Monatsarchiv: September 2013

Spioniert unsere Polizei wie das FBI, Herr Sailer?

Aus dem FALTER 39/2013

Man kennt den Linzer Datenforensiker und Ex-Polizisten Uwe Sailer vor allem als Aktivisten gegen Rechtsextremismus. Der Falter befragt den Datenfachmann jedoch zu einem anderen Fall: dem Vorwurf der Supermarktkette Spar, die Behörde habe bei einer Hausdurchsuchung wegen möglicher Preisabsprachen eine „illegale FBI-Spionagesoftware“ eingesetzt.


Herr Sailer, was macht das Programm osTriage, das bei Spar zum Einsatz kam?

Uwe Sailer

Uwe Sailer

Wenn man es per USB mit einem laufenden Computer verbindet, ermittelt es beispielsweise die Anzahl der Festplatten, der verschlüsselten Datenträger, die Anzahl und Art der Dateien, User-Profile, Netzwerkverbindungen und Ähnliches. Diese Informationen spuckt das Programm schließlich als Excel-Tabellen und Textdateien aus.

Handelt es sich dabei um Spionage?

Meiner Ansicht nach überhaupt nicht. Es ist ungefähr so, wie wenn man bei einer normalen Hausdurchsuchung vermerkt, um welche Postadresse es sich handelt und wie viele Personen dort gemeldet sind – nur eben auf Computerebene.

Wird osTriage häufig bei Haus- oder Firmendurchsuchungen verwendet?

Ja, der Einsatz dieser Programme ist absolut gängig – und ich erinnere mich nicht, dass das jemals zu Protesten geführt hätte wie derzeit bei Spar.

Und was hat es mit dem FBI auf sich?

Jene Version von osTriage, die bei Spar mutmaßlich zum Einsatz kam, ist tatsächlich eine Entwicklung des US-amerikanischen FBI. Allerdings kann diese Adaption nicht etwa mehr als die Standardversion, sondern weniger. Laut meinen Informationen ist sie eine massiv abgespeckte Variante einer Forensik-Software. Dafür dürfte sie schneller funktionieren als die normale Version.

Verstehen Sie die Kritik von Spar an den Behörden?

Nach all den Informationen, die mir vorliegen: nicht im geringsten. Es handelt sich um eine Standardsoftware, die völlig unbedenklich ist und nichts mit Spionage zu tun hat.

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Eingeordnet unter Konsum, Kurioses

Fluglärm: Liesing diskutiert mit den politischen Parteien

Aus dem FALTER 37/2013

Was den Bewohnern der inneren Wiener Bezirke oft weit entfernt scheint, quält jene von Favoriten, Liesing oder Donaustadt tagtäglich: der Fluglärm. Denn über diese dichtgebauten Randbezirke verlaufen die wichtigen Schneisen, wenn die Flugzeuge am Flughafen Wien-Schwechat starten oder landen.

Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Liesing ist eine der umtriebigsten, wenn es um das Thematisieren des Problems und die Suche nach Lösungen geht. So auch am Mittwoch, den 11. September, wo die Initiative das Thema noch vor der Wahl debattieren will.

Geladen sind Vertreter aller Parteien, von der SPÖ bis zum Team Stronach. Diskutiert werden soll, wie man Flugrouten verlegen könnte, sodass sie über möglichst dünnbesiedeltes Gebiet gehen – und an welchen politischen, organisatorischen und ökonomischen Widerständen das bislang scheitert. Zudem wird die Errichtung der dritten Piste am Flughafen debattiert. Ihretwegen befürchten Kritiker in Zukunft eine noch größere Lärmbelastung in den Randbezirken. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Diskussion zum Thema Fluglärm am 11. September, 19 Uhr in der VHS Liesing (23., Perchtoldsdorfer Straße 1).

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Eingeordnet unter Bürgerbeteiligung, Das Rote Wien, Wien

Sie wollen ihre Kirche: Schönborns Ärger mit der polnischen Gemeinde

Aus dem FALTER 34/2013

Joseph Gepp

Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit tobt in Wien seit Monaten ein kleiner Glaubenskrieg. Es geht um die Pfarre Neulerchenfeld in Ottakring. In dieser Kirche feiern Wiens polnische Katholiken ihre Messen auf Polnisch. Doch die Erzdiözese will das Gebäude an die christlich-orthodoxen Serben verschenken. Diesen nämlich stehen – ganz im Gegensatz zu den Katholiken – viel zu wenige Kirchengebäude in Wien zur Verfügung.

Womit Kardinal Schönborn jedoch nicht gerechnet hat, ist der massive Widerstand der Polen unter Pfarrer Tadeusz Cichon. Ihnen wurde zwar die unweit gelegene Kirche Mariä Namen als Ersatzquartier angeboten. Doch die Gemeinde argumentiert, viel Geld und Liebe in ihre alte Kirche gesteckt zu haben. Cichon und seine Mitstreiter wollen sie sich deshalb nicht nehmen lassen.

Inzwischen gingen sie sogar bis in den Vatikan, um ihr Anliegen vorzubringen – vergeblich. Jetzt wenden sich die Polen als letzte Möglichkeit an die Kleruskongregation, gewissermaßen ein Höchstgericht im Vatikan.

Die Erzdiözese Wien will trotz aller Widerstände an der geplanten Schenkung am Neulerchenfeld festhalten. Im Herbst soll sie nach jahrelanger Vorbereitung endgültig über die Bühne gehen.


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Eingeordnet unter Religion, Wien