Monatsarchiv: Oktober 2012

„Garten Löwenzahn“: Jetzt wird auch in der Brigittenau gegärtnert

Aus dem FALTER 41/2012

Joseph Gepp

Künstler, Stadtplaner und Ausstellungskuratoren beschäftigen sich mit dem Thema – kaum etwas ist in den vergangenen Jahren so wichtig geworden wie das Gärtnern in der Stadt.

Die Frage ist nur: Wo bekommt man im Häusermeer die freien Flächen her? Im Arbeiterbezirk Brigittenau haben sich Bewohner, Gemeinde und Gebietsbetreuung zusammen um einen Gemeinschaftsgarten bemüht.

Nun stehen hinter der Hellwagstraße 21 und 23 auf 300 Quadratmetern 30 Parzellen zum Beackern zur Verfügung. Welche Grätzelbewohner Gärten bekommen, entscheidet das Los. Die Ziehung findet gemeinsam mit dem Spatenstich am Freitag statt. F

Spatenstich: Fr, 12.10., 16 Uhr

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Eingeordnet unter Bürgerbeteiligung, Stadtleben, Wien

Herr Schwertner, was war da los in Floridsdorf?

Aus dem FALTER 40/2012

Telefonkolumne

Ein Vorfall wie dieser ist in Wien bislang nicht vorgekommen. Vergangenen Samstagvormittag fand auf dem Floridsdorfer Schlingermarkt ein afro-haitianischer Tanzworkshop statt. Unter dem Schlagwort „Tanz die Toleranz“ war er von der Caritas organisiert worden. Während der Veranstaltung kam es zu einer rassistisch motivierten Störaktion. Klaus Schwertner, Sprecher der Caritas Wien, berichtet.

Herr Schwertner, was ist da passiert in Floridsdorf?

In Kooperation mit der Stadt Wien und der Wiener Gesundheitsförderung fand unser Projekt „Tanz die Toleranz“ statt. Dabei kann man bei verschiedenen Tänzen mitmachen, damit die Leute sich begegnen und näher kennenlernen. Am Samstag gegen 11.40 Uhr sind plötzlich zehn Männer mit Affen-, Schweins- und Geistermasken gekommen. Sie hüpften wie wild herum. Die Teilnehmer wussten am Anfang gar nicht, was los ist, und dachten an Betrunkene. Die Gruppe hatte ein Plakat mit, auf dem „La Reconquista“ stand (die christliche Rückeroberung Spaniens im Mittelalter, Anm.). Und sie ließen kleine Zettel fallen mit den Worten: „Zertanzt die Toleranz“.

Was geschah danach?

Das Ganze ging sehr rasch. Die Maskierten verschwanden genauso schnell, wie sie aufgetaucht waren.

Männer mit Affenmasken störten eine Tanzveranstaltung in Floridsdorf (Foto: Caritas)

Wer könnte das gewesen sein?

Mithilfe des Schilds „La Reconquista“ sind wir im Internet auf eine Seite gestoßen, die sich „Wir für Wien“ nennt. Aber wir können nicht sagen, ob sie tatsächlich mit dem Vorfall im Zusammenhang steht. Bei den Kommentaren auf unserer Facebook-Seite hat sich außerdem eine Gruppe namens „Die Identitären von Wien“ zu der Aktion bekannt.

Welche Maßnahmen setzen Sie jetzt?

Wir haben die Begebenheit noch am selben Tag angezeigt. Bei der Polizei wurde uns aber gesagt, dass man den Vorfall nur wegen Ordnungsstörung verfolgen kann – ein rein verwaltungsrechtlicher Tatbestand. Deswegen prüfen wir derzeit mit einem Anwalt weitere rechtliche Schritte.

Anruf: Joseph Gepp

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Eingeordnet unter Wien

Politische Propaganda an den Schulen? Ja, unbedingt!

Aus dem FALTER 4/2012

Kommentar Bildung

Politiker werben für sich und ihre Parteien, wenn sie an Schulen Vorträge halten, fürchtet der Wiener Stadtschulrat. Deshalb verlangt er, dass künftig die hohen Besuche von amtlichen Aufpassern begleitet werden. Das nimmt dem Lehrer die Autonomie und kommt angesichts der nächstjährigen Nationalratswahl einem Besuchsverbot gleich.

Selbstverständlich treten die Politiker nicht aus Altruismus vor die Schüler. Aber sie deshalb fernzuhalten, ist eine denkbar schlechte Reaktion. Schließlich kommen die Jugendlichen mit der Politik so oder so in Kontakt. Und diese besteht eben über weite Strecken aus Populismus und mehr oder weniger subtilen Beeinflussungsversuchen.

Man sollte die Schüler also immunisieren und ihre Kritikfähigkeit herausbilden, statt sie im geschlossenen schulischen Rahmen vor Propaganda zu bewahren. Sonst läuft man Gefahr, dass sie später im echten Leben umso härter zuschlägt.

Zielführender als Restriktionen bei Besuchen wäre also ausreichend politische Bildung. Zum Beispiel könnte man sich nach dem Besuch ja genug Zeit nehmen, um über Methoden, Taktiken und Wortwahl des Politikers zu diskutieren. Wer an seinen Schulalltag zurückdenkt, weiß, wie befruchtend eine gute, interdisziplinäre Diskussion sein kann, solange ein guter Lehrer dafür sorgt, dass sie nicht ins Chaos abgleitet.

Dieser Gedanke geht über Politik hinaus und betrifft etwa auch die Themen Konsum und Medien: All die Herausforderungen der modernen Gesellschaft, all ihre Verführungen und Beeinflussungen sollten breitestmöglich Thema sein an der Schule. Denn vor dem Leben beschützen kann sie ihre Schüler ja doch nicht.

Joseph Gepp

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Eingeordnet unter Soziales, Wien