Geld-Kolumne: Das war meine Woche

Aus profil 27/2017

Von
Joseph Gepp

Ich lache, wenn ich lese, was Janet Yellen sagt: „Zu unseren Lebzeiten“ werde es keine Finanzkrise mehr geben, so die US-Fed-Chefin. Die Frau hat wohl länger keinen Blick nach Europa geworfen – und was hier geschieht, hat auch Konsequenzen für den US-Finanzmarkt.

Die Krise ist längst nicht ausgestanden. Notmaßnahmen verhindern, dass sie wieder voll ausbricht. Vergangene Woche etwa rettete der italienische Staat zwei Institute vor der Pleite, die Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca. Um 17 Milliarden Euro Steuergeld.

Eigentlich sollte derlei nicht mehr geschehen. Nach der Finanzkrise verpasste sich die EU ein sogenanntes Bail-in-System. Im Krisenfall müssen seither zuerst Bankgläubiger und -eigentümer zahlen. Und erst danach der Steuerzahler.

Ist jedoch Feuer auf dem Dach, trachten Regierungen, das System zu umgehen. Im italienischen Fall etwa heißt es, sie seien zu klein, um unter das Regelwerk zu fallen. Eine Pleite hätte „eine dramatische Krise“ ausgelöst, sagt Finanzminister Pier Carlo Padoan. Italiens Geldgeber wären verunsichert, Unternehmen hätten gelitten, Sparer möglicherweise ihre Konten geplündert.

Deshalb entschloss sich die Regierung, die schlechten Teile der Banken zu übernehmen – etwa faule Kredite. Der Rest geht an die Mailänder Großbank Intesa Sanpaolo. An sie zahlt der Staat dafür noch fünf Milliarden. Der Aktienkurs der Intesa legte sogleich um vier Prozent zu.

Italien ist hoch verschuldet und wirtschaftlich schwach. Jetzt zahlt es Milliarden, um Regionalbanken zu retten. Wahrscheinlich wird damit tatsächlich Schlimmeres verhindert. Aber was, wenn das Land die nächste Krisenbank nicht mehr auffangen kann? Wenn Italiens Gläubiger das Vertrauen verlieren? Dann ist die nächste Finanzkrise da.

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