Blütenkunde

Aus profil 43/2018, 22.10.2018

Über ungeahnte Probleme bei der vollautomatisierten Geldeinzahlung

Joseph Gepp

Klagenfurt, vor einigen Wochen. Der Gastronomiemitarbeiter Wolfgang H. hat bei einem Groß-Event 1000 Euro in Cash verdient. Nun betritt er eine Filiale seiner Hausbank Bawag-PSK, um die Summe auf sein Konto einzuzahlen. Das macht er aber nicht bei einem Schaltermitarbeiter, sondern am Einzahlungsautomaten, der im Bank-Foyer steht. Dabei erlebt H. eine unangenehme Überraschung: Von den 1000 Euro seien 150 Euro „fälschungsverdächtige Noten“, liest er auf dem Beleg. „Dieser Betrag wird unter Vorbehalt Ihrem Konto gutgeschrieben.“

H. geht zum Manager der Bankfiliale. Er verlangt eine sofortige Öffnung des Automaten. „Ich wollte einerseits die angeblich gefälschten Banknoten mit eigenen Augen sehen“, erklärt er sein Verhalten. „Andererseits wollte ich mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen, dass ich womöglich selbst in den Verdacht gerate, ein Geldfälscher zu sein.“ Doch eine Öffnung des Automaten sei keinesfalls möglich, sagt der Bankangestellte. H. müsse stattdessen zwei Wochen warten, bis ihm mitgeteilt werde, ob das Geld tatsächlich gefälscht war oder nicht. Alles Insistieren des Kunden bleibt zwecklos; schließlich zieht H. unverrichteter Dinge ab. Wenn ein Finanzinstitut mit fälschungsverdächti ge Noten in Berührung kommt, muss es diese laut Gesetz einbehalten und der Nationalbank zur Prüfung weiterleiten – so weit, so regulär. Erfolgt die Einzahlung aber, wie im Fall des Wolfgang H., am Automaten, dann unterbleiben einige Vorgänge, die den meisten Bankkunden doch wichtig sein dürften: Konkret kann kein Schaltermitarbeiter auf die betroffenen Noten aufmerksam machen und erklären, welche Anzeichen auf eine Fälschung hindeuten. Stattdessen muss der Kontoinhaber bei der Automaten-Einzahlung schlicht den Angaben der Bank vertrauen, wonach unter den eingezahlten Scheinen möglicherweise Fälschungen entdeckt worden seien und das Geld perdu sein könnte.

Dies sei nun einmal die Vorgangsweise, lautet die Reaktion der Bawag-PSK auf eine profil-Anfrage. „Sobald Geld als fälschungsverdächtig erkannt wird, wird es seitens des Gerätes einbehalten.“ Eine sofortige Öffnung der Automaten sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Sollte sich das Geld später wirklich als gefälscht herausstellen, werde das Kundenkonto belastet.

Beim Kunden H. aus Klagenfurt kam es nicht so weit. Einige Zeit später wurden die gesamten 1000 Euro seinem Konto gutgeschrieben. Ohne weiteren Kommentar.

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Eingeordnet unter Wirtschaft

Eine Antwort zu “Blütenkunde

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