Schuldenturmbau zu Basel

Aus dem FALTER 45/2014

Basel III zählt zu den wichtigsten Reformen für Banken seit der Krise. Was ist das eigentlich?

Fragen & Antworten:
Joseph Gepp

Seit dem Jahr 1974 ist Basel, Westschweiz, 180.000 Einwohner, Schauplatz einer der wichtigsten Maßnahmen zur internationalen Bankenregulierung.

Warum, was passiert dort?

Dort treffen sich Bankenregulierer aus Dutzenden Staaten: der „Basler Ausschuss“, der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich angesiedelt ist. Dieser legt Regeln für Banken fest, die dann von Staaten umgesetzt werden. Konkret waren das bisher „Basel I“ im Jahr 1988, „Basel II“ 2004 und „Basel III“ 2010. All diese Pakete sollen der Bankenwelt mehr wirtschaftliche Sicherheit bringen. Der aktuelle Wurf ist, wie man unschwer am Jahr erkennen kann, von der großen Bankenkrise 2008 geprägt.

Also hat Basel II wohl nicht ausgereicht.

Das kann man wohl sagen. Um die Unterschiede zwischen Basel II und III zu verstehen, muss man erst fragen: Worum geht’s bei den Basel-Paketen? Sie drehen sich im Wesentlichen um Höhe und Definition des Eigenkapitals. Das ist jenes Geld der Bank, das nicht aus Schulden besteht. Es handelt sich dabei vor allem um zwei Formen des Kapitals: jenes, das die Eigentümer in ihre Bank stecken, etwa Aktionäre. Und weiters jene Gewinne, die als Rücklagen in der Bank bleiben. Wobei es in der Praxis oft strittig ist, was als Eigenkapital und was als Schulden gilt.

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Moment! Was brauchen mich solche Details überhaupt zu interessieren?

Je mehr Eigenkapital, desto sicherer die Bank. Vor der Krise wirtschafteten Banken mit viel zu viel geborgtem Geld. Infolgedessen wäre das Finanzsystem beinahe kollabiert und musste mit Steuermilliarden gerettet werden. Die Eigenkapitalfrage ist, so technisch sie klingt, für Bankkunden, Kreditnehmer und Steuerzahler immens wichtig. Auch die EZB-Stresstests zielten jüngst auf die Frage ab, wie viel Eigenkapital den Banken im Krisenfall zur Verfügung stünde.

Warum macht Eigenkapital Banken stabiler?

Je mehr Schulden sie machen, desto höher der Betrag, mit dem sie spekulieren können. Und desto höher der potenzielle Gewinn – oder eben Verlust. Stellen Sie sich vor, Sie haben zehn Euro Vermögen und borgen sich zusätzlich 90. Mit den 100 Euro kaufen Sie ein Aktienpaket. Ihr möglicher Gewinn ist durch die Verschuldung viel größer. Verlieren allerdings Ihre Aktien nur zehn Prozent an Wert, ist das Eigenkapital dahin, und Sie sind pleite.

Okay, und was unterscheidet Basel II von III?

Allgemein gesagt definiert Basel III in Form eines dreisäuligen Modells strenger als bisher, was als Eigenkapital gelten darf und was nicht. Dazu gibt es erstmals den „Verschuldungsgrad“: Insgesamt darf das Eigenkapital nicht weniger als drei Prozent aller Geschäfte der Bank betragen.

Drei Prozent, das ist nicht viel.

Ja, in anderen Branchen der Wirtschaft liegt das übliche Eigenkapital viel höher. Viele Ökonomen fordern deshalb höhere Eigenkapitalquoten. Doch die Banken entgegnen: Für mehr Eigenkapital müssten sie Kreditvergaben einschränken. Und diese Drohung zieht in Zeiten schwachen Wachstums.

Wieso müssen Banken Kredite einschränken, wenn sie ihr Eigenkapital aufstocken?

Wenn Banken Geschäfte abbauen, sinkt die Höhe des nötigen Eigenkapitals -die Quote bemisst sich ja am Vergleich zur Größe ihrer Geschäfte. Ansonsten bleibt nur die Einbehaltung von Gewinnen als Alternative, um zu mehr Eigenkapital zu kommen: etwa weniger Dividenden an Aktionäre.

Also runter mit dem Eigenkapital, damit Kredite fließen!

Das hätten die Banken auch gern. Doch die Instabilität am Finanzmarkt wäre massiv. Die hohen Schulden wirken wie Doping auf Geschäfte und Profite: Es gibt einen kurzen Schub, der sich bitter rächt.

Nicht nur Banken klagen gern über Basel III, auch Unternehmer. Warum eigentlich?

Das hängt bereits mit Basel II zusammen, dem Vorgängerabkommen. Damals wurde festgelegt, dass Banken nicht für alle Geschäfte gleich viel Eigenkapital vorweisen müssen. Für riskante brauchen sie seither mehr als für risikoarme. Nun sind Unternehmerkredite riskanter als etwa Staatsanleihen. Wenn also eine Bank ohnehin an Eigenkapitallimits schrammt, wird sie bei Krediten aufpassen. Dazu kamen strenge Regeln, was Banken von Unternehmern als Kreditsicherheit akzeptieren dürfen.

Aber dass die EZB-Stresstests absolviert wurden, zeigt doch, dass das Finanzsystem heute auf dem richtigen Weg ist, oder nicht?

Auch das ist strittig. Zwar haben in Österreich fünf von sechs Großbanken die Prüfung bestanden. Doch die Kriterien beim Stresstest waren laxer als die Basel-III-Erfordernisse. Denn diese treten erst 2018 in Kraft, damit die Banken Zeit zur Vorbereitung haben. Bisher hat sich vor allem eines gezeigt: Der Weg zur Bankenstabilität ist steinig. Und eine Wirtschaft, die wächst und zugleich nicht von immer höheren und riskanteren Schulden abhängig ist, bleibt eine große Herausforderung.

RAND-INFO:

Basel III Drei wichtige Zahlen:

8 % beträgt die „Mindesteigenmittelquote“. So hoch muss das Eigenkapital im Vergleich zu den Aktiva sein, die nach Risiko gewichtet werden

3 % beträgt der „Verschuldungsgrad“ oder „Leverage Ratio“. So hoch muss das Eigenkapital im Vergleich zu allen Geschäften der Bank liegen

2018 tritt Basel-III endgültig und gänzlich in Kraft. Bis dahin laufen für die Banken noch Übergangsfristen

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Eingeordnet unter Wirtschaft

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