Das war meine Woche

Aus profil 11/2017

Kolumne: Joseph Gepp

Ich frage mich, was ich anstellen würde, besäße ich 65 Millionen Dollar. Mir fiele sicher etwas ein. Aber auf das, was die Brüder Tyler und Cameron Winklevoss tun, wäre ich garantiert nicht gekommen. Die US-Amerikaner sind jenes Gespann, dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einst angeblich die Idee für sein soziales Netzwerk abgeluchst hat. Im Jahr 2008 erhielten sie als Entschädigung besagte 65 Millionen. Diese nutzen sie seither, um einen Plan voranzutreiben. Am kommenden Montag soll dafür die Bewilligung durch die US-Börsenaufsicht erfolgen: Die Winklevoss-Brüder wollen den weltweit ersten Bitcoin-Fonds gründen.

Bitcoin ist jene Krypo-Währung, die nur in Form digitaler Impulse existiert. Die Erzeugung neuer Bitcoins ist derart programmiert, dass immer weniger von ihnen entstehen, je mehr es bereits gibt. Die Bitcoins werden also knapper. So etwas freut Spekulanten. Der Bitcoin-Kurs schwankt zwar extrem, hat sich aber insgesamt in den vergangenen Jahren mehr als verfünffacht. Derzeit erreicht der Bitcoin nie gekannte Höhen; einer ist rund 1100 Euro wert.

Warum der Höhenflug? Eben wegen des geplanten Bitcoin-Fonds. Sobald (und sofern) er zustande kommt, muss man nicht mehr auf komplexen und intransparenten Handelsplattformen Bitcoins erwerben, um von deren Wertzuwachs zu profitieren. Ich kann meine Euro stattdessen dem – vergleichsweise transparenten – Winklevoss-Fonds überantworten, der Bitcoins ankauft. Wenn der Bitcoin steigt, wird auch mein Geld mehr.

Wie wird sich der neue Fonds also auf den Wert des Bitcoin auswirken? Erraten! Er wird, zumindest kurzfristig, weiter steigen. Bis die Bitcoin-Blase möglicherweise platzt. Momentan aber reißen sich noch viele Anleger um Bitcoins.

All das erklärt wohl auch, warum sich die Gebrüder Winklevoss für ein derart schräges Projekt wie den Bitcoin-Fonds ins Zeug hauen. Sie besitzen nämlich laut eigenen Angaben ungefähr ein Prozent aller Bitcoins, die im Umlauf sind.

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Eingeordnet unter Wirtschaft

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