Neuer Weg

Aus profil 11/2019 vom 10.3.2019

70 Prozent. So hoch war in den 1990er-Jahren der Anteil an Pfandflaschen an Getränkeverpackungen in Österreich. Inzwischen ist der Anteil auf 20 Prozent geschrumpft. Hauptsächlich bei Bier hält sich noch Mehrweg. Dabei gelten Mehrweg-Flaschen, ob aus Glas oder Plastik, als weitaus umweltfreundlicher als ihre Einweg-Pendants.

Nun aber scheint angesichts von Klimawandel und Plastikmüll eine Renaissance von Mehrweg einzusetzen. Das Milchverarbeitungsunternehmen Berglandmilch im oberösterreichischen Wels verkündete soeben, acht Millionen Euro in zwei neue Mehrweg-Standorte in Tirol und Niederösterreich zu investieren. Die Handelsketten Spar und Rewe haben bereits erklärt, die Pfandflaschen-Milch ab Herbst ins Sortiment zu nehmen.

Möglicherweise wird es nicht bei Milch allein bleiben. Die Vöslauer GmbH -Österreichs Marktführer bei Mineralwasser und ursprünglich ein Pionier beim Umstieg von Mehrweg-Glas-auf Einweg-Plastikflaschen – hat bereits seit 2014 wieder eine PfandGlasflasche im Angebot. Die Zuwachsraten liegen jährlich im zweistelligen Prozentbereich. Andere Unternehmen könnten nachziehen. Schließlich gibt es auch außerhalb der Getränkeindustrie Gespräche über einen möglichen Umstieg auf Mehrweg. Konkret geht es dabei um Glasbehältnisse beispielsweise für Marmeladen, Sugos und eingelegtes Gemüse. Doch die Verhandlungen darüber stecken in der Frühphase fest, sagt ein Branchenkenner gegenüber profil. Nicht nur etwaige hohe Investitionskosten bereiten den Unternehmen Sorgen, sondern auch, dass es sogenannte „Normgebinde“ bräuchte: also einheitliche Glasbehälter für unterschiedliche Produkte. Angesichts dessen fürchten die Unternehmen um die Unterscheidbarkeit ihrer Waren.

Joseph Gepp

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Eingeordnet unter Klimaschutz, Konsum

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