Aus Geld mach mehr Geld!

Aus dem FALTER 40/2013

Mit System und Software wirbt Superfund um Kunden. Ein Infoabend beim Hedgefonds für kleine Leute

Reportage: Joseph Gepp

Es war einmal eine Zeit, in der der Wert von fast allem ständig wuchs. Wer sein Geld an die Börse brachte, konnte bald das Doppelte oder Dreifache zurückbekommen. Entsprechend florierten Firmen, die Finanzprodukte anboten.

Diese Zeit endete im Jahr 2008, mit dem Beginn der großen Wirtschaftskrise.

Montag vergangener Woche, der erste Herbsttag 2013, Superfund lädt zum Info-Abend für interessierte Anleger. Superfund ist eine Art Hedgefonds für den kleinen Mann. Ab 50 Euro im Monat ist man dabei. Wer sein Geld vor 2008 Superfund anvertraute, konnte hohe Gewinne einfahren. Seitdem allerdings geht es oft steil bergab. Deswegen gilt es heute, Kunden unter schwierigen Bedingungen zu gewinnen.

Es ist ein Konferenzraum in der Mitte von Wien, am Schwedenplatz, in dem sich die Interessierten versammeln. Gekommen sind Anzugträger, die wirken, als hätten sie schon Erfahrung an der Börse. Und Leute um die 60, oft Paare. Sie scheinen eher unbedarft in Sachen Anlegergeschäft, haben aber wohl einiges an Erspartem auf der Seite. Bei Nationalratswahlen haben sie vielleicht BZÖ oder ÖVP angekreuzt. Die Anzugträger nehmen ausnahmslos in den vorderen Reihen Platz, die Älteren in den hinteren.

An der Wand hängen Dagobert Duck, der in einem Superfund-Folder blättert. Und der Terminator mit seinen leuchtenden Androidenaugen. „Mit System gegen die Krise“ steht darunter.

Die Spezialität von Superfund ist, dass nicht etwa Fondsmanager oder andere Experten Anlageentscheidungen treffen, sondern vollautomatische Computersysteme. Der Firmengründer, der Wiener Ex-Polizist Christian Baha, 44, verdiente mit diesem Rezept seit den 1990er-Jahren mehrere hundert Millionen Euro. Heute lebt Baha die meiste Zeit in Monaco; kürzlich fand sich sein Name in den Offshore-Leaks. Manchmal sieht man am Schwedenplatz Bahas schwere Limousine samt Chauffeur vorfahren. Konsumentenschützer kritisieren an seiner Firma Intransparenz, hohe Verwaltungsgebühren und die Fokussierung auf schlecht informierte Kleinanleger.

Superfund-Zentrale beim Schwedenplatz (Foto: Reini Hackl)

Superfund-Zentrale beim Schwedenplatz (Foto: Reini Hackl)

Auf dem Podium beginnt ein junger Mann im Anzug zu sprechen. Er erinnert an Sebastian Kurz: glatt, gewandt, die Frisur sitzt. Bald übt der Mann Selbstkritik. „Die letzten Jahre waren wenig erfolgreich für uns.“ Diese Worte klingen offen und überzeugend. Manche Anleger bei Superfund haben in den vergangenen Jahren über 40 Prozent ihres Geldes verloren – in dieser Situation bleibt der Firma nur Selbstkritik, um neues Vertrauen wecken. Superfund stehe, so die Botschaft, kühl und sachlich zu Fehlentwicklungen. Wir schaffen es da raus, wir werden euch wieder Gewinne bringen. Und: Was ist schon die Alternative?

Der junge Mann wirft eine Powerpoint-Folie an die Wand, „Angriff auf das Vermögen“ steht da. Weil die derzeit niedrigen Sparbuchzinsen und die Inflation das Ersparte schwinden lassen, müsse man sein Vermögen aktiv am Finanzmarkt vermehren. „Sonst zählt man automatisch zu den Verlierern“, warnt der Mann. „Es geht um kalte, schleichende Enteignung.“ In den hinteren Reihen sitzt eine Frau in weißgeblümter Bluse, wie sie alte Damen gern tragen. Leise und langsam betet sie das Wort „Enteignung“ nach.

Diese Veranstaltung, merkt man bald, ist nicht wie eine dieser Verkaufsfahrten nach Ungarn, wo Pensionisten überteuerte Polsterbezüge angedreht werden. Hier geht es subtiler zu. Die Tatsache, dass man sich heutzutage „risikofrei nicht mehr zu den Gewinnern zählen kann“, erklärt der Mann weiter, habe auch eine gute Seite: „Die Leute sind nun bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Mit diesen Worten hat er das Dilemma fertig umrissen. Jetzt wartet das Publikum auf die Lösung.

Eine neue Powerpoint-Folie erscheint an der Wand, diesmal eine Grafik. Man sieht Gesichter, die Emotionen ausdrücken, Freude, Trauer und Wut. Daneben steht das Bild eines Computers als blitzblanker, sachlicher Gegenentwurf. „Mensch gegen Maschine“ steht darüber. Botschaft: Vor der drohenden Enteignung rettet uns allein die automatisierte Handelssoftware von Superfund. Dieses Wunderding, das Anlageentscheidungen unbehelligt von jedweder menschlicher Beeinflussung trifft, allein aufgrund von Kursentwicklungen der Vergangenheit, die mittels komplizierter Algorithmen in die Zukunft fortgeschrieben werden.

Weil das angeblich so ausgefeilte Computersystem im heftigen Auf und Ab der Kurse seit 2008 trotzdem massiv versagte, habe man „mehrere Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert“, erklärt der junge Mann. Das Ergebnis ist eine neue, abgeänderte Software. Sie funktioniert flexibler als ihre Vorgängerin und hält nur wenige Tage an Anlageentscheidungen fest. Damit will Superfund von stark schwankenden Kursen und Werten profitieren, aus denen sich keine klaren Tendenzen mehr ablesen lassen – wie es seit der Krise normal geworden ist. Das neue System sei ein Instrument für „orientierungslose Marktphasen“, sagt der Vortragende. Seit es im März 2013 in Betrieb ging, hat es drei Prozent an Wert gewonnen. Das ist zwar – bei viel höherem Risiko – nicht viel mehr als bei einem normalen Bausparvertrag. Angesichts der vorherigen Verluste gilt es aber schon als Erfolg.

Eine Zeitlang noch preist der Mann Details des neuen Systems, dann bittet er um Fragen. Nur wenige tröpfeln vom Publikum in Richtung Podium. Die älteren Paare in den hinteren Reihen bleiben still. Die Anzugträger fachsimpeln mit dem Vortragenden kurz über „Agios“ und „Management Fees“. Schließlich bittet eine lächelnde Frau im schwarzen Kostüm ans Buffet. Es gibt Sekt, Orangensaft und belegte Brötchen.

Mitarbeit: Lea Wieser

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