Anti-Kirchen-Volksbegehren: eine verdiente Niederlage

Aus dem FALTER 17/2013

Kommentar: Joseph Gepp

Das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien blieb unter den Erwartungen. Mit 56.660 Unterschriften rangiert es auf dem letzten Platz unter Österreichs Volksbegehren. Freilich: Nicht einmal die Initiatoren selbst haben damit gerechnet, jene 100.000 Unterschriften zu erreichen, die zur Behandlung des Themas im Nationalrat notwendig sind. Ist es trotzdem eine verpasste Chance? Sind die Österreicher nicht reif für die Aufklärung?

Wohl kaum. Wer die Debatte um die Kirchenprivilegien verfolgte, hatte den Eindruck, dass sich manche Kirchengegner weniger aufgeklärt gebärden als – zumindest liberale – Kirchenleute. Sicher, die Wut über Missbrauchsfälle bei Katholiken ist berechtigt. Aber im Zug der Debatte war dieser Kritikpunkt nur einer von vielen. Heraus kam ein konturloses Gemisch aus mehr oder minder gehaltvollen Vorwürfen, das vor allem ein Klischee bediente: Im Hintergrund zieht eine mächtige Kirche die Fäden.

Religionen sollen absolute Privatsache sein, fordern die Kirchenkritiker aufgrund dieser angeblichen Erkenntnis. Aber ist das gut? Eine solche Forderung verkennt erstens, dass Religionen für Gläubige einen erprobten spirituellen Weg bieten, der vor übertriebener Manipulation schützt. Wenn anerkannte Religionen nicht mehr sein dürfen als private Vereine, wenn es keinen Kanon mehr geben darf, zählen Christentum, Islam und Judentum genauso viel wie jeder halbautoritäre New-Age-Guru. Zweitens übersieht die Forderung, wie wichtig Religionen für die mentale Verfassung einer Gesellschaft sind – man muss nur bei Max Weber nachschlagen.

Wie Religionen wirken, damit sollte man sich also befassen, in Schulen und an Unis – und nicht versuchen, sie rabiat ins Private abzudrängen.

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Eingeordnet unter Bürgerbeteiligung, Religion

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