Das Krankenhaus Nord oder: die Angst vor dem zweiten Skylink

Aus dem FALTER 22/2014

BERICHT: JOSEPH GEPP

Gibt es auf einer der größten und teuersten Baustellen Österreichs massive Probleme? Medienberichte und Aussagen von Betroffenen lassen zumindest darauf schließen.

Vergangene Woche berichtete die Presse über chaotische Zustände beim Bau des Krankenhauses Nord. Dieses errichtet derzeit die Gemeinde Wien über den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) in Floridsdorf. 785 Betten sind geplant, 825 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Der Rohbau wurde soeben fertiggestellt. Nächstes Jahr sollen, wie auf der KAV-Website zu lesen steht, die ersten Teile des Spitals in Betrieb gehen. So ist es zumindest angekündigt.

Doch nun zitiert die Presse aus einem vertraulichen Bericht der Begleitenden Kontrolle, einer Art Prüfabteilung am Bau. Zeitplan und Kosten seien nicht zu halten, wird darin gewarnt. Von „Auffassungsunterschieden“ ist die Rede, die dazu führen, dass beteiligte Baufirmen „in vielen Bereichen verspätet oder überhaupt nicht“ mit ihrer Arbeit beginnen könnten.

Nicht minder brisant ist ein Faktum, das das Baumagazin a3 kürzlich enthüllte. Demnach haben Installationsfirmen auf der Baustelle ein sogenanntes Beweissicherungsverfahren beantragt. Bei einem solchen – unter harmonierenden Geschäftspartnern sonst eher unüblichen – Verfahren hält ein Team auf Gerichtsbefehl den Status quo am Bau mit Fotos und Berichten fest. Intention: Die Firmen wollen sich für Prozesse absichern und „nicht später der Sündenbock sein“, wie einer ihrer Vertreter zu a3 sagte.

Hinter alldem steckt die Angst vor einem zweiten Fall Skylink: massive Bauzeit-und Kostenüberschreitungen, gepaart mit Schuldzuweisungen aller Beteiligten und negativen Medienberichten ohne Ende. Unter Kennern gelten Spitäler als besonders herausfordernde Bauten – neben Flughäfen.

Und was sagt der Wiener Krankenanstaltenverbund zu alldem? „Baukosten und Zeitplan halten“, verspricht Generaldirektor-Stellvertreter Udo Janßen im Falter-Gespräch. Maßnahmen wie das Beweissicherungsverfahren „unterstützen wir, um etwaige Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennen und einlenken zu können“.

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Eingeordnet unter Das Rote Wien, Soziales

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