Archiv der Kategorie: Bücher

Die Geschichte von Anker

Aus dem FALTER 36/2014

Nur wenige, die sich in der Früh beim Anker ein Weckerl kaufen, ahnen: Sie betreten quasi historischen Boden.

Die Ankerbrotfabrik in Favoriten zählte einst zu den größten ihrer Art in Europa; die Pferdewägen, die das Brot in die Stadt brachten, hatten den Status von Wahrzeichen. Im Jahr 2011, zum 120-jährigen Bestehen der Bäckerei, zeichneten Christian Rapp und Markus Kristan in einem Buch die Geschichte der Großbäckerei nach.

Es enthält nicht nur eine fundierte Historie des Unternehmens, sondern auch zahlreiche alte Werbesujets sowie Bilder und Pläne vom alten Fabriksgebäude, in dem sich heute teilweise Lofts befinden. Ein kaum beachtetes und faszinierende Stück Stadtgeschichte in Buchform. JG

Markus Kristan, Christian Rapp: Ankerbrot. Die Geschichte einer großen Bäckerei. Brandstätter Verlag. Antiquarisch erhältlich

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Die Frage nach der Legitimation

Aus dem FALTER 36/2014

Rezension: Joseph Gepp

Ist unser politisches System ausreichend demokratisch legitimiert? Daran bestehen angesichts der „Inter-und Supranationalisierung politischer Herrschaft und der Zerfaserung des Verfassungsstaats“ Zweifel, schreibt der Jurist Florian Meinel in der deutschen Intellektuellenzeitschrift Merkur. In einem Essay seziert Meinel die europäische Legitimitätskrise und ihre Auswirkungen, die sich etwa in Sprüchen des deutschen Verfassungsgerichts manifestiert. Der Legitimationsdirkurs sei, so Meinel, ein Stück weit auch nur romantischer Ausdruck einer „Sehnsucht nach erlebbarer Politik“. Ein lesenswerter Essay.

Florian Meinel: Die Legalisierung der Legitimation. Aus: Merkur 9/2014,96 S., € 12,-

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Kampf um öffentliche Leistungen

Aus dem FALTER 36/2014

Rezension: Joseph Gepp

Seit Jahrzehnten werden in Europa staatliche Leistungen dereguliert, liberalisiert und privatisiert. Nun steht ein Richtungsentscheid an, von dem viele nichts mitbekommen: Führt der Sparzwang zur noch stärkeren Entstaatlichung vieler Bereiche? Oder schwingt das Pendel in die Gegenrichtung – und Leistungen gehen zurück zu öffentlichen Playern, etwa Gemeinden? Tendenzen gibt es derzeit in beide Richtungen.

Mit diesen Fragen befasst sich ein aktuelles Kompendium zweier Arbeiterkammer-Ökonomen – umfassend, akribisch und durchaus parteiisch. Es versammelt Expertenbeiträge, etwa zu Public-private-Partnerships, zum Dienstleistungsabkommen GATS und zu aktuellen Debatten wie den EU-Wasserliberalisierungsplänen.

Belege und Statistiken bleiben die Autoren keine schuldig, etwa zum massiven Beschäftigungsrückgang im Anschluss an Liberalisierungsprojekte in der E-Wirtschaft oder zum Missbrauch öffentlicher Gelder, die auf die europaweite Ausbreitung von Public-private-Partnerships folgten. Fazit: eine umfassende, engagierte und verständliche Lektüre, die jene breiten Lücken füllt, die tagesaktuelle Berichte oft offen lassen.

 Oliver Prausmüller, Alice Wagner: Reclaim Public Services. Bilanz und Alternativen zur neoliberalen Privatisierungspolitik. VSA Verlag, 304 S., € 23,50


Oliver Prausmüller, Alice Wagner: Reclaim Public Services. Bilanz und Alternativen zur neoliberalen Privatisierungspolitik. VSA Verlag, 304 S., € 23,50

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Letzte Station Aktienmarktsozialismus?

Aus der FALTER-Beilage „Die Krise verstehen“ 34/2014


Giacomo Corneo begibt sich auf die faszinierende Suche nach einem besseren Wirtschaftssystem


Rezension: Joseph Gepp

Es gibt Fragen, die darf man sich nicht stellen, sonst gilt man als Naivling und als weltfremder Träumer. Zum Beispiel die nach Alternativen zum Kapitalismus. Diese Frage, sagen die Verteidiger, habe die Geschichte doch längst beantwortet. Der Kapitalismus sei alternativlos. Der italienischstämmige Berliner Ökonom Giacomo Corneo stellt die Frage in einem kürzlich erschienenen Buch trotzdem. Und darauf aufbauend liefert er ein faszinierendes Porträt unseres Wirtschaftssystems – und etwaiger anderer.

Corneo ist nicht etwa ein wütender Kapitalismuskritiker. Nein, er definiert sich sogar als „Neoklassiker“, also als ein Anhänger der herrschenden ökonomischen Lehre. Dennoch konstatiert Corneo ganz nüchtern, dass in unserem System einiges schief läuft: die hohe Arbeitslosigkeit etwa, die wachsende Ungleichheit, die Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung. Gibt es also andere, bessere Möglichkeiten? Ohne in seinen Befunden Gnade walten zu lassen, klopft Corneo sämtliche Alternativen auf ihre Praxistauglichkeit ab.

Könnten die anderen Systeme
denn ausreichend Ressourcen produzieren, um allgemeinen Wohlstand zu schaffen? Würden die Menschen ausreichend mitarbeiten? Oder ihrem jeweiligen System aufgrund mangelnder Motivation den Rücken kehren? Solche Fragen stellt sich der Ökonom auf erfrischend undogmatische Weise.

Corneos Tour führt lehrreich durch Jahrhunderte westlicher Ideengeschichte. Sie beginnt bei Platons Wächterstaat, in dem ein allmächtiges oberstes Gremium die Ressourcenverteilung harmonisch regeln soll, ohne dass Marktkräfte ins Spiel kommen. Später führt die Tour etwa zur Insel Utopia, erdacht von Thomas Morus im 16. Jahrhundert, wo sich Demokratie und Toleranz mit dem Verbot von Privateigentum verbinden. Schließlich endet Corneo bei modernen Konzepten wie dem Genossenschaftswesen, dem Realsozialismus osteuropäischen Zuschnitts und dem bedingungslosen Grundeinkommen.

 Giacomo Corneo: Bessere Welt. Hat der Kapitalismus ausgedient? Goldegg 2014, 368 S., € 24,90


Giacomo Corneo: Bessere Welt. Hat der Kapitalismus ausgedient? Goldegg 2014, 368 S., € 24,90

Doch bei all diesen Modellen fällt Corneos Urteil enttäuschend aus. Manchmal hätten die Menschen nicht genügend Anreize zur Mitarbeit, erhebt der Ökonom mithilfe spieltheoretischer Ansätze. In anderen Fällen reiche der Grad an Innovation und Produktion nicht aus. Das Zwischenfazit: Es muss eine Art Marktsystem sein. Nur dieses, so Corneo, sorge für genug Anreize und Güter.

Doch seine Reise ist an dieser Stelle nicht vorbei, denn es gibt unterschiedliche Marktsysteme. Die Rolle des öffentlichen Eigentums ist in ihnen etwa verschieden geregelt. Oder die Frage, was mit dem Vermögen von Verstorbenen geschieht: Bekommen es die Erben oder beispielsweise eine staatliche Einrichtung?

Corneo durchleuchtete die Vor- und Nachteile sämtlicher Marktsysteme. Hier wird sein Buch stellenweise etwas technisch, schließlich sind die Unterschiede nicht allzu groß. Doch es mangelt Corneo niemals an Verständlichkeit und wissenschaftlicher Redlichkeit. Schließlich stößt er auf den sogenannten „Aktienmarktsozialismus“.

Es ist eine wilde Mischung der Systeme, auf die der unkonventionelle Denker da gekommen ist: Große Unternehmen würden verstaatlicht und an die Börse gebracht, wo sie gegeneinander um höhere Effizienz ringen sollen – die Gewinne flössen an die Allgemeinheit. Ein florierender Sektor aus privaten Kleinunternehmen sorgt zudem dafür, dass die Innovationen nicht ausgehen.

Corneo sieht hier die Chance auf einen weniger mangelhaften Kapitalismus – und zugleich eine Art wohlfahrtsstaatliches Modell für die Zukunft. Denn vereinfacht gesagt sorgt im Aktienmarktsozialismus der Staat für Gerechtigkeit – und gleichzeitig sollen neuartige Organisationsweisen und Anreizstrukturen dafür sorgen, dass diesem System ein Schicksal erspart bleibt, wie es beispielsweise die verstaatlichten Industrien in den 1970er-Jahren erlitten.

Corneo plädiert in aktuellen Interviews gern dafür, den Praxistest in Sachen Aktienmarktsozialismus zu wagen – vorerst etwa bei zwei oder drei Großunternehmen. Mal schauen, was besser funktioniert. Man mag seine Meinung teilen oder nicht, jedenfalls war Corneos Weg zu diesem Ziel ein höchst aufschluss- und lehrreicher.

Interview mit Giacomo Corneo vom Mai 2014

Hier gibt es die komplette Ökonomie-Beilage zu bestellen

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Aus der Parallelwelt der Superreichen

Aus der FALTER-Beilage „Die Krise verstehen“ 34/2014


Die kanadische Journalistin Chrystia Freeland tut sich in einer fremden Welt um – und entdeckt Verblüffendes

Rezension: Joseph Gepp

Manch einer kann sich vielleicht noch an das Schlagwort vom „Global Village“ erinnern. Zu diesem wachse die Welt angesichts der digitalen Revolution zusammen. Heute ist das Global Village Wirklichkeit geworden – aber anders als erwartet. Seine Hauptstraßen liegen in London oder Mumbai, seine Ausbildungsstätten in Harvard, und den schönsten Ausblick hat man im Schweizer Davos. Immer stärker formiert sich ein Dorf der Milliardäre, eine „transglobale Gemeinde von Gleichen, die mehr miteinander als mit ihren Landsleuten zu Hause gemein hat“, schreibt Chrystia Freeland.

Die kanadische Wirtschaftsjournalistin hat sich in dem abgezirkelten Dorf auf bislang einzigartige Weise umgesehen. Ihr vielfach prämiertes Buch verbindet ökonomische und soziologische Hintergründe mit konkretem Anschauungsmaterial und Interviews aus der Parallelwelt der Superreichen – und dies äußerst gelungen.

Freeland lässt dabei glücklicherweise die üblichen Muster der Reichendebatte außer Acht: Weder gibt sie sich klassenkämpferisch-polemisch noch kommen die Reichen als Helden des Kapitalismus daher, deren Wohlstand uns allen am Herzen liegen muss, weil er sicherlich noch auf die Normalbürger heruntertröpfeln wird.

Stattdessen konstatiert Freeland nüchtern: An der Spitze der Gesellschaft findet eine Reichtumskonzentration wie zuletzt in den 1920ern statt – im Westen ebenso wie in Russland, China oder Indien. Nie zuvor wurden so riesige Vermögenswerte in so kurzer Zeit in private Hände transferiert. „Wer je daran zweifelt, welche Macht eine Idee entfalten kann, sollte den erstaunlichen, ohne Blutvergießen errungenen Sieg des neoliberalen Denkens betrachten.“

Kurios daran: Innerhalb des reichsten Prozents ist die Vermögensungleichheit nicht kleiner als innerhalb der gesamten Gesellschaft. Nicht das oberste Prozent ist also der wahre Gewinner, sondern das oberste Promille. Bei diesem offenbart Freeland verblüffende Merkmale.

So sind die wahrhaft Reichen keine Angestellten, sondern Selbstständige – und dies vor allem im Finanzsektor. Die fünf obersten Hedgefonds-Investoren etwa verdienten 2004 zusammen mehr als alle Vorstände der 500 wichtigsten US-Unternehmen.

Auch stammen die neuen Plutokraten nicht etwa aus der Mitte der traditionell reichen Establishments ihrer Länder. Stattdessen kennzeichnet sie „die richtige Mischung aus Insidertum und Randständigkeit“. In den USA etwa erkannte niemand so rasch die Chancen von technischer Digitalisierung und finanzieller Deregulierung wie „die Harvard-Burschen mit Provinzschulbildung“, schreibt Freeland. Und in Russland schaffte es nicht etwa der Kern des vormals kommunistischen Kaders in die neue Oligarchie – sondern jene, „die nahe genug an den Hebeln der Macht waren, um den Übergang zur Marktwirtschaft zu ihrem Vorteil zu nutzen, aber weit genug davon entrückt, um zu verstehen, dass das alte Regime auseinanderbrach“.

Chrystia Freeland: Die Superreichen. Westend 2013, 368 S., € 23,70

Chrystia Freeland: Die Superreichen. Westend 2013, 368 S., € 23,70

Was bei all diesen faszinierenden Betrachtungen etwas zu kurz kommt, sind die strukturellen Vorbedingungen des Aufstiegs der Plutokraten. Was war die Ursache? Das schwache Wirtschaftswachstum? Die angeblich ineffi zienten verstaatlichten Industrien? Diese Fragen bleiben außen vor. Dafür beschreibt sie meisterhaft, wie die Reichen -einmal einflussreich geworden – laufend mehr Macht erringen.

Dazu nutzen sie einerseits „legale Korruption“, etwa wenn sie sich in den USA in Gesetzgebungsprozesse einkaufen. Und andererseits das, was Freeland „die kognitive Kaperung des Staates“ nennt. Also die nachhaltige öffentliche Verankerung jener Mär, wonach mehr Privilegien für Reiche letztlich allen Bürgern nutzen.

Und noch eine Tendenz arbeitet Freeland heraus: Gerade in der westlichen Technikelite verbirgt sich der Reichtum gern hinter einer egalitären Fassade und Betriebskultur. So sind im kalifornischen Silicon Valley Limousinen und Chauffeure verpönt, erzählt Ex-Google-Chef Eric Schmidt, der geschätzte 4,6 Milliarden Euro besitzt.

An einem Privatjet hingegen findet niemand etwas Verwerfliches. Und wenn Schmidt gerade nicht da ist, dann dürfen die Untergebenen sein kleines Büro im Google-Gebäude mitbenutzen.

Diese Rezension erschien zuerst im Falter 43/2013

Hier gibt es die komplette Ökonomie-Beilage zu bestellen

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Buch: Kleine Geschichte Russlands

Aus dem FALTER 26/2014

Rezension: Joseph Gepp

In einem knappen und grandiosen Büchlein aus der Beck’schen Reihe legt der Wiener Osteuropahistoriker Andreas Kappeler eine Historie Russlands vor.

Gegliedert in Epochen und Aspekte, erklärt Kappeler den mächtigen russischen Staat, die unterentwickelte städtische Kultur oder etwa die Rolle von Expansion und Extensivität.

Eine weitblickende und verständige Lektüre, die sich wiederzulesen lohnt.

Andreas Kappeler: Russische Geschichte. Beck Wissen, 112 S., € 9,20

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Buch: Bei den kleinen Völkern Europas

Aus dem FALTER 23/2014

Rund um die Jahrtausendwende reiste der Salzburger Essayist Karl-Markus Gauß, der dieser Tage 60 Jahre alt wurde, zu fünf ethnischen Minderheiten in Europa – und verfasste darüber fünf groß angelegte Reportagen.

Gauß besuchte etwa in Sarajevo sephardische Juden. Er bereiste weiters das Land der Gottscheer, Abkömmlinge deutscher Siedler in Slowenien, und jenes der Arbëreshe, süditalienischer Albaner. Schließlich schaute Gauß bei den slawischen Sorben im Osten Deutschlands vorbei und bei den Aromunen, auch genannt Vlachen, der romanischsprachigen Minderheit in Mazedonien.

Das Ergebnis all dieser Reisen ist ein über weite Strecken grandioses Reportagenbuch. Es zeigt, wie kleinräumig und vielschichtig der europäische Kontinent immer noch ist, trotz aller Vernichtung und ethnischer Flurbereinigung im Zweiten Weltkrieg. Gerade angesichts der EU-Wahlen und der Vorgänge in der Ostukraine lohnt es sich, das Buch wieder zu lesen.

Karl-Markus Gauß: Die sterbenden Europäer. Zsolnay, 2001,260 S., € 20,35

Karl-Markus Gauß: Die sterbenden Europäer. Zsolnay, 2001,260 S., € 20,35

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Buch: In der Welt der Superreichen

Aus dem FALTER 22/2014

Rezension: Joseph Gepp

Nicht das oberste Prozent habe gar so sehr an Macht und Reichtum gewonnen, schreibt Chrystia Freeland, sondern vor allem das oberste Promille. Über eben diese Elite veröffentlichte die kanadische Wirtschaftsjournalistin vergangenes Jahr ein grandioses Buch, das tief in deren abgezirkelte Lebenswelt eindringt -und zugleich meisterhaft jenen permanenten Zugewinn an Macht seziert, der diese Klasse derzeit kennzeichnet. Im Blick sind nicht nur der Westen, sondern etwa auch Russland und Indien. Ganz ohne Klassenkampf arbeitet Freeland heraus, was das Weltbild der Superreichen formt und was der Begrenzung ihres Einflusses im Weg steht.

Chrystia Freeland: Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite. Westend Verlag, 368 S., € 23,70

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Buch: Eine bessere Welt ohne Kapitalismus?

Aus dem FALTER 22/2014

Rezension: Joseph Gepp

Hat der Kapitalismus ausgedient?, fragt der Berliner Ökonom Giacomo Corneo angesichts jahrelanger Krisen und hoher Arbeitslosenraten – und beschreibt, was im Laufe der Jahrhunderte an alternativen Wirtschaftsmodellen erdacht worden ist. Das Spektrum reicht von Platons Wächterstaat über Thomas Morus‘ Utopia bis zum bedingungslosen Grundeinkommen. Ganz nüchtern dekliniert Corneo die Modelle durch. Woran würden sie scheitern, unter welchen Umständen möglicherweise funktionieren? Corneo schreibt in klarer, einfacher Sprache – und legt ein weitblickendes und völlig vorurteilsfreies Buch vor, das man getrost als Entdeckung bezeichnen kann.

HIER GEHT’S ZUM INTERVIEW MIT GIACOMO CORNEO0201BUX_BessereWelt_V4-6

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Buch: Am k. u.k. Außenposten

Erschienen im FALTER 18/2014

Einem fast vergessenen Militäreinsatz Österreichs widmet sich die Wiener Historikerin Tamara Scheer in einem neuen Buch: Im Jahr 1879 marschierte die Armee der Donaumonarchie in den Sandžak von Novipazar ein, eine Region im serbisch-montenegrinischen Grenzgebiet. Es war ein „konzilianter“ Akt mit Einverständnis des Osmanischen Reiches, das zuvor Machthaber über das Gebiet war.

Mithilfe zahlreicher Originalzitate schildert Scheer drei Jahrzehnte der Besatzung – und liefert ein farbenfrohes, detailreiches Bild soldatischen Lebens im balkanischen Hinterland. Der wahre Zweck der Mission – Österreich als Großmacht dastehen zu lassen -erschloss sich den Militärs allerdings nicht. So beschäftigten sich die Österreicher etwa mit der Verschönerung von Kasernen und der Frage, ob es der lokalen Bevölkerung erlaubt sein soll, Sliwowitz und Schafwolle auszuführen. Scheer schildert den Alltag bis hin zum Garnisonstratsch, etwa über den Hund, der verjagt wurde, weil er sich gegenüber einer Brigadiersgattin „unerhört respektwidrig“ benommen hatte. Insgesamt entsteht das lebendige Bild einer absurden Mission, deren einziger Zweck es war, die Illusion alter Größe zu wahren.

Joseph Gepp

Tamara Scheer: "Minimale Kosten, absolut kein Blut". Österreich-Ungarns Präsenz im Sandžak von Novipazar (1879-1908). Peter Lang, 282 S., € 56,50

Tamara Scheer: „Minimale Kosten, absolut kein Blut“. Österreich-Ungarns Präsenz im Sandžak von Novipazar (1879-1908). Peter Lang, 282 S., € 56,50

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