€ 322.590.000.000: Die Zahl der Zahlen

Aus dem FALTER 15/2015

Alle rechnen damit. Alle richten sich danach. Alle vertrauen darauf. Das Bruttoinlandsprodukt ist die wichtigste Kennzahl der Menschheitsgeschichte. Jetzt muss damit Schluss sein

Bericht: Joseph Gepp

Wo liegt wohl das Machtzentrum Österreichs? Vielleicht im Bundeskanzleramt am Ballhausplatz? Oder im Parlament am Ring? Vielleicht in den Zentralen der großen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP? Oder doch eher in den Chefetagen der großen Konzerne, bei Red Bull oder bei Raiffeisen?

Man weiß es nicht, und wahrscheinlich tragen alle diese Ort ihr Stück zu einem Netzwerk der Macht bei. Man weiß aber, wo die Mächtigen hinschauen, wenn es um das geht, was über ihre Macht entscheidet. Um ihre Wahlergebnisse und Geschäftsberichte, um ihre Gewinnerwartungen und Stimmungsbarometer.

Guglgasse 13, elfter Bezirk, Wien. Es gibt prestigeträchtigere Adressen als diese hier, einen Glaskasten, in dem sich die Büros dicht aneinanderdrängen. Wenn Ursula Havel aus ihrem Bürofenster im fünften Stock schaut, blickt sie über einen asphaltierten Hof hinweg auf die Gasometer und die Dächer des Arbeiterviertels Simmering. Havels Büro könnte man sich standardmäßiger kaum vorstellen: ein grauer Teppichboden, drei Zimmerpalmen, ein kleiner Konferenztisch, zur Ablage umfunktioniert. Abgearbeitete E-Mail-Ausdrucke dort markiert sie mit einem kleinen Hakerl.

Havel, 55, studierte Volkswirtin und Wienerin, dunkler Blazer, dunkle Haare, leitet die Abteilung Volkswirtschaft in der Statistik Austria. Jedes Jahr in der zweiten Junihälfte tritt eine Mitarbeiterin aus der EDV in ihr Büro. Dann überreicht sie Havel das, was rund 800 Statistik-AustriaMitarbeiter das ganze Jahr hinweg in ihren Computern ausgerechnet haben. Die Zahl, um die das ganze Land sich dreht. Die Zahl der Zahlen.

322.590.000.000 Euro betrug sie im Jahr 2013. Oder, dividiert durch die Zahl der Einwohner Österreichs, 38.050 Euro pro Person.

Das Bruttoinlandsprodukt, abgekürzt BIP, ist der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr und einem Land hergestellt oder erbracht werden. Es zeigt, wie gut die nationale Wirtschaft läuft und ob sie weiterwächst. Das BIP ist die entscheidende Zahl in unserem Wirtschaftsund Gesellschaftssystem. Die deutsche Wirtschaftswoche nennt sie eine „Ein-Zahl-Religion, an deren Wahrheit wir unbedingt glauben“. Der Potsdamer Ökonom Philipp Lepenies bezeichnet sie in einem 2013 erschienenen Buch als die „mächtigste Kennzahl der Menschheitsgeschichte“. Keine andere statistische Größe habe „jemals eine ähnliche Wirkung entfaltet“.

Wenn die Voest in Linz ein Stahlrohr gießt, fließt dessen Wert ins BIP ein. Wenn man sich beim Friseur ums Eck einen neuen Haarschnitt verpassen lässt, ebenso. Genauso wie der Wert einer Käsekrainer, die erst in einem Fleischereibetrieb hergestellt, ausgeliefert und schließlich am Würstelstand verzehrt wird. Alle Werte zusammen ergaben im Jahr 2013 eben jene 322,59 Milliarden Euro. Es waren – real, also unter Berücksichtigung der Inflation – rund 0,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Genau auf diese Wachstumsrate kommt es an.

Das BIP-Wachstum gilt als Indikator schlechthin für Fortschritt, Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg. Wenn die große Koalition in Österreich eine Steuerreform präsentiert, geht es ihr darum, das BIP-Wachstum zu steigern. Blickt der Westen neidisch nach Asien, tut er das, weil dort in vielen Ländern das BIP jährlich im zweistelligen Prozentbereich zulegt. Als sich der Kapitalismus gegenüber dem Kommunismus sowjetischer Prägung als überlegen erwies, bedeutete das, dass sein BIP stärker wuchs. Und wenn die neoliberalen Befürworter des Sparens mit den keynesianischen Freunden des Investierens über Griechenland streiten, glauben beide zu wissen, wie man das BIP am besten hochtreibt.

All das schlägt sich in den alltäglichen Debatten in Politik und Medien nieder. Immer geht es darum, wie man die Wirtschaft beleben oder ankurbeln könnte, sodass das BIP wächst. Doch kaum jemand spricht über das dahinterliegende Konzept. Sollen wir wirklich unbegrenzt an das BIP und an sein Wachstum glauben? Wer hat sich das überhaupt ausgedacht? Und wie funktioniert eigentlich die monumentale Rechenaufgabe Bruttoinlandsprodukt?

Ursprünglich konzipiert, um das Rüstungspotential in den USA im Zweiten Weltkrieg zu optimieren: Das Bruttoinlandsprodukt misst die gesamte Produktion an Gütern und Dienstleistungen pro Land und Jahr (Foto: Wikipedia)

Ursprünglich konzipiert, um das Rüstungspotential in den USA im Zweiten Weltkrieg zu optimieren: Das Bruttoinlandsprodukt misst die gesamte Produktion an Gütern und Dienstleistungen pro Land und Jahr (Foto: Wikipedia)

Wenn man diese Fragen an die Chefrechnerin richtet, Ursula Havel von der Statistik Austria, dann redet sie erst einmal die erste halbe Stunde gar nicht vom BIP. Es geht stattdessen um die „volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“ oder gar um das „europäische System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen“. Havel holt einen Wälzer aus dem Regal, 741 Seiten im A4-Format. Darin seien all jene Gesetze enthalten, die dafür sorgen sollen, dass die volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen in den EU-Staaten harmonisiert ablaufen. Auf weltweiter Ebene achtet die Uno darauf, dass man Staaten und Wirtschaftsentwicklungen miteinander vergleichen kann.

Das BIP ist zwar die wichtigste Zahl, aber bei weitem nicht die einzige im System der volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Andere heißen etwa Bruttowertschöpfung, Volkseinkommen oder private Konsumausgaben. Etliche Ökonomen, rund fünf Dutzend in Österreich, rechnen diese und andere Zahlen alljährlich aus. Alles zusammen ergibt ein komplexes, international strikt harmonisiertes System.

Das BIP ist darin zum Dogma geworden. Ausgedacht haben sich all das einst Wirtschaftswissenschaftler aus den USA und Großbritannien – eigentlich als eine Art Sonderinstrument im Zweiten Weltkrieg. Damals wollten die Staaten einen profunden Überblick über ihre Wirtschaftsaktivität erlangen, um ihr Rüstungspotenzial optimieren zu können. Später übertrug man das Konzept, dessen früheste Ursprünge im England des 17. Jahrhunderts liegen, auf Friedenszeiten, wie der Ökonom Lepenies in seinem Buch „Die Macht der einen Zahl“ schreibt. Nun hatte die Welt – vorerst die westliche, später auch der Rest – ein System an Richtwerten zur Verfügung, eine fixe Größe zur Definition und Berechnung des Wohlstands, den es anzustreben galt. Als sich nach dem Krieg tatsächlich Vollbeschäftigung und Massenkonsum einstellten, hatte das BIP seine große Bewährungsprobe bestanden. Die Ausweitung der Produktion, die es anzeigt, war zur unumstrittenen Richtschnur geworden. „Der Glaube an die Wichtigkeit immerwährenden Wachstums war selbstverstärkend“, schreibt Lepenies.

Bis heute soll die Zahl alles erfassen und abbilden, was auf dem Planeten gegen Geld von Hand zu Hand geht. „Wenn am Schwein eines Bauern Fleisch zuwächst oder am Baum eines Forstwirten Holz“, sagt Havel, „gilt dies als Investition und fließt damit ins BIP ein.“ Doch wie entsteht das BIP konkret, in der Praxis? In der gängigsten Weise startet dessen Ermittlung bei einem Unternehmer, der sich im Internet einloggt, um einen seitenlangen Fragebogen auszufüllen. Darin gibt er an, wie viele Waren er im vergangenen Jahr produziert oder wie viele Dienstleistungen er verkauft hat. Die größeren Unternehmer müssen dies – gesetzlich verpflichtend – machen, bei den kleinen behilft man sich zur Berechnung des BIP mit Steuerstatistiken und anderen Quellen.

Danach werden von den erzeugten Waren und Dienstleistungen die sogenannten „Vorleistungen“ abgezogen. Bei der Käsekrainer zum Beispiel darf der Standler, der sie verkauft, nicht ihren gesamten Wert angeben – dieser würde sich ja doppeln mit den Zahlen, die der Fleischproduzent anführt, aus dessen Firma die Wurst stammt. Also zieht der Standler etwa den Preis des Fleisches von seiner Summe ab. Und die Fleischerei zieht von ihrem Umsatz zum Beispiel den Wert der Energie ab, die sie an das staatliche Elektrizitätswerk bezahlt. „Wirtschaft ist ein Kreislauf“, sagt Havel. „Die Einnahmen des einen sind die Ausgaben des anderen.“

Den Kreislauf will man vollständig darstellen. Und die Wirtschaft soll als Ganzes jedes Jahr wachsen. Der Grund: Sie wird immer effizienter, weil Unternehmen miteinander konkurrieren. Aufgrund von Rationalisierungen, effizienterem Personaleinsatz und technischer Neuerungen, etwa im IT-Bereich, kann man heute mit dem gleichen Einsatz viel mehr erzeugen als früher. Die Produktivität wird also höher. Auch das zeigen die Zahlen der Statistik Austria: Im Jahr 2012 brachte eine Arbeitsstunde in Österreich durchschnittlich fast doppelt so viel Output hervor wie im Jahr 1996.

Das bringt ein Problem mit sich: Der Zuwachs der Produktivität bedeutet, dass das BIP stets steigen muss. Denn wenn man mit gleichem Einsatz immer mehr erzeugt, während das Ganze stagniert, werden immer weniger Arbeitskräfte gebraucht. Es gibt also mehr Arbeitslose. Die können weniger ausgeben, also schrumpft der Konsum. Das bedeutet wiederum weniger Wohlstand. Also ein kleineres BIP. Das BIP muss daher, soll das System stabil bleiben, immer zumindest im selben Ausmaß wachsen wie die Produktivität. Ökonomen sprechen von mindestens einem Prozent an notwendigem BIP-Wachstum pro Jahr.

In Österreich wuchs das BIP zuletzt real um 0,2 Prozent im Jahr 2013 und um 0,3 Prozent im Jahr 2014. Die Wachstumsschwäche ist kein österreichisches Phänomen: In der ganzen Eurozone etwa schrumpfte das BIP 2013 gar um 0,4 Prozent. Wegen solcher Zahlen hat die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang März eine nie dagewesene Intervention zur Wirtschaftsbelebung gestartet: Um mehr als eine Billion Euro kaufen die Währungshüter in den kommenden Monaten Staatsanleihen. Das Motiv dahinter: Die Gewinne auf die Staatspapiere sollen sinken. Die EZB hofft, dass die Anleger ihr Geld stattdessen in andere Felder stecken, zum Beispiel in Kredite für Konsumenten oder in Aktien von Unternehmen. Also in Bereiche, die mehr Produktion und Konsum hervorbringen sollen und das BIP wieder wachsen lassen.

Viele Kritiker sehen darin eine Art Doping.
Die Wirtschaft wächst nur noch dann, wenn man sie mit massenweise billigem Geld überschwemmt. Nicht nur das weckt bei immer mehr Menschen Zweifel am BIP, sondern etwa auch der massive Anstieg der staatlichen und privaten Verschuldung in den vergangenen Jahrzehnten. Wirtschaftswachstum scheint heute nur noch über Schulden zu funktionieren. All das wirft Fragen auf: Bedeutet ein größeres BIP immer noch automatisch steigenden Wohlstand, so wie in der Nachkriegszeit? Ist die Ausweitung der Produktion immer noch der richtige Weg?

Jedenfalls muss nicht alles, was für die Menschen gut ist, auch für das BIP gut sein. Wenn man beispielsweise seinem Nachbarn eine Bohrmaschine borgt, damit er sich keine eigene kaufen muss, nützt dies der Umwelt und dem sozialen Gefüge, aber nicht dem BIP. Wenn man weniger arbeitet und stattdessen zu Hause bleibt, um Bücher zu lesen, Fenster zu putzen oder kranke Angehörige zu pflegen, steigert dies vielleicht das eigene Wohl und jenes des Umfelds. Das BIP aber schmälert es.

Umgekehrt gilt: Übermäßige Verschuldung etwa kann dem BIP äußerst guttun. Im Vorfeld der amerikanischen Immobilienkrise wurden in den USA mit billigen Risikokrediten massenhaft Häuser errichtet – bis im Jahr 2008 die Blase platzte, das BIP einbrach und das ganze Weltfinanzsystem ins Wanken geriet. Auch Epidemien und Naturkatastrophen nutzen streng genommen dem BIP, weil sie mit teuren Aufräumarbeiten und Impfstoffentwicklungen einhergehen. Und wenn ein Autofahrer auf der Heimfahrt im Stau steht, steigert dies das BIP, weil er mehr Treibstoff verbraucht, als wenn er sein Ziel zügig erreicht.

So argumentiert US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Er meint: Wir sind zu Gefangenen unseres eigenen Systems geworden, das wir uns zur Messung und Mehrung unseres Wohlstandes geschaffen haben. Die Macht des BIP kehrt sich heute gegen uns. Wir brauchen eine neue Richtschnur, die nicht mehr nur auf die Zunahme der Produktion abzielt. Eine neue wichtige Zahl.

Stiglitz war Teil einer hochrangigen Expertenkommission, die der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy im Jahr 2008 einberief. In diesem Jahr brach wegen der Bankenkrise das BIP in vielen Ländern stark ein. Aufgrund dieser Probleme – und wohl auch aufgrund des traditionell schwachen BIP in Frankreich – erklärte es Sarkozy zu seinem Ziel, alternative Formen der Wohlstandsmessung erarbeiten zu lassen. Er rief die weltweit bedeutendsten Ökonomen zusammen. Neben Stiglitz leiteten die Kommission der Pariser Wirtschaftsprofessor Jean-Paul Fitoussi und der indische Entwicklungsexperte und Philosoph Amartya Sen.

Die Entwicklung des Wohlstands, so ihr Fazit, sei eine mehrdimensionale Angelegenheit. Subjektives Wohlgefühl müssten ebenso in eine neue Bewertung einfließen wie Umweltfaktoren, Fragen der Verschuldung und der Vermögensverteilung. Denn hohes Wachstum etwa hilft der breiten Masse nicht, wenn es nur den Reichen zugute kommt.

Auch die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hat inzwischen Vorschläge für eine Reform des BIP präsentiert. Genauso wie die EU: In einem Bericht der EU-Kommission von 2009 heißt es, das BIP liefere „nicht zu jeder Frage eine verlässliche Grundlage für die politische Diskussion“. Eine Eurobarometer-Umfrage von 2008 ergab, dass rund zwei Drittel der EU-Bürger mehr soziale und ökologische Indikatoren für die Bewertung von Wohlstand fordern. Deshalb forderte die Kommission seit 2009 „einen Datenrahmen, der neben den wirtschaftlichen systematisch auch ökologische und soziale Fragenstellungen einbezieht“.

An einem solchen Datenrahmen versucht sich derzeit
auch die Statistik Austria. „Wir haben 30 Indikatoren ausgewählt“, sagt Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer. „Ich weiß, das ist immer noch viel.“ Seit zwei Jahren publizieren die Statistiker nun einen dicken Jahresreport namens „Wie geht’s Österreich?“. Der Bericht gilt als Pionierprojekt in Europa; er soll ein runderes, fundierteres Bild vom Zustand des Landes liefern, als es das BIP vermag. Im Bericht finden sich, verständlich aufbereitet, etliche Angaben. Sie reichen vom subjektiven Sicherheitsempfinden der Bevölkerung über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bis hin zum Schadstoffausstoß bei Neuwagen.

Pesendorfer sitzt im selben Simmeringer Glaskasten wie Ursula Havel, die das BIP berechnet. Er will seinen Teil dazu beitragen, damit sich die Gesellschaft von der Fixierung auf das BIP löst. Eine „mächtige, weit überschätzte Konvention“ nennt er es. „Stellen Sie sich ein Auto vor“, sagt Pesendorfer. „Hinter dem Lenkrad sehen sie drei Anzeigen mit der Drehzahl, der Geschwindigkeit und dem restlichen Treibstoff. Sicherlich könnte man diese drei Informationen in eine Zahl packen, das wäre leichter zu erfassen. Aber wie aussagekräftig wäre es noch?“

Ein neues Messsystem dürfe deshalb nicht mehr nur aus einer Zahl bestehen, weil dies der komplexen Wirklichkeit des Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschehens nicht gerecht werde, sagt Pesendorfer. Außerdem kann sich eine einzige Zahl leicht in ein Dogma verwandeln. Zugleich ist sie aber auch leichter zugänglich und kommunizierbar als viele verschiedene Zahlen. Dieses Dilemma führt dazu, dass sich bislang, trotz aller Bemühungen, kein Nachfolgesystem des BIP durchsetzen konnte.

Eine Reform müsste hohe Hürden nehmen. Nicht nur die Anerkennung der politischen und wirtschaftlichen Eliten gilt es zu erringen. Auch die breite Masse, die gesellschaftlichen Debattenführer und die Medien müssen sich auf neue, kompliziertere Maßstäbe einstellen.

Wohlstand und Fortschritt allein im BIP abzubilden ist nicht mehr zeitgemäß – da sind sich die meisten Fachleute einig. In der Nachkriegszeit, als die Menschen arm waren, mag die Ausweitung der Produktion noch der Weisheit letzter Schluss gewesen sein. Heute, wo sie vieles besitzen, sollen neue Messsysteme für den Wohlstand her.

Doch bisher gibt es als Alternative zum BIP nur den Wildwuchs. Wer etwas anderes sucht als die Summe alles Produzierten, stößt vorläufig nur auf Zahlen. Viel zu viele Zahlen.

RAND-INFOS:

(-) Wie berechet man das BIP? In der gängigsten Berechnungsmethode (der sogenannten Entstehungsrechnung) zieht man vom Produktionswert die Vorleistungen ab (Erläuterungen dazu siehe oben). Das Ergebnis ist die sogenannte Bruttowertschöpfung. Zu dieser addiert man die Gütersteuern abzüglich Gütersubvention. Das Ergebnis ist das BIP. Je nachdem, ob man die Inflation herausrechnet oder nicht, kann es nominell oder real sein

(-) Das Nettoinlandsprodukt (NIP) kommt in der öffentlichen Debatte kaum vor. Man erhält es, wenn man vom BIP die Abschreibungen abzieht, also das, was die Betriebe aus Abnutzungsgründen ausgeschieden haben

(-) Das Bruttosozialprodukt (BSP) ist ein Vorgängermodell des BIP. Es unterscheidet sich geringfügig von diesem, weil man es mit Blick auf alle Inländer berechnet, während für das BIP das Inland als Maß gilt. Arbeitsleistungen von Ausländern in Österreich fließen etwa ins BIP ein, aber nicht ins BSP. 1982 sangen Geier Sturzflug noch: „Jetzt wird in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“

(-) Wie viel Wachstum
verträgt die Welt? Diese Frage stellt man sich schon, seit der Club of Rome 1972 seine Studie „Grenzen des Wachstums“ publiziert hat. Während die Wachstumsdebatte früher stark auf die Umwelt und Bevölkerungszahlen fokussiert war, gerät heute oft auch das BIP-Wachstum in den Blick. Wichtige Vertreter in Europa sind der deutsche Ökonom Niko Paech und der Brite Tim Jackson

(-) Drei Bücher zum Thema:

Philipp Lepenies: Die Macht der einen Zahl. Suhrkamp, 186 S., € 16,50

Philipp Lepenies: Die Macht der einen Zahl. Suhrkamp, 186 S., € 16,50

Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum. Leben und Wirtschaft en in einer endlichen Welt. Oekom, 248 S., € 13,40

Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum. Leben und Wirtschaft en in einer endlichen Welt. Oekom, 248 S., € 13,40

Statistik Austria: Wie geht's Österreich? 215 S., € 29,- oder kostenloser Download unter www.statistik.at

Statistik Austria: Wie geht’s Österreich? 215 S., € 29,- oder kostenloser Download unter www.statistik.at

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