Archiv der Kategorie: Balkan

Brücken in die Vergangenheit

Am Balkan löste es einen Krieg aus, im Rest Euroas führt es zumindest zu heißen Debatten: das Thema Vergangenheitsbewältigung. Ihm widmet sich ein englischsprachiger Sammelband europäischer Intellektueller, editiert von den österreichischen Balkan-Kennern Wolfgang Petritsch und Vedran Džihic. Von südosteuropäischen Definitionskriegen, wie sie sich etwa in Srebrenica oder Mostar grausam äußerten, leitet er über zu großen gesamteuropäischen Vergangenheitserzählungen vieler Epochen – zum Beispiel zur „pangermanischen Identität“ der Zwischenkriegszeit, zur Rolle der (gemeinsamen) osmanischen Geschichte in so unterschiedlichen Städten wie Sarajevo und Beirut oder zum Vergangenheitsbild in Michael Hanekes „Das weiße Band“. Autoren sind etwa Oliver Rathkolb, der britische Europa-Experte Martin Dangerfield, der polnische Ex-Dissident Konstanty Gebert, die serbische Menschenrechtsaktivistin Nataša Kandic und die Herausgeber selbst. Lesenswert!

Joseph Gepp

Vedran Džihic, Wolfgang Petritsch (Hg.): Conflict and Memory. Bridging Past and Future in (South East) Europe. Nomos, 326 S., € 69,-

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Die Kompliziertheit des Ostens

Buchrezension

Seite Eins macht Lust auf mehr: Da windet sich, Städte meidend, ein Weg über eine Landkarte. Ein deutscher Schriftsteller durchwandert die tiefste Provinz Ungarns, Kroatiens, Serbiens und Rumäniens. Im Lauf der Lektüre beginnt man allerdings ein wenig Reflexion zu vermissen. Stattdessen bestaunt der Autor den Ost-Charme der Dörfer, gibt Biographien von Zufallsbekanntschaften wieder, zählt Wanderanekdoten auf. Landolf Scherzer hat zuvor ein vielbeachtetes Reportagenbuch über die alte deutsch-deutsche Grenze geschrieben. An der Unüberblickbarkeit des Balkans ist er nun gescheitert.

Landolf Scherzer: Immer geradeaus. Zu Fuß durch Europas Osten. Aufbau, 303 S., 50 Fotos, € 20,60

Erschienen im Falter 32/10

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Kaiser von Jugoslawien

Seit einem Jahr ist Valentin Inzko Hoher Repräsentant in Bosnien. Zu Besuch in einem nichtexistenten Staat

Reportage: Joseph Gepp, Sarajevo

Das wird wohl die beste Amtshandlung seiner Arbeitswoche, scheint der am Rand der Landstraße Polizist zu denken. Zwei Autos nähern sich ihm mit herausfordernd hoher Geschwindigkeit. Er dreht sein kleines Stoppschildchen in den Armen, geht einen Schritt nach vorne. Er steckt sich noch das Hemd in die Hose, um auch souverän zu wirken, wenn er gleich gönnerhaft und respekteinflößend in Richtung der angehaltenen Wagen schreitet.

Doch dazu kommt es nicht. Er weicht zurück und zweckentfremdet sein Stoppschildchen sogleich zum Durchwinken. Don’t even think about it, sagt noch hinterher einer der Chauffeure im Wageninneren.

Zwei Autos rasen durch Bosnien-Herzegowina. Sie fahren durch Dörfer, weil es hier kaum Autobahnen gibt. Sie brettern über Schlaglöcher, folgen den Mäandern stürmischer Flüsse. Sie passieren Häuser, zerschossene, niedergebrannte, als Rohbauten wiedererrichtet. Sie passieren Friedhöfe auf Hügelhängen, die aus der Ferne wie gleichmäßige geometrische Muster auf grünem Hintergrund aussehen. Weiße Säulen mit runden Aufsätzen für die Muslime. Kreuze mit Blumen für die Christen.

Die Wägen fallen hier auf. Ein fast neuer VW-Kombi, ein silberner BMW-Geländewagen, beide mit Diplomatenkennzeichen. Ihnen kommen fast nur Zweiergolfs entgegen. Der VW-Golf II, das inoffizielle bosnische Nationalmobil, wurde bis 1992 produziert. Es war das Jahr, in dem in Bosnien-Herzegowina die Zeit stehenblieb.

Heute sitzt in dem silbernen BMW jener Mann, der sie wieder in Gang bringen soll.

Im Land der konvertiblen Mark

Es ist ein Österreicher, der Bosnien regiert. 60 Jahre alt, gelbgepunktete Krawatte, eine Frisur wie Erwin Pröll. Seine Mimik wirkt leicht gefroren, sein ganzes Wesen sehr gemessen und kontrolliert. Er heißt Valentin Inzko, und seit exakt einem Jahr lautet seine Berufsbezeichnung „Hoher Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina“. Weil das kompliziert klingt, nennen ihn und Beobachter auf der ganzen Welt schlicht: High Rep.

High Rep zu sein ist eine der schwierigsten und interessantesten Aufgaben der internationalen Diplomatie. Der Hohe Repräsentant soll im Auftrag der UNO ein Land in die Normalität führen, das aus drei Völkern besteht, die nichts miteinander zu tun haben wollen. Ein Land mit drei Amtssprachen, die praktisch ident sind, was deren Sprecher aber beharrlich leugnen. Ein Land, in dem fast jede Währung akzeptiert wird, wobei die offizielle dem Wert der alten D-Mark entspricht und auch so heißt: „konvertible Mark“.

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Ein Post-It pro Krise: Valentin Inzko in seinem Büro in Sarajewo
Foto: Nino Maricic, BH-Dani

Der High Rep ist in diesem Umfeld der große Friedensstifter und Streitschlichter. Er verfügt dafür über nahezu diktatorische Machtbefugnisse. Wahlen tangieren ihn nicht; er kann Gesetze aufheben und Politiker entlassen. Der Brite Paddy Ashton etwa, einer von Valentin Inzkos sechs Vorgängern, entließ an einem einzigen Tag 2005 60 Politiker, weil sie in seinen Augen den Staatszusammenhalt gefährdeten.

Der Staatengemeinschaft scheint das wegen der Lage im Land angebracht und notwendig. Denn während andere jugoslawische Nachfolgestaaten längst vor der Tür der EU stehen, hat Bosnien-Herzegowina für sie alle Probleme des gemeinsamen Erbes geschultert: die Fragmentiertheit, die aufgeblähte Verwaltung, ja selbst die Unabhängigkeitstendenzen seiner Völker.
Valentin Inzko, Kaiser von Jugoslawien.

Es war im Jahr 1996, als Inzko, damals lang nicht Hoher Repräsentant, erstmals nach Bosnien kam. Kaum war der Krieg vorüber, bestellte ihn die Republik Österreich zum ersten Nachkriegsbotschafter in Sarajevo. „In Todesangst“ habe er damals die Stadt betreten, erzählt er, tief in die Rückbank seines BMW-Jeeps versunken, begleitet von einem Chauffeur und einem Sicherheitsmann der österreichischen Cobra.

Fast vier Jahre lang, von April 1992 bis Februar 1996, hatten serbische Milizen davor die Stadt umstellt. Es war die längste Belagerung im 20. Jahrhundert; nun lag Sarajevo in Schutt und Asche. „Unsere Botschaft hatte Plastikplanen statt Fensterscheiben“, erzählt Inzko. „Das ganze erste Jahr stank es bestialisch, weil die Toiletten über kein Fließwasser verfügten.“

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Blick aus Inzkos Bürofenster im Jahr 2010. 16 Jahre nach dem Krieg stehen in Sarajewo immer noch Ruinen
Foto: Maricic

Inzko ging trotzdem ans Werk. Er pfiff auf jenen Komfort, den Diplomaten normalerweise als Teil des Berufsalltags begreifen. Er nahm, wie Experten im Rückblick berichten, Anteil am harten Nachkriegsalltag. Er mied die Veranstaltungen jener Clique ausländischer State-Building-Experten, die im Bosnien der 90er eine eigene Oberschicht bildete. „Dieses Engagement als Botschafter“, sagt der Politikwissenschaftler Vedran Dzihic von der Universität Wien, „hat Valentin Inzko als Hohem Repräsentanten einen immensen Vertrauensvorschuss beschert.“

Inzko telefonierte, organisierte, warf seinen Einfluss in die Waagschale. Er sorgte dafür, dass Wien alte Straßenbahnwaggons an Sarajevo lieferte; knüpfte Kontakte zu investitionsfreudigen österreichischen Banken; lobbyierte bei Austrian Airlines, sodass die Fluglinie 1996 als Erste nach dem Krieg Sarajevo anflog. „Das hat damals so lange niemand geglaubt, bis das erste Flugzeug kam“, erzählt er. Dafür liebten und feierten ihn die Stadtbewohner; 2000 verliehen sie ihm die Ehrenbürgerschaft.

Der Krieg mit anderen Mitteln

13 Jahre später, am 26. März 2009, trat Valentin Inzko – von der Internationalen Gemeinschaft auf unbestimmte Zeit nominiert – den Posten des Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegowina an.

Es sei „ein unmöglicher Job“, sagen Experten einhellig. Ein Job in einem Land, dessen Völker in Wahrheit seit 18 Jahren untereinander Krieg führen. Denn auf Waffengewalt folgten später „ständige ethnonationalistische Spielchen“, wie es Vedran Dzihic ausdrückt. Machtkämpfe und Blockaden lassen Bosnien stillstehen. Querelen zwischen Kantonen und Bezirken, deren Größe sich kaum von österreichischen unterscheidet, lähmen das Land.

Knapp sechs Autostunden liegt die bosnisch-herzegowinische Grenze von Wien entfernt, näher als etwa Vorarlberg. 40 Jahre lang war das Land Teil der Donaumonarchie. Noch zu jugoslawischer Zeit durchquerten die Österreicher jeden Sommer Bosnien, wenn sie mit ihren Campingwagen an die dalmatinische Küste reisten.

Heute scheint das Land am Ende der Welt.

Mindestens 100.000 Menschen starben im grausamen Bürgerkrieg zwischen orthodoxen Serben, katholischen Kroaten und muslimischen Bosniaken. 2,2 Millionen wurden zur Flucht gezwungen, darunter 100.000 ins nahe Österreich. Erst nach vier Jahren kaum es auf internationalen Druck zu einem Friedensschluss. Weil aber Erzfeinde nach dem Kampf nicht zum gemeinsamen Handeln fähig sind, installierte die UNO 1995 über den Volksgruppen den Posten des Hohen Repräsentanten.

Ein Protektorat für die Demokratie

Ein Protektorat im höheren Interesse der Demokratie, das war zwar keine elegante Lösung. Aber es sollte auch nur wenige Jahre gelten. Es schien ein notwendiges Übel zur Stabilisierung des Landes. Bis Bosnien-Herzegowina seine Traumata überwunden und seine Rolle im freien und sich vereinigenden Europa gefunden hat.

Dementsprechend soll Valentin Inzko nun der letzte Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina sein. Und davor hätte sein Vorgänger, der heutige slowakische Außenminister Miroslav Lajcak, der letzte sein sollen. Und vor Lajcak hätte dessen Vorgänger, der Deutsche Christian Schwarz-Schilling, der letzte sein sollen.

Deshalb sitzt Inzko heute in seinem BMW und lässt sich von seinem Hauptquartier in Sarajevo nach Mostar kutschieren, in die drittgrößte Stadt des Landes. Der High Rep will nun endgültig sein Regime beenden. Die Zeit, sagt er, sei überreif, dass die Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Viele zweifeln das an, und sie haben starke Argumente: 15 Jahre nach dem Krieg zählt Bosnien-Herzegowina noch immer zu den ärmsten Staaten Europas. Eine gemeinsame Identität existiert nicht, stattdessen begreifen sich die Bewohner wie eh und je als Serben, Kroaten und Bosniaken. Die Arbeitslosenrate liegt bei 40 Prozent, obwohl etwa die Hälfte der Bürger Bosniens im aufgeblähten Staatsapparat arbeitet. Immer wieder drohen vor allem die Serben mit Abspaltung; mittlerweile eröffnen sie sogar eigene Botschaften im Ausland.

Die Folge sei die „seit dem Krieg größte Krise der bosnischen Staatlichkeit“, schreibt der Politologe Dzihic in einem aktuellen Buch (siehe Rezension). Der bekannte Aufdeckerjournalist Eldin Hadzevic vom Sarajevoer Magazin Dani meint: „Jeden Tag rutscht Bosnien ein Stück weiter in die totale Handlungsunfähigkeit.“

Doch Inzko denkt, dass die internationale Aufsicht dem Land nicht mehr weiterhelfen könne. „Was es stattdessen braucht, ist eine starke europäische Partnerschaft.“ Der High Rep deutet aus dem Autofenster: „Schauen Sie doch. Man muss auch die Erfolge sehen. Es ist so vieles wieder aufgebaut.“ Als er 1996 erstmals kam, erzählt er, habe es in Bosnien vier Autokennzeichen gegeben: serbische, kroatische, bosniakische und alte jugoslawische. Es habe vier Währungen, Reisepässe, Fahnen, Hymnen gegeben. „Heute haben wir jeweils eines. Nur bei der gemeinsamen Hymne konnten sich die Volksgruppen noch nicht auf einen Text einigen.“

Also wird – vorerst schrittweise – abgebaut. 700 Menschen arbeiteten nach dem Krieg für den Repräsentanten, 168 sind es heute. Jede Kleinstadt hatte früher ein High-Rep-Büro, heute gibt es außerhalb des Hauptquartiers in Sarajevo nur noch drei. Und soeben verschwindet ein weiteres.

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Inzkos Konvoi verlässt Sarajewo in Richtung Mostar
Foto: Maricic

Im Schritttempo fährt Inzkos BMW in Mostar ein. Die örtliche Bürodependance liegt in einem Neubau unweit der pittoresken osmanischen Altstadt und der Stari Most, der Alten Brücke. 1993 stürzte sie nach massivem kroatischem Beschuss in die Fluten der Neretva; elf Jahre später wurde ihr Nachbau von Prinz Charles feierlich wiedereröffnet.

Mostar steht wie kaum eine Stadt für den tiefen Fall und den mühsamen Wiederaufstieg am Balkan. In jugoslawischer Zeit wurde sie von mehr Touristen als selbst Adriastädte wie Dubrovnik und Split besucht. Mitte der 90er lag sie völlig in Trümmern. Entlang der Hauptstraße, einem k.u.k. Boulevard, verlief damals die Frontlinie zwischen Kroaten und Bosniaken. Vor wenigen Jahren noch lagen in Fensterhöhlen die Sandsäcke, hinter denen die Scharfschützen in Deckung gegangen waren.

Heute kommen wieder erste Tagesausflügler. Die Altstadt ist neuerrichtet; langsam regen sich wieder Souvenirhändler in den Gassen. Vor fünf Jahren wurde in Mostar als Akt der Völkerverständigung eine Statue von Bruce Lee enthüllt – er sei, sagte der Initiator, die einzige Identifikationsfigur, auf die sich alle einigen könnten.

Valentin Inzko hat im Konferenzzimmer vor Lokaljournalisten und Gemeindevertretern Platz genommen. „Es hat eine lange Geschichte des Engagements in dieser Stadt gegeben“, sagt er zu ihnen. „Aber jetzt müssen die Politiker die Stadt ohne Hohen Repräsentanten verwalten. Die Möglichkeiten dazu haben sie.“

Der jeweils letzte High Rep

Die Stadtbeamten bedanken sich artig für die Zusammenarbeit; viele reagieren aber ängstlich. Der Schritt sei verfrüht, meldet sich einer. „Die Situation ist ja immer noch ziemlich komplex.“ Der Kritiker erinnert daran, dass Mostar bis vor kurzem 14 Monate lang keinen Bürgermeister hatte, weil sich Kroaten und Bosniaken auf keinen Kandidaten einigen konnten – bis der High Rep eingriff und das murrende Rathaus zur Einigung zwang.

Inzko aber redet dem Zweifler gut zu. „Alles hängt nun am kritischen Bürger“, sagt er. „Wenn die Menschen von Mostar diese Rolle einzunehmen bereit sind, wird alles funktionieren.“ Er spricht über die Potenziale der Stadt, „die Sonnenenergie zum Beispiel“: 300 Sonnentage gebe es jährlich in der Region, sagt er, das könne man doch nutzen. „Es liegt an Ihnen. Wir werden nicht aufhören, die Lage zu beobachten.“

Es scheint, als traue Valentin Inzko den Leuten mehr zu als sie selbst einander. Er wirkt wie der Einzige im Saal, der denkt, dass Bosnien-Herzegowina noch funktionieren kann.

„Ich spüre“, sagt Valentin Inzko, als sein BMW-Jeep wieder aus Mostar hinausfährt, „eine tiefe Sympathie und Verbindung mit diesem Land. Das hängt wohl auch mit meiner Herkunft zusammen.“

Er ist Kärntner Slowene; stammt aus dem Dorf Suetschach im Rosental, wo die Familie seit 500 Jahren in einem Bauernhaus lebt. Schon als Kind besuchte Inzko seine Großeltern in Jugoslawien. Als er in jungen Jahren in Graz Slawistik studierte, galten die Slawen noch als eine Rotte rätselhafter Völker in den unbekannten Weiten hinter dem Eisernen Vorhang.

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Ein schnelles Treffen am Morgen: Inzko mit dem bosnisch-herzegowinischen Premierminister Nikola Spiric
Foto: Maricic

Inzko ist ein Kind zweier Welten – wie Wolfgang Petritsch, der auch Kärntner Slowene ist und es 1999 ebenfalls zum High Rep brachte. Aufgewachsen an der Grenze der Systeme, ethnisch dem einen angehörig, staatsbürgerlich dem anderen. Als Jörg Haider im Wahlkampf 2006 die Parole „Kärnten wird einsprachig“ ausgab, entzog ihm Inzko empört das Du-Wort.

Der Diplomat ist vielsprachig, neben Deutsch und Slowenisch beherrscht er Englisch, Französisch, Russisch, Tschechisch. Und neben dem normalen Serbokroatisch spricht er auch den Sarajevoer Slang, was ihm seit seiner Ära als Botschafter in Bosnien hoch angerechnet wird.

Gescheitertes Substrat Jugoslawien

Aus eigener Erfahrung kennt Valentin Inzko die Heterogenität Europas und ihr gescheitertes Substrat: Jugoslawien. „Wenn er spricht“, sagt ein Insider, „klingt das, als würde ein Intellektueller im Sarajevo der 80er reden. Diese Leute sagten damals immer: Wie könnte es denn hier jemals Krieg geben? Wir haben doch so vieles gemeinsam, wir leben doch so eng beieinander.“

Auf der Rückfahrt spricht Inzko, wie vorhin im Konferenzzimmer, über die Potenziale Bosniens. „Ein unglaubliches Bergwerk an Talenten“ nennt er das Land und zählt auf: Boris Nemšic, Emir Kusturica, Ivo Andric, „das alles sind und waren Bosnier“. Erneut redet er von den Chancen der Sonnenenergie: „Wenn man hier überall Kollektoren aufstellen würde“, sagt er und deutet aus dem Fenster über die Ebene, „dann könnte aus Bosnien ein großes Energieexportland werden.“ Etwas später zeigt der High Rep wieder hinaus, auf ein unscheinbares Häuschen am Straßenrand: „Das ist der beste Schaffleischhauer in Bosnien. Der Besitzer ist Serbe, die Kunden fast ausschließlich Muslime. Auch das sind bosnische Geschichten.“

Inzko schwärmt von Bosnien. Er spricht von der menschlichen Wärme der hier lebenden Menschen, ihrer Herzlichkeit, ihrer Authentizität. „Komšiluk“, erklärt er, „nennt man zum Beispiel die besondere Form der bosnischen Nachbarschaft. Das ist ein alttürkisches Wort. Es bedeutet, dass ich das beste Stück Fleisch oder das größte Stück Brot meinem Nachbarn gebe.“

Was er sagt, klingt optimistisch und gar naiv in diesem Land des Stillstands und der vielen Friedhöfe, im Land der Serben, Kroaten und Bosniaken. Aber es wirkt ehrlich und tiefempfunden. Und nach zwei Stunden Gespräch meint man, ein Stück von der Persönlichkeit dieses kontrollierten und gemessenen Menschen erhascht zu haben.

Valentin Inzko glaubt an die Kraft der Vielfalt. An die Offenheit und Toleranz, die sie bedingt. An den Liberalismus und die Innovationsfreude, die aus ihr resultiert. Er meint, dass das kleine Bosnien-Herzegowina, das vielfältig wie nur wenige Länder ist, gerade deshalb gesellschaftliches Potenzial hat. Dass es eben darum Chancen birgt, die es nun zu nützen gilt. Dass die Verheißung dieser Chancen mächtiger ist als die Fesseln des alten Hasses. Und dass aus diesem Grund für Bosnien ganz und gar nichts verloren ist.

Valentin Inzko spricht, als hätte es niemals Krieg gegeben.


Zur Person

Valentin Inzko folgt als Hoher Repräsentant in Bosnien-Herzegowina – seit 1995 – Carl Bildt (Schweden), Carlos Westendorp (Spanien), Wolfgang Petritsch (Österreich), Paddy Ashton (Großbritannien), Christian Schwarz-Schilling (Deutschland) und Miroslav Lajcak (Slowakei) nach.
Vorher war er unter anderem in der Mongolei, Sri Lanka, Prag, New York, Sarajevo, Novi Pazar und Ljubljana tätig. Inzko ist mit der slowenisch-argentinischen Mezzosopranistin Bernarda Fink verheiratet und hat zwei Kinder

Bosnien-Herzegowina ist seit dem Vertrag von Dayton 1995 in zwei sogenannten „Entitäten“ geteilt: die „Republika Srpska“ im Norden (Serben) und die „Bosniakisch-Kroatische Föderation“ im Süden (Kroaten und bosniakische Muslime). Dem Gesamtstaat bleibt nur Grundlegendes wie Außenpolitik und Währung.

Zum Thema

Eine kleine Fahnenlehre

Bosnien-Herzegowina war bis 1992 eine Teilrepublik des sozialistischen Jugoslawien:
Yugoslavia-flag
Nach der Sezession zerfiel es seinerseits in kleinere Einheiten. Die Serben gründeten im Norden des Landes die „Republika Sprska“, die bis heute als „Entität“ existiert
rep_srpska
Die Kroaten reagierten die Gründung der „Republik Herceg-Bosna“
herceg_bosna
Und die muslimischen Bosniaken kämpften im verbliebenen Rumpfstaat um ihr Land:
bosniakische_fahne
Später entstand, auf großen Druck der USA,
flagge-vereinigte-staaten-von-amerika-usa
ein gemeinsamer Staat in den Grenzen der alten Teilrepublik – Bosnien-Herzegowina:
BosnienHerzegowina

Erschienen im Falter 13/2010

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Eingeordnet unter Balkan, Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien

Das Buch vom Staat, den keiner wollte

Dass es 30 Jahre nach Titos Tod und 15 Jahre nach Kriegsende noch kein deutschsprachiges Standardwerk zum Jugoslawien-Konflikt gibt, mag auch daran liegen, dass niemand die dortige Situation so richtig versteht. Nun hat der bosnischstämmige Wiener Politologe Vedran Dzihic diese Lücke gefüllt. Er liefert einen 450-Seiten-Wälzer über das balkanische Herzstück Bosnien-Herzegowina, der durchaus das Zeug zum Standardwerk hat. Umfassend meistert Dzihic den Grat zwischen Detailtreue und Überblick – was gerade bei diesem Thema eine Herausforderung ist. Von der Nachkriegsgeschichte über das Friedensabkommen von Dayton bis zu den wissenschaftlichen Konzepten des Ethnonationalismus fehlt kein Aspekt.

Joseph Gepp

Vedran Dzihic: Ethnopolitik in Bosnien-Herzegowina. Staat und Gesellschaft in der Krise, Nomos, 440 S., € 79,–

Erschienen im Falter 13/2010

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Tagebuchnotizen zwischen Krieg und Frieden

Das politische Leben von Wolfgang Petritsch dreht sich um die Außenpolitik. Jetzt legt es der Kärntner Diplomat in Dokumenten vor

Rezension: Joseph Gepp

Wie beginnt man ein Gespräch über Krieg und Frieden? Besser nicht, indem man Peter Handke ins Treffen führt. Denn als EU-Vermittler Wolfgang Petritsch im März 1999 seinen letzten Verhandlungsversuch mit dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Miloševic damit eröffnet, dass selbst der deklariert serbenfreundliche Schriftsteller für Frieden im Kosovo eintrete, reagiert der Staatschef „mit einer wegwerfenden Handbewegung“. Und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Es ist eine interessante Mischung, die Wolfgang Petritsch, heute OECD-Botschafter in Paris und wohl der profilierteste sozialdemokratische Außenpolitiker seit Bruno Kreisky, nun in Buchform vorlegt. „Zielpunkt Europa“ versammelt Petritschs Gesprächsprotokolle, Interviews, Analysen für Zeitungen – auch für den Falter. Es stellt Notizen von tagebuchhafter Subjektivität neben englischsprachige Vorträge im vollendet abstrakten Diplomatensprech.

So entsteht ein Sammelsurium, das tiefe Einblicke in eine Person gewährt, die weit über ihr unmittelbares Aufgabengebiet hinaus gesellschaftliche Zustände und (geo-)politische Entwicklungen rezipiert. Auf knapp 600 Seiten finden sich etwa Reportagen über bosnische Dörfer ohne Straßenanschluss, obgleich sie nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Sarajewo entfernt liegen. Es finden sich Porträts balkanischer Persönlichkeiten wie des Schriftstellers Ivo Andric, der kroatischen Aktivistin Slavenka Drakulic, des kosovarischen Freiheitskämpfers Ibrahim Rugova ebenso wie Skizzen einer neuen multilateralen Weltordnung, Essays über eine slowenisch-kärntnerische Kindheit und Prozessakten vom Den Haager Tribunal. Es sind allesamt Texte, die Petritschs Prägungen aufzeigen und, nicht zuletzt, interessante Einblicke in die Diplomatie erlauben.

Wolfgang Petritsch hat in diesem Zusammenhang viel zu erzählen. Er war Botschafter in Jugoslawien in den 90ern, Hoher Repräsentant in Bosnien-Herzegowina um 2000, UN-Botschafter in Genf und EU-Kosovo-Chefverhandler, woher auch die eingangs beschriebene Grenzerfahrung mit Miloševic rührt.

Zwei Tage nach jenem Gespräch 1999 verlässt Petritsch übrigens als letzter Vermittler Jugoslawien. Die Regierung will nicht mehr für seine Sicherheit garantieren. Als er durch die ungarische Puszta nach Wien fährt, hört er im Radio von den Bomben auf Belgrad.


Wolfgang Petritsch: Zielpunkt Europa. Wieser, 590 S., € 39,–

Erschienen im Falter 10/10

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Gelesen: Für immer Pulverfass im Hinterhof

Ohne Metaphern à la „Hinterhof“ oder „Pulverfass“ geht es leider nicht. Davon abgesehen ist Olaf Ihlaus und Walter Mayrs „Minenfeld Balkan“ ein lohnendes Werk: differenziert und frei jeder Parteinahme. Historisch gehen die beiden Spiegel-Autoren sehr weit zurück, bis zur Amselfeldschlacht 1389, ein balkanologisches Muss, da derlei Uraltereignisse heutigen Konflikten als Vorwand dienen. „Minenfeld Balkan“ erspart dem Leser den Zweckoptimismus des offiziellen Europa. Stattdessen werden die Probleme der 90er-Jahre fortgeschrieben und gipfeln in düsteren Bestandsaufnahmen, etwa über das Nichtfunktionieren Bosniens und des Kosovo oder die schleichende Islamisierung Sarajevos.


Olaf Ihlau, Walter Mayr: Minenfeld Balkan.Der unruhige Hinterhof Europas. Siedler, 304 S., € 23,60

Erschienen im Falter 50/09

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Noch eine Stadt: Belgrad

Einmal war sie die stolze und große Hauptstadt der Blockfreien, liberal und weltoffen, von Oststädten wie Sofia und Bukarest um seine unverschämten Freiheiten beneidet. Dann gab es Krieg, eine stumpfsinnig-nationalistische Diktatur, eine hilflose Demokratie, sogar Nato-Bomben fielen 1999 auf die Stadt, die einmal die westlichste im Osten war.

Es gibt wohl keine Stadt, die in 20 Jahren tiefer gefallen ist als Belgrad. Das macht sie abstoßend. Und das macht sie faszinierend.

Die Kaffeehäuser sind weg, heute wummert schlechter Turbo-Folk aus zwielichtigen Beisln. Eine „Ruralisierung“ Belgrads beklagen Serben, die Stadt sei primitiv geworden und stumpfsinnig-nationalistisch.

Wer Belgrad besucht, sollte sich nicht auf leichte Kost einstellen. Man kann freilich über die Hauptstraße, Knez Mihailova, spazieren. Man kann durch den Kalmegdan streifen, die Festung zwischen Donau und Save, und dort zu jeder Tageszeit verlassene Plätzchen finden. Aber bald stechen einem auch die bombardierten titoistischen Verwaltungsgebäude ins Auge, durch Zaunlücken schlüpfen Obdachlose. Oder man kommt nach Dedinje, das Belgrader Nobelviertel, das den Vergleich mit Beverly Hills nicht zu scheuen braucht. Nur leben hier Kriegsverbrecher hinter den Stahltoren, bewacht von Bodyguards und marmornen Löwenstatuen.

Belgrad muss man gesehen haben. Nicht aus bloßer Urlaubsfreude, sondern aus Interesse. Aus Interesse an dieser Mischung aus Kriegsfolgen und Hedonismus, aus verrottetem jugoslawischen Wohlstand und Protzigkeit. Aus Interesse daran, was hier sechs Stunden vor Wien entstanden ist.

Joseph Gepp

Etwa sechs Stunden Autofahrt, Busse von Erdberg, Züge von West- und Südbahnhof

Erschienen im Falter 21/09

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Eine Stadt: Sarajewo

“Klein-Jerusalem” nennt man die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, aber weniger wegen der Vielzahl an Kirchen, sondern wegen dem konfliktträchtigen Zusammenleben der Religionen. Katholiken, Orthodoxe, Muslime und sogar einige verbliebene sephardische Juden leben in diesem Teil Europas. Die Stadt selbst ist osmanisch geprägt. In Sarajewo beginnt der Orient.
Die schmalen Gässchen der Altstadt führen zu alttürkischen Pavillons mit schattenspendenden Vordächern und fast lichtundurchlässigen Fenstern. Die Geschäfte sind eng und vollgedrängt, man verkauft Kugelschreiber, die aus Patronenhülsen des Kriegs gefertigt wurden.
Weiter draußen liegen k. u. k. Verwaltungsgebäude, manche noch zerstört von der Belagerung durch die Serben 1992 bis 96. Und noch weiter draußen, unweit der einst gefürchteten “Sniper Alley”, steht zwischen zerschossenen Plattenbauten eine riesige Moschee, gebaut aus Mitteln des radikalislamischen Regimes von Saudi-Arabien.
Es gibt zwei Typen von Sarajewo-Touristen: Die einen bestaunen mit offenem Mund die unerwartet orientalische Anmutung, die sich hier ausbreitet. Die anderen stehen ungläubig zwischen Kriegsruinen oder klettern durch den schmalen Tunnel, der einst als einziger Ausweg aus der belagerten Stadt führte. Und beide fragen sich, in welchem Jahrhundert sie eigentlich gelandet sind.
Joseph Gepp

9 Stunden Autofahrt (über Zagreb und Banja Luka), Busse u. a. von Erdberg, Züge von West- und Südbhf.

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Politisches Buch – Henriette Riegler „Un/Sicherheit und In/Stabilität des ‚westlichen Balkan'“


Europäische Tragödie im Südosten

Langsam verschwindet der Balkan vom Radar der internationalen Aufmerksamkeit, stattdessen wendet man sich etwa dem islamischen Raum oder Russland samt seiner Einflusssphären zu. Kein Wunder, liegt doch der letzte Krieg – im Kosovo – zehn Jahre zurück. Dennoch: Nichts widerlegt die These vom „Ende der Geschichte“ und vom sterbenden Nationalstaat so sehr wie Jugoslawien, das nach mehreren blutigen Kriegen in sieben Staaten zerfiel. Zehn Jahre später liefert Balkanexpertin Henriette Riegler vom Österreichischen Institut für Internationale Politik in ihrem Arbeitspapier einen konzisen Blick über den Zustand der exjugoslawischen Staaten und Albaniens: die Annäherung an EU und Nato, der mehr oder weniger steinige Weg in den (politischen) Westen, die Probleme multiethnischer Gemeinschaften, die Mafiamilieus und zentralen Ereignisse von 2008 – wie die Verhaftung Ratko Mladics. Ein lesenswerter Überblick. Joseph Gepp

Henriette Riegler: Un/Sicherheit und In/Stabilität des „westlichen Balkan“. Arbeitspapier des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (OIIP), 46 S., € 5,-

Erschienen im Falter 7/09

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Buch der Stunde: Ivan Ivanji „Schattenspringen“

Ivan Ivanji blickt auf ein Leben zurück, das es wahrlich verdient, aufgeschrieben zu werden: Aufgewachsen in der nordserbischen Woiwodina, brachte ihn seine jüdische Abstammung 1944 ins KZ. Im Jahr darauf floh er aus den Trümmern des Lagers, irrte durch die Brandruinen des Tausendjährigen Reiches – und fand schließlich ein Jugoslawien vor, das mit dem seiner Kindheit nichts mehr gemein hatte. Die Eltern waren ermordet, die Wohnung beschlagnahmt worden.

Viel später wurde er Titos Übersetzer, aber das ist eine andere Geschichte („Titos Dolmetscher“, Promedia Verlag). Heute lebt Ivanji in Wien, wo er vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Aus diesem Anlass wurde sein Buch „Schattenspringen“ von 1993, eine literarische Beschreibung seiner Jugend, nun neu aufgelegt.

Ivanji hat seine Erinnerungen Jahrzehnte nach Kriegsende niedergeschrieben – ohne Dokumente, die die Geschehnisse belegen, denn die hat er zusammen mit seiner Häftlingskleidung verbrannt. „Nichts verbindet mich mit diesem Knaben“, schreibt er. „Ich habe keinen Grund, diesen Bildern mehr zu glauben als Sternen einer Augustnacht, über die man heutzutage nichts mehr schreiben darf, weil sie so falsch, so kitschig klingen.“ Falsch und kitschig klingt heute bald einmal ein belletristisches Buch über Kriegs- und KZ-Opfer. Ivanji riskiert den Kitsch – und das Ofterzählte liest sich bei ihm wieder ganz neu. Ivanjis Erzählweise ist fast lakonisch, seine Erinnerungslücken gesteht er freimütig ein. Ein 16-jähriger Jugoslawe erlebt den Nachkriegswahn und wird Teil desselben. Der Autor beschreibt die Präpotenz der Sieger, die Wandlung der besiegten Deutschen von Schindern zu Hungerleidern, die zerbombten Häuser, in denen an Wandständern noch federbestückte Hüte hängen.

„Schattenspringen“ entfaltet sich zu einem Nachkriegspanorama, dessen Tragik gerade in seiner Zufälligkeit liegt – mit fast parabelhaftem Ende: Der Bub kehrt in seinen Heimatort Großbetschkerek, heute Zrenjanin, zurück – aber dort wartet niemand auf ihn. „Er war heimgekehrt, aber nicht zum Ausgangspunkt, der Weg schloss sich nicht zum Kreis, er war eine Spirale.“

Ivan Ivanji: Schattenspringen. Roman. Picus, 231 S., € 15,- Präsentation: 12.2., 19.30 Uhr im Palais Fürstenberg (1., Grünangergasse 4, 1. Stock)

Erschienen im Falter 7/09

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