Caracas Calling

Aus profil 8/2019 vom 17.02.2019

Der Fall Odebrecht: Laut südamerikanischen Medien soll eine frühere Tochter der Meinl Bank auch in fragwürdige Geldtransfers nach Venezuela involviert gewesen sein.

Joseph Gepp

Die Lage ist ernst. In Venezuela sehen viele Beobachter einen Bürgerkrieg heraufdämmern. Der Oppositionelle Juan Guaidó hat sich zum Übergangspräsidenten erklärt und stellt sich gegen den autoritären sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro. In den vergangenen Jahren sind viele Venezolaner völlig verarmt. Die Ursache neben Misswirtschaft und Hyperinflation: die massive Korruption des Maduro-Regimes. Was Letztere betrifft, könnte es eine Verbindung zu einer einstigen Beteiligungsgesellschaft einer österreichischen Bank geben, zeigen Medienberichte in Brasilien. Hintergrund ist einer der größten bislang bekannten Bestechungsfälle überhaupt, in dem Behörden mehrerer Länder seit dem Jahr 2014 ermitteln. Der brasilianische Baukonzern Odebrecht mit Sitz in der Stadt Salvador soll zwischen 2006 und 2014 umgerechnet rund drei Milliarden Euro Schmiergeld an Beamte und Politiker in zwölf Ländern Lateinamerikas und Afrikas bezahlt haben, um an Bauaufträge zu kommen. Auch Gefolgsleute des venezolanischen Regimes -zunächst unter dem 2013 verstorbenen Hugo Chávez, dann unter Maduro – lukrierten angeblich Schmiergeld. Unter Berufung auf Ermittlungen in Brasilien meldete etwa die brasilianische Zeitung „Estado“ vor einem Jahr, dass Maduro 35 Millionen Dollar für seine Wahlkampagne erhalten habe. Ein Teil des Geldes soll über eine Bank geflossen sein, an welcher die Wiener Meinl Bank bis 2015 beteiligt war: die Meinl Bank (Antigua) Ltd. im Karibikstaat Antigua und Barbuda. Um den Jahreswechsel 2013/2014 seien 9,93 Millionen Dollar über die Bank Richtung Venezuela transferiert worden, berichtete etwa vor zwei Wochen das Business-Portal „Suno Research“ unter Verweis auf Recherchen einer venezolanischen Staatsanwältin, die ins Ausland geflohen ist. Das News-Netzwerk „Vaaju“ schrieb vergangenen Sommer von einem Mittelsmann namens Luis Delgado, der für Schmiergelder für Chávez und Maduro verantwortlich gewesen sei -„hinterlegt auf einem Konto der Meinl Bank von Antigua und Barbuda“.

Antigua (Wikipedia)

Die Antigua-Bank stand bis 2011 im Einflussbereich des Wiener Stammhauses, ehe dieses 51 Prozent an eine Kingsley Holding mit Sitz in Genf verkaufte (dahinter werden Odebrecht-Leute vermutet). 2015 zog sich die Meinl Bank zur Gänze aus Antigua zurück, zwei österreichische Meinl- Direktoren blieben aber bis Anfang 2016 als nicht geschäftsführende Direktoren an Bord.

2017 zeigte die heimische Finanzmarktaufsicht (FMA) die Meinl Bank AG wegen mutmaßlicher Geldwäscherei an, wie profil berichtete (Nr. 12/17). Nach Erkenntnissen der FMA könnte ein Teil der fragwürdigen Odebrecht-Antigua-Zahlungen auch über Wien gelaufen sein. Das ORF-Radio berichtete überdies von einem Vertrag, wonach wichtige Entscheidungen in Antigua nur mit Zustimmung aus Wien getroffen worden seien. Laut südamerikanischen Medien soll ein Kronzeuge ausgesagt haben, dass bei bestimmten Offshore-Geschäften eine Provision von 0,5 Prozent nach Wien geflossen sei.

Die Ermittlungen dauern noch an, heißt es vonseiten der Korruptionsstaatsanwaltschaft gegenüber profil. Es gilt die Unschuldsvermutung. Was sagt die Wiener Meinl AG zu all dem?“Wir können nur wiederholen, dass die Meinl Bank AG nach der Veräußerung des Mehrheitsanteiles keinerlei Einsicht und Entscheidungsbefugnis hinsichtlich der Geschäftsgebarung der Meinl Bank (Antigua) Ltd. hatte“, so Vorstandsdirektorin Samira Softic. Insofern könne man die Behauptungen „weder bestätigen, beurteilen noch in sonstiger Weise kommentieren“.

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