Glosse: Das war meine Woche

Aus dem profil 43/2017

Ich verfolge gern kleine Sozialexperimente im Kurznachrichtendienst Twitter. Eines davon: Ein Twitterant hat irgendwo in seinem Büro ein paar Cent gefunden. Spaßeshalber platziert er sie auf einen Tisch, und jeden Tag legt er nun einige Kupfermünzen dazu. Der Mann möchte erfahren: Wie hoch muss die Summe sein, damit jemand das – scheinbar herrenlose – Geld an sich nimmt?

Das bringt mich zur Überlegung, wie ich selbst vorgehen würde. Zunächst würde ich wohl unterscheiden, ob das Geld auf einem Tisch oder auf dem Boden liegt. Bei Letzterem liegt die Vermutung näher, dass es tatsächlich jemand verloren hat – und nicht nur zwischenzeitlich kurz abgelegt. Also würde ich eher zugreifen.

Und ab welcher Summe? Vielleicht ab zehn Cent, schätze ich. Aber entspricht dies dem Verhalten der Mehrheit? In einem Internet-Blog findet sich dazu eine (zugegebenermaßen eher unrepräsentative) Online-Umfrage unter 104 Befragten. Verblüffendes Ergebnis: 53 Prozent geben an, sich selbst nach Ein-Cent-Münzen auf dem Boden zu bücken. Weitere 22 Prozent liegen mit ihrer Zehn-Cent-Grenze ungefähr gleichauf mit mir. Nochmals 22 Prozent ignorieren Zehn-Cent-Münzen und streben ausschließlich nach höheren Werten. Vier Prozent langen überhaupt erst bei Banknoten zu. Und das letzte Prozent? Gibt an, sich nie und nimmer nach Geld zu bücken.

Das ist eine mutige Ansage. Aber soll man sie glauben? Es muss doch irgendeinen Betrag geben, an dem das letzte Prozent seinen hehren Grundsatz über Bord wirft und das Geld aufhebt – und sei es zum Zweck, es zum nächsten Fundamt zu bringen.

Auf die Antwort auf diese Frage müssen wir noch lange warten. Das Twitter-Experiment steht gerade erst bei 28 Cent.

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Eingeordnet unter Wirtschaft

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