Glosse: Das war meine Woche

Aus profil 28/2018 vom 09.07.2018

Ich wollte mir kürzlich alte Fotos ansehen. Sie stammen aus einer Zeit, als Digitalkameras noch technische Neuheiten waren. Ich bin schließlich auf eine Festplatte gestoßen, die in Computer-Dimensionen geradezu steinzeitlich anmutet -und habe sogleich festgestellt, dass das dazugehörige Kabel längst nicht mehr in meinen Laptop passt.

Was das mit Geld zu tun hat? Nun, ähnlich wie mit den Fotos ist es mit den berühmt-berüchtigten Kryptowährungen à la Bitcoin. Auch wenn sie im vergangenen Halbjahr mitunter an Wert verloren haben, bedauern viele, dass sie nicht rechtzeitig ein paar Hundert Euro in das Digitalgeld investiert haben. Dann wären sie heute vielfache Millionäre.

Der reuige Gedanke an das verpasste Vermögen setzt aber etwas voraus, an das viele nicht denken: Man muss die notwendige technische Infrastruktur jahrelang am Laufen gehalten haben, selbst wenn sie schon völlig veraltet war. Jede verstaubte Festplatte muss aufgehoben, jede „Wallet“ auf auszumusternden Computern und Handys bewahrt, jedes Passwort archiviert worden sein. Dass dieser Aufwand dereinst Millionen Euro bringen könnte, weiß man dabei nicht.

So wie James Howells. Der Waliser erwarb im Jahr 2013 7500 Bitcoins, berichteten Ende vergangenen Jahres britische Medien. Heute wären sie rund 75 Millionen Euro wert. Die Passwörter speicherte Howells auf einer Festplatte, die er irgendwann wegwarf. Heute durchstöbert Howells die Mülldeponie, auf der er seinen Datenträger vermutet. Er ist kein Einzelfall: Laut einer Erhebung der US-Denkfabrik Chainanalysis sind mindestens 2,78 Millionen Bitcoins für immer verloren gegangen -17 Prozent der Gesamtmenge.

Freunde von Bitcoin betonen gern, dass deren digitales Vermögen vor Inflation und jeglichem staatlichen Zugriff geschützt sei. Stimmt. Aber Bitcoin hat einen schlimmeren Feind als selbst raffgierigste Zentralbanken und Finanzämer: die eigene unachtsame Vergesslichkeit.

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