Glosse: Das war meine Woche

Aus dem profil 26/2019 vom 23.6.2019

Ich berichte Ihnen heute von meiner beginnenden Brieffreundschaft mit einer Frau, die den klingenden Namen „Rommel Humberto Chavarria Noguera“ trägt. Ich bekomme zwar zu viele Mails und muss die meisten aus zeitlichen Gründen gleich wieder löschen. Aber manche fesseln dann doch meine Aufmerksamkeit, wiewohl sie eigentlich sofort in den digitalen Mistkübel wandern müssten.

Zum Beispiel die E-Mail der besagten Frau. Sie stellt sich als Mitarbeiterin einer griechischen Bank vor. Weil die Causa heikel sei, kommuniziert Rommel Humberto über ihre private Mail-Adresse mit mir – vorbei an den offiziellen Kanälen ihres Arbeitgebers. Es sei so: Einer ihrer Kunden, ein vermögender Ausländer, sei tragischerweise samt Familie bei einem Autounfall in Frankreich ums Leben gekommen. Der Mann habe die Kleinigkeit von 25,5 Millionen Euro auf dem griechischen Bankkonto liegen. Und: Er habe für den Fall seines Ablebens keine Angehörigen benannt. „Aufgrund des sensiblen Charakters des Private Banking“ sei diese Praxis durchaus üblich, erklärt Frau Rommel. Nun jedenfalls drohe das herrenlose Geld eingefroren zu werden und nach zehn Jahren an die griechische Regierung zu fallen. „Wenn wir jetzt nicht handeln“, warnt Rommel, „werden die Gelder von korrupten und rücksichtslosen Regierungsbeamten beschlagnahmt.“ Damit komme ich ins Spiel. Ich soll, quasi als guter Europäer, das Geld retten und für meine eigenen Zwecke zur Seite schaffen. Ich müsse nur, schreibt Rommel, bei ihrer Bank einen Antrag auf Herausgabe stellen. Denn: „Sie tragen denselben Nachnamen wie mein verstorbener Mandant.“ Nachdem es sonst „keine bekannten oder identizierbare Familienmitglieder “ gebe, reiche dies, damit „der Erlös an Sie ausbezahlt werden kann, sobald Sie sich an meine Bank wenden“. Um all das in die Wege zu leiten, möge ich mich nur „umgehend“ bei ihr melden. Das habe ich prompt getan. Fortsetzung folgt.

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