Letzte Ölung

Aus profil 09/2019 vom 24.02.2019

Die Reserven an Erdöl und Erdgas in Österreich gehen zur Neige.

Zum märchenhaften Ölreichtum wie in den Scheichtümern des Nahen Ostens hat es hierzulande zwar nie gereicht. Aber es gab eine kurze Phase in den 1950er- Jahren, da konnte sich Österreich immerhin beinahe zur Gänze selbst mit Erdöl versorgen. Freilich: bei sehr viel geringerem Bedarf als heute.

Der Hintergrund: In manchen Landschaften nördlich der Alpen findet sich viel poröses und durchlässiges Gestein, das als natürlicher Speicher für Erdöl und Erdgas dient – konkret rund um Wien sowie zum geringeren Teil in der sogenannten Molassezone zwischen Oberösterreich und Salzburg. Knapp eine Million Tonnen Erdöl pro Jahr werden heute immer noch gefördert, dazu knapp zwei Milliarden Kubikmeter Erdgas. Derzeit hofft die OMV mittels seismischer Messungen auf weitere Entdeckungen (siehe Hauptgeschichte).

Es war das Jahr 1937, als im niederösterreichischen Zistersdorf erstmals Öl gefunden wurde. Ihren Höhepunkt erreichte die Förderung später in den 1950er- (Öl) und 1970er- Jahren (Gas). Heute stagniert die geförderte Menge, seit mittlerweile vier Jahrzehnten bei leicht rückläufiger Tendenz. Verbesserte Produktionsmethoden – zum Beispiel das Ausspülen von ölhaltigen Poren im Gestein mit Heißwasser – sorgen dafür, dass trotz schrumpfender Vorkommen weiterhin gefördert wird. Circa fünf Prozent des in Österreich verbrauchten Erdöls stammen heute noch aus dem eigenen Land; bei Gas liegt der Anteil bei rund zehn Prozent.

Wie geht es weiter? Betrachtet man nur jene Reserven, von deren Existenz man mit Sicherheit weiß, dann kann in Österreich noch fünf bis sechs Jahre lang Öl gefördert werden. Beim Gas reicht der Horizont etwas weiter. Peter Seifert, Direktor der Geologischen Bundesanstalt in Wien, spricht „tendenziell von einem Endspiel bei der Öl-und Gasförderung in Österreich“:“Da wurde ein gewisses Plateau erreicht.“ Allerdings könnten etwaige Fünde bei der derzeitigen Seismik-Suche doch noch dazu führen, dass das heimische Öl etwas länger reicht. Darüber hinaus gäbe es zwar noch weiteres Potenzial – aber dieses zu erschließen, würde sich nur bei dauerhaft hohen Ölpreisen wirtschaftlich rentieren oder mittels Einsatz der umstrittenen Fracking- Methode.

Auch betreffend anderer Bodenschätze ist eher nicht davon auszugehen, dass es Österreich noch zum Rohstoff-Dorado bringen wird. Die letzten Kohlengruben beispielsweise -aus Klimagründen ist die Verfeuerung von Kohle ohnehin höchst umstritten -wurden schon vor Jahrzehnten wegen Unrentabilität stillgelegt. Bedeutend hingegen ist Österreich in Sachen Wolframerzabbau, wichtig in der Fertigung von Werkzeug. Hier findet sich in der Salzburger Stadt Mittersill Europas zweitgrößte Abbaustätte hinter Portugal. Auch der Magnesit- Abbau ist wichtig, etwa im Kärntner Radenthein. Daraus werden feuerfeste Materialien hergestellt (siehe auch S. 42).

Vielversprechend für die Zukunft ist die Geothermie, die Suche nach unterirdischem Heißwasservorkommen. Dass diesbezüglich viel Potenzial besteht, weiß man bereits. Nun laufen, beispielsweise in Wien, großangelegte Versuche, die klimaneutrale Technologie für die Erzeugung von Strom und Wärme besser nutzbar zu machen.

Joseph Gepp

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Eingeordnet unter Energie, Klimaschutz

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