„Es muss von Anfang an konsequente Regeln geben“

Aus profil 09/2019 vom 24.02.2019


Nina von Gayl forscht bei der Erste Group über Taschengeld und das Finanzwissen von Mädchen.

Kommenden Mittwoch findet wieder einmal der „Equal Pay Day“ statt. Bis zu jenem 27. Februar arbeiten Österreichs Frauen statistisch betrachtet unbezahlt. Der Hintergrund: Laut aktuellen Statistiken verdienen sie im Schnitt immer noch lediglich 84,1 Prozent des Einkommens der Männer. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass bereits kleine Mädchen über weniger Finanzwissen verfügen als Burschen. Nina von Gayl, Kuratorin im „Financial Life Park“, einem Info- Zentrum der Erste Group zu Finanzwissen (und selbst Mutter einer neunjährigen Tochter), legt dar, wie man das ändern könnte.

profil: Frau von Gayl, wie viel Taschengeld bekommt Ihre Tochter?

Von Gayl: Wir schlagen vor, dass unter Zwölfjährige 30 bis 50 Cent pro Woche bekommen sollten, multipliziert mit dem Lebensjahr. Aber meine Tochter erhält weniger, einen Euro pro Woche. Hoffentlich liest sie das jetzt nicht.

profil: Was sollen Eltern beim Vergeben von Taschengeld beachten, damit Kinder ein besseres Verständnis für Geld entwickeln?

Von Gayl:
Bei uns zu Hause ist das Taschengeld deshalb niedriger, weil meine Tochter viele Dinge extra bezahlt bekommt, zum Beispiel das Eis im Sommer. Das bringt mich zum ersten wichtigen Punkt: Es muss von Anfang an konsequente Regeln geben -etwa bei der Frage, welche Ausgaben vom Taschengeld abgedeckt werden und welche nicht. Weiters sollte das Taschengeld nicht im Rahmen von Bestrafungen gekürzt werden. Teenager sollten das Taschengeld monatlich bekommen. All diese Empfehlungen dienen dazu, dass die Kinder fix mit dem Geld rechnen können -und somit lernen zu budgetieren.

profil: Was können Eltern sonst noch tun?


Von Gayl:
Man sollte zu Hause darüber sprechen, wofür Geld ausgegeben wird. Die Kinder können ruhig wissen, wie teuer die Miete und Tickets für Verkehrsmittel kommen. Und es sollte vermittelt werden, dass Geldfragen interessant und wahnsinnig wichtig sind. Was passiert mit den 80 Cent, die ich für einen Schokoriegel ausgebe? Solche Fragen durchzubesprechen, kann Spaß machen.

profil: Mädchen verfügen über weniger Finanzbildung als Burschen?

Van Gayl: Darauf deuten einige Studien in europäischen Ländern hin. Ein Grundelement der Finanzbildung ist nämlich die Rechenfähigkeit -und es zeigt sich bereits in den Schulen, dass Burschen besser rechnen als Mädchen. Von den Mädchen wird in Sachen Mathematik häufig weniger erwartet. Das Problematische daran: Gerade Frauen müssen im Lauf ihres späteren Lebens finanziell stärker vorsorgen als die Männer. Denn sie leben länger, arbeiten öfter in Teilzeit und in schlechter bezahlten Branchen.

profil: Abseits vom Verhalten des Einzelnen -was müsste auf politischer Ebene geschehen, um die Finanzbildung von Mädchen zu verbessern?

Von Gayl: Bei der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen müsste viel mehr Bedacht darauf genommen werden, dass die Geschlechter gleich behandelt werden. Außerdem plädieren wir für die fixe Verankerung des Faches „Finanz-und Wirtschaftsbildung“ im Lehrplan der Schulen. Das ist bisher eine Querschnittsmaterie, die sich über mehrere Fächer erstreckt und häufig unter die Räder kommt.

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