„Wir brauchen einen Wirtschaftsjournalismus für Dummies“

Aus der FALTER-Beilage „Die Krise verstehen“ 34/2014

Interview: Joseph Gepp

Reinhard Christl war Wirtschaftsjournalist, leitete bis 2014 Medien-Fachhochschulen in Wien und St. Pölten und ist heute als Medienberater tätig

Falter: Herr Christl, Sie fordern gern einen anderen Wirtschaftsjournalismus. Warum?

Reinhard Christl: Wirtschaftsjournalismus – und das sage ich als Ex-Wirtschaftsjournalist durchaus selbstkritisch – war immer eine Sache für Insider. Den Wirtschaftsteil einer Zeitung haben früher Banker, Finanzexperten, Manager und Volkswirte vom Wifo gelesen. Das hat sich jedoch spätestens seit der Finanzkrise massiv geändert.

Wieso?

Reinhard Christl fordert einen neuen Wirtschaftsjournalismus

Reinhard Christl fordert einen neuen Wirtschaftsjournalismus

Christl: Einerseits will man Antworten, wie man etwa sein Geld anlegen soll und ob die eigene Pension sicher ist. Andererseits ist heute die politische Berichterstattung stärker mit wirtschaftlichen Themen durchsetzt. Wer sich bei Globalisierung, Finanzkrise oder EU-Rettungsschirm nicht auskennt, kann nicht mitreden.

Was braucht ein neuer Wirtschaftsjournalismus?

Christl: Zunächst mehr Allgemeinverständlichkeit. Es müsste eine massive Übersetzungsarbeit aus dem Ökonomenjargon geleistet werden. Wir brauchen, wenn Sie so wollen, einen Wirtschaftsjournalismus für Dummies. Zweitens bräuchte es weniger strikte Ressortgrenzen im Journalismus – Wirtschaft, EU und Innenpolitik könnten beispielsweise ein Großressort werden.

In Medien wird derzeit überall massiv gespart. Liegen Probleme, wie Sie sie schildern, wirklich an der Verfasstheit des Wirtschaftsjournalismus?

Christl: Natürlich gibt es auch andere Faktoren. Neben dem Spardruck in den Medien denke ich hier etwa an die zunehmende Bedeutung der PR. Wenn auf einen Journalisten im Schnitt drei PR-Leute kommen, macht das bei ohnehin grassierendem Zeitdruck den Blick hinter die Kulissen immer schwieriger. Weiters möchte ich die wissenschaftliche Kultur nennen: Im angelsächsischen Raum etwa fühlen sich Akademiker viel stärker der Allgemeinverständlichkeit verpflichtet als im deutschsprachigen.

Welche Medien sollen Wirtschaftsinteressierte lesen?


Christl:
Auf Englisch etwa die Kolumne von Paul Krugman in der New York Times sowie den Economist. Im deutschsprachigen Journalismus rate ich zu Zeit und Spiegel. In Österreich kann ich etwa Eric Frey im Standard und Josef Urschitz in der Presse empfehlen, wenn es um die allgemeinverständliche Erklärung politisch-wirtschaftlicher Zusammenhänge geht.

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