Frankenkrise: Was geschieht nun mit Wiens Krediten?

Aus dem FALTER 5/2014

Kommentar: Joseph Gepp

Manchmal ist es schwer zu entscheiden, wer recht hat. Zum Beispiel bei den Schweizer-Franken-Krediten der Gemeinde Wien.

Die Situation: Rund ein Drittel seines Budgets hält das Rathaus in Franken. Was vor der Krise 2008 nicht als böse Spekulation galt, sondern als übliche Vorgehensweise, entpuppt sich seither als großes Problem. Denn der Franken hat in der Krise gegenüber dem Euro enorm an Wert gewonnen. Gerade hat er wegen Maßnahmen der Schweizer Zentralbank wieder einen Sprung hingelegt.

Soll die Gemeinde nun die teure Kröte schlucken, indem sie die Kredite zur Unzeit auflöst? Bevor alles noch schlimmer wird? Das lässt die Rathausopposition durchklingen. Oder stimmt vielmehr, was die rot-grüne Stadtregierung sagt? Nämlich: Keine Sorge, die Kredite laufen ohnehin bis in alle Ewigkeit. Bis die Schulden fällig sind, hat sich das Euro-Franken-Verhältnis längst wieder umgedreht. Und bis dahin sind lediglich (geringe) Zinszahlungen fällig.

Ein Stück weit ist der Opposition zuzustimmen: Gar nichts deutet darauf hin, dass der Euro gegenüber dem Franken wieder an Wert gewinnt. Im Gegenteil: Das Vorhaben der EZB, Staatsanleihen aufzukaufen, wird die Währung weiter schwächen. Damit explodieren die Fremdwährungsschulden noch mehr. Also: besser heute ein Inferno als morgen ein Super-GAU.

Andererseits: Würde man die Kredite jetzt auflösen, wäre dies eine finanzielle Katastrophe. Und wer weiß schon, wie die Welt – und der Euro – in, sagen wir, zehn Jahren ausschaut.

Fazit: Die Situation ist verfahren. Das Beste ist wohl, mit Bauchweh zuzuwarten. Und zu hoffen, dass künftig weiterhin die Möglichkeit besteht, zuzuwarten.

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Eingeordnet unter Das Rote Wien, Wirtschaft

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