Falscher Fuffziger

Aus profil 46/2018, vom 12.11.2018

Neue Fragwürdigkeiten rund um Geldeinzahlungsautomaten bei der Bawag-PSK.

Joseph Gepp

Vor ein paar Wochen berichtete profil über einen Fall, der bei einem Kunden der Bawag-PSK einige Verunsicherung hervorrief: Der Mann zahlte Geld auf sein Konto ein. Er ging dafür nicht zu einem Bankmitarbeiter, sondern nutzte einen Einzahlungsautomaten, wie sie in den Foyers der Filialen stehen. Auf dem Beleg jedoch, den der Automat danach herausgab, las der Kunde, dass es sich bei einem Teil der Summe um „fälschungsverdächtige Noten“ handeln würde. Sollte sich der Verdacht bestätigen, ist das Geld verloren. Deshalb hätte der Mann die angeblichen Blüten zumindest gerne kurz zu Gesicht bekommen. Er forderte bei den Bankangestellten eine sofortige Öffnung des Gerätes. Aber: Das sei bei Automateneinzahlung völlig unmöglich, wurde ihm beschieden.

Nun taucht ein neuer Fall auf, der noch mehr Fragen aufwirft. Er trug sich am heurigen 28. Mai in einer Filiale nahe Wien zu. Die Causa zeigt: Offenkundig dürften Bawag-PSK-Einzahlungsautomaten mitunter fälschungsverdächtige Banknoten einziehen – und danach nicht einmal Belege über diesen Vorgang ausspucken.

Konkret: Ein Kunde zahlt Geld auf sein Konto ein. „Der Automat meldete auf dem Bildschirm, dass bei einer Fünfzig-Euro-Note ein Falschgeldverdacht bestehe, der überprüft werden müsse“, erzählt der Mann. Allerdings: Diese Information steht lediglich auf dem Display – einen gedruckten Beleg, dass soeben 50 Euro eingezogen wurden, habe der Kunde nicht erhalten, sagt er. Als er später auf seinen Kontoauszug blickt, stellt er fest, dass die Summe fehlt.

Der empörte Kunde wendet sich an die Beschwerdestelle der Bank: „Vielleicht schafft es die Bawag, mir wenigstens einen Beleg über die Beschlagnahme meiner 50 Euro schriftlich zukommen zu lassen, damit ich beweisen kann, dass das überhaupt passiert ist“, schreibt er. Antwort der Bank: Die fälschungsverdächtige Note sei an die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) zur Prüfung weitergeleitet worden. „Dies dauert einige Zeit.“ Auf den fehlenden Beleg geht die Beschwerdestelle nicht ein. Schriftverkehr und Kontoauszüge liegen profil vor.

Wochenlang insistiert der Kunde weiter. Nach drei Monaten schließlich erklärt die Bawag-PSK, der Mann werde seine 50 Euro „auf Kulanz“ erhalten. Was das bedeutet? Man habe zwar noch immer keine Informationen von der OeNB bekommen, so die Beschwerdestelle. Aber: „Nach Ihren zahlreichen Einmeldungen haben wir uns entschlossen, die 50 Euro an Sie zu überweisen, ohne Informationen zum Schein zu haben.“ Anfang September bekommt der Kunde schließlich die Summe als „verspätete Gutschrift“ aufs Konto überwiesen.

Ob seine Note tatsächlich gefälscht war, weiß der Mann bis heute nicht. Vor allem aber stellt sich die Frage: Wie ist es möglich, dass Einzahlungsautomaten fälschungsverdächtige Scheine konfiszieren, ohne Belege darüber auszustellen? Auf Anfrage bei der Bawag- PSK heißt es, man könne sich keinen Reim darauf machen. Bei falschem oder fälschungsverdächtigem Geld würden Automaten ausnahmslos Quittungen ausgeben. „Warum im konkreten Fall der Kunde ausführt, keinen Beleg erhalten zu haben, können wir nicht nachvollziehen.“

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