal origin of their timber before they are let onto the premises.

Schweighofer's sawmill at Rădăuți (Gepp)

Schweighofer’s sawmill at Radauti

Behind these checkpoints there is a huge sawmill that looks nothing like people unfamiliar with the industry might expect. No screeching saws, no footprints in the wood shavings, hardly any sweating workers. Instead, a fully automated system the size of a small village that works away, quietly and rhythmically. The staff in the control room watch the swinging robot arms gripping the tree trunks. The chips and shavings are sucked up automatically and crushed to make biomass and pellets. The tree trunks themselves glide quietly forwards for processing. Trunk after trunk, almost 24 hours a day. They come out at the other end of the factory as planks and beams.

FORMAL ERRORS IN THE HECTIC COURSE OF DAY-TO-DAY BUSINESS

In the midst of all this technology, friendly Austrian managers dismiss all the allegations. They talk about environmentalists seeking the spotlight, sensationalist media, politicians that are biased against corporations, all of whom are targeting Schweighofer. They suspect that some of the politicians may themselves be in cahoots with the timber mafia. “When the allegations came out,” one employee told us, “I looked my boss Gerald Schweighofer straight in the eye and asked him whether there was anything to it. And he said, no, nothing at all.”

Schweighofer only concedes to having made a few small errors, venial oversights, entirely without criminal intent. The fact that official inspectors found around 9000 cubic meters of illegal timber in Rădăuți in 2014 is proof for environmentalists like Bismarck that things at Schweighofer are sorely amiss. But Schweighofer, while admitting to the case, emphasizes that this amounts to just a tiny proportion of the total timber it deals with – just 0.9 percent to be precise. Schweighofer puts this down to formal errors that occur in the hectic course of day-to-day business, such as employees putting the commas in the wrong places on forms.

The same arguments are used to dismiss the logging revealed by environmental activist Paun in the virgin forest of Câmpuşel. Erlacher claims that the logging was actually ordered by the local forestry authority itself. The forest was hit by a storm, and, according to the law, the damage has to be removed. This is necessary to protect the surrounding areas of commercial timberland from disease. The borders to the commercial forests are so fluid that not even the authorities always know exactly where these are, says Erlacher. For this reason, logging is permitted according to the management plan. “These kinds of instructions put us in a dilemma. If we don’t dispose of the damaged trees, we are not complying with the authorities. And if we do, we face criticism from environmentalists.”

What about the public prosecutor’s report? The one about the hundreds and thousands of cubic meters of illegal timber? Erlacher does not wish to comment on this as he says Schweighofer was never officially informed of this. It is undoubtedly true that illegal timber trading is a problem in Romania, he says. “But only among local networks and small businesses.” A large company like Schweighofer cannot afford to do such things.

There seem to be two contradictory realities here in Romania, here in this evidently deeply corrupt industry. Out there, environmentalists and Romanian authorities are accusing Schweighofer of serious offences. In here, there is the clean and hi-tech Rădăuți mill and its friendly Austrian managers. Could such serious offences really take place in these surroundings? Yes? Or, perhaps, no?

It is evening, not far from the Rădăuți mill. “The Gerald’s” is a four-star five-story hotel, the best one far and wide. It belongs to the Schweighofer Group and even bears the name of its owner. Schweighofer runs the hotel because there is no hotel close by where it could accommodate its business partners and employees.

And here we find Gerald Schweighofer, sitting in the back room of the restaurant, tanned and wearing rimless spectacles and a loden coat with antler buttons. He says that the motives of the Romanian politicians are unfathomable. They sometimes agree to talks with Schweighofer managers, then they abruptly block them off. You never know where you’re at in this country, he says.

What about the US environmentalists’ allegations? And those of the investigative journalists? The public prosecutors? Can this really all be a conspiracy against Schweighofer? “We haven’t done anything wrong”, says Gerald Schweighofer. In such cases, he says, one accusation often leads to the next. Schweighofer has agreed to meet journalists here in the hotel in order to clarify the alleged misunderstandings and to salvage the reputation of his company. In fact, however, he hardly says anything except: it’s all not true.

Gerald Schweighofer (Gepp)

Gerald Schweighofer (Gepp)

If there really is a conspiracy against the company then it is rapidly gaining ground. While the public prosecution Diicot did not answer profil’s query as to the current stage of investigations, insiders believe their work will be completed in the next few months.

Trading in illegally logged timber is no longer a trivial offence, environmentalist Bismarck points out. “Schweighofer needs to make the origin of its timber easy to track for consumers.”

Schweighofer has already announced steps in this direction. Erlacher is planning to increase transparency by tracking its timber with the help of a GPS system. This move is probably motivated by the fear of losing market shares. Major customers from Western Europe and Japan are apparently already contacting Schweighofer due to concerns of being associated with illegal timber trading.

In the airplane on the way back to Vienna. Soon after take-off, the broad roads and big apartment blocks disappear from view. Very soon, the roads in the Romanian countryside turn into paths, villages to individual houses, houses to huts. Finally, only mountains and forest are visible. Nothing else.

Then, suddenly, the nothingness stops. Instead there are tree stumps.

On all excursions with environmental activists and Schweighofer, profil covered the flight and hotel costs itself.

Schweighofer video: “Don’t ask me how”
By Joseph Gepp (March 7, 2016)

What the undercover video shot at the Schweighofer sawmill really shows.

US investors visit the Schweighofer sawmill in Sebeș, wanting to sell the company timber from Romania’s forests. However, they also say that the legal stipulations on the volume of permitted logging are too “rigid” for them. The Schweighofer managers reply that this is “no problem”.

This video caused quite a stir nine months ago. The timber traders were actually from the US NGO Environmental Investigation Agency (EIA). Their undercover film allegedly shows Schweighofer accepting illegal timber.

Schweighofer, however, claims that the video was “edited in a misleading way”. The company has requested that EIA release the unedited footage. EIA Executive Director Bismarck has refused, saying that this would “endanger further research and uninvolved third parties”.

profil nonetheless obtained exclusive access to the full, unedited footage. It consists of two roughly one-hour visits to Sebeș, including a meeting with Karl S., Schweighofer’s purchasing manager for Romania. To be clear: profil could not see any difference in content between the unedited and the edited version.

During the interview, Karl S. repeatedly emphasizes how urgently Schweighofer needs timber for its sawmills: “There isn’t enough raw material to meet our needs.” The supposed timber traders are told to send the company as many trucks “as you can load”.

The undercover investigators stress several times that they would like to log more than is officially permitted. They say, for example, that they would welcome “any extra production”. Karl S. replies to such suggestions: “We have 120 trucks (arriving, ed.) every day. We are very flexible.” Curiously, the managers criticize the problem of illegal logging in Romania at the same time.

From the undercover video (Gepp)

From the undercover video (Gepp)

The conversation moves on to a bonus system for suppliers who supply more timber than agreed. They receive extra money from Schweighofer “at the end of the month and at the end of the quarter”. Schweighofer now claims that these bonuses are only for small additional volumes of wood that can be logged legally in special cases.

At the end of the meeting, Karl S. again emphasizes the enormous amounts of timber bought by Schweighofer: “We process (in Sebeș, ed.) one and a half million cubic meters without importing anything,” he says, “and it works.” Followed by: “Don’t ask me how, but it works.” S. has since left the company although the company claims he has done nothing wrong.

E-mails made available to profil paint a similar picture. The supposed timber traders follow up the meeting with an email asking whether they really can deliver “twice the allowed amount”. A Schweighofer employee replies: “We can sign the agreement in June, no problem.”

Later – on April 24, 2015 – a completely different e-mail arrives. The same employee now suddenly makes it clear that “the legal origin of all timber (…) must be confirmed by the documents”.

So is everything above board after all? Not quite, given that the day before this last e-mail a Romanian TV journalist working for the station Antena 3 contacted Schweighofer saying that they had undercover videos of questionable meetings.

Further Information:

EIA’s undercovervideo: http://tinyurl.com/holzundercover

Report „Stealing The Last Forest“, full length: http://tinyurl.com/dergestohleneurwald

Schweighofer Counter-report in English language: http://tinyurl.com/schweighofer-counter-report

Further reactions of Schweighofer on the allegations in English: http://www.schweighofer-initiative.org/en/

 

 

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„Ich bin auf der sicheren Seite“

Aus profil 53/2015

Ölpreistief, Russlandsanktionen, forcierter Klimaschutz: Die OMV, Österreichs größtes Industrieunternehmen, erlebte schon bessere Tage. Generaldirektor Rainer Seele lässt Visionen vermissen, hofft auf Sibirien und will nicht ans postfossile Zeitalter glauben.

Interview: Joseph Gepp, Christina Hiptmayr

profil: Herr Seele, der Klimagipfel in Paris ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Wie fühlt man sich als hochrangiger Vertreter einer Branche, die zum Sterben verurteilt ist?

Rainer Seele: Ich fühle mich sehr lebendig. Unsere Branche wird auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten, davon bin ich überzeugt. Für mich sind diesbezüglich die Studien der Internationalen Energieagentur verbindlich. Diese sagen klar voraus, dass wir die Primärenergieträger Öl und Gas auch in den nächsten Jahrzehnten brauchen werden. Für mich stellt sich eher die Frage, welchen Beitrag wir als OMV leisten können, um zu einer Verminderung des CO2-Ausstoßes zu kommen. Da ist es eindeutig, dass wir künftig stärker auf den umweltfreundlichsten Primärenergieträger setzen werden.

Rainer Seele, 55: Der gebürtige Bremerhavener übernahm im vergangenen Sommer die Führung der OMV. Der ehemalige Wintershall-Chef verfügt über exzellente Kontakte nach Russland und fungiert als Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (Foto: OMV).

Rainer Seele, 55: Der gebürtige Bremerhavener übernahm im vergangenen Sommer die Führung der OMV. Der ehemalige Wintershall-Chef verfügt über exzellente Kontakte nach Russland und fungiert als Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (Foto: OMV).

profil: Sie meinen Erdgas.

Seele: Wir sind der Meinung, dass man Erdgas wesentlich stärker in der Stromerzeugung einsetzen muss und nicht eine Energiepolitik verfolgen soll, die Kohle favorisiert. Damit würden wir einen erheblichen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen leisten. Dies ist allerdings nicht erfolgt, weil CO2-Zertifikate zu günstig sind. Wenn wir eine höhere Besteuerung von CO2 hätten, hätten wir auch eine ökologisch lenkende Wirkung. Dann würden Investitionsentscheidungen anders getroffen werden. Wir haben das durchgerechnet: Alleine in Europa könnten mit dieser Maßnahme 15 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden. Diese Größenordnung lohnt sich.

profil: In Paris hat man sich aber auch das – zugegebenermaßen sehr ambitionierte – Ziel gesetzt, bis 2050 gänzlich aus fossilen Energieträgern auszusteigen. Also auch aus Erdgas.

Seele: Unsere Gasstrategie geht aber nicht bis zum Jahr 2050. Im derzeitigen Umfeld hat die mittelfristige Ausrichtung der OMV für mich höhere Priorität. Wir haben in einem Niedrigölpreis-Umfeld einen Schwerpunkt zu setzen. Ich bin der Meinung, dass ein Ausstieg aus Öl und Gas bis 2050 nicht möglich ist. In der globalen Energieversorgung wird man darauf nicht verzichten können. Viele Entwicklungsländer wollen ihren Lebensstandard erhöhen. Und das geht mit einem höheren Energieverbrauch einher. Bis dato habe ich noch kein einziges Konzept gesehen, wonach die komplette Energieversorgung eines Landes mit Erneuerbaren Energien möglich wäre.

profil: Zusammengefasst lautet die klimapolitische Strategie der OMV also: Von den bösen fossilen Energieträgern arbeiten wir mit dem am wenigsten bösen. Oder haben Sie mehr zu bieten?

Seele:
Wir haben Öl und Gas, wobei Letzteres im Portfolio der OMV künftig ein größeres Gewicht bekommen wird. In erster Linie deshalb, weil die Wachstumsaussichten beim globalen Verbrauch besser sind. Aber auch Öl bietet noch Potenzial: Im Mobilitätssektor etwa ist es nach wie vor unschlagbar. Dazu haben wir ein gesundes Raffineriegeschäft.

profil: Die von Ihnen zitierte Internationale Energieagentur prognostiziert aber, dass sich der Einsatz der Fossilen bis 2040 halbieren wird.

Seele: Alle Prognosen haben eines gemeinsam: Sie stimmen nicht. Man muss eine ausbalancierte Sichtweise entwickeln, die man seinen unternehmerischen Entscheidungen zugrunde legt. Wir sehen eindeutig die gute Perspektive von Erdgas. Insgesamt glaube ich, dass kurzfristig der Verbrauch von fossilen Primärenergieträgern sogar nach oben gehen wird, als Folge des günstigen Preisniveaus. Die Zunahme des Ölverbrauchs beträgt derzeit mehr als eine Million Barrel pro Tag. Das entspricht etwa dem, was ein Produktionsland wie Libyen in seinen guten Zeiten produziert hat. Für nächstes Jahr rechnet die Internationale Energieagentur mit einem mindestens ebenso großen Wachstum.

profil: Ist es denn nicht eine Strategie der Förderländer, den Weltmarkt mit billigem Öl zu schwemmen, um die Weiterentwicklung der Erneuerbaren Energien zu bremsen?


Seele:
Es gibt viele Interpretationen, welche Strategien die Förderländer verfolgen.

profil: Welche halten Sie für die richtige?


Seele:
Wir haben einen Weltrohölmarkt, der derzeit nicht durch das Regulativ OPEC beeinflusst wird (Anm.: Die Organisation erdölexportierender Länder ist nicht imstande, sich auf eine Förderquote zu einigen). Die Förderländer haben die Produktion kräftig gesteigert. Als Strategie dahinter vermute ich, dass sie schlicht die Staatseinnahmen brauchen. Viele Energieunternehmen leiden stark unter dieser Situation, weil die Ölpreise fallen. In den USA beobachten wir einen Förderrückgang, viele Firmen mussten aufhören. Die OMV aber ist in diesem Kontext stark und stabil aufgestellt. Trotz der schwierigen Zeiten.

profil: Wann kommt der Zeitpunkt, an dem die Welt völlig aus fossilen Energien aussteigt und die OMV ihren Geschäftszweck verliert?

Seele: Ich als OMV-Chef werde das nicht erleben. Da bin ich auf der sicheren Seite. Abgesehen davon lautet unsere langfristige strategische Grundannahme, dass der Anteil von Erdgas am Energieverbrauch größer wird, und danach handeln wir.

profil: Erdgas wird vor allem in Russland gefördert, Ihrem großen Hoffnungsmarkt. Überhaupt gelten Sie als Russen-Versteher. Kürzlich haben sich die OMV und Gazprom darauf geeinigt, dass die OMV einen Anteil an einem Gasfeld in Westsibirien bekommt. Gazprom soll dafür ein Asset aus dem Besitz der OMV erhalten. Verraten Sie uns welches?

Seele: Nein. Wir haben die Gespräche dazu vor einem knappen halben Jahr begonnen. Bisher haben wir uns darauf konzentriert, uns als OMV ein Bild von dem Asset zu machen, die wir in Russland erhalten werden. Erst im nächsten Schritt werden wir gemeinsam mit der Gazprom bewerten, welche Assets der OMV für den Tausch infrage kommen. Hier haben wir uns lediglich auf eine Shortlist geeinigt, die wir in den kommenden Wochen diskutieren werden.

profil: Uns liegt ein internes Positionspapier der Arbeiterkammer vor. Diese fürchtet, Gazprom könnte durch dieses Geschäft zu viel wirtschafts- und energiepolitischer Einfluss in Österreich eingeräumt werden.

Seele: Wie soll das passieren? Wie soll man über eine Beteiligung an einem Tochterunternehmen der OMV einen derartigen Einfluss nehmen?

profil: Spekuliert wird, dass es sich bei dem Asset um die Gas Connect Austria handeln könnte, das österreichische Ferngasleitungsnetz. Das wäre wichtige Infrastruktur, die an die Gazprom geht.

Seele: Was die Gas Connect betrifft, werden wir zwar tatsächlich Anteile veräußern. Wir haben einen Bieterwettbewerb gestartet und dafür eine Investmentbank beauftragt. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Gazprom an dem Verkaufsprozess partizipiert, gleich null.

profil: Die Gas Connect steht also nicht auf der streng geheimen Gazprom-Shortlist.

Seele: In der Tat. Wenn ich mich über dieses Asset mit der Gazprom unterhalten würde, könnte ich es ja nicht gleichzeitig hundert anderen Teilnehmern anbieten.

profil: Die Gas Connect ist ein profitables Unternehmen, warum wollen Sie das verkaufen?

Seele: In erster Linie wollen wir den Wert wir den Wert monetarisieren und den Gewinn aus dem Verkauf in lukrativere Projekte stecken. Als Betreiberin des Fernleitungsnetzes ist die Gas Connect von der EU derart stark reguliert, dass wir als OMV keinerlei unternehmerischen Einfluss ausüben können. Wir können nicht einmal das Management selbst besetzen, das ist Sache der Regulierungsbehörde. Die Gas Connect ist für uns fast so etwas wie eine Finanzbeteiligung.

profil: Zurück zur Shortlist. Wie viele Positionen stehen derzeit drauf?

Seele: Drei.

profil: Wie viele davon in Österreich?

Seele: Das sage ich Ihnen nicht.

profil: Ist die Raffinerie Schwechat darunter, wie Medien spekulieren?

Seele: Keine dieser Spekulationen kommentiere ich. Wir haben eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit der Gazprom vereinbart. Außerdem will ich die Mitarbeiter nicht beunruhigen und Gerüchte anheizen.

profil: Verstehen Sie die europäische oder österreichische Angst vor Gazprom?

Seele: Ich würde es nicht als Angst bezeichnen, eher als Vorbehalt. Teilweise lässt sich das aus der europäischen Geschichte heraus erklären. Zudem betreibt die Gazprom auch eine Kommunikationspolitik, die nicht unbedingt westlich orientiert ist, um das vorsichtig zu formulieren. Das trägt nicht zum Aufbau von Vertrauen bei. Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch die Haltung der Gazprom. Sie argumentiert, die Europäer würden das Signal aussenden, sie sei hier nicht willkommen. Wir als OMV hingegen bekommen aus Russland das Signal: Ihr seid willkommen. Die Gazprom lädt uns ein, an der Ausbeutung einer Lagerstätte teilzunehmen, die eine der besten ist, die man in der Russischen Föderation finden kann. Das alles dient auch der Absicherung der russischen Gaslieferungen nach Österreich.

profil: Das stößt aber nicht auf allen Seiten auf Freude. Die EU wünscht sich eine Diversifizierung der Energiequellen, damit die Abhängigkeit von Russland reduziert wird. Außerdem sind gegen Russland wegen der Besetzung der Krim Sanktionen aufrecht. Darf man mit einem teilstaatlichen Unternehmen wie der Gazprom in diesen Zeiten große, wichtige Geschäfte machen?

Seele: Ich verstehe die Bedenken der EU-Kommission. Aber ich kritisiere, dass sie die Prioritäten falsch setzt. Nur 25 Prozent des europäischen Gasbedarfs stammen aus Russland. Ich bin zwar ein Verfechter einer weiteren Diversifizierung, aber nicht zulasten von Quellen, die sich in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen haben. Wo soll denn die Diversifizierung zukünftig herkommen? In Nordafrika etwa haben wir derzeit erhebliche Probleme. Diversifizierung bedeutet für uns als OMV auch Transitsicherheit. Wir wollen Transitunterbrechungen ausschließen und investieren zum Beispiel in das Nord-Stream-2-Projekt. Damit stellen wir eine direkte Verknüpfung der europäischen Verbrauchermärkte mit den russischen Gasquellen sicher.

profil: Halten Sie die europäische Sanktionspolitik für falsch?

Seele: Ich möchte meine persönliche Meinung außen vor lassen. Aber Umfragen unter unseren Mitgliedern der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer ergeben, dass 80 Prozent die Sanktionen für politisch unwirksam halten. Zwei Drittel sagen zudem, dass sie das operative Geschäft stark beeinflussen. Das Handelsvolumen mit Russland ist heuer in Österreich wie in Deutschland um etwa ein Drittel eingebrochen. In Russland haben die Sanktionen die Abschwächung der Konjunktur verstärkt – und das wirkt zurück auf deutsche und österreichische Unternehmen. Denken Sie beispielsweise an die Automobilbranche.

profil: Was hätte man sonst machen sollen?

Seele: Ich verstehe, dass die Politik keine Alternative zu den Sanktionen hatte. Man wollte gegenüber Russland ein Zeichen setzen: Hier wurde eine Grenze überschritten. Dass hingegen die Wirtschaft zugleich gerne die Exportpotenziale in Russland wahrnehmen würde, ist auch keine Frage.

profil: Klimakonferenz, Russland-Sanktionen, Ölpreistief – alles in allem keine rosigen Aussichten für die OMV. Wird es das Unternehmen in 40 Jahren noch geben?

Seele: Ich hätte gehofft, sie sagen 100 Jahre. In 40 Jahren? Aber allemal. Stärker, effizienter, größer, profitabler. Das wird eine tolle OMV sein. Warten Sie mal ab.

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Eingeordnet unter Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Wirtschaft

Wo ist der Wurm drin?

Aus profil 44/2015

Von Joseph Gepp

Die Wiener Schweighofer-Gruppe, eines der größten Holzunternehmen Österreichs, sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Die Firma soll in Rumäniens Wäldern für illegale Schlägerungen verantwortlich sein, behaupten Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace. Schweighofer ist ein einstiges Familienunternehmen aus dem Waldviertel, das der Eigentümer Gerald Schweighofer zu einem international tätigen Konzern ausgebaut hat.

„Unmengen illegalen Holzes geht in die Werke von Schweighofer“, sagt etwa Alexander von Bismarck von der US-NGO „Environmental Investigation Agency“(EIA). Laut Bismarck handelt es sich um „den wichtigsten Fall in Europa“. profil berichtete bereits im Sommer über die Causa.

SCHWEIGHOFER-WERK: In Sägewerken in Rumänien wie in diesem in der Stadt Sebes soll illegales Holz verarbeitet werden, sagen Umweltschutzorganisationen (Foto: Matthias Schickhofer)

SCHWEIGHOFER-WERK: In Sägewerken in Rumänien wie in diesem in der Stadt Sebes soll illegales Holz verarbeitet werden, sagen Umweltschutzorganisationen (Foto: Matthias Schickhofer)

Diese Woche hat die EIA erneut einen Bericht vorgelegt. Unter dem Titel „Der gestohlene Urwald“ werden Indizien und angebliche Beweise gegen Schweighofer präsentiert. Zwei davon: Im Jahr 2014 etwa stieß die Polizei bei einer Kontrolle in einem Schweighofer-Sägewerk in der Stadt Rădăuți auf fast 10.000 Festmeter illegales Holz, das Unternehmen musste deshalb 21.000 Euro Strafe zahlen. Ein weiterer Fall: Im Jahr 2004 habe Schweighofer einen rumänischen Waldbesitzer mit hohen Anzahlungen dazu verleitet, fast 7000 Bäume illegal zu fällen, um versprochene Lieferungen gegenüber Schweighofer tätigen zu können.

Schweighofer weist die Vorwürfe scharf zurück. Man beziehe kein illegal geschlägertes Holz, heißt es. „Die Umweltorganisationen machen uns für alles zum Sündenbock, was im rumänischen Holzgeschäft schiefläuft“, sagt Schweighofer-Geschäftsführer Georg Erlacher. Und die konkreten Fälle? In jenem der Kontrolle von Rădăuți würden Formalfehler dahinterstecken; dazu habe eine durch Wintereinbruch unbefahrbare Forststraße den Abtransport von einigem Holz verhindert – was die Behörde als nicht gesetzeskonform ansah. Und im Fall des Waldbesitzers „hat sich die Anzahlung nur auf legale Lieferungen bezogen. Mit illegalem Holz hätte der Lieferant unser Werkstor gar nicht passieren können.“

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