Das war meine Woche

Aus profil 17/2017

Kolumne: Joseph Gepp

Ich dachte immer, Schurkenstaaten lägen irgendwo weit, weit weg. Heute belehrt mich das US-Finanzministerium eines Besseren. Es reiht gleich zwei Nachbarländer Österreichs unter die weltgrößten Währungsmanipulatoren: die Schweiz und Deutschland. Warum nur?

Fall eins, die Schweiz. Sie gilt seit jeher als sicherer Hafen für jene, die ihr Vermögen vor wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen schützen (oder einfach verstecken) wollen. Spätestens seit der Eurokrise 2010 ergab sich daraus ein Problem. Weil viele schutzsuchende Euro zuströmten, stieg der Wert des Franken. Eidgenössische Waren im Ausland verteuerten sich. Als Gegenmaßnahme kauft die Schweizer Nationalbank Euro im großen Stil, um den Franken-Höhenflug zu bremsen.

Und Deutschland? Hier liegt das Problem bei der EZB in Frankfurt. Sie ist für den ganzen Euroraum verantwortlich – auch für die krisengeplagten EU-Südstaaten. Um ihnen zu helfen, senkte die EZB den Leitzins auf null. Dies verbilligt EU-Exporte außerhalb Europas. Dummerweise auch jene des boomenden Deutschlands, obwohl es ohnedies viel mehr exportiert als importiert.

Aber kann man in diesen Fällen wirklich von Manipulation sprechen? Die Schweiz verfolgt nicht primär das Ziel, Schweizer Exporte zu verbilligen – sie will vielmehr die Folgen des Ansturms panischer Kapitalbesitzer abfedern. Und: Ausgerechnet Deutschland protestiert gern lautstark gegen die EZB-Nullzinspolitik, weil sie deutschen Sparern die Zinsen wegfrisst.

Es gäbe Lösungen. Zum Beispiel höhere Löhne in Deutschland, sodass dessen Exporte teurer würden. Oder strenge Kontrollen im Schweizer Bankensystem, sodass es für Kapitalflüchtlinge weniger attraktiv ist. Doch solche Ansätze gehen über die Währungspolitik hinaus. Der Schweiz und Deutschland Währungsmanipulation zu unterstellen, dieser Vorwurf greift jedenfalls viel zu kurz.

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Eingeordnet unter Wirtschaft

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