Monatsarchiv: Juli 2014

Wird der Money Maker in Ruhe scheffeln, Herr Engelhart?

Aus dem FALTER 29/2014

Interview: Joseph Gepp

In der ORF-Fernsehshow „Money Maker“ scheffeln Rubbellos-Gewinner in einer Art Duschkabine Geld. Demnächst erwartet die Sendung einen besonderen Teilnehmer: Alexander Rüdiger, den Moderator von „Money Maker“. Rüdiger hat ein Rubbellos für seine eigene Show gekauft – und prompt gewonnen. Der Falter fragt Günter Engelhart von den Österreichischen Lotterien, wie man den speziellen Fall zu handhaben gedenkt.

Herr Engelhart, wie kann es sein, dass der Moderator von Money Maker selbst ein Money-Maker-Los zieht?

Nun, Rubbellose kann jeder kaufen, der über 16 Jahre ist. Dieses Alterslimit erfüllt zweifelsohne auch Moderator Alexander Rüdiger. Und offenbar hat Fortuna es gut mit ihm gemeint.

Wird er an seiner eigenen Show teilnehmen, während jemand anders moderiert?

Es ist ein einmaliges Ereignis, das wir in 18 Jahren Money Maker noch nie hatten. Aber ja, es wird ein Ersatzpräsentator organisiert, damit Alexander Rüdiger sich ganz aufs Duschen konzentrieren kann.

Kommen überhaupt alle Money-Maker-Teilnehmer ins Fernsehen?

Kommt bald selbst in die Geldkabine: Alexander Rüdiger, Moderator der ORF-Show "Money Maker" (Foto: Wikipedia)

Kommt bald selbst in die Geldkabine: Alexander Rüdiger, Moderator der ORF-Show „Money Maker“ (Foto: Wikipedia)

In die Gelddusche dürfen natürlich alle, die sich dafür mit ihren Losen qualifizieren. Das sind etwa 75 Kandidaten pro Jahr. In der TV-Show, deren Ausstrahlungsdauer im Vorhinein definiert wird, ist aber nur Platz für 56.

Nach welchen Kriterien entscheidet sich dann, wer ins Fernsehen kommt?

Nachdem Fernsehen Unterhaltung ist, berücksichtigen wir diesen Aspekt. Gibt jemand amüsante Antworten auf die ihm gestellten Fragen, hat er gute Chancen. Regt jemand zum Schmunzeln an, dann auch. Und, natürlich – wer viel Geld erscheffelt, dem ist die Ausstrahlung quasi sicher.

Wie viele der Money-Maker-Rubbellose verkaufen Sie pro Jahr – und wie viele davon führen in die Geldkabine?

Es wurden heuer 1,8 Millionen Lose aufgelegt, von denen theoretisch 100 in die Gelddusche führen. Theoretisch deshalb, da ja nie alle Lose einer Serie verkauft werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kurioses, Medien

Kommentar: Im Tiroler Reisezug zeigt sich Europas Asyl-Desaster

Aus dem FALTER 29/2014

Kommentar: Joseph Gepp

Vergangener Samstagabend, ein Reisezug nahe Innsbruck. Ein Schaffner findet 94 Flüchtlinge vor, die nach Deutschland reisen wollen. Er ruft die Polizei.

Seit Montag werden die Flüchtlinge nun nach Italien zurückgebracht, das Land, aus dem sie angereist waren. Zwar haben sie prinzipiell ein Recht auf Asyl: 91 der 94 Personen stammen aus Syrien. Der dortige grausame Bürgerkrieg hat bisher acht Millionen Menschen in die Flucht getrieben, das ist die Einwohnerzahl Österreichs.

Dennoch bekommen sie kein Asyl in Österreich oder Deutschland. Einmal mehr zeigt der Reisezug damit, in welch systemischen Wahnsinn sich Europas Asylpolitik verrannt hat.

Laut der europäischen Dublin-II-Verordnung ist jenes Land für die Asylwerber zuständig, in dem sie erstmals europäischen Boden betreten haben. Also südliche Länder wie Italien, Malta und Griechenland. Dort sind die Asylsysteme aufgrund des Flüchtlingsansturms am Kollabieren, der Norden hingegen bleibt relativ abgeschirmt. Teilweise untersagen Gerichtshöfe inzwischen sogar, Asylwerber in den Süden zurückzubringen, wegen der untragbaren Zustände.

Europa scheitert also daran, Verfolgten grundlegende Rechte zu gewähren. Reichere Nordstaaten lassen ärmere Südstaaten mit der Misere allein. Abhilfe würde eine simple Reform schaffen: die gerechte Aufteilung von Asylwerbern über alle Staaten, je nach Bevölkerungszahl und Steueraufkommen. Doch dies findet bislang keine Mehrheit.

Im EU-Parlament wäre zwar selbst die konservative Fraktion für die neue Verteilung. Doch es wehren sich jene Mitgliedsstaaten, die vom Desaster profitieren. Zum Beispiel Deutschland und Österreich.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Europa, Migranten

Im Rachen der Raika

Aus dem FALTER 26/2014

Ermittlungen zeigen, was für Geschäfte steirische Raiffeisen-Banker in Kroatien betrieben

BERICHT: JOSEPH GEPP

Wer an Bankenskandale denkt, dem kommen wohl New York oder London in den Sinn. Man denkt vielleicht an blankgeputzte Wolkenkratzer, in denen Investmentabteilungen großer Finanzkonzerne werken. Doch das muss nicht sein.

Es gibt auch Bankenskandale in kleinen Dörfern und Städten. Dort, wo man die Banker noch persönlich kennt. Zum Beispiel in der Südsteiermark.

Was in den vergangenen Jahren in Raiffeisen-Banken wie in Leibnitz, Halbenrain oder Sankt Stefan im Rosental geschehen sein soll, beschäftigt heute Staatsanwälte in Österreich und Kroatien. Dutzende Personen werden als Beschuldigte geführt – Bankchefs, Familienmitglieder, Bankmitarbeiter, Kreditvermittler und Notare.

Der Vorwurf: All diese Leute hätten rund 10.000 Kreditnehmer in Kroatien massiv geschädigt. Wucherzahlungen sollen kassiert worden sein, die nicht vereinbart waren. Exekutionen von Immobilien der Schuldner sollen seitens der Banken unverhältnismäßig schnell beantragt worden sein. Daraufhin sollen Privatfirmen von Raiffeisen-Managern genau diese zwangsversteigerten Immobilien erworben haben. Der Falter berichtete im Februar 2014 ausführlich.

Im Zentrum eines Skandals: die Raiffeisenbank von St. Stefan im Rosental in der Südsteiermark (Foto: Joseph Gepp)

Im Zentrum eines Skandals: die Raiffeisenbank von St. Stefan im Rosental in der Südsteiermark
(Foto: Joseph Gepp)

Nun liegen dem Falter Ermittlungsakten vor, die anhand eines Falls dokumentieren, wie die Kredit-und Immobiliengeschäfte der Raiffeisen-Banker abgelaufen sein könnten – und die mutmaßliche Bereicherung. Es geht dabei um August W., langjährigen Direktor von Raiffeisen St. Stefan. Laut den Akten soll er seiner Bank einen Schaden von bis zu 20 Millionen Euro zugefügt haben. Im Jahr 2012 wurde W. entlassen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Hintergrund der Causa: Es gibt in Österreich 494 kleine Raiffeisen-Regionalbanken, die weitgehend unabhängig agieren und eigentlich nur für ihr Einzugsgebiet zuständig sind – so wie St. Stefan. Dennoch stiegen einige der Banken ab 2005 ins Kroatien-Geschäft ein. Dort scheinen Bankdirektoren mitunter fragwürdige Geschäfte gemacht zu haben. So wie August W.

In Kroatien erzählen Schuldner wilde Geschichten über den Direktor. Er soll Kreditraten persönlich und in bar von Kreditnehmern abkassiert haben. Manchmal habe W. den Schuldnern gar Naturalien zur Bedienung von Krediten abgenommen, etwa Prosciutto und Trüffeln. Belege dafür finden sich jedoch nicht, alle Zahlungen sollen ohne Rechnung erfolgt sein.

Die österreichischen Ermittler indes interessieren sich bislang vor allem für eine von W.s Firmen, die 2007 gegründete Drwa-Immobilien. Registriert ist sie im Ort Sveti Ivan Zelina bei Zagreb. Anteile an der Firma halten W.s Ehefrau Martha sowie der kroatische Kreditvermittler Željko D.

Was hat die Firma mutmaßlich getan? Die Drwa kaufte ab 2007 Häuser und Grundstücke, deren Zwangsversteigerung vorher teils von der Raiffeisen St. Stefan durchgesetzt worden ist. Um den Kauf zu finanzieren, bekam die Firma Kredite von ebendieser Bank. Danach verkaufte Drwa die Immobilien überteuert weiter – wobei die Käufer wiederum Kredite aus St. Stefan erhielten. Diese Käufer stehen in einem „Naheverhältnis“ zu W., heißt es in einem Bericht der Finanzmarktaufsicht vom Februar. Bei den Geschäften könnten laut den Ermittlern „Bareinzahlungen auf private Konten“ von W.s Frau und Željko D. getätigt worden sein. Insgesamt sollen mindestens 1,3 Millionen Euro abgezweigt worden sein; der Weg weiterer 2,9 Millionen ist für die Ermittler „nicht nachvollziehbar“.

Die steirische Wirtschaftspolizei ortet „zahlreiche schwerwiegende Verfehlungen gegen Rechtsvorschriften des Geld-und Kreditwesens“. Nicht nur Bereicherung wirft sie W. vor, auch den „Aufbau bzw. die Verantwortung“ für Hochrisikokredite „in Höhe von 100 Millionen an kroatische Kreditnehmer“. Davon seien aktuell 50 Millionen ausfallsgefährdet – „wobei sogar ein Totalverlust nicht auszuschließen scheint“.

Der Falter hätte W. gern mit den Vorwürfen konfrontiert. Doch ein Kontakt war nicht herzustellen, weder bei der Raiffeisen St. Stefan noch beim steirischen Raiffeisenverband. Auch findet sich in den Akten keine Einvernahme von W. – aus Anwaltsbriefen geht nur hervor, dass er seine „Fehlleistungen als Bankdirektor“ anerkenne und Schadenersatz leiste. Der Raiffeisenverband – als Dachorganisation steirischer Raiffeisenbanken hat er die Pressearbeit über – will sich zum Fall W. wegen des „laufenden Verfahrens“ nicht äußern.

Vieles jedenfalls deutet darauf hin, dass es in anderen steirischen Raiffeisen-Banken ähnlich abgelaufen sein könnte wie in St. Stefan. Nicht nur klagen tausende kroatische Schuldner über extrem hohe Provisionen und Vermittlergebühren, die in keinem Vertrag vorgesehen sind – Kontoauszüge und Kreditverträge liegen dem Falter vor. Bis zu 30 Klagen und Sammelklagen sind deshalb derzeit in Kroatien gegen steirische Raiffeisenbanken anhängig.

Auch existieren noch weitere Immobilienfirmen in Kroatien, in die steirische Raiffeisen-Banker privat involviert sind.

Der Raiffeisenverband entgegnet auf all das, im Zuge einer vorläufigen Überprüfung hätten sich die Vorwürfe bislang „grosso modo (…) nicht bestätigt“. Man habe kein Interesse daran, in Kroatien „Liegenschaften zu erwerben“. Die Immobilienfirmen hätten lediglich den Zweck, im Interesse der Schuldner die Hauspreise hochzutreiben.

Wie weit der Skandal wirklich reicht, das wird man erst wissen, wenn Österreichs Ermittler Hilfe aus Kroatien bekommen. Bereits im Februar schickten sie eine Anfrage an die Staatsanwaltschaft Zagreb. Die Antwort lässt noch auf sich warten.

giebelkreuz

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Buch: Kleine Geschichte Russlands

Aus dem FALTER 26/2014

Rezension: Joseph Gepp

In einem knappen und grandiosen Büchlein aus der Beck’schen Reihe legt der Wiener Osteuropahistoriker Andreas Kappeler eine Historie Russlands vor.

Gegliedert in Epochen und Aspekte, erklärt Kappeler den mächtigen russischen Staat, die unterentwickelte städtische Kultur oder etwa die Rolle von Expansion und Extensivität.

Eine weitblickende und verständige Lektüre, die sich wiederzulesen lohnt.

Andreas Kappeler: Russische Geschichte. Beck Wissen, 112 S., € 9,20

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bücher, Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien

Piketty, der Star unter den Gleichheitsforschern, spricht in Wien

Aus dem FALTER 26/2014

Anfang des Jahres löste ein Ökonomiebuch eine kleine internationale Sensation aus: Auf knapp 700 Seiten weist der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty in seinem bahnbrechenden Werk „Capital in the Twenty-First Century“ nach, wie die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen seit Jahrzehnten zunimmt. Diese Erkenntnis ist zwar nicht wirklich neu, doch Piketty hat sie erstmals umfassend und gut lesbar zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Es ist wohl eines dieser Werke, für das die Zeit reif war – seit Erscheinen jedenfalls wird gleichermaßen angeregt wie kontroversiell über das Thema Ungleichheit diskutiert.

Am Freitag, 4. Juli, um 15 Uhr spricht Thomas Piketty auf Einladung der Arbeiterkammer im AK-Bildungszentrum in Wien. Der Eintritt ist frei, der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Der Andrang ist groß, daher wird zur raschen Anmeldung geraten. Die Anmeldefrist läuft noch online bis kommenden Freitag, 27. Juni.

Piketty wird über soziale Ungleichheit und ihre Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert sprechen.

Fr., 4.7., 15 bis 17 Uhr, 4., Theresianumgasse 16-18, Großer Saal

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Wirtschaft