Buch: Über Unglücksursachen

Aus dem FALTER 31/2013

Ob Kraftwerksausfälle. Umweltkatastrophen oder Zugsunglücke wie gerade in Spanien – das Procedere ist meist dasselbe: Wenn irgendwo ein schlimmer Unfall passiert, wird oft eine möglichst hochrangige Kommission beauftragt, die Ursache zu klären und das Vertrauen wiederherzustellen.

Einer solchen gehörte im Jahr 1986 auch der US-Physiknobelpreisträger Richard Feynman an. Es war jene Kommission, die im Auftrag von Präsident Ronald Reagan das Challenger-Unglück untersuchen sollte. Damals war ein Space Shuttle der Nasa kurz nach dem Start explodiert.

Feynman aber tat, was seine Auftraggeber gar nicht gern sahen: Er recherchierte wirklich. Und riskierte damit, die Nasa und US-Regierung in Misskredit zu bringen. Später verfasste Feynman einen Bericht, in dem er auf Dutzenden Seiten mit Ablenkungsmanövern, Mangelkommunikation und hohlem Expertentum abrechnet.

Der 1988 verstorbene Feynman lieferte damit eine geniale, schonungslose Innensicht, die viel über soziale Dynamiken erzählt – und übers Dagegensein. Die Ursache der Challenger-Katastrophe waren übrigens mangelhafte Dichtungsringe. JG

„Mr. Feynman geht nach Washington, um die Challenger-Katastrophe zu untersuchen.“ Aus: Richard Feynman: Kümmert Sie, was andere Leute denken? Piper, 256 S., € 10,30

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